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- Der Verschwender - 3/22 -


Sockel. Ah was Ehre! Es ist einem gerade keine Schande, wenn man ein Schloß baut, aber in Feuer lassen s' einem auch nicht vergolden deswegen. (Beiseite.) Nur das Geld ist verloren!

Wolf. Man wird Sie auslachen!

Sockel. Freilich, es hats die ganze Stadt erfahren.

Wolf. Wie war das möglich?

Sockel. Weil ichs meiner Frau gesagt hab.

Wolf. Ja sind Sie denn verheiratet?

Sockel. Leider! Verstanden?

Wolf (ängstlich). Haben vielleicht Kinder!

Sockel. Jawohl.

Wolf. Ach, das ist ja sehr traurig. Wie viele?

Sockel. Mein Gott, soviel Sie wollen, verschaffen Sie mir nur den Bau.

Wolf. Ja das muß ich wissen.

Sockel. Fünf, und zwei noch zu erwarten! Verstanden?

Wolf. Entsetzlich! Das rührt mich!

Sockel. Lassen Sie sich erweichen. Nehmen Sie die zweitausend Gulden.

Wolf (mit Bedauern). Sie sind Familienvater! Sie haben fünf Kinder! Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Und der andere Baumeister hat vielleicht keine Kinder.

Sockel. Kein einziges.

Wolf. Ah, da müssen Sie ja den Bau erhalten. Das wäre ja die höchste Ungerechtigkeit.

Sockel. O Sie edelmütger Mann!

Wolf. Jetzt kann ich Ihr Geschenk annehmen. Aber Sie müssen mir versprechen, ein Meisterstück für die Ewigkeit hinzustellen--

Sockel. Zehn Jahre keine Reparatur--

Wolf. Denn der Vorteil meiner gnädgen Herrschaft geht mir über alles.

Sockel (weinend). Große Seele!

(Beide in Flottwells Kabinett ab.)

Sechster Auftritt

Valentin.

Valentin. Lied Heissa lustig ohne Sorgen Leb ich in den Tag hinein, Niemand braucht mir was zu borgen, Schön ists, ein Bedienter z' sein. Erstens bin ich zart gewachsen Wie der schönste Mann der Welt, Alle Säck hab ich voll Maxen, Was den Mädchen so gefällt. Zweitens kann ich viel ertragen, Hab ein lampelfrommen Sinn, Vom Verstand will ich nichts sagen, Weil ich zu bescheiden bin. Drittens kann ich prächtig singen, Meine Stimme gibt so aus, Denn kaum laß ich sie erklingen, Laufen s' alle gleich hinaus.

Viertens kann ich schreiben, lesen, Hab vom Rechnen eine Spur, Bin ein Tischlergsell gewesen-- Und ein Mann von Politur. Fünftens, sechstens, siebntens, achtens Fallt mir wirklich nichts mehr ein, Darum muß meines Erachtens Auch das Lied zu Ende sein.

Ah! heut kann ich einmal mit Recht sagen: Morgenstund tragt Gold im Mund. Hat mir die Sängerin, die neulich bei unserm Konzert eine chinesische Arie gesungen hat, für das Honorar, was ich ihr von dem gnädigen Herrn überbracht hab, zwei blanke Dukaten geschenkt. Der gnädige Herr hat ihr aber auch für eine einzige Arie fünfzig Dukaten bezahlen müssen. Das ist ein schönes Geld. Aber das ist doch nichts gegen Engeland. In London, hör ich, da singen s' gar nach dem Gewicht. Da kommt eine von den großen Noten auf ein ganzes Pfund, drum heißt man s' auch die Pfundnoten. Da verdient sich eine an einen einzigen Abend einige Zenten. Die müssen immer ein Paar Pferd halten, daß sie ihnen das Honorar nachführen. Aber es war auch etwas Göttliches um diese Sängerin. Ich versteh doch auch etwas von der Musik, weil ich in meiner Jugend öfter nach den Noten geprügelt worden bin, aber im Distonieren kommt ihr keine gleich. Ich hab die ganze Arie nicht hören können, weil ich im Hof unten war und die Jagdhund besänftigt hab, damit s' nicht so stark dreingeheult haben, aber einmal hat sie einen Schrei herausgelassen--Nein, ich hab schon verschiedene Frauenzimmer schreien ghört, doch dieser Ton hat mein Innerstes erschüttert. Aber den schönsten Wohlklang hat sie doch erst gezeigt, wie sie die zwei Dukaten auf den Tisch geworfen hat, das macht sie unsterblich. Und wenn ich ein Theaterdirektor wär: die engagieret ich unter den schönsten Bedingungen. (Rosa schleicht sich herein, tritt langsam vor und steht bei den letzten Worten mit verscblungenen Armen neben ihm.) Und gelächelt hat sie auf mich--gelächelt hat sie--

Rosa. Nun und wie hat sie denn gelächelt? (Lächelt boshaft.) Wie denn? Hat sie so gelächelt--so?

Valentin. Ah, hör auf! Das ist ja nur eine Travestie auf ihr Lächeln. Du wirst dir doch nicht einbilden, daß du das auch imstand bist?

Rosa. Warum? Warum soll sie besser lachen können als ich?

Valentin. Nun, eine Person, die für eine Arie fünfzig Dukaten kriegt, die wird doch kurios lachen können?

Rosa. Ja, aber wer zuletzt lacht, lacht am besten, und die werd ich sein. Ich brauch keinen solchen Liebhaber, der in die Stadt hineinlauft und den Theaterprinzessinnen die Cour macht.

Valentin. Ich muß tun, was mir mein Herr befiehlt. Punktum!

Rosa. Du und dein Herr ist einer wie der andere.

Valentin. Nu das wär mir schon recht, da wär ich auch ein Millionär wie er.

Rosa. Du hast deine Amouren in der Stadt, und er hat s' im Wald draus. Und wie schaust denn wieder aus? Den ganzen Tag hat man zu korrigiern an ihm! Ist denn das ein Halstuch gebunden, du lockerer Mensch? Geh her! (Bindet es ihm.)

Valentin. So hör auf, du erwürgst mich ja, schnür mich nicht so zusamm!

Rosa. Das muß sein.

Valentin. Nein, das Schnüren ist sehr ungesund. Es wird jetzt ganz aus der Mod kommen. Du sollst dich auch nicht so zusammradeln.

Rosa. Das geht keinen Menschen was an!

Valentin. Aber wohl! Das Schnüren hätt sollen gerichtlich verboten werden, aber die Wirt sind dagegen eingekommen.

Rosa. Wegen meiner! Ja apropos, du stehst ja da, als wann ein Feiertag heut wär? Wirst gleich gehn und dich anziehn auf die Jagd!

Valentin. Jetzt muß ich wieder auf die verdammte Jagd.

Rosa. Ja wer kann dafür, daß du so ein guter Jäger bist?

Valentin. Ah, ich jag ja nicht, ich werd ja gejagt. Sie behandeln mich ja gar nicht wie einen Jäger. Ich ghör ja unters Wildpret. Das letztemal hat der gnädige Herr eine Wildente geschossen, und weil kein Jagdhund bei der Hand war, so hab ich sie müssen aus den Wasser apportieren, und wie ich mitten drin war, haben sie mich nimmer herauslassen.

Rosa. Und das laßt du dir so alles gfallen?

Valentin. Ja weil ich halt für meinen Herrn ins Feuer geh, so geh ich halt auch für ihn ins Wasser.

Rosa. Nu so tummel dich, es wird gleich losgehen.

Valentin. Die verflixte Jagd! Wann man nur nicht so hungrig würd, aber ich versichere dich: Ein Jäger und ein Hund frißt alle Viertelstund.

Rosa. Schäm dich doch!

Valentin. Du glaubst nicht, was man auszustehen hat. Was einem die Gäst alles antun. Meiner Seel, wenn mir nicht wegen dem gnädigen Herrn wär, ich prügelt sie alle zusamm.

Rosa. So red doch nicht immer vom Prügeln in einem vornehmen Haus. Da sieht man gleich, daß du unterm Holz aufgewachsen bist.

Valentin. Wirf mir nicht immer meinen Tischlerstand vor.

Rosa. Weil du gar so pfostenmäßig bist.


Der Verschwender - 3/22

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