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- Huttens Letzte Tage - 4/16 -


Daß sie dem Papst die ew'ge Stadt geschenkt?

"Ja", nickte das Gespenst. Wie? Wo? Und wann? Ein Märchen ist's, das Eigennutz ersann!

Es ist Betrug und das beweis' ich stramm Mit scharfer Kunst, die nennt man Criticam.

Du bist ein Pfaffengeist! Zur Hölle fort! Der Lügenkaiser schwand vor meinem Wort.

XV Das Hütlein

Es war in Brüssel vor dem Ständehaus. Die Sage ging: "Der Kaiser reitet aus!" Noch hatt' ich nie das junge Haupt geschaut, Dem wir des Reiches höchstes Amt vertraut.

Ein edles Roß ist unsre Zeit. Es stampft. Es wiehert mutig. Seine Nüster dampft.

Ob er die Zügel klug und kühn ergreift? Ob er's bewältigt? Ob's ihn wirft und schleift?

Da wir Poeten abergläubisch sind, Erdacht' ich ein Orakel mir geschwind:

Für diesen Kaiser gelte fort und fort Das erste seinem Mund entfallne Wort!

Er kam. Ein Hütlein trug er, meiner Treu, Mit Reiherfedern, funkelnagelneu!

Der Himmel macht' ein mißvergnügt Gesicht, Sich selber fragend: Regn' ich oder nicht?

Jetzt klatschten Tropfen auf das Pflaster schwer, Die junge Stirne legt' in Falten er

Und lugte sorgend zu den Wolken auf. "Mein altes Hütlein!" rief er, "Kämmrer, lauf!"

Ich aber sprach zu mir: Das wird nicht gut! Sein erster Ruf geht nach dem alten Hut.

XVI Das Kindlein in Mainz

O Mainz, du lust'ger Sitz, du traute Stadt, Die Huttens Feder oft belobet hat! Der Mainzer Albrecht war mir redlich hold Und bot mir manchen Trunk in purem Gold.

Er lauschte meinen kühnen Scherzen gern, Ich nannt' ihn meinen Freund und meinen Herrn.

Ich spottete vor seinem Ohre dreist, Er zürnte nicht, er ist ein freier Geist;

Doch in der Stunde der Versuchung, ach, Der Geist war willig und das Fleisch war schwach.

Ihm hielt ich Treue, bis er mich verstieß. Wo lebt der Freund, den Hutten je verließ?

Die Kanzelei von Rom schrieb Brief um Brief, Bis mich der Albrecht nicht mehr zu sich rief.

Geächtet wurde Luther und gebannt... Ich lebte von der Faust und streift' im Land.

Ein treuer Rüde, stahl ich wieder hin Zum Mainzer mich und still umschlich ich ihn.

Ich blickt' ihm ins Gemach; er saß beim Mahl, Landfremden Pfaffen bot er den Pokal.

Gemunkel ging: mit Luther sei's vorbei, Der eingetan und aufgehoben sei.

Die langen welschen Nasen nickten fein Und freuten sich an ihren Schelmerein.

Er lächelte! Mir gab es einen Stich-- Mein Edelfalke, Gott behüte dich!

Ade, mein Albrecht, mein verlorner Hort!... Ich schlich betrübt mich in die Krone fort,

Wo einst bei Becherklang ich manche Nacht Mit witzigen Gesellen durchgelacht.

Hier setzt' ich mich zu einem Kruge Bier, Des Wirtes Kind gesellte sich zu mir.

Das Mägdlein, mein' ich, stand im vierten Jahr, Ich fuhr ihm durch das blonde Ringelhaar:

Sag mir dein Nachtgebetlein, wie du's weißt! Das Kind hub an: "Gott Vater, Sohn und Geist,

Dein Name sei gelobt! Hüt uns vor drei: Vor Wassernot und Brand und Kriegsgeschrei!

Den Schiffern gnade Du in Nacht und Sturm! Sei Bruder Martins Burg und fester Turm!

Umschleicht ihn mit dem Dolch ein Mörder wild, So deck ihn, Herr, mit Deinem starken Schild!

Und leidet Dein Gerechter Hungersnot, So schick ihm Du durch Deine Raben Brot!"

Wer lehrte dich, mein Kindlein, dies Gebet? --"Die Mutter heißt mich's beten früh und spät."

Nun mein' ich aber, daß kein Leid geschieht Dem Mann, für den in Mainz ein Kindlein kniet.

XVII Die Mainzerspieße

Sie machten mir ein Kämmerlein bereit, Doch mied der Schlaf mich drinnen lange Zeit. Ich hörte, wie das Pflaster dumpf erklang: Die Mainzer Scharwach schritt mit schwerem Gang.

Mich heimelt's aus den alten Zeiten an, Denn oft mit diesem Heer gedieh mir Span,

Wann nächtlich ich, vom Humpen übermocht, Mit ihnen auf der Gasse klirrend focht.

Versuchte Männer sind's von Schluck und Hand, Geworben rings in Hoch--und Niederland.

Ich lauscht' im Finstern heiter und mir schien: Die Spieße sangen etwas vor sich hin.

Ein alter Bierbaß sang gemütlich vor Und zehen Bässe brummten nach im Chor:

"Das reine Wort sie sollen lassen stan Und dafür keinen Dank noch Löhnung han.

Gerichtet ist der Fürste dieser Welt, Uns tut er nichts, wie saur er auch sich stellt--"

Ich, von den Mainzerspießen auferbaut, Sang mit in meiner dunkeln Kammer laut:

"Drum fürchten wir uns wahrlich nicht zu sehr, Denn unser Gott ist eine starke Wehr."

XVIII Die Gebärde

's war in der Krone, daß mich einer fand, Der mich in meinem ersten Flaum gekannt. Der Ott von Gemmingen. Er drückte sich Durch das Gelag und rückte neben mich.

"He da!" Utz! Lieber Utz! Was ward aus dir? Bist du am Hof von Mainz ein großes Tier?

Bist Doctor juris utriusque du? Des Kaisers Schreiber oder Rat dazu?

Nein? Nun, was bist du denn? Des Hofgerichts?" Ich aber sagte trocken: Ich bin nichts.

Jetzt mustert' er mein ausgedient Gewand, Die hohlen Wangen auch, die magre Hand.

"Eins bist du: Siech! Das redet dein Gesicht!" Ich glaubte mich geheilt und bin es nicht.

Da streckt' den Finger er und zog damit Sich sauber um die Gurgel einen Schnitt.

Du rätst...? Er nickte. Drob hab' ich gelacht. Dann hab' ich der Gebärde nachgedacht.

Unleidlich scheint dem frohen Kind der Welt Dein Dasein, Hutten--drum verbrauch's als Held!

Wovor des kühnsten Mannes Busen zagt, Das sei von dir in freier Lust gewagt!

XIX Mißverständnis

Der Vater sprach zu mir mit leisem Hohn: "Verstehst du's, bau mir eine Presse, Sohn!" (Sie nennen Presse dort im Frankenland, Was andern Ortes Kelter wird genannt.)


Huttens Letzte Tage - 4/16

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