Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything

Bride.Ru

Books Menu

Home
Author Catalog
Title Catalog
Sectioned Catalog

 

- Der Verschwender - 7/22 -


zeigen!--Ich hatte viele Perlen noch, als ich vor deines Vaters Schloß den siebzehnjährgen Julius erblickte. Du warst so hold wie Frühlingszeit, und ich vermochte nicht, mein liebgereiztes Aug von dir zu wenden. Von diesem Augenblick hatt ich dein Glück in mir beschlossen, und viele Perlen löste ich von meiner Krone ab und streute sie auf dein und deines Vaters Haupt. Daher der unermeßne Reichtum, den er sich in kurzer Zeit erwarb. Oh, hätt ichs nie getan! Er starb. Vom Undank nicht beweint, von dir allein. Du wardst der Güter Herr, und nun erkannt ich erst, daß alles, was ich für dein Wohl zu tun gedachte, durch deine Leidenschaft dir einst zum Unglück werden kann. Ich konnte meinem Herzen länger nicht gebieten, ich führte dich hieher und hab seit dieser Zeit mein höchstes Glück in deiner Lieb gefunden. Nun ist der Traum vorüber. Meine Perlen sind verschwendet, und die letzte mußt ich heut noch deinem Wohle opfern. Einst hab ich nicht bedacht, daß sie das Sinnbild bittrer Tränen werden könnte.

Flottwell. O Cheristane! was hast du getan? Ich laß dich nicht und werfe alles hin, wenn du mir bleibst. Und ziehst du fort, nimm auch mein Leben mit.

Cheristane. Oh, du bist freigebig gleich einem König, du könntest eine Welt verschenken, um einer Mücke Dasein zu erhalten. Doch ich will deine Großmut nicht mißbrauchen. Schenk mir ein Jahr aus deinem Leben nur. Ein Jahr, das ich mir wählen darf, auf das du nie mehr Anspruch machst.

Flottwell. Oh, nimm es hin! Nimm alles hin! Nimm dir das glücklichste, das einzige, das die nichtswürdge Seligkeit umfängt, die ich noch ohne dich genießen kann.

Cheristane. Ich danke dir, ich werde dich nicht hart berauben. Und nun bin ich gefaßt, fall ab, du irdscher Tand! Nur dieser Fels mag ein geheimnisvoller Zeuge sein, daß Cheristane einst auf Erden hat geliebt. (Wehmütige Musik. Sie verwandelt sich in die Gestalt einer reizenden Nymphe. Zugleich verwandelt sich die Hütte in einen Fels, der mit Blumen umwunden ist, von Palmen gleich Trauerweiden überschattet wird und in welchem der Name Cheristane eingegraben ist. Die praktikablen Blumen neigen sich, und aus den Gesträuchen heben sich zarte Genien und sinken trauernd zu Cheristanens Füßen.) Die Sonne sinkt, die Blumen neigen ihre Häupter, und meine Genien weinen still, weil sie mit mir die schöne Erde meiden müssen. Die Zeit ist da! Verbannung winkt!

(Musik.)

Flottwell (stürzt bewegt zu ihren Füßen). O Cheristane! Töte mich!

Cheristane. Hab Dank für deine süße Treu, mein teurer Erdenfreund! Was mich betrübt, ich darf es dir nicht sagen, darf dir nicht unser künftig Los enthüllen, doch könntest du des Donners Sprache und des Sturms Geheul verstehen, du würdest Cheristane um dich klagen hören. Oh, könnt ich meine Lieb zu dir in aller Menschen Herzen gießen, ich würde reich getröstet von dir ziehn! (Sie geht in die Kulisse. Die Genien folgen ihr. Musik beginnt. Cheristane fliegt auf Rosenschleiern, die ein geschwelltes Segel formen, von Genien, welche zart gemalt sind, umgeben, so daß das Ganze eine schöne Gruppe bietet, langsam aus der Kulisse über den See, in welchem sich plötzlich die ganze Gruppe abspiegelt. In diesem Augenblick blickt sie noch einmal wehmutsvoll auf Flottwell und ruft.) Julius, gedenke mein! (Dann verhüllt sie sich schnell in den dunklen Schleier ihres Hauptes, das sie trauernd beugt, und plötzlich verwandeln sich die rosigen Segelschleier in Trauerflöre, sowie die Gruppe der Genien nun in abendlicher Beleuchtung gemalt wie durch einen Zauberschlag erscheint. Der rosige Himmel umwölkt sich düster, und nur aus einem unbewölkten Feld schimmern ihr noch bleiche Sterne nach. Indem Cheristane in die entgegengesetzte Kulisse schwebt und)

Flottwell (auf den Fels sinkt und ausruft) O Gott, laß mich in meinem Schmerz vergehn! (fällt der Vorhang langsam.)

Zweiter Aufzug

Drei Jahre später

Erster Auftritt

Morgen. Im Hintergrunde die Hauptfronte von Flottwells neuerbautem Schlosse. An dem Fuße der breiten Stufen, welche zu dem palastartigen Portale führen, sitzt ein Bettler. Abgetragne Kleider, doch nicht zerlumpt. Wanderstab. Sein Haar ist grau, und tiefer Gram malt sich in seinen Zügen. Die Morgensonne beleuchtet ihn. Seitwärts ist ein Gittertor, durch welches man in den Schloßgarten sieht. In der Ferne erblickt man auf einem Hügel das früher bewohnte Schloß Flottwells. Die Fenster des neuen Schlosses sind geöffnet, in dem großen Saale brennen noch Lichter.

Flottwell und einige Gäste lehnen am Fenster.

Chor (im Tafelsaale). Laßt brausen im Becher den perlenden Wein! Wer schlafen kann, ist ein erbärmlicher Wicht. Und guckt auch der Morgen zum Fenster herein, Ein rüstiger Zecher lacht ihm ins Gesicht. Ha! ha! ha! ha! (Schallendes Gelächter.)

Der Bettler (zugleich mit dem Chor). Oh, hört des armen Mannes Bitte Und reicht ihm einen Bissen Brot! Der Reichtum thront in eurer Mitte, Mich drückt des Mangels bittre Not. (Das Gelächter beantwortet gleichsam sein Lied.)

Chor. Die düsteren Sorgen werft all über Bord! Ein Tor, der die Freude nicht mächtig erfaßt. Das Leben hält ja nur dem Fröhlichen Wort, Wer niemals genoß, hat sich selber gehaßt. Ha! ha! ha! ha!

Bettler. Oh, laßt mich nicht vergebens klagen, Seid nicht zu stolz auf eure Pracht! Ich sprach wie ihr in goldnen Tagen, Drum straft mich jetzt des Kummers Nacht. (Er senkt sein Haupt.)

(Valentin und Rosa kommen aus dem Garten.)

Valentin. Ich hab dir schon hundertmal gesagt, daß du mit dem Kammerdiener nicht so grob sein sollst. Du weißt, was er für ein boshafter Mensch ist, am End verschwärzt er uns beim Herrn.

Rosa. Still sei und red nicht, wenn du nichts weißt. Ich muß grob sein, weil ich eine tugendhafte Person bin.

Valentin. Ah, das ist ja keine Konsequenz. Da müßten ja die Sesseltrager die tugendhaftesten Menschen auf der Welt sein.

Rosa. Bist du denn gar so einfältig? Merkst du denn noch nicht, daß mir der Kammerdiener überall nachschleicht, daß ich nicht einmal in der Kuchel a Ruh hab.

Valentin. Ja was will er denn von dir?

Rosa. Er will mich zu seiner Kammerdienerin machen.

Valentin. In der Kuchel drauß? Er soll in seiner Kammer bleiben, wenn er ein ordentlicher Kammerdiener ist. Du gibst ihm doch kein Gehör?

Rosa. Du willst ja nicht, daß ich ihm meine Meinung sagen soll.

Valentin. Aber wohl! Das hab ich ja nicht gewußt. Wirf ihm deine Tugend nur an Kopf! Es schadt ihm nicht. Übrigens ist das sehr schön von dir, daß du mir das sagst.

Rosa. Nun warum soll ichs denn nicht sagen? Ich mag ihn ja nicht. Wenn er mir gfallet, so saget ich nichts.

Valentin. Bravo! Das sind tugendhafte Grundsätze. Aber der duckmauserische Kammerdiener! Der geht mir gar nicht aus den Kopf.

Rosa. Es ist nicht mehr zum Aushalten mit ihm. Alles will er dirigieren. Um die dümmsten Sachen bekümmert er sich.

Valentin. Jetzt lauft er gar dir nach.

Rosa. Überall muß er dabeisein.

Valentin. Nu neulich haben s' für unsern Koch Stockfische gebracht, da war er auch dabei. Wenn nur mit unsern gnädgen Herrn etwas zu reden wär, aber der ist seit einiger Zeit verstimmt als wie ein alts Klavier.

Rosa. Weil nichts aus seiner Heirat wird. Der Herr Präsident von Klugheim gibt ihm seine Tochter nicht. Er kann ihn gar nicht leiden.

Valentin. Wie soll er ihn denn nicht leiden können? Er kommt ja heut zur Tafel.

Rosa. Ja wenn sich die Leute alle leiden könnten, die miteinander an einer Tafel sitzen, da wär die ganze Welt gut Freund. Was außer dem Herrn Präsidenten da in unser Haus hergeht, das heißt man Tafelfreunde. Das sind nur Freunde von der Tafel, aber nicht von dem, der Tafel gibt.

Valentin. Und der Herr Präsident?

Rosa. Bei dem ists ganz ein andrer Fall. Das ist ein Ehrenmann. Der halt ein bessere Ordnung in sein Haus als unser Herr. Ich bin sehr gut bekannt dort, denn das Stubenmädel ist meine beste Freundin.

Valentin. Ich auch. Der Kutscher schätzt mich ungemein. Und


Der Verschwender - 7/22

Previous Page     Next Page

  1    2    3    4    5    6    7    8    9   10   11   12   20   22 

Schulers Books Home



 Games Menu

Home
Balls
Battleship
Buzzy
Dice Poker
Memory
Mine
Peg
Poker
Tetris
Tic Tac Toe

Google
 
Web schulers.com
 

Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything