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- Das Maedchen aus der Feenwelt - 4/20 -


Wo seid ihr, ihr Nachtigallen im grünen Wald, ihr wirbelnden Lerchen, ihr funkelnden Käfer? ach! das ist alles vorüber, jetzt kommen keine Schwalben, keine Lerchen, keine Käfer, und mein Karl kommt auch nicht mehr.

Lorenz. Und das wär Ihnen halt der liebste Käfer. Den haben wir aber die Flügel gestutzt.

Lottchen. Nein, noch heute will ich meinem Vater zu Füßen fallen und ihn bitten, das unglückliche Gold von sich zu werfen, seit dessen Besitz sich seines Herzens ein so böser Geist bemächtigt hat. Ich will gleich zu ihm. (Will gehen.)

Lorenz (tritt vor die Tür). Fräulein Lottel, tun Sie das nicht. Ich darf Ihnen nicht hineinlassen.

Lottchen. Warum nicht?

Lorenz. Der Herr Vater ist krank.

Lottchen (erschrickt). Krank? mein Vater krank? Himmel, und bedeutend?

Lorenz. Ja!

Lottchen. Ist das wahr?

Lorenz. Wollen Sies nicht glauben?--

Sechster Auftritt

Habakuk mit einer großen Tasse, worauf eine große Gans liegt, ein Teller voll Backerei und eine große Flasche Wein steht, tritt seitwärts ein, bleibt an der Tür stehen, an der andern Tür steht Lorenz, in der Mitte, einen Schritt zurück, Lottchen.

Habakuk. Den Herrn sein Frühstück!

Lorenz. Nur hinein damit. (Deutet aufs Schlafzimmer. Habakuk trägt es hinein. Lorenz zu Lottchen.) Jetzt haben Sies selbst gesehen, daß er mediziniert. (Geht verlegen vor.)

Lottchen (beleidigt und erstaunt, stellt sich vor ihn). Lorenz! also mein Vater ist krank?

Lorenz. Nu, schon wie! Bei ihm heißts: Friß Vogel, oder stirb!

Lottchen. Also so kannst du mich hintergehen? Pfui! das hätt ich nicht von dir geglaubt. Geh, du bist ein abscheulicher Mensch! Doch nein, ich will dich nicht böse machen, ich will dir schmeicheln, ich will dir sagen: du bist der beste, der schönste Lorenz auf der Welt, wenn es auch nicht wahr ist, aber laß mich zu meinem Vater!

Lorenz. Und ich darf nicht. Er hats verboten. Er sagt, Sie sind nicht sein Kind, Ihre Mutter war ein Bettelweib.

Lottchen. Himmel! was ist das? So weit ist es mit ihm gekommen, daß er sein Kind verleugnet? Hat er mir nicht oft erzählt, meine Mutter wäre bald nach meiner Geburt gestorben, und ich wäre sein einziges Kind, von dem er einst Dankbarkeit hofft? Und nun verstoßt er mich? Ach du lieber Himmel, ich habe keine Verwandten, keine Freunde, keinen Vater mehr, wenn du dich nicht um mich annimmst, so muß ich zugrunde gehen. (Geht weinend ab.)

Lorenz (allein). Was Verwandte, zu was braucht man die? Unser schwarzaugigtes Stubenmädel ist mir lieber als alle Verwandtschaften auf der Welt. (Ab.)

Siebenter Auftritt

Wurzel aus dem Kabinett.

Wurzel. Arie Ja, ich lob mir die Stadt, Wo nur Freuden man hat! Mich sehn s' nimmer aufn Land, Bei dem Volk ists a Schand. In aller Früh treibn s' schon die Ochsen hinaus, Und da findt man kein einzigen Bauern mehr z' Haus. Den ganzen Tag sitzt man aufn Pflug, Trinkt Bier aus ein steinernen Krug, Und auf d'Nacht kommt man z' Haus, was ist gwest? Um achte liegt alls schon im Nest!

Drum lob ich mir die Stadt, Wo man Freuden nur hat. Mich sehn s' nimmer aufn Land, Bei dem Volk ists a Schand.

Jetzt hab ich so viel Bediente, Steh um halber zwölf Uhr auf, Trink Kaffee und iß geschwinde Fünf bis sechs Polakel drauf.

Kurz, es kann kein schöners Leben Als mein jetziges mehr geben, Denn wer mich ansieht, 's ist ein Spaß, Fallt fast vor Ehrfurcht in die Fraß.

Was das für ein schönes Bewußtsein ist, einen guten Magen zu haben. Ich bin mit den meinen recht zufrieden, ein fleißiger Kerl, alle Achtung für ihn. Oh, ein Magen zu sein, ist eine schöne Charge. Sultan über zwei Reiche, übers Tierreich und übers Pflanzenreich. Ein wahrer Tyrann! Hendeln und Kapauner sind nur seine Sklaven, die druckt er zusammen, als wenn s' nie da gewesen wären. Und doch ein Ehrenmann, der keine Schmeicheleien mag, mit Süßigkeiten darf man ihm nicht kommen, da verdirbt man ihn ganz. Sackerlot, ich bin der fidelste Kerl auf der Welt! Eine Freud hab ich manchmal in mir, da wird mir so wohl ums Herz, so gut, daß ich alles zusammprügeln möcht, so seelenfroh bin ich. Und Geld hab ich, daß mir angst und bang dabei wird. Jetzt hab ich das Haus gekauft, und jetzt kauf ich mir noch einen saubern Weltteil, wo ein kleiner Garten dabei ist, das wird ein Leben werden. Lenzl!

Achter Auftritt

Lorenz. Voriger.

Lorenz. Was schaffen S'?

Wurzel. Wo steckst denn, daß dich um mich nicht umschaust?

Lorenz. Grad bin ich hinausgangen. Die Fräulein Lottel war vorher da und hat mit Ihnen reden wollen.

Wurzel. Untersteh dich nicht, daß du ein Wort von ihr redst, ich will nichts wissen von der Wasserprinzessin. Ist das ein Betragen für ein Haus wie das meinige? Statt daß ein vampirenes Kleid anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s' das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben Überrock herum.

Lorenz. Sie taugt halt nur aufs Land. Sie will halt eine niedrige Person sein.

Wurzel. Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt. Was ist denn heut für ein Tag?

Lorenz. Freitag.

Wurzel. Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat, ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr Fenster herüber wie ein Aff--Mit der Wacht laß ich ihn noch wegführen.

Lorenz. Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.

Wurzel. So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt sie mir ein Polster--was ist drauf ? ein großmächtiger Backfisch, aber ohne Kopf,--wie ich meinen drauflegen ist der ganze fertig.--Sie muß den reichen Juwelier heiraten.

Lorenz. Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind


Das Maedchen aus der Feenwelt - 4/20

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