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- Huttens Letzte Tage - 3/16 -


Das fand der Vetter Hans ein komisch Wort Und er bespottet's weidlich hier und dort:

"Der Herzog wendet an den Rechten sich! Den Mann ums Weib zu bitten! Lächerlich."

Das Lachen ward dem Herzog hinterbracht Und Vetter Hans hat sich zu Tod gelacht.

XI Der Ritter ohne Furcht und Tadel

Als in Pavia ich studierte, ward Mir dort gezeigt der tapfre Held Bayard. Der "Ritter ohne Furcht", der nie geflohn, Befehligte die welsche Garnison.

Nach längst verschollnen Moden trug er sich, Er und sein Knappe schritten feierlich.

Die abgekommne Cortesie erhob Er hoch und seufzt': "Das junge Volk ist grob!"

Entgegen hielt den Spiegel zücht'ger Zeit Er unsrer heut'gen Ungebundenheit.

Zu Grabe werde, gab er zu verstehn, Mit ihm der letzte wahre Ritter gehn.

Lang, hager, würdevoll, galant mit Fraun, Dabei ein bißchen komisch anzuschaun,

Hob er den Zeigefinger, wann er schalt, Als eine unvergleichliche Gestalt.

Man grüßte tief und raunte sich ins Ohr, Der "Ritter ohne Tadel" sei ein Tor.

Doch, daß ich sein gespottet, reut mich schwer; Denn, Hutten, bist du nicht ein Tor wie er?

Ins Abendgold hat er zurückgeschaut-- Dein Auge späht, wo kaum der Morgen graut.

Dein Ohr vernimmt durch Nebel und durch Nacht Den Siegesjubel einer künft'gen Schlacht.

Wie Mittagsglut hast du den Strahl verspürt, Der kaum der Berge Spitzen noch berührt.

Bayard sah das Entschwundene verschönt, Bayard, den du mit manchem Witz verhöhnt!

Er war ein Narr der eignen Phantasie-- Die Zukunft aber, Hutten, kennst du die?

Wer weiß, erlebst du noch die neue Welt, Ob sie dem fränk'schen Edelblut gefällt!

Wer weiß, ob nicht das Ziel, drob du verscherzt Der Erde Güter, ist's errreicht, dich schmerzt?

Bayard, der ohne Furcht und Tadel war, Vergib! Reich mir die Hand! Wir sind ein Paar.

Wir sind ein fahrend Ritterpaar, Bayard, Und taugen beide nicht zur Gegenwart.

XII Romfahrt

Erwerben wollt' ich fremder Muse Gunst, Den edlen Kranz der alten Redekunst. Latein gedrechselt hab' ich manches Jahr Und ein Latein, das schlank und zierlich war.

Nun blieb mir die Rotunde noch zu sehn, Als Pilger auf das Capitol zu gehn.

Am Wege traf ich manchen Lorbeerstrauch Und Myrtenbusch und manchen Fladen auch.

Gewölk und schneid'ger Wind und Tannenduft Bekommt mir besser als die welsche Luft.

Die Trümmer sah ich alter Römerpracht Zur Festung dienen einer Priestermacht.

Entartet und verheuchelt sah ich da Den Kopf des Claudiers und der Claudia.

Ich sah ein Weib, das mit sich handeln ließ, Die man die "allgemeine Kirche" hieß.

Ich fand von feiler Schreiberschar entweiht Die ciceronische Beredsamkeit.

Ich sah, wie man in dieser Pfaffenstadt Uns ohne große Kunst zum Narren hat,

Sah unsrer Väter Glauben in der Hand Ungläub'ger Priester als ein Gängelband.

Sag' ich es kurz und klassisch, was ich sah Am Tiberstrom? Cloaca maxima!

Mich freute Tempel nicht, noch Monument. Mein Volk verachtet sehn! Das würgt und brennt!

Mir den Geschmack zu bilden hofft' ich dort Und bitter war der Mund mir immerfort.

Mir gor das Blut, die Galle regte sich, Ich sprach: Jetzt, Hutten, schilt! sonst tötet's dich.

Vor Petri neuem Tempel höhnt' ich laut: Der Simon hat's mit unserm Geld gebaut!

Was soll die übermüt'ge Pfarre da Mit Zinne, Porticus und Statua?

Wir wissen es, wer hier zu Miete saß: Der unverschämten Hölle frechster Spaß!

Der Stier im Wappen sagt: Hie hat gehaust Der Borgia Lust, davor's dem Teufel graust!

Der zehnte Leo nun verkauft den Geist, Der über seinem roten Käppchen kreist!

Du malest, Raphael, zu seinem Glanz? Freund! Mal ihm einen dreisten Totentanz,

Damit der Unfehlbare nicht vergißt, Daß er, wie wir, ein armer Sünder ist.

Ich ging. Mit einem derben Kohlenstrich Beschrieb des Vaticanes Mauer ich:

"In diesen tausend Kammern thront der Trug! Ein Deutscher kam nach Rom und wurde klug."

XIII Die Ablaßbude

Und, sieh, da wälzte sich das Rad der Zeit, Wir traten mit der welschen Macht in Streit. Ich schrie: Ihr Männer, geht mir an die Hand: Des Papstes Ablaßbude wird berannt!

Erkaufen Gold und Silber Seelenheil, So steht es bald auf allen Märkten feil.

Die Ware wird von Jung und Alt gesucht Und nur der arme Schlucker bleibt verflucht.

Die Tasche wende jeder! Ist sie leer, So trete keck in unser Lager er!

Das rat' ich dir, du heilsbedürft'ger Mann, Der keinen Ablaßzettel lösen kann!

Wir greifen nach dem Himmel unverwehrt! Uns wird die Seligkeit umsonst beschert!

Ich sprach ein rauhes Deutsch in Hast und Zorn, Es dröhnte wie vom Turm das Wächterhorn.

Antwort erscholl wie Sturm und Meergebraus: "Herr Hutten, fasset an und räumet aus!"

XIV Lügengeister

Der Zaubrer Faust erschien am Hof zu Mainz, Er liebt der Kardinäle Purpur, scheint's. Verhangen ward ein Saal und blaß erhellt Für die Besuche der Gespensterwelt.

Der Kurfürst setzte sich. Ihm stand ich links. Der bleiche Magier harrte seines Winks.

Natürlich ging die erste Frage da Nach der erlauchten Bübin Helena.

Er rief der Leda Kind. Es zeigte sich Ein blanker Fuß und tanzte wunderlich.

Das leere Gaukelspiel, das mich verdroß, Entzückte den vernarrten Pfaffentroß.

Was schiert die Metze mich? Herr Nekromant, Seid Ihr mit edlern Toten nicht bekannt?

--"Wen fordert Ihr?" Den Kaiser Constantin! Er rief. Ein Purpurtragender erschien.

Ich frage Majestät, ob ihr gedenkt,


Huttens Letzte Tage - 3/16

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