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- Kater Martinchen - 6/24 -


und Frauen und Jünglinge und Jungfrauen standen da wieder auf den Füßen. Und wieder ein zweiter Klang mit einem zweiten Glöckchen, und wo eben die Tafeln gestanden, erhoben sich grüne Orangen- und Palmen- und Lorbeerbäume mit Blüten und Früchten, und andere, lustigere und klangreichere Vögel als die vorher durch die Luft geflattert hatten, saßen in ihren Zweigen und sangen. Und sie sangen alle wie in einer Weise und in einem Maße, und Johann sah bald, woher dies kam; denn am Ende des Saales hoch oben an der Decke saß in einer hohlen Wand ein eisgrauer Greis und gab den Ton an, nach welchem sie singen mußten. Sie nannten ihn ihren großen Ballmeister. Er war aber so ernst, als er weise war, und verschwiegen wie die graue Zeit und sprach nie ein Sterbenswort, da die andern alle wohl oft zuviel plapperten und schwätzelten.

Der alte Eisgraue droben strich nun die Geige zum Tanze, und alle die bunten Vögel klangen den Strich nach. Es war aber ein recht fliegender Strich, denn ihr Tanz geht immer äußerst geschwind und lebendig. Als nun der Reigen angeklungen war, siehe, da bewegten sich die leichten und fröhlichen Scharen und sprangen und hüpften und drehten sich, als wenn die Welt im Wirbel auseinanderfliegen sollte. Und die kleinen hübschen und feinen unterirdischen Dirnen, die sich neben Johann gesetzt hatten, faßten ihn auch und drehten ihn mit rund. Und er ließ es gern geschehen und tanzte mit ihnen rund wohl zwei Stunden lang. Und diesen lustigen Tanz hat er jeden Nachmittag mitgehalten, solange er da unten geblieben ist, und in seinem spätesten Alter noch immer mit vielem Vergnügen davon erzählt. Er pflegte dann zu sagen, die himmlische Freude und der Gesang und das Saitenspiel der Engel, welche die Seligen im Himmel einst zu hoffen hätten, mögen wohl überschwenglich schön sein; er aber könne sich nichts Schöneres und Lieblicheres denken als die Musik dieses unterirdischen Reigens, die schönen und beseelten kleinen Menschen, die wunderbaren Vögel in den Zweigen mit den allerzauberischesten Tönen und die klingenden Silberglöckchen an den Mützen. Ein Mensch, der das nicht gesehen und gehört, könne sich gar keine Vorstellung davon machen.

Als die Musik schwieg und der Tanz geendigt war (das mochte wohl die Zeit sein, die wir vier Uhr nachmittag nennen), verschwand das kleine lustige Völkchen, die einen hiehin, die andern dahin, und jeder ging wieder an sein Werk und seine Lust. Des Abends ward nach dem Essen gewöhnlich ebenso gejubelt und getanzt. Des Nachts aber schlüpften alle heraus aus den Bergen, besonders in schönen, sternhellen Nächten, und wenn sie auf Erden etwas Besonderes zu tun hatten. Da ging aber der kleine Johann immer ruhig schlafen und hielt, wie es einem frommen christlichen Knaben geziemte, andächtig sein Abendgebet, und auch des Morgens vergaß er nie zu beten.

Doch nun muß ich noch mehr erzählen von den Unterirdischen, ehe ich weiter melde, wie es unserm kleinen Johann Dietrich da unten die folgenden Wochen und Jahre ergangen ist.

Daß solche kleine Unterirdische, die man mit vielen Namen auch wohl Braunchen, Weißchen, Elfen, Weißelfen, Schwarzelfen, Kobolde, Puke, Heinzlein, Trolle nennt, seit uralten Zeiten unter den Bergen und Hügeln wohnen und ihre wunderbaren kristallenen und gläsernen Häuser haben, ist gewiß. Aber wie sie dahingekommen sind, und was es denn eigentlich für Geister sind, und wozu der liebe Gott sie eigentlich geschaffen hat, das hat uns bisher noch keiner sagen können. Sie sind wohl gleich den Seelen und Herzen der Menschen von sehr verschiedener Art, einige bös, andere gut, einige freundlich, andere neckisch; das wird aber von allen ohne Unterschied gesagt, daß sie sehr sinnreich und geschickt sind und die künstlichsten Werke und Geschmeide machen können, die ihnen kein Mensch nachmachen kann, und die von den Menschen deswegen oft für Zauberwerk und Hexenwerk gehalten werden. Alles, was ich hier erzähle, hat Johann Dietrich mitgebracht und es seinen Freunden erzählt und seinen Kindern so hinterlassen. Von diesen haben es wieder andere gehört, und so hat sich's weitererzählt bis diesen Tag.

Die Unterirdischen, zu welchen Johann hinabgestiegen war, gehörten zu den Braunen. Sie hatten auch kleine Schelmstreiche im Herzen, waren aber im ganzen doch gutmütiger und fröhlicher Art. Die Braunen hießen sie, weil sie braune Jäckchen und Röckchen trugen und braune Mützen auf dem Kopf mit silbernen Glöckchen; einige trugen schwarze Schuh mit roten Bändern, die meisten aber feine gläserne, und beim Tanze trugen sie alle keine anderen. Sie hatten ihre Häuschen in den Bergen; aber damit waren sie sehr geheim, und Johann Dietrich, solange er bei ihnen gewesen, hat keine einzige ihrer Kammern gesehen. Er und der Diener hatten ihre Kammer hart bei der Stelle, wo der herrliche Speise- und Tanzsaal immer kam und verschwand; er hat auch an vielen andern Stellen schöne Hallen und offene Plätze und liebliche Anger und Auen gesehen, aber nirgends Wohnungen; sondern die Kleinen waren immer nur einzeln oder scharweise da, entweder daß sie tanzten, lustwandelten oder auch geschwind vorübergingen. Und wie sie aus den Steinen, worin sie wohnen, herauskamen und wieder hinschwanden, das hat er mit seinen Augen nie sehen können, wie sehr er auch oft darauf gelauscht hat; sondern sie kamen vor seinen Augen und verschwanden wie Blitze und Scheine. Einige kleine Dirnen aber, die ihn lieb hatten, haben ihm zugeflüstert: jeder habe sein eignes Häuschen tief im Gestein, ein liebliches, helles, gläsernes Häuschen; auch sei der ganze Berg durchsichtig von Anfang bis zu Ende und eigentlich rings mit Glas umwachsen; das sei aber seinen Augen zu sehen nicht möglich.

Von diesen kleinen Unterirdischen waren die größten kaum einer Elle lang und die Knaben und Mädchen also gar klein; aber sie waren von Gestalt und Gebärde freundlich und schön, mit hellen, lichten Augen und mit gar feinen und anmutigen Händchen und Füßchen. Und eben durch diese Lieblichkeit und Freundlichkeit haben sie manches Menschenkind verführt, daß es zu ihnen heruntergekommen ist ohne irgend ein Pfand und Zeichen und lange Jahre da hat bleiben und dienen müssen. Denn wenn man ein Pfand von ihnen hat, schadet es nichts, daß man mit in dem silbernen Tönnchen hinabsteigt, und sie müssen einen immer wieder herauslassen. Sie geben aber nicht gern ein Pfand. Das klügste und richtigste ist, daß man mit Listen ein Pfand von ihnen nimmt; denn dann müssen sie einem dienen, da sie sonst gern herrschen wollen. Denn sie sind sehr herrschsüchtig, und das ist eigentlich ihr Hauptfehler; vorzüglich herrschen sie gern über die Menschen und bilden sich etwas darauf ein, weil die soviel stärker und größer sind, daß sie sie mit Listen zu ihren Dienern und Knechten machen. Das beste Pfand, das man von ihnen gewinnen kann und wodurch man am meisten Macht über sie bekommt, ist eine braune Mütze mit dem Glöckchen; sehr gut ist auch ein gläserner Schuh oder eine silberne Spange, womit sie ihren Leibgürtel zu schließen pflegen. Wer die hat, der hat aller Freuden Fülle bei ihnen und ist ein großer Gebieter.

Ob sie auch sterben, das weiß man nicht, oder ob sie, wie einige erzählen, wann sie alt werden wollen, sich in Steine und Bäume verkriechen und so sich verwachsen und zu wundersamen Klängen, Ächzern und Seufzern werden, die sich zuweilen hören lassen, ohne daß man weiß, woher sie kommen, oder zu abenteuerlichen Knorren und verflochtenen Schlingen, wodurch die Hexen schlüpfen sollen, wann sie von dem wilden Jäger gejagt werden. Eine Leiche von ihnen hat keiner gesehen, und wenn man sie darnach gefragt hat, haben sie immer so geantwortet, als verstanden sie das Wort gar nicht. Das ist gewiß, daß manche von ihnen über zweitausend Jahre alt sind. Da ist es denn kein Wunder, daß man so weise Leute unter ihnen findet.

Sie haben einen großen Vorteil voraus vor uns Menschenkindern, daß sie nicht nötig haben, für das tägliche Brot zu sorgen und zu arbeiten, denn Speise und Trank kommt ihnen von selber oder Gott weiß durch welche wundersame Kunst, und es fehlt nie Brot und Wein und Braten auf ihrem Tische. Auch sieht man dort unten, wo sie wohnen, und wo hin und wieder auch weite Fluren und Felder sind, nirgends Korn wachsen oder Vieh weiden oder Wild laufen, sondern bloß das Allerlustigste ist zum Genuß da, nämlich die schönsten Bäume und Reben, die mit den auserlesensten Früchten und Trauben prangen; auch die lieblichsten Blumen in Menge, worauf so bunte Schmetterlinge flattern, als man in dem Lande der Sonne und des Mondes nimmer sieht; und die allerschönsten und schimmerndsten Vögel, die alle wie Paradiesvögel und wie der Vogel Phönix aussehen, wiegen sich in den Zweigen und singen süße Lieder. Anderes Lebendiges sieht man dort nicht, wenn man das nicht etwas Lebendiges nennen will, daß hie und da aus den Kristallwänden Quellen von Wein und Milch sich ergießen.

So scheint dies Völkchen denn sehr glücklich zu sein und bloß für die Freude und Lust geboren, und sie verstehen sich sehr wohl auf die Kunst, vergnügt zu sein und ihr Leben lustig zu gebrauchen. Doch muß man nicht glauben, daß sie nichts weiter tun als Tafel, Spiel und Tanz halten, dann in ihre Kammern schlüpfen und schlafen und etwa die Mitternächte über der Erde verspielen--nein, sie sind wohl die allerregsamsten und allerfleißigsten Wesen, die man je gesehen hat. Niemand versteht so gut als sie das Innere der Erde und die geheimen Kräfte der Natur und was in Bergen und Steinen und Metallen wächst, und was in den Farben der Blumen und den Wurzeln der Bäume für Triebe lauschen. Denn ihre Sinne sind die allerklarsten und die allerfeinsten, viel feiner als des heitersten und hellesten Kindes, von Menschen geboren; denn auch unsere kleinen Kindlein haben wohl recht feine Sinne und Gedanken, welche die Erwachsenen nur nicht immer verstehen, weil diese meistens schon wieder durch Stein und Erde verhärtet und vergröbert sind. Die Unterirdischen haben viel Freude an Silber und Gold und edlen Steinen und machen die allerkünstlichsten Arbeiten daraus, so daß die besten Meister hier oben erstaunen, wenn ein solches unterirdisches Werk hier mal gesehen wird. Deswegen nennen viele sie auch wohl Hüter des Goldes und des Silbers und meinen, daß sie von schlimmer Gier besessen und böse metallische Geister sind. Die meisten, die das sagen, tun ihnen aber unrecht, denn die weißen und braunen Unterirdischen sind wohl nicht so gierig. Sie verschenken ja soviel Schönes an die Menschenkinder; das würden sie aber nicht tun, wenn sie das Gold und die Edelsteine zu lieb hätten. Sie haben es nur lieb wegen des Glanzes, denn Glanz und Licht lieben sie über alles in der Welt. Die mit den schwarzen Jacken und Mützen sind aber wohl geizig und überhaupt von schlimmerer Natur als diese.

Wie die Unterirdischen des Nachts aus ihren gläsernen Bergen schlüpfen und im Mondschein und Sternenschein tanzen und sich erlustigen, habe ich schon erzählt. Sie können sich aber auch unsichtbar in die Häuser der Menschen schleichen; denn wenn sie ihre Mützen aufhaben, kann sie kein Mensch sehen, er habe denn selbst eine solche Mütze. Da sagen die Leute denn, daß sie allerlei Schalkereien treiben, die Kinder in den Wiegen vertauschen, ja gar wegstehlen und mitnehmen. Das ist aber gewiß nicht wahr von den Weißen und Braunen. Auch hat ihnen Gott über die Häuser und Wohnungen der Menschen keine Gewalt gegeben, solcherlei schlimme Schalkerei zu treiben. Sie kommen wohl in die Häuser der Menschen, sie können sich auch verwandeln, so daß kein Schlüsselloch so klein ist, daß sie nicht hindurchschlüpfen; aber sie tun den Menschen nichts Böses, sondern wollen nur zuweilen sehen, was sie machen. Meistens bringen sie ihnen was Schönes mit, besonders den Kindern, die sie sehr lieb haben. Und wann die Kinder beim Spielen Dukaten oder goldene Ringe gefunden haben, wie das wohl zuweilen geschieht, und mit zu Hause bringen, oder wenn kleine, zierliche Schuhe oder ein neues Kleidchen oder grüne Kränzlein, wann sie erwachen, auf ihren Wiegen und Bettchen hangen, so haben das wohl nicht immer die himmlischen Englein getan, sondern oft auch die kleinen Unterirdischen. Das sagen aber viele Leute, die es wissen, daß sie oft unsichtbar um die Kinder sind und sie behüten, besonders damit sie nicht im Feuer und Wasser umkommen. Wenn sie ja jemand necken und schrecken, so sind es


Kater Martinchen - 6/24

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