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- Huttens Letzte Tage - 5/16 -


Sprach's und verritt. Ich ohne viel Geschrei Berief die Meister schwarzer Kunst herbei.

Da ward gesetzt, gedruckt, gepreßt, gedreht, Viel tausend Blätter flogen rings verweht.

Auf einem ward dem Cajetan gedroht: "Schlagt, fromme Leute, den Legaten tot!"

Hier stand: "Und würd' ich drüber Lands verjagt, Ich Hutten breche durch, ich hab's gewagt!"

Und dort: "Die harsche Luft der Freiheit weht, Ich Hutten sporn' und stachle früh und spät."

Das war ein heißer und ein zorn'ger Wein, Den ich gepreßt am Steckelbergerrain.

XX Jacta est alea

Nachdem ich meinen großen Wurf getan, Da hub der Vater mich zu schelten an: "Du trittst mit Rom in Fehde? Bist du toll? Mich wundert's, Ulrich, wie das enden soll!

Poet war schlimm und klingt erbärmlich schon, Doch Ketzer ist noch weit ein schlimmrer Ton!

Erlebt' ich's nicht! Ein Sohn in Bann und Acht, Der meinen grauen Haaren Schande macht!

So, Ulrich, mehrst du deines Stammes Glanz? Jetzt gehst du halb zerlumpt, bald bist du's ganz!

Was kümmert dich, ob unser Haus zerfällt? Was kümmert irgend noch dich auf der Welt?

Wenn nur in Holzschnitt du und Kupferstich Den Lorbeer trägst--was anders kümmert dich?

Du lächelst? Du verziehst den Mund zum Scherz? Ich wußt' es nicht: du hast ein schlechtes Herz."

Der Vater sprach's und blickte finster drein, Mit Tränen bat das fromme Mütterlein:

"Mein süßer Ulrich, laß das böse Spiel!" Ich gab zur Antwort: Nein! Der Würfel fiel.

Mein Mütterlein, behalt mich lieb und gern! Bleib du mir milde wie der Abendstern!

Du kränkst mich, Vater, nicht, so herb du bist! Hier schlägt ein Herz, das guter Meinung ist.

Beleidigt dich mein abgebraucht Gewand, So laß mich treten aus des Hauses Band!

Ich sei ein Fremdling dir! Du bleibst in Ruh, Mein Gut, du teilst es meinem Bruder zu.

Und ärgre, Vater, dich am Lorbeer nicht, Der nur im Bildnis mir die Stirn umflicht!

Ich selber trage sonder Prunk und Glanz Im Leben einen schlichten Dornenkranz.

Wozu der Lorbeer? Das hat keinen Sinn. Ein jeder weiß, daß ich der Hutten bin,

Den weder Zeit noch Tod noch Acht noch Bann Vom Herzen seines Volkes scheiden kann!

Burg Steckelberg, die von der Höhe schaut, Von Frankens schönen Hügeln rings umblaut,

Die Brücke nieder! Öffne mir dein Tor! Ich reit' aus dir zum letzten Mal hervor.

Blas, Türmer, blas mir noch ein tapfer Stück! Ich fahr' in Kampf und kehre nicht zurück.

XXI Der Edelstein

Als ich gen Zürich ritt im Abendschein, Da rief ich aus: "Du schmucker Edelstein!" Bei Meister Zwingli lebte man nicht schlecht, Er deckte mir den Tisch mit einem Hecht.

Den hab' ich auf der Brücke dann verdaut, Lustwandelnd nahes Schneegebirg geschaut--

Da sah ich einen unterm Volke gehn, Von dessen Hute Geierfedern wehn.

Dem bog ich fluchend aus dem Wege schnell, Denn Herzog Ulrich war's, der Mordgesell!

O blaue Flut, o freier Bergeshauch, Gibst ein Asyl du dem Tyrannen auch?

XXII Der Comtur

Als ich entlang das helle Seegestad Nach Pfäffers ritt ins heiße Felsenbad, Wo man in Unterwelt und Wellenguß An schwankem Seile niederschweben muß,

Wo keck zur Hölle fahren Mann und Weib Und wiederkehren mit geheiltem Leib--

Fand ich in Küsnach gastlich Nachtquartier Und scherzend sagte der Comtur zu mir:

"Braucht Ihr Moneten? Tuet nicht verschämt! Der Pächter brachte zwanzig Gulden. Nehmt!

Werft keinen nieder! Hier ist's unerlaubt. Nehmt! Und Ihr habet bloß den Staat beraubt!

Mein teurer Ritter, nehmet ungeziert! Wir werden morgen säkularisiert

Und lieber als dem Staat, der alles frißt, Gönn' Euch ich's, der ein Mensch und Würfler ist."

Ich strich es ein und schwang mich in den Sitz Und lachte: Herr Comtur, Ihr habet Witz.

Und weiter oben, wo sich biegt der See Und nah und näher tritt der ew'ge Schnee,

Bespiegelt' in der Flut ein Eiland sich, Daran ich leichten Sinns vorüber strich.

Ich ließ es rechts im flücht'gen Wellenspiel Und ahnte nicht mein letztes Wanderziel.

Die Einsamkeit

XXIII Die Flut

In meine Kammer blickt das blaue Licht Der nahen Flut. Ich widerstehe nicht. Die Mittagssonne rüstet mir das Bad, Ich schleiche mich verstohlen ans Gestad.

Ich hab' es eilig. Wär' mein Pfleger hier, Mich hieß' er Waghals und verwehrt' es mir.

Zum Strande nieder führt mich diese Schlucht Und krause Wellchen plätschern in der Bucht.

Hinaus! Hinaus! Du abgrundkühle Flut, Wie tust du meinem heißen Herzen gut.

Mit blauen Bannern ziehst du weit heran Und immer neue Heere seh' ich nahn.

Die Reihen schlagen mit gelindem Prall Mir an die Brust und brechen sich am Wall.

Noch lob' ich meiner Arme Schwung und Zug-- Nur etwas sachter--eben Kraft genug.

Die Kunst des Knaben hab' ich nicht verlernt, Doch sind die Ufer weiter hier entfernt.

Ich schlug als Kind in übermüt'ger Lust Den sanften Main und trat ihn auf die Brust.

Da hab' ich unter mir zu sehn geglaubt Ein schilfbekränztes, göttlich mildes Haupt.

Es war mir immer nur zu nah das Land, Mich warf der Flußgott scherzend auf den Sand.

Was einst des Knaben Spiel und Freude war, Wird nun dem Mann zur Arbeit und Gefahr.

Er weiß es, wenn er ringt und wenn er strebt, Daß er auf einer Todestiefe schwebt!

XXIV Was die Glocken sagen

Heut geht am See ein endlos Glockenspiel, Mir scheint, die taufen und begraben viel.


Huttens Letzte Tage - 5/16

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