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- Das Maedchen aus der Feenwelt - 2/20 -


Diener. Die Fee.

Bustorius. Sie sieht noch gut aus vom weiten.

Zenobius. Das Schicksal hat sie mit ewiger Jugend beschenkt, darum hat der Gram ihre Reize geschont.

Dritter Auftritt

Lakrimosa erscheint mit betrübter, aber doch höflicher Miene. Ajaxerle im schwäbischen gestreiften Zauberhabit. Er ist sehr geschäftiger, gutmütiger Natur. Trippelt gerne herum und sagt alles mit dummlachender Miene, als freute ihn alles, was er spricht.

Vorige.

Alle. Vivat die Hausfrau!

Lakrimosa. Es freut mich, meine werten Gäste, wenn Sie sich gut unterhalten haben.

Alle. Vortrefflich!

Lakrimosa. Hier stell ich Ihnen meinen geliebten Vetter vor, Magier aus Schwabenland.

Ajaxerle (im schwäbischen Dialekte). Freut mich, Sie allerseits kennenzulernen.

Alle. Freut uns!

Bustorius. Was Teuxel! das ist ja der Ajaxerle?

Ajaxerle. Der Tausend, wie kommen denn Sie daher? ah Herrjegerle, das freut mich! (Umarmt ihn.)

Lakrimosa. Kennen sich die Herren?

Ajaxerle. Das glaub ich. Wo haben wir denn nur geschwind Freundschaft geschlossen?

Bustorius. Wissen Sie nicht? Auf dem letzten Geisterdiner in Temeswar.

Ajaxerle. Richtig! wo Sie mir die Bouteille Wein an den Kopf geworfe habe, da hab ich die Ehr gehabt, Sie kennezulerne.

Lakrimosa (tritt zwischen beide). Genug, meine Herren, diese schönen Erinnerungen ein andersmal. An mir ist die Reihe. (Überblickt alle mit Wohlgefallen, dann spricht sie mit Gefühl.) Ja, es ist keines ausgeblieben, alle sind sie hier, die mein Schmerz zu sich bitten ließ. Türkische, böhmische und ungarische Wolken haben sie zu mir getragen. (Jedem die Hand reichend.) Mein Bustorius aus Warasdin, meine Freundin, die Nymphe von Karlsbad, sogar Selima und Zulma, die Feen von der türkischen Grenze. Du stille Nacht, an deren Busen ich so oft mein sinnend Haupt gelegt. Der Morgen und der Abend. Blödsinn und Faulheit et cetera, et cetera, alle, alle sind sie hier.

Bustorius. Ist das Freude, sind wir alle da!

Lakrimosa. Und nun hören Sie die Ursache, warum ich Sie auffordern ließ, ihre Wolkenschlösser zu verlassen und mir in meiner bedrängten Lage Beistand zu leisten.

Alle. Erzählen Sie. (Alle setzen sich.)

Lakrimosa. Es sind nun volle achtzehn Jahre, als ich an einem heitern Juliustage auf einem Sonnenstrahl nach der Erde fuhr und mich in Blitzesschnelle in einem angenehmen Tal befand. Vor mir stand ein junger blonder Mann, sein edler Anstand und sein gemütliches Auge bürgten für die Aufrichtigkeit seines Herzens. Ihn zu sehen und zu lieben war das Werk eines Augenblicks. Es war der Direktor einer reisenden Seiltänzergesellschaft, die in diesem einsamen Orte halt machte und nicht mehr weiterziehen wollte, bis die für zweihundert Gulden rückständige Gage augenblicklich gesichert wäre. Mein Entschluß war gefaßt: er mein Gemahl oder keiner-- ich zauberte ihm schnell einen Beutel Louisdors in die Tasche und flog, in eine girrende Taube verwandelt, in mein Reich zurück. Mein Freund Zenobius sah mich kommen. Erinnerst du dich noch?

Zenobius. Ja, es war an einem Mittwoch, und den Tag vorher haben wir Holz bekommen.

Lakrimosa. Ihm übergab ich geschwinde die Schlüssel meines Palastes, und um schneller die Erde zu erreichen, verwandelte ich mich in einen Pfeil, und Zenobius schoß ihn in das Dach des Wirtshauses, welches mein Geliebter indessen bezogen hatte. Ich stieg als reisende Schauspielerin darin ab, und, um kurz zu sein, er sah mich, liebte mich, ward mein Gemahl. Doch nach zwei glücklichen Jahren--wer hilft mir die Erinnerung dieses Schmerzes ertragen?--stürzte er vom Seil, das er von einem Kirchturm zum andern gespannt hatte, und verhauchte seinen stolzen Geist. (Sie weint.)

(Alle weinen mit.)

Ajaxerle. Ja das Seiltanzen, ich habs auch einmal probiert, aber ich versichere Sie, ich bin recht auf den Kopf gfalle.

Bustorius. Das hab ich schon lang bemerkt, hab ich nur nicht gleich sagen wollen.

Lakrimosa. Von tiefer Trauer erschüttert, nahm ich mein Kind, ein Mädchen von zwei Jahren, und kehrte mit ihr ins Feenreich zurück. Bezahlte schnell die Schulden, die mein treuer Zenobius indessen auf meinen Namen gemacht hatte, und nachdem mein Schmerz vertobt war, erbaute ich meiner Tochter einen Brillantenpalast, ließ sie in dem höchsten Reichtum erziehen und schwur, ihre Hand nur dem Sohne der Feenkönigin selbst zu geben. Kaum hatte ich diesen unseligen Schwur getan, so krachten die Säulen meines Palastes, und vor mir stand die Königin der Geister. Büße deine Frechheit, sprach sie, übermütiges Weib. Einem Sterblichen hast du dich vermählt, und deines Kindes Herz willst du durch Glanz vergiften? So höre meinen Ausspruch: Entrissen sei dir auf Erden deine Feenmacht, so lange, bis die Bescheidenheit deiner Tochter deinen Übermut mit mir versöhnt. In brillantene Wiegen hast du sie gelegt, darum sei Armut ihr Los, und des Reichtums Glanz werde ihr zum Fluch. Meinem Sohne hast du sie bestimmt, dem Sohn des ärmsten Bauers werde sie angetraut. Auf die Erde setze du sie aus, dem Irdischen gehört sie an, dann kehrst du zurück in dein Wolkenhaus, und nur die Tugend deiner Tochter kann dich daraus erlösen. Wird sie allen Reichtum hassen und vor ihrem achtzehnten Jahre mit einem armen Manne, der ihre erste Liebe sein muß, sich verbinden, so ist dein Bann gelöst, du darfst sie wiedersehen und in mäßigen Wohlstand sie versetzen. Erfüllt sie bis zu ihrem achtzehnten Frühling diese Bestimmung nicht, ist sie für dich verloren. Bescheidenheit heiße ihr Glück, denn sie ist nur eine Tochter der Erde. Sie verschwand.

Bustorius (nach einer Pause). Erdök! ist das schöne Geschichte!

Ajaxerle. Ja! So traurig und so lang auch noch, das ist das Schöne.

Lakrimosa. Ich sank mit meinem Kinde auf die Erde nieder, in einem düstern Wald, und in der Gestalt eines alten Weibes pochte ich an eine niedre, aber reinliche Hütte. Ein lustiger treuherziger Bauer, ihr einziger Bewohner, sprang heraus, er hieß Fortunatus Wurzel. Ich sank zu seinen Füßen und beschwor ihn, er möchte sich des armen Kindes erbarmen, sie gut und fromm erziehen, sie nie aus dem Walde lassen und mit siebzehn Jahren an einen armen Jungen, den sie liebgewinnt, verheuraten. Wird er dies befolgen, soll er mich am Tag der Heirat wiedersehen, und ich werde ihn reichlich belohnen. Wer ich sei, dürfte ich ihm nicht sagen. Er schwur, meine Bitte zu erfüllen, und eilte mit dem Kind in die Hütte. Langsam und trauernd schwang ich mich auf, Tränen entstürzten meinen Augen, wurden zu kostbaren Perlen und fielen nieder auf das Strohdach seiner Hütte. (Nach einer Pause seufzend.) Ob er sie gefunden, weiß ich nicht.

Bustorius (gleichgültig). Weiß ich auch nicht. (Will aufstehen.)

Lakrimosa. Jetzt kommt das Wichtigste.

Bustorius. Also noch nicht aus? Bravo! (Setzt sich wieder nieder.)

Lakrimosa. Vierzehn Jahre hat er sein Wort treu gehalten, doch über ein Jahr lebe ich schon in qualvoller Angst. Die mißgünstigen Gesinnungen meiner Dienerschaft verschafften dem Neid Eintritt in mein Exil, und dieser mächtige Fürst der Galle verliebte sich in mich und warb um meine Hand, doch da er von jeher aus meinem Herzen verbannt war, wies ich ihn mit Verachtung ab. Um sich nun dafür zu rächen, schwur er, mich durch meine Tochter zu verderben, und ließ den Bauer einen großen Schatz finden. Im Besitze dieses Reichtums ist dieser nun seit zwei Jahren wie ausgewechselt, wohnt in der Stadt, lebt auf dem größten Fuß, ergibt sich dem Trunke, mißhandelt meine Tochter und will sie zwingen, einen


Das Maedchen aus der Feenwelt - 2/20

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