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- Der Verschwender - 10/22 -


Flottwell. He, he, Herr Chevalier! Was machen Sie denn da?

Dumont. Ich bewundre der Natur!

Flottwell. Bravo! Sie dehnen Ihre Liebe zur Natur auf die höchsten und auf die gemeinsten Gegenstände aus.

Wolf. Schön oder häßlich, das gilt dem Herrn Chevalier ganz gleich.

Dumont. Was sagen Sie da von Häßlichkeit! Der Natur sein der höchster Poesie, und wahre Poesie kann nie gemein noch häßlich sein. Ich wollen mich für ihrer Schönheit schlagen, und schlagen lassen; und fallen ick, so schreib der Welt mir auf mein Grab:

Es schlafen unter diesem Stein Chevalier Dumont hier ganz allein, Er haben nur gemacht der Cour Auf Erd der himmlischen Natur. Nun seien tot. Welch glücklick Los! Er ruhn in der Geliebten Schoß Und wird, kehrt er im Himmel ein, Naturellement willkommen sein. (Geht stolz ab ins Schloß.)

Rosa (lest das Geschirr zusammen). Abscheulich! Allen Zudringlichkeiten ist man ausgesetzt in diesem Haus.

Flottwell. Weich Sie den Gästen aus, wenn sie Champagner getrunken haben. Ich bin sehr unzufrieden mit Ihr, Herr Wolf hat sich auch beklagt, daß Sie sehr unartig mit ihm ist und ohne Achtung von mir spricht.

Rosa. Der gnädige Herr Kammerdiener? Ah, jetzt muß ich reden--

Wolf (fein). Das soll Sie nicht, mein Kind, Sie soll nur Ihren Dienst versehen.

Rosa. Ich stehe bei dem gnädgen Herrn in Diensten und nicht bei gewissen Leuten.

Wolf. Schweig Sie nur--

Rosa. Nein, nichts will ich verschweigen. Alles muß heraus.

Wolf. Welche Bosheit!

Flottwell. Still! die Sache wird zu ernsthaft.

Rosa. Wissen Euer Gnaden, was der Kammerdiener gesagt hat?

Flottwell. Was hat er gesagt?

Rosa. Er hat gesagt--

(Valentin schnell.)

Valentin. Der Juwelier ist da.

Flottwell. Ah bravo! Nur geschwinde auf mein Zimmer. (Geht schnell ab.)

(Der Juwelier tritt von der Seite ein, und)

Wolf (führt ihn ins Schloß, vorher sagt er zu Rosa). Wir sprechen uns, Mamsell. (Ab.)

Rosa (steht wie versteinert). Da steh ich jetzt!

Valentin. Da steht sie jetzt.

Rosa. An wem soll ich nun meinen Zorn auslassen?

Valentin. Wart, ich besorg dir wem. (Will fort.)

Rosa. Du bleibst! An dir will ich mich rächen, du verhängnisvoller Mensch. (Geht auf ihn los.)

Valentin. An mir? Das ging' mir ab. Ich hab ja gar nichts gesagt als: Der Juwelier ist da.

Rosa. Still sei! oder--(Reibt auf und will ihm eine Ohrfeige geben, wird aber plötzlich schwach.) Weh mir! mich trifft der Schlag.

Valentin. Das ist ein Glück, sonst hätt er mich getroffen.

Rosa (springt). Der Juwelier soll hingehn, wo der Pfeffer wächst.

Valentin. Das kannst ihm selber sagen. Ich weiß nicht, wo er wächst.

Rosa. Schweig! ich weiß mich nicht zu fassen.

Valentin. Nu schimpf nur zu, der Juwelier wird dich schon fassen.

Rosa. Gleich geh mir aus den Augen (tut, als wollt sie ihm die Augen auskratzen), du bist an allem schuld!

Valentin. Ich hab ja gar nichts gsagt als: Der Juwelier ist da.

Rosa. Das ist ja dein Verbrechen eben. Du hättest gar nichts sagen sollen, wenn du siehst, daß meine Tugend auf dem Punkt steht, ihre Rechte zu verteidigen. (Ab.)

Valentin. Das ist schrecklich. Da darf ja eine noch so viele Untugenden haben, so kann man nicht soviel Verdruß haben als wegen derer ihrer unglückseligen Tugend. Und ich weiß mich gar nichts schuldig. Ich muß nur grad das Gesetzbuch aufschlagen lassen, um zu erfahren, was denn das für ein Verbrechen ist: Wenn einer sagt, der Juwelier ist da! (Ab.)

Achter Auftritt

Verwandlung

Kurzes Kabinett Flottwells. Durch die Fenster sieht man in eine Kolonnade und durch diese ins Freie.

Flottwell und der Juwelier treten ein.

Flottwell (sehr fröhlich.). Wo haben Sie den Schmuck? Geben Sie! Ich freue mich schon wie ein Kind! Wie wird sich erst Amalie freuen!

Juwelier. Hier ist er!

Flottwell (besieht ihn und wird ernst). Mein Gott, was haben Sie denn gemacht?

Juwelier. Wieso?

Flottwell. So kann ich ihn nicht brauchen!

Juwelier. Er ist nach Ihrer Angabe, gnädger Herr!

Flottwell (wird immer heftiger). Nein, nein! das ist er nicht!

Juwelier. Ganz nach der Zeichnung, ich versichere Sie!

Flottwell. Nein, nein, nein, nein. (Mißmutig.) Er ist zu altmodisch, auch sind es nicht die Steine, die ich ausgewählt.

Juwelier. Herr von Flottwell! das betrifft ja meine Ehre.

Flottwell. Die meine auch, ich kann den Schmuck nicht brauchen.

Juwelier. Ich nehm ihn nicht zurück.

Flottwell. Das müssen Sie.

Juwelier. Ich will ihn ändern.

Flottwell. Zu spät. Er ist ja ein Geschenk zum heutgen Fest. Sie haben meine schönste Freude mir gemordet durch Ihre Ungeschicklichkeit.

Juwelier (etwas beleidigt). Herr von Flottwell--(Faßt sich) Ich versichere Sie, es ist nur eine Grille.

Flottwell. Versichern Sie mich nicht, der Schmuck ist schlecht.

Juwelier. Betrachten Sie ihn nur.

Flottwell. Nein, er ist mir so zuwider, daß ich ihn zum Fenster hinauswerfen könnte.

Juwelier. Das werden Sie wohl bleibenlassen, denk ich!

Flottwell. Das werd ich nicht. Da liegt er! (Schleudert ihn zum Fenster hinaus.)

Juwelier (erschrocken). Ums Himmels willen! der Schmuck beträgt zweitausend Taler!

Flottwell (stolz). Ist Ihnen bange? Lumpengeld! Sie sollen es erhalten! Warten Sie! (Er eilt ins Kabinett.)

Juwelier. Das ist ein Wahnsinn, der mir noch nicht vorgekommen ist. Ich hol den Schmuck herein! (Läuft ab.)

(Man sieht den Bettler vor dem Fenster, welcher den Schmuck aufgehoben hat, ihn gen Himmel hält und singt.)

Bettler. Habt Dank, habt Dank, ihr guten Leute, Daß ihr so reichlich mich beschenkt, Mein Herz ist ja des Kummers Beute, Durch eigne Schuld bin ich gekränkt.

(Er entfernt sich durch die Säulen und wiederholt noch die letzten Worte in der Ferne.)

Juwelier (kommt bestürzt zurück). Der Schmuck ist fort, ich find ihn nicht.


Der Verschwender - 10/22

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