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- Der Verschwender - 2/22 -


Beide. Dann haben wir dadurch gewonnen.

Wolf. Seid uneigennützig. Das ist eine große Tugend.

Johann. Aber eine sehr schwere--nicht wahr, Herr Kammerdiener?

Wolf. Wo ist der Valentin? Hat er die Quittung von der Sängerin gebracht?

Fritz. Er ist noch nicht zurück, obwohl der gnädige Herr befohlen hat, er müßte bei der Jagd erscheinen, damit die Herren auf der Jagd etwas zu lachen hätten.

Wolf (lächelnd). Ein wahrhaft unschädlicher Bursche.

Johann. Da sollten doch der Herr Kammerdiener ein Werk der Barmherzigkeit ausüben und den gemeinen Kerl aus dem Hause bringen.

Wolf. Gott bewahre mich vor solcher Ungerechtigkeit. Das wäre gegen die Gesinnung meiner gnädgen Herrschaft. Der Bursche ist zwar plump und roh, doch gutmütig und treu. Dann steht er in der Gunst des Herrn, der seine Diener alle liebt wie eigne Kinder. Ja das ist wohl ein seltner Mann, der in der Welt nicht seinesgleichen findet. Und wollte man sein Lob in Büchern schreiben, man würde nie damit zu Ende kommen. Drum dankt dem Himmel, der euch in dies Haus geführt, denn wer ihm treu dient, der hat sich wahrlich selbst gedient. Das Frühstück für den gnädgen Herrn!

Fritz. Sogleich! (Geht ab.)

Johann (im Abgehen). Die Moralität dieses Menschen wird mich noch unter die Erde bringen. (Ab.)

Wolf. Das sind ein paar feine durchgetriebne Schufte. Die muß ich mir vom Halse schaffen.

Vierter Auftritt

Voriger. Baumeister Gründling.

Gründling. Guten Morgen, Herr Kammerdiener, kann ich die Ehre haben, Herrn von Flottwell meine Aufwartung zu machen?

Wolf. Herr Baumeister, ich muß um Verzeihung bitten, aber Seiner Gnaden haben mir soeben befohlen, Sie bei jedermann zu entschuldigen, denn Sie machen heute eine Jagdpartie.

Gründling. Wissen Sie nicht, Herr Kammerdiener, ob Herr von Flottwell meinen Plan zu dem Bau des neuen Schlosses für gut befunden hat?

Wolf. Er hat ihm sehr gefallen. Nur hat sich der Umstand ereignet, daß ihm auch ein anderer Baumeister einen ähnlichen Plan vorgelegt hat und sich erbietet, das Schloß in derselben Größe um zehntausend Gulden wohlfeiler zu bauen.

Gründling. Das tut mir leid, aber als ehrlicher Mann kann ich es nach seinen Anforderungen nicht wohlfeiler bauen. Ich übernehme diesen Bau überhaupt mehr aus Ehrgeiz als aus Gewinnsucht, hat aber Herr von Flottwell einen Künstler gefunden, von dem er sich Schöneres oder Besseres verspricht, so werde ich mich zu bescheiden wissen.

Wolf. Das heißt, es ist Ihnen nichts daran gelegen.

Gründling. Im Gegenteil, es ist meiner Ehre sehr viel daran gelegen.

Wolf. Ja dann müssen Sie Ihrer Ehre auch ein kleines Opfer bringen.

Gründling. Es wäre sehr traurig für die Kunst, wenn es mit ihr so weit gekommen wäre, daß die Künstler Opfer bringen müßten, um Gelegenheit zu finden, ein Kunstwerk hervorzubringen. Die Kunst zu unterstützen, ist ja der Stolz der Großen, und eine ökonomische Äußerung wäre an dem geldberühmten Herrn von Flottwell etwas Unerhörtes.

Wolf. Sie verstehen mich nicht, Herr Baumeister.

Gründling. Genug! Morgen will ich mit Herrn von Flottwell selbst darüber sprechen. Glauben Sie aber nicht, Herr Kammerdiener, daß ich ein Mann bin, der nicht zu leben versteht. Sollten Sie sich für die Sache bei dem gnädgen Herrn glücklich verwenden, so werde ich mich sehr geehrt fühlen, wenn Sie ein Geschenk von hundert Dukaten nicht verschmähen wollen.

Wolf. Sie verkennen mich. Eigennutz ist nicht meine Sache, ich spreche nur zum Vorteil meines gnädgen Herrn!

Gründling. Den werden Sie durch mich besser bezwecken, als wenn das Schloß von einem andern wohlfeiler und schlechter gebaut wird.

Wolf. Nun gut. Ich will versuchen, was mein geringer Einfluß zugunsten eines so großen Künstlers vermag, und gelingt es mir, so werde ich Ihr Geschenk nur unter der Bedingung annehmen, daß Sie mir erlauben, es auf eine wohltätige Weise für andere zu verwenden.

Gründling. Ganz nach Ihrem Belieben. (Beiseite.) Die Kunst mag mir diese Herabwürdigung verzeihen. (Laut.) Morgen erwarte ich einen günstigen Bescheid. (Will ab.)

Wolf (blickt zum Fenster hinaus). Teufel! der andere. (Schnell.) Wollen Sie nicht so gefällig sein, sich über die Nebentreppe zu bemühen, weil die Bedienten auf der großen Möbel transportieren. Ich empfehle mich ergebenste (Läßt ihn durch eine Seitentür hinausgehen. Wolf allein.) Diese Zitrone gibt wenig Saft, jetzt wollen wir die andere pressen.

Fünfter Auftritt

Voriger. Baumeister Sockel.

Sockel. Guten Morgen, Herr von Wolf! Sie haben mich rufen lassen, ich wäre schon gestern gekommen, aber ich hab ein Haus stützen müssen, was ich vor zwei Jahren erst gebaut hab. Verstanden? Ich sag Ihnens, man möcht jetzt lieber Holz hacken als Häuser bauen. Erstens brennen s' Ziegel, wenn man einen nur ein unbeschaffenes Wort gibt, so fallt er schon voneinander. Nachher wollen s' immer ein Million Zins einnehmen, lauter Zimmer, keine Mauern. Verstanden? Drum sind manche moderne Häuser auch so dünn, als wenn s' bloße Futteral über die alten wären. Hernach hat halt ein Baumeister vor Zeiten auf solide Einwohner rechnen können, aber jetzt zieht sich ja manchmal ein Volk hinein, das nichts als rauft und schlagt, Tisch und Stühl umwirft und das Unterste zu oberst kehrt. Ja wo soll denn da ein Haus die Geduld hernehmen, da wirds halt springgiftig, und endlich fallts vor Zorn zusamm. Verstanden?

Wolf. Das ist alles ganz recht, aber jetzt lassen Sie uns vernünftig reden.

Sockel. Erlauben Sie, aber meine Reden sind ein wahrer Triumph der Vernunft. Verstanden?

Wolf. Ich habe Ihnen die unangenehme Nachricht zu sagen, daß Sie den Bau des Schlosses nicht bekommen werden.

Sockel. Hören Sie auf, oder ich stürz zusamm wie eine alte Gartenmauer. Das ist ja nach unserer Verabredung nicht möglich! Verstanden?

Wolf. Der gnädge Herr will den Baumeister Gründling nehmen.

(Ein Bedienter, der Flottwell das Frühstück gebracht hat, kommt zurück.)

Sockel. Aber es war ja schon alles richtig. Ich hab Ihnen ja tausend G--

Wolf (rasch auf den Bedienten blickend). Nun ja, Sie haben mir da tausend Gründe gesagt, die--

Sockel. Nein, ich habe Ihnen versprochen--

Wolf. Ja (stampft unwillig mit dem Fuß), Sie haben versprochen, gute Materialien zu nehmen. Fritz, dort hat jemand geläutet. (Der Bediente geht in ein Kabinett ab.) Aber ich kann nicht dafür, daß ein anderer gekommen ist, der noch größere Versprechungen gemacht hat und das Schloß um zehntausend Gulden wohlfeiler baut.

Sockel. Aber das ist ja ein elender Mensch, der gar nicht zu bauen versteht. Ein hergelaufener Maurerpolier, ein Pfuscher, und ich bin ein Mann auf dem Platz. Verstanden?

Wolf. Es macht Ihnen sehr viel Ehre, daß Sie so über Ihren Kollegen schimpfen, aber das kann die Sache nur verschlimmern!

Sockel. Aber Sie bringen einem ja zur Verzweiflung. (Beiseite.) Ich kann den Bau nicht auslassen, er trägt mir zu viel ein. (Macht gegen das Publikum die Pantomime des Geldzählens.) Verstanden? (Laut.) Liebster Herr Kammerdiener, ich weiß, es hängt nur von Ihnen ab. Der gnädige Herr bekümmert sich nicht darum, er ist zu leichtsinnig. Ich geb Ihnen tausend Gulden Konventionsmünze.

Wolf. Herr!--Was unterfangen Sie sich--

Sockel. Ich unterfange mich, Ihnen noch fünfhundert Gulden zu bieten.

Wolf. Sie häufen ja Beleidigung auf Beleidigung--

Sockel. Freilich, ich bin der brutalste Kerl auf der Welt. Aber jetzt bin ich schon in meiner Grobheit drin, ich muß Ihnen noch fünfhundert Gulden antragen.

Wolf. Halten Sie ein! Sie empören mich mit solchen unmoralischen Zumutungen!

Sockel (beiseite). Ah, da möcht man sich selber köpfen.

Wolf. Ich sehe ein, daß Ihre Ehre--


Der Verschwender - 2/22

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