Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything

Bride.Ru

Books Menu

Home
Author Catalog
Title Catalog
Sectioned Catalog

 

- Huttens Letzte Tage - 2/16 -


Solang die Seele noch die Fasten bricht.

Beschränket Euch auf dieses Eiland hier! Horcht nicht hinaus, horcht nicht hinüber mir!

Vergesset, Ritter, was die Welt bewegt Und Euch in jeder Fiber aufgeregt!

In dieser Bucht erstirbt der Sturm der Zeit: Vergesset, Hutten, daß Ihr Hutten seid!"

Für deinen weisen Ratschlag habe Dank! Ich sehe schon, ich bin zum Sterben krank.

Wie? Wenn der Papst die Christenheit betrügt, So ruf' ich nicht: Der arge Römer lügt?

Wie? Wirft die Wahrheit auf ihr kühn Panier, So jubl' ich nicht auf meiner Insel hier?

Wie? Springt ein deutsches Heer in heißen Kampf, So atm' und schlürf' ich nicht den Pulverdampf?

Wie? Sinkt der Sickingen, bedeckt mit Blut, So brennt mich's nicht, wie eigner Wunde Glut?

Freund, was du mir verschreibst, ist wundervoll: Nicht leben soll ich, wenn ich leben soll!

Das Buch der Vergangenheit

VI Das Geflüster

Erinnrung plaudert leise hinter mir Auf diesen stillen Inselpfaden hier. Sie rauscht im Eichenlaub, im Buchenhag, Am Ufer plätschert sie im Wellenschlag,

Und mag ich schreiten oder stille stehn, So kann ich ihrem Flüstern nicht entgehn.

Da streck' ich lieber gleich mich aus ins Gras! Erinnrung, rede laut! Erzähle was!

Hier lagre dich, zeig dein Geschichtenbuch! Und wir ergötzen uns an Bild und Spruch.

VII Gloriola

Wir malten eine Sonnenuhr zum Spaß, Als ich in Fuldas Klosterschule saß. Ringsum ein Spruch gedankentief und fein Und schlagend mußte nun ersonnen sein.

Herr Abbas sprach: "Zwei Worte sind gegönnt, Ihr Schüler, sucht und eifert, ob ihr's könnt!"

Hell träumend ging ich um, mich mied der Schlaf, Bis mich wie Blitzesstrahl das Rechte traf:

"Ultima latet." Stund um Stunde zeigt Die Uhr, die doch die letzte dir verschweigt.

Herr Abbas sprach: "Das hast du klug gemacht. Es ist antik und christlich ist's gedacht."

Manch Kränzlein hab' ich später noch erjagt, Wie dieses erste hat mir keins behagt;

Denn Süßres gibt es auf der Erde nicht Als ersten Ruhmes zartes Morgenlicht.

VIII Der Stoff

Als ich von hoher Schule Weisheit troff, Bat ich die Muse: Jungfrau, gib mir Stoff. "Wohlan, Herr Ritter", sagte sie, "bedenkt, Ob etwa jemand Euch das Herz gekränkt?"

Ich sprach: Die Lötze schenkten mir Gewand Und nahmen's wieder mir mit Räuberhand.

Zornmütiger Querelen zweimal zehn Ließ gegen Sohn und Vater ich ergehn.

Was, Muse, nun? Gib Stoff! Hilf ab der Not! Sie sang: "In Schwaben rinnt ein Bächlein rot."

Da rannt' ich wütend Herzog Ulrich an, Der Vetter Hansen schimpflich abgetan.

Und wieder sprach ich zu der Muse nun: Ich bin der starke Knecht. Frau, gib zu tun!

Sie lachte. "Ritter, mäßigt Euren Sturm! Sonst singt Ihr um den Steckelbergerturm."

Gib, Muse, Stoff! Erhöre mein Gesuch! Gib Stoff! Ein starkes, dauerhaftes Tuch!

"Ein sächsisch Mönchlein aus der Kutte schloff. Da, Ritter, habt Ihr einen guten Stoff!"

IX Epistolae obscurorum virorum

Wir scharten uns zu lust'gem Mummenschanz, Kapuzen über vollem Lockenkranz! Wir trugen Pfaffenlarven heuchlerisch Und blitzten draus mit Augen jugendfrisch.

Wir schlurften tappig mit Sandalentritt, Wir äfften nach bis auf der Kutte Schnitt.

Gründlich studierten wir beim Becherklang Der Mönchlein närrischen Gedankengang.

Die Dummheit haben wir mit Witz verziert, Die Torheit mit Sentenzen ausstaffiert!

Wir haben sie zum Spott der Welt gemacht, Wir haben uns und sie zu Tod gelacht!

Zu Tode? Nein. Wir haben sie geweiht Aristophanischer Unsterblichkeit.

Schleiferius! Caprimulgius! Ochsenhorn! Schlaraff! Der saubre Täufling Pfefferkorn!

Wir brachen keck in ihre Zellen ein Und hausten schlimm in ihrem Bücherschrein.

Wir sprachen ihr Latein--ergötzlich Spiel-- Und Briefe schrieben wir im Klosterstil:

"Laetificor archiangelice Cum una speciosa virgine!"

Hellauf! Der Narrenglöcklein schriller Schall! Und heißa, hussa, Jagd und Peitschenknall!

Die Pfaffen sprangen über Stock und Stein, Der Esel bockte, grunzend lief das Schwein.

Du Fest der jugendlichen Grausamkeit, Verklungen bist du längst! Streng ward die Zeit.

Als wir im losen Mummenschanz getobt, Da hat man unsres Witzes Salz gelobt;

Doch als die Wahrheit wir im Ernst gesagt, Da wurden wir, die Jäger, selbst gejagt.

Wir irren heimatlos, geächtet, arm Und essen fremdes Brot in Not und Harm.

Die Pfäfflein, denen unsre Hetze galt, Sie tafeln alle noch gesund und alt.

Die Mönchlein, die wir kniffen bis aufs Blut, Sie bechern alle wieder wohlgemut;

Und schneidet eines apfelschälend sich Und quillt ein Tropfen Bluts bescheidentlich,

So stöhnt es: "Würd'ge Brüder, schauet hier! Das blut'ge Märtertum erleiden wir!"

X Der Vetter Hans

Ein schöner Mensch, mit dem das Glück gedahlt, Hat dunklem Schicksal schweren Zoll bezahlt. Fortunens Liebling war der Vetter Hans, Der mich an Lebenskraft verdunkelt ganz.

Oft dacht' ich, dem die Wange früh gebleicht: In einem solchen Körper lebt sich's leicht!

Das Haupt mit dem gepflegten Bart, er trug's Siegreich und war von schlankem Edelwuchs.

Er ritt und focht und tanzte meisterhaft, War aller Fraun und Mädchen Leidenschaft.

Er freite flink. Das junge Weib gefiel Dem Herzog und der Teufel trat ins Spiel.

Der Herzog sank vor Vetter Hans aufs Knie: "Dein Weib! Nicht leben kann ich ohne sie!"


Huttens Letzte Tage - 2/16

Previous Page     Next Page

  1    2    3    4    5    6    7   10   16 

Schulers Books Home



 Games Menu

Home
Balls
Battleship
Buzzy
Dice Poker
Memory
Mine
Peg
Poker
Tetris
Tic Tac Toe

Google
 
Web schulers.com
 

Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything