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- Das Maedchen aus der Feenwelt - 10/20 -


Dame hätt ich Sie nicht gehalten.

Zufriedenheit. Nicht? Und doch bin ich noch mehr, ich bin die Königin dieses Tales, und von meiner Stirne strahlt das Diadem der Heiterkeit--

Lottchen (fällt ängstlich auf die Knie). Ach, so verzeihen mir Euer Hoheit, aber da wär ich in meinem Leben nicht darauf gekommen.

Zufriedenheit. Steh auf! Du bist mir in diesem Brief, den ich vor kurzem erhielt, von mächtigen Geistern schon angekündet, und ich will dich in meine Dienste nehmen. Du hast wenig Geschäfte. Das Aufbetten wirst du ersparen, denn ich schlafe auf einem Stein. Küche und Keller werden dir wenig Mühe verursachen, denn mich nähren die Früchte des Bewußtseins, mich tränket die Quelle der Bescheidenheit.

Lottchen. Ach, ich bin ja mit allem zufrieden!

Zufriedenheit. Hast du denn meine Hütte so leicht gefunden?

Lottchen. Ach ja, das ist ja nicht schwer.

Zufriedenheit. Glaubst du? Viele Tausende wandern nach mir aus und finden mich nicht, denn der dürre Pfad, der zu mir führt, scheint ihnen nie der rechte zu sein. Siehst du dort oben die bunten Auen, wo des Glückes Blumen farbig winken? (Deutet auf den Blumenberg.) Dort wollen sie mich finden, und je reizender der Pfad sie aufwärts lockt, desto tiefer entschwindet meine niedre Hütte aus ihrem getäuschten Auge. Denn wer mich ängstlich sucht, der hat mich schon verloren.

Lottchen. Aber auf jenen hohen Bergen muß doch eine schöne Aussicht sein?

Zufriedenheit. Nicht für dich, mein Kind. Du gehörst ins Tal. Siehst du dort den hohen flimmernden Berg? Das ist die Alpe des Reichtums, und ihm gegenüber sein noch glänzenderer Nebenbuhler, der Großglockner des Ruhmes! Das sind schöne Berge, doch sende deine Wünsche nie hinauf, stark und erhebend ist die Luft auf ihren Höhen, aber auch der Sturmwind des Neides umsaust ihre Gipfel, und kann er die Flamme deines Glückes nicht löschen, so löscht er doch den schönen Funken des Vertrauens in deiner Brust auf immer aus.

Lottchen. Das versteh ich nicht.

Zufriedenheit. Darin bestehet ja dein Glück, weil du mich nicht verstehst, bist du mit mir verwandt.

Lottchen. Verwandt? Und doch haben sich Euer Hoheit nie um mich bekümmert?

Zufriedenheit. Glaube das nicht, ich habe dich mir ja erzogen und will nun deine Freundin sein. Der Mann, der heute dich verstieß, ist nicht dein Vater, sonst hätt er es nie getan. Doch eine Mutter hast du noch, die dich innig liebt und die du bald umarmen wirst. Bis dahin reiche mir deine Hand und nenne mich Schwester.

Lottchen. Recht gerne! Ach, was ist das Schönes, wenn man eine Schwester hat. Aber da muß ich hernach auch du zu Euer Hoheit sagen und bin so viel als Euer Hoheit selbst?

Zufriedenheit. Allerdings! Du sitzest neben mir auf meinem moosbewachsenen Thron, und über uns spannt sich der schönste Baldachin, der heitre Himmel aus.

Lottchen. Ach du liebe Schwester, wie soll ich dir danken?

Zufriedenheit. Bleibe, wie du bist, und du hast den Lohn schon abgetragen.

Lottchen (freudig). Ach ja, wie ich bin--doch--nun ja--wie ich bin, nicht wahr?

Zufriedenheit. Nun ja.

Lottchen. Da muß ich aber auch ledig bleiben?

Zufriedenheit (lächelnd). Ja so! Und du hast den schönen Wunsch zu heiraten?

Lottchen. Ja freilich. Doch sei nicht böse, liebe Schwester, seit ich bei dir bin, wünsche ich mir fast gar nichts mehr. Aber wenn ich an meinen Karl denke, kann ich doch mit dem Wünschen noch nicht recht fertig werden.

Zufriedenheit. Das sollst du auch nicht, liebes Lottchen! Tröste dich, ich werde dich mit deinem Karl vereinen. Er verdienet dich, ich kenne ihn genau.

Lottchen. Du kennst ihn? Ist er vielleicht auch mit dir verwandt?

Zufriedenheit. Er war es. Ich war stets um ihn, wie noch der muntere Hirsch das Sinnbild seiner kräftgen Freude war, und nur du hast uns entzweit, du hast ihn mir entrissen.

Lottchen. Das ist mir unbegreiflich.

Zufriedenheit. Komm! Du wirst deinen Karl heute noch erhalten. Er soll uns beide wiederfinden, dich und mich durch dich. Und hab ich euch vereint, geb ich auch meinem Herzen dann ein Fest, durchziehe froh die Welt, und wo ich einen Armen finde, der krank liegt am Verlust der Freude, will ich schnell die Hand ihm reichen und sie überströmen lassen aus meinem Herzen in das seinige! Vielleicht gelingt es mir, ein Bündnis mit der Welt zu schließen, die ich so innig liebe und die so hart mich von sich stoßt. (Geht mit ihr in die Hütte.)

Vierter Auftritt

Verwandlung

Saal mit Lustern und Wandleuchtern. Punschtableau. Beim Aufziehen der Kortine ein rauschender Tusch von allen Instrumenten. An der rechten Seite eine hohe Glastür, gegenüber die Eingangstür.

Wurzel. Afterling. Musensohn. Schmeichelfeld.

Alle (übermütig schreiend). Der Hausherr soll leben! hoch--(Ein paar werfen die Gläser an die Wand.)

Wurzel. Schlagts nicht so viel Gläser zusamm, ich bin ja kein Glasfabrikant--

Schmeichelfeld (etwas angestochen). Ah was da, man hört so keine Uhr, wenn einmal die Gläser fliegen, so weiß man doch, wieviels gschlagen hat.

Musensohn. Aber jetzt ists aus, meine Herren, es ist fünf Uhr, und ich muß heute abend noch geschwind den letzten Akt von meinem Trauerspiel schreiben.

Schmeichelfeld. Was Trauerspiel? Lustig wollen wir von unserm teuern Herrn von Wurzel scheiden, dem aimabelsten Mann in der ganzen Stadt. Singen wollen wir, und dazu machen Sie uns Verse, wenn Sie ein Dichter sein wollen.

Musensohn. Schön! Wir wollen die Freundschaft besingen.

Afterling (der einen starken Rausch hat). Ja singen, schön singen wollen wir, und hernach kerzengerade nach Haus. (Er taumelt. Alle lachen.)

Wurzel. Der hat ihn heute.

Afterling. Lachen? Ihr Spitzbuben!--Seid nichts nütze--alle sind nichts nutz--Herr von Wurzel, alle, bis auf den (auf den Dichter zeigend)--und der ist auch nichts nutz. Aber Sie, Herr von Wurzel, sind ein großer Mann. Aber sind Sie aufrichtig, Herr von Wurzel! (Beschwörend.) Herr von Wurzel, sind Sie aufrichtig!-- Haben Sie--keinen Punsch mehr?

Wurzel. Nun so gebt ihm noch ein Glas, so fallt er gar hinunter untern Tisch.

Afterling. Herr von Wurzel! (Fällt ihm um den Hals.) Sie sind unser Vater, und wie Sie sich heute auf mich stützen können, so können Sie sich auf uns alle stützen. Punsch her--Punsch! Der Herr von Wurzel soll leben! (Er taumelt gegen die Tür und fällt vor Rausch in einen Stuhl.)

Wurzel. Nu, der hats überstanden. Habakuk! (Habakuk tritt vor.) Führts ihn hinüber ins rauschige Zimmer und legts ihn in das Bett, was ich hab herrichten lassen, wenn einem von meinen guten


Das Maedchen aus der Feenwelt - 10/20

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