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- Huttens Letzte Tage - 6/16 -


Wann Menschenblut in neuen Adern kreist, Erneuert sich der träge Menschengeist.

Das Glöcklein sagt, das dort so kläglich schallt: Ein Päpstler steigt ins Grab vergilbt und alt.

Das Glöcklein sagt, das hier so lustig schellt: Es kam ein kleiner Protestant zur Welt.

XXV Astrologie

Ihr lieben Sterne tröstet allezeit, Wer dächte, daß ihr arge Zwingherrn seid! Ihr seid's! Als sich die Erde mir erhellt, Ward mir ein widrig Horoskop gestellt.

Weil, als ich kam, der Widder just geglüht, Bin ich von unverträglichem Gemüt.

Ein flackernd Himmelsirrlicht trägt die Schuld An meiner Wanderlust und Ungeduld.

Gewissen, lasse fürder mich in Ruh! Den Sternen schreib' ich meine Sünden zu.

Doch überleg es Hutten! Dreimal nein! Ein Sklave willst du nie gewesen sein.

Du bist ein Feind von jeder Tyrannei Und deine Sünden auch begingst du frei!

XXVI Homo sum

Ich halte Leib und Geist in strenger Zucht Und werde doch vom Teufel scharf versucht. Ich möchte meiner Seele Seligkeit Und bin mit Petri Schlüsselamt im Streit.

Am Tisch der Fugger speist' ich dort und hie Und schimpfte weidlich Pfeffersäcke sie.

Den Städterhochmut haßt' ich allezeit Und hätte gern ein städtisch Kind gefreit.

Auf ehrenfeste Sitten geb' ich viel Und fröne dem verdammten Würfelspiel.

Ich bin des Kaisers treuster Untertan Und riet dem Sickingen Empörung an.

Das plumpe Recht der Faust ist mir verhaßt Und selber hab' ich wohl am Weg gepaßt.

Ich bete christlich, daß es Friede sei, Und mich ergötzen Krieg und Kriegsgeschrei.

Der Heiland weidet alle Völker gleich-- Nur meinen Deutschen gönn' ich Ruhm und Reich!

Das heißt: ich bin kein ausgeklügelt Buch, Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch.

XXVII Ariost

Die Feder leg' ich weg. Heut ist ein Tag, Da keine Zeile mir geraten mag! Wie wend' ich ab der langen Weile Fluch? Ein Buch, Herr Pfarrer! Ein ergötzlich Buch!

--"Zu Dienst, Herr Ritter! Wenn Ihr Welsch versteht?" Ich konnt' es einst und meine noch, es geht.

Woher das Buch?--"Ein welscher Architekt Las drinnen hier und hat's nicht eingesteckt."

Roland in Furie. Verse, welscher Gauch? Nun, Verse machen kann der Hutten auch.

Nur keinen Schwulst, mein Dichter, keinen Frost! Dein Name lautet? Ludwig Ariost.

Mir unbekannt. Dein Erstling, junges Blut? Respekt! Ich bin ein Alter! Zieh den Hut!

Du hoffst, daß ich dich lese? Wahn! mein Kind. Ich sause durch die Blätter, wie der Wind.

Verwunschene Prinzessen--Drachenbrut-- Das tolle Zeug ist für die Kinder gut.

Was soll uns noch die bunte Wunderzeit? Wir fußen jetzt in harter Wirklichkeit.

Ein frisches Bild! Nun ja--ein feiner Spruch! Ei Zauber! Üppig Grün entsprießt dem Buch!

Da setzen zwei Verliebte sich hinein, Das Blatt gewendet und sie sind allein.

Es kracht! Ein Ritterpaar, das Lanzen bricht! Die Splitter fliegen auf zum Sonnenlicht

Und fallen nieder, schwärzlich angebrannt, Auf die Behelmten, die sich umgerannt.

Hanswurst, gemach! Das lohn' der Teufel dir! Verspottest du das löbliche Turnier?

Wes Geistes Kind? Laß sehen! Blättre, Hand! Ein Feldgeschütz erobert Held Roland

Und flucht der Kugel und dem Pulverknall, Als wären sie des Rittertums Verfall--

Der Sickingen erfuhr's, den, ach, ein scharf Gezielter Schuß zum Sterben niederwarf!

Gewiß, viel änderte der Pulverblitz! Und hier--das ist ein kapitaler Witz--

Hier läuft ein Kerl und schwingt die Halebard, Der's nicht bemerkt, daß er getötet ward!

Bei meinem Bart! Das Bild der alten Zeit, Die noch die Waffe führt und schilt und schreit,

Den jungen Tag bekämpft mit Trutz und List Und nicht bemerkt, daß sie verstorben ist!

Ich wittre, Welscher, deinen Schlich und Brauch, Des Witzes scharfen Bolzen schoß ich auch:

Aus wunderbaren Mären seh' ich braun Und lachend eines Schalkes Augen schaun.

Vor einer Fabelwelt verbeugst du dich Und grüßest hübsch--und machst sie lächerlich.

Was ich befehdet mit des Herzens Kraft, Zerstörst du mit des Scherzes Meisterschaft.

Ich reich' dir über das Gebirg die Hand, Mein Meister Ludowig im welschen Land!

In deines Maskenscherzes Fröhlichkeit Bist du, wie ich, ein echtes Kind der Zeit.

XXVIII Bin ich ein Dichter?

Das Lied des Welschen wandelt voller Glanz, Es schwebt wie Musenschritt und Grazientanz. Der Reim des Welschen hat ein hell Geläut-- Ob ich ein Dichter bin? Das plagt mich heut.

Du zweifelst, Hutten? Hat dich eines Tags In Augsburg nicht gekrönt der Kaiser Max?

Das gilt!... Auch neben diesem welschen Lied? Wär' ich am Ende bloß ein Verseschmied?

Ich bin ein Verseschmied! So nenn' ich mich! Am Feuer meines Zornes schmiedet' ich

Rüstung und Waffen zu des Tags Bedarf Und wahrlich, meine Schwerter schneiden scharf!

XXIX Der letzte Humpen

Herr Konrad der Comtur vergaß mich nicht Und seine Sendung lacht wie Sonnenlicht. Sie ist, ob auch in schlichtes Stroh gehüllt, Bis oben an den Rand mit Geist gefüllt.

Statt eines Briefs hat der Bequeme mir Geschickt das Fläschchen Rüdesheimer hier.

Dank! Einmal solche würz'ge Labe noch! Ihr Gutes hat die Pfaffengasse doch.

Der Arzt verordnet mir den Wasserstrahl, Wohlan, ich zeche heut zum letzten Mal!

Nicht brauch' ich dich zu schwenken, du bist rein, Du kommst vom Brunnen, hölzern Becherlein!

Herr Rüdesheim, was gibt's am Rhein? Wie geht's Der Klerisei von Mainz? Sie durstet stets?

Erlaucht, auf Schweizerboden keinen Stolz! Bequemet Euch in dies Gefäß von Holz!

Lab' ich allein mich aus dem Zauberquell?


Huttens Letzte Tage - 6/16

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