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- Kater Martinchen - 5/24 -


ihm kaum bis ans Knie. Da kam derjenige, dem die Mütze gehörte, und trat ganz demütig vor den Finder hin und bat flehentlich, als hänge sein Leben dran, ihm die Mütze wiederzugeben. Johann aber antwortete ihm: "Nein, du kleiner, schlauer Schelm, die Mütze bekommst du nicht wieder; das ist nichts, was man für ein Butterbrot weggibt! Ich wäre schlimm daran mit euch, wenn ich nichts von euch hätte; jetzt aber habt ihr kein Recht an mir, sondern müßt mir, was ich nur will, zu Gefallen tun. Und ich will mit euch hinabfahren und sehen, wie ihr es da unten treibt; du aber sollst mein Diener sein, denn du mußt wohl. Das weiß ich so gut als ihr, daß es nicht anders sein kann, denn Klas Starkwolt hat mir es alles erzählt." Der kleine Mensch aber gebärdete sich, als ob er dies alles nicht gehört noch verstanden hätte; er fing seine Quälerei und Winselei und Plinselei wieder von vorn an, klagte und jammerte und heulte erbärmlich um sein verlornes Mützchen; aber als Johann ihm kurzweg sagte: "Es bleibt dabei, du bist der Diener, und ich will eine Fahrt mit euch machen", da fand er sich endlich drein, zumal da auch die andern ihm zuredeten, daß es so sein müsse. Johann aber warf seinen schlechten Hut nun weg und setzte sich die Mütze an seiner Stelle auf und befestigte sie wohl auf seinem Kopfe, damit sie ihm nicht abgleiten oder abfliegen könnte; denn in ihr trug er die Herrschaft.

Und er versuchte es sogleich und befahl seinem neuen Diener, ihm Speise und Trank zu bringen, denn ihn hungerte. Und der Diener lief wie der Wind davon, und in einem Hui war er wieder da und trug Wein in Flaschen herbei und Brot und köstliche Früchte. Und Johann aß und trank und sah dem Spiele und den Tänzen der Kleinen zu, und es gefiel ihm sehr wohl. Und er führte sich in allen Dingen mit ihnen beherzt und klug auf, als wäre er ein geborner Herr gewesen.

Und als der Hahn seinen dritten Krei getan hatte und die kleinen Lerchen in der Luft die ersten Wirbel anschlugen und das junge Licht in einzelnen weißen Streifen im Osten aufdämmerte, da ging es husch husch husch durch die Büsche und Blumen und Halme fort, und die Berge klangen wieder und taten sich auf, und die kleinen Menschen fuhren hinab; und Johann gab wohl acht auf alles und fand es wirklich so, wie sie ihm erzählt hatten. Siehe, auf dem Wipfel der Berge, wo sie eben noch getanzt hatten, und wo alles eben voll Gras und Blumen stand, wie die Menschen es bei Tage sehen, hob sich, als es zum Abzuge blies, plötzlich eine glänzende gläserne Spitze hervor; auf diese trat, wer hinein wollte, sie öffnete sich, und er glitt sanft hinab, und sie tat sich wieder hinter ihm zu; als sie aber alle hinein waren, verschwand sie und war auch keine Spur mehr von ihr zu sehen. Die aber durch die gläserne Spitze fielen, sanken gar sanfte in eine weite silberne Tonne, die sie alle aufnahm und wohl tausend solcher Leutlein beherbergen konnte. In eine solche fiel auch Johann mit seinem Diener und mit mehreren hinab, und sie alle schrien und baten ihn, daß er sie nicht treten möge, denn sie wären des Todes gewesen von seiner Last. Er aber hütete sich und war sehr freundlich gegen sie. Es gingen aber mehrere solcher Tonnen nebeneinander hin, immer hinauf und hinab, bis alle hinunter waren. Sie hingen an langen silbernen Ketten, die unten gezogen und gehalten wurden.

Johann erstaunte beim Hinabfahren über den wunderbaren Glanz der Wände, zwischen welchen das Tönnchen fortglitt. Es war alles wie mit Perlen und Diamanten besetzt, so blitzte und funkelte es; unter sich aber hörte er die lieblichste Musik aus der Ferne klingen. So ward er auf das anmutigste hinabgewiegt, daß er nicht wußte, wie ihm geschah, und vor lauter Lust in einen tiefen Schlaf fiel.

Er mochte wohl lange geschlafen haben. Als er erwachte, fand er sich in dem allerweichsten und allernettesten Bette, wie er es in seines Vaters Hause nimmer gesehen hatte, und dieses Bett stand in dem allerniedlichsten Zimmer; vor ihm aber stand ein kleiner Brauner mit dem Fliegenwedel in der Hand, womit er Mücken und Fliegen abwehrte, daß sie seines Herrn Schlummer nicht stören konnten. Johann tat kaum die Augen auf, so brachte der kleine Diener ihm schon das Handtuch mit dem Waschwasser und hielt ihm zugleich die nettesten neuen Kleider zum Anziehen hin, aus brauner Seide sehr niedlich gemacht, und ein Paar neue schwarze Schuh mit roten Bandschleifchen, wie Johann sie in Rambin und Rothenkirchen nie gesehen hatte; auch standen dort einige Paare der niedlichsten und glänzendsten gläsernen Schuhe, die nur bei großen Festlichkeiten gebraucht zu werden pflegen. Es gefiel dem kleinen Knaben sehr, daß er so leichte und saubere Kleider tragen sollte, und er ließ sie sich gern anziehen. Und als Johann angekleidet war, flugs flog der Diener fort und war geschwind wie der Blitz wieder da. Er trug aber auf einer goldenen Schüssel eine Flasche süßen Wein und ein Töpfchen Milch und schönes Weißbrot und Früchte und andere köstliche Speisen, wie kleine Knaben sie gern essen. Und Johann sah immer mehr, daß Klas Starkwolt, der alte Kuhhirt, es wohl gewußt habe; denn so herrlich und prächtig, als er hier alles fand, hatte er es sich doch nicht geträumt. Auch war sein Diener der allergehorsamste und tat alles von selbst, was er ihm nur an den Augen absehen konnte. Der Worte bedurfte es nie, sondern nur leichter Blicke und Winke; denn er war klug wie ein Bienchen, wie alle diese kleinen Leute von Natur sind.

Und nun muß ich Johanns Zimmer beschreiben. Sein Bettchen war schneeweiß mit den weichsten Polstern und mit den weißesten Laken überzogen, mit Kissen aus Atlas und einer solchen gesteppten Decke. Ein Königssohn hätte darin schlafen können. Neben und vor diesem Bette standen die niedlichsten Stühle, auf das netteste gearbeitet und mit allerlei bunten Vögeln und Tieren verziert, welche kunstreiche Hände eingeschnitten hatten; einige waren auch von edlen Steinen bunt eingelegt. An den Wänden standen weiße Marmortische und ein paar kleinere aus grünen Smaragden, und zwei blanke Spiegel glänzten an den beiden Enden des Zimmers, deren Rahmen mit blitzenden Edelgesteinen eingefaßt waren. Die Wände des Zimmers waren mit grünen Smaragden getäfelt, und hatte einen solchen Glanz nie ein Mensch auf Erden gesehen und wird ihn auch keiner dort sehen, auch nicht in des größten Kaisers Hause. Und in solchem Zimmer wohnte nun der kleine Johann Dietrich, eines Tagelöhners Sohn aus Rambin, daß man wohl sagen mag: Das Glück fängt, wem es von Gott beschert ist. Hier unter der Erde sah man nun freilich nie Sonne, Mond und Sterne leuchten, und das schien allerdings ein großer Fehler zu sein. Aber sie brauchten hier solche Lichter nicht, auch bedurften sie weder der Wachslichter noch der Talglichter, noch der Kerzen und Öllampen und Laternen; sie hatten andern Lichtes genug. Denn die Unterirdischen wohnen recht eigentlich mitten unter den Edelgesteinen und sind die Meister des reinsten Silbers und Goldes, das in der Erde wächst, und sie haben die Kunst wohl gelernt, wie sie es hell bei sich haben können bei Tage und bei Nacht. Eigentlich muß man hier von Tag und Nacht nicht reden, denn die unterscheiden sie hier unten nicht, weil keine Sonne hier auf- und untergeht, welche die Scheidung macht, sondern sie rechnen hier nur nach Wochen. Sie setzen aber ihre Wohnungen und die Wege und Gänge, welche sie unter der Erde durchwandern, und die Orte, wo sie ihre großen Säle haben und ihre Reigen und Feste halten, mit den allerkostbarsten Edelgesteinen aus, daß es funkelt, als wäre es der ewige Tag. Einen solchen Stein hatte der kleine Johann auch in seinem Zimmer. Das war ein auserlesener Diamant, ganz rund und wohl so groß als eine Kugel, womit man Kegel zu werfen pflegt. Dieser war oben in der Decke des Zimmers befestigt und leuchtete so hell, daß er keiner andern Lampen und Lichter bedurfte.

Als Johann Frühstück gegessen hatte, öffnete der Diener ein Türchen in der Wand, und Johanns Augen fielen hinein, und er sah die zierlichsten goldenen und silbernen Becher und Schalen und Gefäße und viele Körbchen voll Dukaten und Kästchen voll Kleinodien und kostbarer Steine. Auch waren da viele liebliche Bilder und die allersaubersten Märchenbücher mit Bildern, die er in seinem Leben gesehen hatte. Und er wollte diesen Vormittag gar nicht ausgehen, sondern betastete und besah sich alles und blätterte und las in den schönen Bilderbüchern und Märchenbüchern.

Und als es Mittag geworden, da klang eine helle Glocke, und der Diener rief: "Herr, willst du allein essen oder in der großen Gesellschaft?" Und Johann antwortete: "In der großen Gesellschaft." Und der Diener führte ihn hinaus. Johann sah aber nichts als einzelne von Edelsteinen erleuchtete Hallen und einzelne kleine Männer und Frauen, die ihm aus Felsritzen und Steinklüften herauszuschlüpfen schienen, und verwunderte sich, woher die Glocke klänge, und sprach zu dem Diener: "Aber wo ist denn die Gesellschaft?" Und als er noch fragte, so öffnete sich die Halle, worin sie gingen, zu einer großen Weite und ward ein unendlicher Saal, über welchen eine weite, gewölbte und mit Edelsteinen und Diamanten geschmückte Decke gezogen war. Und in demselben Augenblick sah er auch ein unendliches Gewimmel von zierlich gekleideten kleinen Männern und Frauen durch viele geöffnete Türen hineinströmen, und tat sich der Boden an vielen Stellen auf, und die niedlichsten, mit den köstlichsten Gefäßen und schmackhaftesten Speisen und Früchten und Weinen besetzten Tische stellten sich aneinander hin, und die Stühle und Polster reiheten sich von selbst um die Tische, und die Männer und Frauen nahmen Platz. Und die Vornehmsten des kleinen Völkchens kamen und verneigten sich vor Johann und führten ihn mit sich an ihren Tisch und setzten ihn zwischen ihre schönsten Jungfrauen, daß er seine Lust hatte, mit den lieblichen Kindern zu sein, und es ihm da über die Maßen wohlgefiel. Es war auch eine sehr fröhliche Tafel, denn die Unterirdischen sind ein sehr lebendiges und lustiges Völkchen und können nicht lange still sein. Dazu klang die allerlieblichste Musik aus den Lüften, und die buntesten Vögel flogen umher und sangen in gar anmutigen Tönen, die einem die Seele aus der Brust holen konnten. Es waren aber keine lebendige Vögel, die da sangen, sondern künstliche Vögel und künstliche Töne und von den kleinen Männern so sinnreich gemacht, daß sie fliegen und singen konnten. Und Johann erstaunte und entsetzte sich sehr über alle die Wunder, die er sah, und freuete sich gewaltig. Die Diener und Dienerinnen aber, welche bei Tische aufwarteten und Blumen streueten und die Flur mit Rosenöl und andern Düften besprengten und die goldenen Schalen und Becher herumtrugen und die silbernen und kristallenen Körbe mit Früchten, waren Kinder der Menschen da droben, welche aus Neugier oder von ungefähr unter die Kleinen geraten und hier hinabgestiegen waren, ohne sich vorher eines Pfandes zu bemeistern, und die also in die Gewalt der Kleinen gekommen waren, oder die sich nächtlich und mitternächtlich unter ihre Sternenspiele auf dem gläsernen Berge verirrt hatten. Diese waren anders gekleidet als sie. Die Knaben und die Mädchen waren in schneeweiße Röckchen und Jäckchen gekleidet und trugen feine gläserne Schuh, daß man ihren Tritt immer hören konnte, und blaue Mützchen auf dem Kopfe; ihre Leibchen aber hatten sie mit silbernen Gürteln umgürtet. Das war die Tracht der Diener und Dienerinnen. Den kleinen Johann jammerten sie anfangs wohl, als er sie sah, wie sie springen und den Unterirdischen aufwarten mußten; aber weil sie munter aussahen und fein gekleidet waren und rosenrote Wangen hatten, so dachte er: "Nun, es geht ihnen doch so schlimm nicht, und ich habe es noch lange so gut nicht gehabt, als ich hinter den Kühen und Ochsen laufen mußte. Ich bin nun freilich ein Herr hier, und sie müssen als Diener laufen. Das kann aber nicht anders sein: warum haben sie sich auch so dumm fangen lassen und sich vorher kein Zeichen genommen? Es muß doch die Zeit kommen, wo sie einmal erlöst werden, und länger als fünfzig Jahre werden sie hier gewiß nicht bleiben." Damit tröstete er sich und spielte und scherzte mit seinen kleinen Gesellinnen und aß und trank in Freuden und ließ sich von seinem Diener und von den andern allerlei unterirdische Geschichten erzählen; denn er wollte alles genau wissen.

So saßen sie ungefähr zwei Stunden lustig beisammen und aßen und tranken und horchten auf die liebliche Musik, die aus den Lüften erklang. Da klingelte der Vornehmste mit einem Glöckchen, und in einem Hui versanken die Tische und die Stühle wieder, und alle Männer


Kater Martinchen - 5/24

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