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- Gockel, Hinkel und Gackeleia - 10/39 -


Mit Hahn und Ring bei mir zu Haus!" Als auf dies Wort den Ring ich dreh', Bei Hanau hier im Wald ich steh'; Mit Amen schloß mein Frühgebet, Der Morgenschrei war ausgekräht Im Walde hier, was Hahn und Mann Zu Tadmor eben erst begann. Ich fand nicht Vater, Mutter mehr, Sie waren todt--die Hütte leer! Ich dreh' den Ring--"hätt' ich ein Schloß Und Knecht, Magd, Ochs und Kuh und Roß!" Und sieh das Schloß stand alsobald Mit Knecht, Magd, Ochs, Kuh, Pferd im Wald. Ich dreh den Ring--"hätt' ich zur Frau Das liebste Herz aus Hennegau, Und hätt' mein Hahn ein Hühnlein gut, Es würde eine edle Brut." Da hört' im Wald ich ein Geschrei Und eilt' mit Roß und Knecht herbei, Und bei der Hennen-Linde draus, Da hatt' ich einen blut'gen Strauß. Der Schrei von einem Fräulein war, Entführt von wilder Räuberschaar. Die Räuber schlug ich alle todt Und half dem Fräulein aus der Noth; Und in der Linde Schattenraum Sprach sie: "schon ründet sich mein Traum, Ich ward durch eines Hahnen Schrei Aus wilder Löwen Kralle frei, Giebt nun der Hahn mir noch den Ring, Dann Alles in Erfüllung gieng." Ich gab den Ring dem lieben Bild, Vereint ward unser Wappenschild; Urhinkel wars von Hennegau, Der Kaiser gab sie mir zur Frau. Ein Huhn sie mir als Brautschatz gab, Das von dem Hahnen stammte ab, Der einstens krähte hell und klar, Als Petrus in Versuchung war. Es bracht' dies edle Huhngeschlecht Aus Syria ein Edelknecht, Der bei Pilati Leibwach stand, Salm hieß er, aus Savoierland.-- Nun fing ich und mein edler Hahn Ein ritterliches Leben an; Ich hatte Söhnchen nach der Reih, Er Hahn und Hühnchen, Ei auf Ei! Ich dreht den Ring--den Grafenhut Hatt' ich sogleich, er stand mir gut.-- Doch als ich ward ein edler Greis, Gedacht ich an die weite Reis, Ins andere gelobte Land. Ich dreht' den Ring--"hätt' ich Verstand!" Da war ich klug wie Salomo Und sprach da zu Alektryo: "Ich hab den Ring bald ausgedreht, "Und du die Zeit bald ausgekräht, "Es naht der Ring der Ewigkeit, "Da mißt kein Hahnenschrei die Zeit; "Die Schlange beißt sich in den Schweif, "Ohn' End und Anfang ist der Reif, "Und da es geht zum Ende nun, "Sprich, was soll mit dem Ring ich thun?" Alektryo sprach: "hör' sey klug! "Du läßst wohl Geld und Gut genug "Den Söhnen dein, sie können sich "Als Grafen nähren ritterlich; "Gäbst ihrer Einem du den Ring, "Gar leicht ein Zank und Streit angieng; "Er wünschte sich solch Glück und Ehr, "Daß drüber er sein Seel' verlör'! "Da Keiner von dem Ring noch weiß, "Wird Keinem um den Ring auch heiß. "Dem Erstgebornen gieb das Haus, "Die Andern statte reichlich aus; "So soll jed Erstgeborner thun, "Bis alle Gockel bei dir ruhn. "Ich, dein Alektryo, füg' bei: "Aus der Gallinen erstem Ei, "Der Erstling der Alektryonen, "Soll stäts bei allen Gockeln wohnen, "Daß er vor Mißbrauch und Gefahr "Dem Haus den Ring im Kropf bewahr'. "So komm' dein Ring von Kropf zu Kropf, "Dein Grafenhut von Kopf zu Kopf. "Und wenn erlischt der Mannesstamm "Vom Gockelhut, vom Hahnenkamm, "Schlägt ab des letzten Gockels Schwert "Dem Schluß-Alektryo den Kopf. "Und Salomonis Ringlein kehrt "In Grafen Hand aus Hahnen Kropf. "Der letzte Sproß den Ring dann dreht, "Bis neu der Hahn vom Tod ersteht, "Der auf den Wunsch von einem Kind "Das End vom Liede schnell ersinnt." Zu mir dem Urgockelio Sprach so der Uralektryo, Und hat mit seinem Kopf gezuckt Und schnell in seinen Kropf verschluckt Den Siegelring des Salomo, Und hat dann dunkel, als Prophet, Den Schicksalsspruch mir vorgekräht, Der auf dem Grab und Wappen steht, Und richtig, ward er gleich verdreht, Noch heute in Erfüllung geht. Doch ich hab' nicht recht zugehört, Ich sprach im Bett zur Wand gekehrt: "Wer gab dem Hahnen den Verstand?" Dann reiste in das andre Land, Wohin den Weg noch jeder fand, Ich, der Urgockel, an der Wand!

Nach diesen Worten schwieg Urgockel still und war ein lebloses Steinbild wie vorher. Graf Gockel, der während der Explication die Bilder der Reihe nach betrachtet hatte, schüttelte den Kopf und sprach: "curios, curios, was doch einem Menschen alles passiren kann. Es ist und bleibt doch halt immer ein höchst merkwürdiger klassischer Boden, die Gegend zwischen Hanau und Gelnhausen!"--dann wendete sich Gockel zu Alektryo und fuhr fort: "o! nun weiß ich Alles, verstehe ich Alles, theurer schätzbarer Freund meines Stammes; aber sage mir doch, wenn es zu fragen erlaubt ist, wie ist dann dieser unvergleichliche Siegelring Salomonis eigentlich in deinen Kropf gekommen?"--da erwiederte Alektryo:

Urahnherr sterbend spie aus den Stein, Da schluckte ihn mein Ahnherr ein. Mein Ahnherr sterbend spie aus den Stein, Da schluckte ihn mein Großvater ein. Großvater sterbend spie aus den Stein, Da schluckt ihn mein Herr Vater ein. Herr Vater sterbend spie aus den Stein, Da schluckte ihn der Alektryo ein. Alektryo sterbend speit aus den Stein, Da kehrt er zu Gockel, dem Herren sein. Gallina todt, die Küchelchen todt-- Alektryo frißt nun mehr kein Brod. Er will nun sterben durch Grafenschwert, So wie ein edler Ritter es werth! Was Uralektryo prophezeit, Geht Alles in Erfüllung heut.

"Wohlan," sprach Gockel, "so will ich dann sogleich allhier ein hochnothpeinliches Halsgericht halten, du sollst Zeter über die Mörder der Deinigen rufen und strenge Genugthuung erhalten.--Dann aber will ich an dir thun, was du verlangst.--Rufe sogleich als Herold meines Stammes alle Bewohner dieses Schloßes vor die Schranken."

Da nun eben der Morgen graute, flog Alektryo auf die höchste Giebel-Mauer des Schloßes und krähte dreimal so laut und heftig in die Luft hinein, daß sein Ruf wie der Schall einer Gerichtstrompete von allen Wänden wiederhallte, und alle Vögel erwachten und streckten die Köpfe aus dem Neste hervor, um zu vernehmen, was er verkünde; und da sie hörten, daß er sie zu Recht und Gericht gegen die mörderische Katze vor den Raugrafen Gockel von Hanau rief, fiengen sie an, mit tausend Stimmen ihre Freude über diesen Ruf zu verkünden, schlüpften alle aus ihren Nestern, schüttelten sich die Federn und putzten sich die Schnäbel, um ihre Klagen vorzubringen, und flogen in den Raum der Kapelle, wo sie sich hübsch ordentlich in Reih und Glied in die leeren Fenster, auf die Mauervorsprünge und auf die Sträucher und Bäume, welche darin wuchsen, setzten und die Eröffnung des Gerichts erwarteten.

Als die Vögel alle versammelt waren, trat Alektryo vor den Hühnerstall, worin Hinkel und Gackeleia noch schliefen; und indem er gedachte, daß hier der Mord an der frommen Gallina geschehen, krähte er mit solchem Zorne in den Stall hinein, und schlug dermassen mit den Flügeln dazu, daß Frau Hinkel und Gackeleia mit einem gewaltigen Schrecken erwachten, und beide zusammen ausriefen: "o weh, o weh! da ist der abscheuliche Alektryo schon wieder, er ist gewiß dem Vater im Walde entwischt, wir müssen ihn nur gleich fangen." Nun sprangen sie beide auf und verfolgten den Alektryo mit ihren Schürzen wehend; er aber lief spornstreichs in die Kapelle hinein; wie erschrecken Hinkel und Gackeleia, als sie daselbst auf den Stufen des Altares den Gockel mit finsterm Angesicht das grosse rostige Grafenschwert in der Hand haltend sitzen sahen. Sie wollten ihn eben fragen, wie er wieder hieher gekommen sey, aber er gebot ihnen zu schweigen und wies ihnen mit einer so finstern Miene einen Ort an, wo sie ruhig stehen bleiben sollten, bis sie vor Gericht gerufen würden, daß sie sich verwundert einander ansahen. Der Hahn Alektryo gieng immer sehr traurig und in schweren Gedanken mit gesenktem Kopfe vor Gockel auf und ab, wie ein Mann, der in traurigen Umständen sehr tiefsinnige, verwickelte Dinge überlegt. Ja es sah ordentlich aus, als lege er die Hände auf dem Rücken zusammen. Auch Gockel sah einige Minuten still vor sich hin und alle Vögel rührten sich nicht. Nun stand Gockel auf und hieb mit seinem Grafenschwert majestätisch nach allen vier Winden mit dem Ausruf:

"Ich pflege und hege ein Hals-Gericht, Wo Gockel von Hanau das Urtheil spricht Und über den Mörder den Stab zerbricht."

Nach diesen Worten flog Alektryo auf die Schulter Gockels und krähte dreimal sehr durchdringlich. Frau Hinkel wußte gar nicht, was das alles bedeuten sollte, und schrie in grossen Aengsten aus: "o Gockel, mein lieber Mann, was machst du? ach ich unglückselige, er ist närrisch geworden!" Da winkte ihr Gockel nochmals zu schweigen, und sprach:

"Wer kömmt zu Rüge, wer kommt zu Recht?"


Gockel, Hinkel und Gackeleia - 10/39

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