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- Maerchen und Sagen - 10/40 -


Und sie naheten sich ihr sehr ehrerbietig und zogen ihr die Kleider aus und die Schuhe von den Füßen und nahmen ihr die Krone vom Kopfe und legten sie dann weich ins Bett. Als sie das gethan, löschten sie die Lampen aus bis auf eine, und verneigten sich stumm und schweigend und gingen weg.

Und es währte nicht lange, so flüsterte es und knisperte und wisperte an der Thüre, und die Thüre that sich auf, und der Schlangenkönig kam herein und kroch an Margarethens Bett und lispelte und zischelte ihr leise zu: Willkommen, meine auserkorene Königin! willkommen, meine süße Braut! Nun komme ich als dein Bräutigam zu dir, mein süßes Margrethchen! wie ich dir unter dem grünen Baume vorgesungen habe; nun wird alles wahr werden! O komm und nimm mich in deine Arme! und drücke mich an dein warmes Herz! und küsse mich und habe mich recht lieb! Dann bin ich erlöst und du bist eine reiche und große Königin. Denn ach! das ist mein trauriges Schicksal, solange muß ich als Schlangenkönig auf der Erde herumkriechen, bis ein unschuldiges Kind mich in Liebe umhalset und wieder in den schönsten Prinzen verwandelt, der ich gewesen bin. Und er zischelte gar lose und leise und sah sie mit funkelnden Augen an und hob seinen Kopf zu ihr hinauf, als wolle er zu ihr ins Bett steigen--Margaretha aber schrie gewaltig und rief: Fort du buntes Scheusal! Nein nimmer--nimmer--nimmermehr! und wenn du so schön wärest, als du häßlich bist. Ich will deine Königin nicht werden, ich will in meinem Leben keinen andern Bräutigam haben, als meinen lieben Jakob.--Und Schlangenkönig mußte sich duken und fliehen,

Und als es Tag geworden war, kamen dieselben weißen Jungfrauen, die Margarethen ausgekleidet hatten, und zogen ihr die prächtigen Königskleider wieder an und setzten ihr die güldene Krone wieder auf das Haupt und die andern im Saale und vor der Thüre verneigten sich nun vor ihr und bedienten sie. Und sie ging im Schlosse und im Garten umher und besah sich allen den Glanz und die Pracht. Aber weiter als den Garten konnte sie nicht kommen; denn es lief eine himmelhohe krystallene Mauer rings um ihn herum und seine Thore waren dicht verschlossen. Sie sah aber den ganzen Tag nicht das Geringste von Schlangenkönig, und das war ihr sehr lieb. Aber an ihren Jakob hat sie viel denken und oft bitterlich weinen müssen und sie hat gerufen mitten in der schimmernden Herrlichkeit: O mein lieber Jakob! säße ich nur mit dir jetzt in einem schlechten Kleide unter einem grünen Baum, wie viel glücklicher wäre ich! Pfui der abscheuliche Schlangenkönig! wie hat er mich verlockt und verführt durch seinen Gesang!

Und als es Nacht ward, führte man sie eben so wie gestern in ihre Goldkammer und brachte sie ins Bett und löschte die Lampen. Und auch der Schlangenkönig kam eben so wieder wie gestern und schlich an ihr Bett und flehete, daß sie ihn ins Bett nehmen und lieb haben und Königin werden sollte. Sie aber ward noch viel böser als gestern und jagte ihn mit schlimmen Worten fort. Und Schlangenkönig mußte traurig wieder aus der Kammer kriechen und die Nacht wieder auf der kalten feuchten Erde schlafen.

So ging es noch drei Tage und Schlangenkönig versuchte noch dreimal, ob das Kind ihn lieb gewinnen und bei ihm schlafen wolle. Sie aber rief immer: Fort fort, du blanker gleißender Gaukler! Jakob wird mein Mann und kein anderer in Ewigkeit!

Mit dem fünften Male waren auch die Proben vorbei, welche Margrethchen auszustehen hatte, und der traurige Schlangenkönig rief nun den Frauen und Dienerinnen zu, daß sie sie des Schmuckes entkleiden und aus der goldnen Kammer führen mögten, und sagte zu Margarethen. Nun bist du nicht mehr Königsbraut und kannst es nimmermehr werden, wenn du auch wolltest. So ist die Ordnung des Schicksals hier. Du bist hinfort eine schlechte Dienerin, gehe darum zu den andern Dienerinnen und warte der hohen Frau, die da kommen und mich erlösen soll. Er meinte aber diejenige, welche sich über ihn erbarmen und ihn von Herzen küssen und liebhaben und Königin und Herrin aller dieser Dienerinnen werden würde, welche seine Liebe verschmäht hatten.

Und Margarethe hatte jetzt ein weißes Kleid an und trug ein grünes Kränzlein und mußte mit den andern jungen Dirnen vor der Thüre des Schlosses und in dem großen Saale stehen und warten. Es waren lauter junge Kinder die Dienerinnen und Kammerfrauen, keine unter dreizehn Jahren und keine über siebzehn, wohl mehr als hundert und fünfzig an der Zahl, alle hübsch und fein. Mit einer jeden hatte Schlangenkönig es eben so versucht, wie mit Margrethchen, aber keine einzige von so vielen hatte sein Flehen erhören und ihn lieb haben wollen. Diese niedlichen Kinder waren nun freilich recht fein gekleidet und hatten der Speise und des Trankes und was sie zum Leben bedurften vollauf, auch wurden sie mit keiner Mühe und Arbeit geplagt und konnten den Tag singen und tanzen und oft auch in dem schönen Garten spazieren gehen und sich Blumen pflücken und die Vögelein in den Zweigen auf das allerlustigste singen hören; aber die Zeit ward ihnen doch herzlich lang in aller dieser Pracht und die meisten waren voll Traurigkeit und Sehnsucht. Die eine sehnte sich nach Vater und Mutter, die andere nach Bruder und Schwester, die dritte nach einem Herzallerliebsten; Margarethe sehnte sich nach nichts als nach ihrem lieben Jakob, von welchem sie sich so jämmerlich hatte weglocken lassen.

Jakob war bald gekommen, nachdem Margarethe von Schlangenkönig entführt worden war, und suchte seine Margarethe im Walde und auf der Weide bei den andern Hirten. Er fand sie nirgends, aber die Hirten sagten ihm, Schlangenkönig werde sie wohl weggefangen haben. Jakob hörte auch bald von einem Manne, der da unten am See pflügte, er habe in der Ferne ein Gewimmer gehört und das möge die entführte Margarethe wohl gewesen seyn. Der kleine Jakob war sehr traurig und mußte jeden Tag ja jede Stunde an sein Margrethchen denken und immer nach der Insel hinüber schauen, zu welcher sich kein Mensch wagte; denn es ging die Sage, derjenige müsse gleich des blassen Todes seyn, der sich ohne ein sicheres Pfand in dieses Gebiet des Schlangenkönigs wage. Da schaute Jakob traurig und sehnlich hinüber und seufzte: Ach Margrethchen! Margrethchen! warum hast du dir die Ohren nicht zugestopft, als der lügnerische und gleißnerische Schelm sang? und rief auch wohl zuweilen für sich: Halt dich wacker, Margrethchen! werde keine Königin, Margrethchen! Das hatte er aber gewiß nicht nöthig; denn Margarethe war ihm treu wie Gold. Das war ihm aber das Allertraurigste bei dieser Geschichte wenn er Schlangenkönig über die Wiesen hinschlüpfen sah in seinem bunten Rock, daß er ihm nichts thun durfte.

So waren Jakob zwei Jahre verflossen in Gram und Traurigkeit über seine liebe verlorne Margarethe, da hörte er von einem alten Schäfer einen Rath, wie man verzauberter Prinzen und Prinzessinnen und selbst der Hexen und Hexenmeister Herr werden könnte, und wenn sie noch so schlimm wären. Und Jakob ging flugs in den Wald und hieb sich einen großen knotigen Dornstock aus einem Dornstrauch, welcher der Kreuzdorn heißt, und darauf schnitt er noch ein Kreuz aus. Als nun der Schlangenkönig das nächste Mal wieder über die Wiese hinschlängelte, faßte Jakob sich ein Herz und fuhr auf ihn zu, so daß der Schlangenkönig sich verwunderte, was der Bauerbursche wolle; denn er war es nicht gewohnt, daß die Leute auf ihn losgingen, sondern, daß die meisten vor ihm flohen. Und Schlangenkönig dachte bei sich: Den Bauerjungen will ich schon jagen, daß ihm die Haare auf dem Kopfe sausen sollen; und er richtete sich auf und sprühete Funken aus den glänzenden Augen und streckte die zischende Zunge aus und machte seine Krone auf dem Kopfe feuerroth vor Zorn und zuckte mit dem Rücken, als wolle er auf Jakob springen. Aber Jakob ging ihm fest entgegen und rief: Komm nur her, Herr Heidenkönig! komm nur her! Ich bin nicht bange vor dir, du sollst schon Gemach lernen. Und als Schlangenkönig gegen ihn sprang, berührte er ihn nur leise mit seinem Dornstock, und o Wunder! Schlangenkönig krümmte sich und wand sich um den Dornstock, wie die Rebe sich um ihren Stab windet. Und Jakob freuete sich und rief voller Freude: Halt fest, mein Prinzchen! ich muß mein Kunststück versuchen. Und er nahm den Stock und schwang ihn dreimal um den Kopf, daß er durch die Lüfte sausete, und Schlangenkönig hielt fest, als wenn er daran gewachsen wäre. Der Stock ist gut und der Schäfer ist nicht dumm, sprach Jakob, und fragte Schlangenkönig: Schlangenkönig willst du mir Margrethchen wiedergeben, so mache ich dich strax los und du magst hingehen, wohin du willst. Schlangenkönig aber schüttelte den Kopf. Und Jakob sprach wieder: So fahrwohl für heute, mein Prinz! friere die Nacht hier und bedenke dich bis morgen. Und er nahm den Dornstock und stieß ihn fest in die Erde, und Schlangenkönig hing darum, und es sah gar lustig aus.

Den andern Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenkönig: Schlangenkönig willst du mir Margrethchen wiedergeben? Schlangenkönig aber schüttelte mit dem Kopf noch stärker als gestern. Da ward Jakob sehr böse und ging hin und schnitt sich einen frischen Haselstock und sprach: Ich muß wohl einmal dein buntes Jäckchen fragen, was das zu dem Scherze sagt; vielleicht giebt mir das eine gescheidtere Antwort. Und er schlug Schlangenkönig auf seinen bunten Rock, daß er sich krümmte wie ein Ohrwurm und die Zunge laut zischelnd ausstreckte, aber er nickte nicht mit dem Kopfe: Jakob ich will dir Margrethchen wiedergeben. Als Jakob meinte, daß er ihn diesmal genug geschlagen habe, ging er weg und sprach: Für heut ist's genug, bedenke dich bis morgen.

Den dritten Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenkönig: Schlangenkönig gestern und vorgestern fragte ich dich: Schlangenkönig, willst du mir Margrethen wiedergeben? Heute kommst du so wohlfeilen Kaufs nicht ab; heut heißt es: Schlangenkönig willst du mir Margrethen wiedergeben und alle die armen Jungfrauen, die in deinem Schlosse und Garten eingesperrt sind? Und Schlangenkönig schüttelte zweimal mit dem Kopfe. Da nahm Jakob seinen Haselstock, und schlug ihn unbarmherzig, so viel als er schlagen konnte, so daß der Schlangenkönig ihn fast jammerte; aber doch nickte und kopfschüttelte Schlangenkönig ihm kein Ja zu. Da sagte Jakob: Heut ist das letzte Mal, daß ich Geduld habe. Du magst hier an dem Dornstock verfaulen, denn du kommst in Ewigkeit nicht los, wenn ich dich nicht löse. Also noch einmal und das letzte Mal, bedenke dich bis morgen.

Und als Jakob den vierten Morgen wiederkam, fragte er Schlangenkönig wieder: Schlangenkönig willst du mir Margrethchen wiedergeben und die andern Jungfrauen, daß sie frei aus deinem Gebiete weggehen und eine jede so viel mittragen dürfen, als sie mit den Händen tragen können? Und Schlangenkönig war mürb geworden, denn es hatte diese Nacht sehr gefroren, und ihn hungerte und durstete gewaltig, auch sah er, daß Jakob einen frischen Haselstock in der Hand führte doppelt so dick als der vorige. Und Schlangenkönig ließ es diesmal auf den Stock nicht ankommen und nickte dreimal mit dem Kopfe Ja. Und Jakob sagte zu ihm: Schlangenkönig schwöre mir's bei deiner Seligkeit und bei der Hoffnung, die du hegst, dieser häßlichen bunten Haut einmal ledig zu werden--und Schlangenkönig nickte ihm den Schwur auch dreimal zu.

Als dies geschehen war, nahm Jakob sein Messer und schnitt das Kreuz glattweg von dem Kreuzstock, worum Schlangenkönig geschlungen hing, und in demselben Augenblick glitt Schlangenkönig herunter und ringelte sich im Grase und machte sich die erfrornen und zerschlagenen Glieder erst wieder ein wenig geschmeidig. Darauf kroch er vor Jakobs Füße und richtete sich auf und senkte sich dann wieder vor ihm, wie ein kluges und gehorsames Pferd sich erst vor dem Reiter zu richten und wieder zu senken pflegt, daß er aufsteige. Und Jakob verstand den Wink, denn er wußte wohl, daß zu der Insel weder Brücke führte noch Nachen ging; und er zeichnete sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und betete ein Gebet und rief: Nun in Gottes Namen! und so schwang er sich auf sein buntes Pferd. Und sausend


Maerchen und Sagen - 10/40

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