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- Huttens Letzte Tage - 10/16 -


Wir decken Dich mit duft'gen Rosen zu, Gen Himmel schwebest ungekreuzigt Du!

Die Du dem gläub'gen Spanier oft erschienst, Ihm glüht der Busen noch von Deinem Dienst.

Dir, Fürstin, werb' ich eine Companie Und führe gegen Deine Feinde sie.

Ein unbarmherzig Heer, das nie erschlafft, Versamml' ich unter meiner Hauptmannschaft.

Die Ketzer tötend, doch den Sündern mild, Bekehren wir die Welt zu Deinem Bild.

Wo wir zerstörte Tempel wieder weihn, Besteige, Göttin, den Altar allein!

Und wer zum Erdenweibe Dich entweiht, Gerichtet sei er und vermaledeit!...

Tauch unter, Schwan, und aus der Welle Schoß Erstehe doppelt blank und makellos!...

Du lächelst Deinem Knecht belohnend zu, In goldne Himmelsglorie schwindest Du..."

XLI Fiebernacht

Der Morgen graut--des Pilgers Stätte leer? Beim Hahnenruf verschwand gespenstisch er! Was ich geschaut, ist's Wahrheit? War es Traum? Schlief mit dem Teufel ich im gleichen Raum?

Es war ein Spuk! Es war ein Fieberwahn! Die welsche Fratze hat mir's angetan!

Nein, Wahrheit war's! Kein Morgenwind verweht Das andachtsvoll irrsinnige Gebet!...

Was quäl' ich mich? Unfähig ist der Tat Ein Frömmler! Doch ein Spanier? Ein Soldat?

Kein Mönchlein ist's, in Müßiggang erschlafft, Er hat des Kriegers Zucht und Willenskraft.

Er ist ein Schwärmer! Voller Selbstbetrug! Daneben ist er wie die Hölle klug!

Ein Weib vergöttern--Aberwitz und Schmach-- Von Even stammend, die den Apfel brach!

Dem Weibe schmeicheln ist der Schlange List! Ich Hutten weiß, was an den Weibern ist!

Der Wahrheit Trotz und Zorn und Fehdelust Hat keinen Raum in einer runden Brust.

Zutulich naht die üpp'ge welsche Kunst, Andacht verkuppelnd mit der Sinne Brunst.

Die Kirche steigt phantastisch wieder auf Und gürtet sich zu neuem Siegeslauf;

Mit feiger Fürstentyrannei gepaart, Steht sie um ihre Götzen fest geschart;

Der Drache Rom, getroffen bis ins Mark, Durch seine Wunde wird er wieder stark

Und von der Wahrheit Schwert des Kopfs beraubt, Wächst er empor mit einem gift'gern Haupt.

O Menschheit, qualenvoller Sisyphus, Der seinen Felsen ewig wälzen muß!

Ein flüchtig Vorgefecht hat mich genarrt, Jetzt erst erblick' ich meinen Widerpart.

Nun ich auf Erden meinen Tag vertan, Fängt sich der grimmste Feind zu zeigen an.

Verruchter Mördername: "Loyola!" Blut klebt an diesen roten Silben da.

Der Höllensendling wird die Welt durchziehn! Was stieß ich nieder nicht im Beten ihn?

Pfui, Hutten, Meucheltat! Das Fieber plagt Und rüttelt dich. Gottlob, der Morgen tagt...

Vielleicht war's eine Ausgeburt der Nacht? Und doch! Hätt' ich den Spanier umgebracht!

Menschen

XLII Die Bilderstürmer

Ich sprach: So, Hutten, kann's nicht länger gehn, Heut mußt du wieder einmal Menschen sehn! Und sprang ins Boot und bahnte mir den Pfad Mit Ruderschlag ans rechte Seegestad.

Ein stattlich Dorf erzielt' ich mit dem Boot-- Da regte sich's, als wäre Feuersnot.

Wo sich der Dorfbach in den See ergoß, Lärmt' eine Männerschar, ein Kindertroß.

Aus ihrem Kirchlein schleppten mit Geschrei Die Bilder ihrer Heil'gen sie herbei

Und warfen in die Flut den ganzen Hort Mit manchem schnöden Witz und frechen Wort.

Der Strudel führte weg den alten Graus Und wusch der Märtrer blut'ge Wunden aus.

Wachsherz, Votivgeschenk, Reliquienschrein Flog alles lustig in den Bach hinein--

Da werd' ich eines Steingebilds gewahr, Mit schwiel'gen Händen hob's ein Männerpaar

Und ich erschrak. Es war ein zart Gebild: Die Magd Maria lächelte so mild

Und sah das grobe Volk so rührend an, Als spräche sie: Was hab' ich euch getan!

Wie kam das Werk in dieses Kirchleins Raum? In Nürnberg selber sah ich Beßres kaum.

Man fühlte, daß ein Meister spät und früh Daran gewendet lauter Lieb und Müh.

Zerstören, was ein gläubig Herze schuf, Gehorsam einem leisen Engelruf,

Vernichten eine fromme Schöpferlust, Ein Frevel ist's! Ich fühlt's in tiefer Brust...

Gebiet' ich Halt? Ich? Ulrich Hutten? Nein... Ihr Männer, stürzt das Götzenbild hinein!

Ich trat hervor und rief's mit strengem Mund. Sie warfen. Etwas Edles ging zu Grund.

XLIII Der Trunk

Blaufarbne Krüge brachten her sie dann, Sie schenkten ein und das Gelag begann. --"Dem fremden Herrn ein Glas! Tut uns Bescheid, Wenn Ihr nicht einer von den Stolzen seid!

Stoßt an, Herr Ritter!... Ihr verzieht den Mund? Trinkt! Unser Wein ist süffig und gesund!

Potz Hagel! Ist Euch unser Wein zu schlecht? Seid Ihr ein Päpstler oder Fürstenknecht?

Schmeckt's?"--Köstlich.--"Noch ein Glas, und eines noch! Der deutsche Herr auf Ufnau lebe hoch!"

Ich trank und würgt'--es war ein saurer Schluck-- Und schied mit einem biedern Händedruck.

Ich machte mich davon mit guter Art Und lachte still ergötzt in meinen Bart:

Der ich dem Kaiser und dem Papst gedreut, Dem Volke zu Gefallen log ich heut.

XLIV Der Schaffner

Im Paradiese selber träfe man Wohl einen an, den man nicht leiden kann. So geht es mir auf diesem grünen Platz. Der Schaffner ist ein Schelm und ist ein Fratz.

Ich möchte höchstens in der Lese sehn Gekrümmt ihn unter einer Bütte gehn.

Ich Ketzer bin dem Klosterknecht verhaßt Und seinen Geiz verdrießt der arme Gast.

Er schielt. Er blinzelt gegen's Sonnenlicht Und meinen graden Blick verträgt er nicht.

Er wünscht mir: "Euch gedeih' der Aufenthalt!" Und betet: "Hole dich der Teufel bald!"


Huttens Letzte Tage - 10/16

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