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- Der Verschwender - 20/22 -


Hiesel. Drauf ist er fortgelaufen und hat geweint.

Valentin (bricht in ein ironisches Lachen aus). Ha! ha! (Klatscht in die Hände.)

Rosa. Nu was sein das für Sachen?

Valentin. Still sei! Kinder, gehts hinaus.

Rosa. Warum nicht gar--

Valentin. Still sei--da setz dich nieder!

Rosa. Du!--

Valentin (drängt sie auf den Stuhl). Nieder setz dich! Kinder, gehts hinaus.

(Die Kinder geben ab.)

Hansel (im Abgehen). Nein, wies in unserm Haus zugeht, das ist schrecklich. (Ab.)

Rosa (springt auf). Jetzt was solls sein?

Valentin. Nur Geduld! Ich hab dich nicht vor den Kindern beschämen wollen, wie du mich! Was ist dir jetzt lieber? Willst du meinen gnädigen Herrn im Haus behalten, oder ich geh auch fort.

Rosa. Was? Was willst du für Geschichten anfangen, wegen einem fremden Menschen?

Valentin. Ist er dir fremd? Mir nicht! Einen Menschen, den ich Dank schuldig bin, der kann mir gar nicht fremd werden.

Rosa. Du bist Vater. Du mußt auf deine Kinder schauen.

Valentin. Er ist auch mein Kind, ich hab ihn angenommen.

Rosa. Nu das ist ein junges Kind.

Valentin. Ja, so jung als du ist er freilich nicht, denn du betragst dich, als ob du vier Jahr alt wärst.

Rosa. Kurz und gut: Ich leid ihn einmal nicht im Haus.

Valentin. Du leidest ihn nicht? Kinder! kommts herein.

(Alle Kinder.)

Alle Kinder. Was befiehlt der Vater?

Valentin. Ziehts euch an, ihr geht mit mir!

Hiesel. Wohin denn, Vater?

Valentin. Das werds schon sehen. Auf die Schleifen gehn wir nicht. Nehmt alles mit. Eure Studien. Das Namenbüchel. Die ganze Bibliothek. Den Hobel. Das ganze Arbeitszeug. Alles!

Rosa. Ah, das ist mir ja noch gar nicht vorgekommen!

Valentin. Gelt? Oh, es gibt Sachen, wovon sich unsere Philosophie nichts träumen läßt.

Hansel. Aber heut nimmt sich der Vater zusammen, das ist gscheidt.

Rosa (stemmt die Hände in die Seite). Du willst die Kinder aus dem Haus nehmen?

Valentin. Ich bin die Ursach, daß sie ins Haus gekommen sind, folglich kann ich s' auch aus dem Haus nehmen.

Liese. Aber Vater, was soll denn das werden? Das wär ja ganz entsetzlich.

Valentin (zu Liese). Willst du bei deiner Mutter bleiben?

Liese. Ja, das ist meine Schuldigkeit.

Valentin. So geh zu ihr! (Liese geht hin.) Buben, gehts her zu mir! (Die Buben treten auf seine Seite.) Das sind die Stützen meines Reiches. Die gehören mir zu. Machts euch fertig!

(Die Buben nehmen alles.)

Hiesel. Was soll denn ich noch nehmen?

Valentin. Den Zirkel, runder Kerl.

Rosa. Er macht wirklich Ernst. Das hätt ich meinen Leben nicht geglaubt.

Liese. Liebe Mutter, gib die Mutter nach.

Valentin. So, jetzt ist der Auszug fertig. Jetzt gebts acht. Jetzt werd ich kommandieren: Rechtsum, kehrt euch, marsch! (Will fort.)

Rosa (ruft ihm reumütig nach). Du Mann! Halt!

Valentin. Was gibts?

Rosa. Ich muß dir noch was sagen!

Valentin (für sich). Aha! jetzt fangen die Unterhandlungen an. (Laut.) Nur kurz! das sag ich gleich.

Rosa (leise). Laß die Kinder hinausgehn.

Valentin. Kinder, gehts hinaus!

Liese (für sich). Nu Gott sei Dank!

Hansel. Mir scheint, die Mutter gibt doch nach. Ja, wann wir Männer einmal anfangen, da muß es brechen oder gehn.

(Die Kinder ab.)

Valentin. Also was willst du jetzt?

Rosa (gutmütig). Schau, überleg dirs doch, du wirst dich überzeugen, ich hab recht.

Valentin. Still sei, sag ich. Oder ich ruf die Kinder herein.

Rosa. So laß doch drauß. Sie zerreißen ja zu viel Schuh, wenn sie immer hin und wieder laufen.

Valentin. Das nutzt dir alles nichts. Aut Aut! Oder, entweder--

Rosa. Gut, ich will mirs überlegen.

Valentin. Nichts überlegen. Heut muß er noch ins Haus, und eine Mahlzeit muß hergerichtet werden, daß die ganze Menschheit die Händ über den Kopf zusammenschlagen soll.

Rosa. Nu mir ists recht! Aber er verdients um uns nicht.

Valentin. Was sagst? Er verdients nicht? Wer ist denn schuld, daß wir so friedlich miteinander leben? Daß ich hab Meister werden können und das Häusel da gebaut hab, als die zweihundert Dukaten, die ich so nach und nach von ihm zu schenken gekriegt hab. Wem haben wir also unser bissel zu verdanken?

Rosa. Mich hat er aber nie mögen.

Valentin. Ist nicht wahr! Der Kammerdiener hat dich nur verschwärzt bei ihm. Sonst wären wir noch in seinem Haus.

Rosa. Ja wenn er eines hätte.

Valentin. Ja so. Da hab ich ganz vergessen drauf.

Rosa. Er hat mich bei jeder Gelegenheit heruntergesetzt. Einmal hat er sogar vor einer ganzen Gesellschaft gesagt--

Valentin. Was hat er denn gesagt?

Rosa. Das sag ich nicht.

Valentin. Geh, sag mirs, liebe Alte. Geh! Wer weiß, ists wahr?

Rosa. Ja es ist auch nicht wahr. Er hat gesagt: ich bin ausgewachsen.

Valentin. Das hat er gsagt? Und das hast du dir seit zwanzig Jahren noch gemerkt.

Rosa. Oh, so etwas vergißt ein Frauenzimmer nie.

Valentin. Nu das mußt ihm halt verzeihen. Mein Himmel! Ein junger Mensch. Er hat halt damals lauter so schiefe Ansichten gehabt. Dann ists ja auch nicht wahr. Du bist ja gebaut wie eine ägyptische Pyramiden. Wer könnt denn dir in deiner Gestalt etwas nachsagen? Das wär ja wirklich eine Verleumdung erster Gattung.

Rosa. Nu, der Meinung bin ich auch.

Valentin. Gelt, Alte, ja, wir behalten ihn da im Haus. Du wirst es sehen, ich werd recht fleißig arbeiten. Es schadt uns nichts. Im Gegenteil, 's geht mir alles besser von der Hand.

Rosa (nach einem kurzen Kampf). Nu meinetwegen. So solls denn sein.

Valentin (springt vor Freude). Bravo Rosel! das hab ich auch von dir erwartet. Ich hätt dich nicht verlassen, wenn ich auch heut fortgegangen wär. Oh! morgen auf die Nacht wär ich schon wieder nach Haus gekommen. Jetzt ist aber alles in der Ordnung. Kinder! kommts herein zum letzten Mal. (Alle Kinder.) Kinder, legt alles wieder hin. Wir ziehen nicht aus. Ich hab mit der Hausfrau da einen neuen Kontrakt abgeschlossen. Vater und Mutter sind versöhnt. Der gnädige Herr kommt ins


Der Verschwender - 20/22

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