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- Gockel, Hinkel und Gackeleia - 4/39 -


Mondschein spazieren geht, habe ich dich nicht gewarnt?"--Da antwortete Sissi:

"O Pfiffi, mein werther Bräutigam, mache mir keine Vorwürfe, ich zittere noch am ganzen Leibe vor der schrecklichen Katze, und wenn sich ein Blatt regt, fahre ich zusammen, und meine, ich sehe ihre feurigen Augen."--Da sagte Pfiffi wieder: "Du brauchst dich nicht weiter zu ängstigen, der gute Mann hier hat der Katze einen so großen Stein nachgeworfen, daß sie vor Angst schier in den Springbrunnen gesprungen ist."-"Ach!" erwiederte Sissi, "ich fürchte mich nur auf unsre weite Reise, wir müssen wohl noch acht Tage laufen, bis wir zu deinem königlichen Herrn Vater kommen, und da jetzt einmal eine Katze uns ausgekundschaftet hat, werden diese Freilaurer an allen Ecken auf uns lauern."--Da versetzte Pfiffi: "wenn nur eine Brücke über das Flüßchen führte, das eine halbe Tagreise von hier durch den Wald fließt, so wären wir bald zu Haus; aber nun müssen wir die Quelle umgehen."--Als sie so sprachen, hörten sie eine Eule draus schreien und krochen bang tiefer in die Mütze.--"Auch noch eine Eule," flüsterte Sissi, "o wäre ich doch nie aus der Residenz meiner Mutter gewichen," und nun weinte sie bitterlich.--Der Mäusebräutigam war hierüber sehr traurig, und überlegte her und hin, wie er seine Braut ermuthigen und vor Gefahren schützen solle.--Endlich sprach er: "geliebte Sissi, mir fällt etwas ein; der gute Mann, der uns in seine Mütze gebettet hat, würde uns vielleicht sicher nach Hause helfen, wenn er unsere Noth nur wüßte. Lasse uns leise an seine Ohren kriechen und ihm recht flehentlich unsere Sorgen vorstellen; ich will zuerst mit ihm sprechen, hilft das nicht, dann rede du in deinen süßesten Tönen zu ihm, wer kann dir widerstehen? Aber ja recht leise, damit er nicht aufwacht, denn nur im Schlafe verstehen die Menschen die Sprache der Tiere."--Sissi war sogleich bereit und nahte sich besinnend dem linken Ohre Gockels. Pfiffi aber lief zum rechten Ohre und sang, nachdem er sich auf die Hinterbeine gesetzt und seinen Schweif quer durch das Maul gezogen hatte, um seiner Stimme, welche durch das Kommandiren bei der letzten Revue etwas rauh geworden war, einen mildern Ton zu geben.

Ich bin der Prinz von Speckelfleck Und führe heim die schönste Braut; Die Katze bracht' ihr großen Schreck, Sie bangt um ihre Sammethaut. Ach, Gockel, bring uns bis zum Fluß Und bau uns drüber einen Steg, Daß ich mit meiner Braut nicht muß Den Quell umgehn auf weitem Weg. Gedenken wird dir's immerdar Ich und der hohe Vater mein; Ist's auch nicht gleich, vielleicht aufs Jahr Stellt Zeit zu Dank und Lohn sich ein.-- Doch was brauchts da viel Worte noch, Hart wird es mir, der edeln Maus, Vor deinem großen Ohrenloch Zu betteln.--Ich, der stets zu Haus Als erstgeborner Königssohn Gefürchtet und befehlend sitzt Auf einen Parmesankästhron, Der stolze Butterthränen schwitzt, Sag dir hiemit, erwähl' dein Theil, Nimm mich und meine Braut in Schutz, Schaff uns nach Haus gesund und heil, Sonst biete ich dir Fehd' und Trutz. Wenn uns die Katze auch nicht beißt, Maulleckend nur die Zähne bleckt, Miauend meine Braut erschreckt, Woran viel liegt, was du nicht weißt, Krümmt sie uns nur ein einzig Haar, Faßt uns ein wenig nur beim Schopf,-- Vielmehr,--frißt sie uns ganz und gar, So kommt die That auf deinen Kopf, Wonach du dich zu richten hast! Gegeben vor dem Ohrenloch Des Wirthes, auf der dritten Rast Von unsrer Brautfahrt, da ich kroch In seinen Aermel vor der Katz, Nebst meiner Braut aus großem Schreck, Worauf in seiner Mütze Platz Er uns gemacht. Prinz Speckelfleck. Punktum, Streusand, nun halte still, Ins Ohr beiß ich dir mein Sigill.

Nach dieser ziemlich unhöflichen Rede biß Prinz Speckelfleck den ehrlichen Gockel so derb ins Ohrläppchen, daß er mit einem lauten Schrei erwachte und um sich schlug. Da flohen die beiden Mäuse in großer Angst wieder in die Pudelmütze.--"Nein das ist doch zu grob, einen ins Ohr zu beißen," sagte Gockel. Da erwachte Frau Hinkel, und fragte: "wer hat dich denn ins Ohr gebissen, du hast gewiß geträumt. "-"Ist möglich," sagte Gockel, und sie schliefen wieder ein.

Nach einer Weile sprach Sissi zu Pfiffi: "Aber um alle Welt, was hast du nur gethan, daß der Mann so bös geworden?"--Da wiederholte ihr Pfiffi seine ganze Rede, und Sissi sagte mit Unwillen: "Ich traue meinen Ohren kaum, Pfiffi! kann man unvernünftiger und plumper bitten, als du? Die niedrigste Bauernmaus würde sich in unsrer Lage diplomatischer benommen haben. Alles ist verloren, ich bin ohne Rettung in die Krallen der Katze hingegeben durch deine übel angebrachte Hoffart.--Ach mein junges Leben, o hätte ich dich nie gesehen! u.s.w."--Pfiffi war ganz verzweifelt über die Vorwürfe und Klagen seiner Braut, und sprach: "Ach Sissi, deine Vorwürfe zerschneiden mein Herz, ich fühle, du hast recht; aber fasse Muth, gehe an das linke Ohr und wende alle deine unwiderstehliche Redekunst an--das linke Ohr geht zum Herzen, er erhört dich gewiß; o ich Unglücklicher, daß ich in die verwünschten standesmäßigen Redensarten gefallen bin!"--Da erhob sich Sissi, und sprach: "wohlan, ich will es wagen."--Leise, leise schlüpfte sie wieder an das linke Ohr Gockels, nahm eine rührende Stellung an, kreuzte die Vorderpfötchen über der Brust, schlang den Schweif wie einen Strick um den Hals, neigte das Köpfchen gegen das Ohr, und flüsterte so fein und süß, daß das Klopfen ihres bangen Herzchens schier lauter war, als ihr Stimmchen.

Verehrter Herr! Ich nahe dir Bestürzt, beschämt und herzensbang; Ich weiß, mein Bräutigam war hier Und ziemlich grob vor nicht gar lang; Auch war sein Siegel sehr apart, Mit Recht hast du ihn angeschnarrt! Weil er verwöhnt, von Noth entfernt, Als einz'ger Prinz verzogen ward, Hat er das Bitten nicht gelernt; Drum, edler Mann, nimms nicht so hart! Wie Grobseyn ihm, sey Höflichseyn Dir leicht, weil du erzogen fein. Er meints gewiß von Herzen gut, Doch kömmt beim Sprechen er in Zug, So regt sich sein erhabnes Blut, Und er wird gröber als genug. Bedenk, der Kinder Pfeife klingt, Wie ihrer Eltern Orgel singt; Doch reut's ihn immer hintendrein, Und in der Pudelmütze sitzt Jetzt krumm das arme Sünderlein Und seufzt und wimmert, daß es schwitzt, Und schimpft, daß ihm die Hofmanier So grob entfuhr zur Ungebühr. Bekennet hat er mir, der Braut, Die ihn erst tüchtig zappeln ließ, Ihm tüchtig wusch die grobe Haut, Die Nas' ihm auf den Fehler stieß, Und endlich, nach manch bitterm Ach, Dich zu versöhnen ihm versprach. Doch, daß ich selbst mich nicht vergess', Vergönne jetzt in Demuth mir Zu sagen, daß ich, was Prinzeß Bei Menschen ist, bin als ein Thier, Und zwar als kleine, weiße Maus, So schütt' ich nun mein Herz dir aus!-- Prinzeß Sissi von Mandelbiß Fleht dich um Ritterdienste an; Du weißt aus dem Aesop gewiß, Was für die Maus ein Löw gethan, Und wie ihm dankbar half die Maus Dann wieder aus dem Netz heraus. Auch meinem Bräutigam und mir Hilf sicher in das Mäusereich,-- Die Katz, das ungeheure Thier, Macht mich vor Schreck ganz todtenbleich! O hättest du ein Bischen nur Von Mausgeschmack und Mausnatur. O wüßtest du, wie weiß und zart, Wie lieblich ich an Leib und Seel, Gar nicht nach andrer Mäuseart, Ja unter allen ein Juwel, Du littest lieber selbst den Tod, Als du mich ließ'st in Katzennoth. Die Aeuglein sind wie Diamant, Die Zähne Perl und Elfenbein, Mein Leib ist zierlich und gewandt, Die Pfötchen rosenroth und klein, Die Oehrlein sind zwei Blumen zart, Die Nase einer Blüthe gleich; Wie Blüthenfäden ist mein Bart So rein, so fein, so weiß und weich. Schweig Mäulchen, pfiffiglich gespitzt, Von Schönheit, die der Leib besitzt, Sprich von der Kunst, dem Sinn, dem Geist, Von Leistungen, die jeder preis't,-- Denn, wie Frau Catalani singt, Mein Stimmlein bei den Mäusen klingt. Man hat mich drum als Gegensatz Oft Mausalani auch genannt, Weil Cata etwas klingt wie Katz, Hat man das Wort so umgewandt; Das Lani ließ man angehängt, Weil man dabei an Wolle denkt. Verläugne nicht dein Zartgefühl, Laß rühren dich durch meinen Sang, Denn lockender als Flötenspiel, Als Harfenton und Geigenklang Fleht er aus meiner Brust heraus: Beschütz die kleine weiße Maus! Bei deiner hohen Adelspflicht, Die dich zum Schutz der Damen weiht, Beschwör ich dich, verlaß mich nicht! Vielleicht ist ja der Tag nicht weit, Daß ich dir wieder helfen kann-- Doch danach frägt kein Edelmann! Wer mich zu retten einen Stein Der Katze in die Rippen warf, Wer zugab, daß der Liebste mein An meiner Seite schlummern darf In seiner Mütze weich und warm, Der schützt mich auch mit starkem Arm!


Gockel, Hinkel und Gackeleia - 4/39

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