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- Die gefesselte Phantasie - 10/16 -


(Laut.) Steh auf! Dies Land ist nicht so unbewohnt, als du es wähnst, hier atmen Tausende, und über sie herrscht eine junge und eine schöne Königin.

nachtigall. Also zwei Königinnen? Eine junge und eine schöne? Nun, wenn die junge auch schön ist, und die schöne auch jung, da muß einem schon die Wahl weh tun. Das wär ein Glück, wenn ich da Harfenist werden könnt’.

vipria. O du bescheid’ner Wurm! An ihrer Seite wirst du herrschen, morgen schon.

nachtigall. Hören S’ auf, Sie Gspaßige, Sie foppen mich. Eine Kinigin soll ich erhaschen? Ein’ Kiniglhasen vielleicht.

vipria. Zum Werkzeug meiner Rache hab’ ich dich entführt. Noch heute abend wirst du hier ein Preisgedicht verfassen, wodurch die Hand der Herrscherin dir werden muß. Unter Tausenden wirst du das Beste liefern.

nachtigall. Das Beste liefern? Selt’ne Tugend eines Lieferanten.

vipria. Jetzt eilst du hin und meldest dich in jenem herrlichen Palast; dort gibst du vor, du wärest ein Minstrel, ein Sänger aus dem fernen Engelland, dir wär’ Apoll’ erschienen im Begeist’rungstraum und hätte dir befohlen, in dies Land zu segeln und der Dichtkunst Ehre hier zu retten, und eine Würde zu erringen, die deinem Geist gebührt und deinem Stolz.

nachtigall. Das wird ein ungeheurer Triumph werd’n mit dem zerrissenen Hut und dem g’flickten Rock.

vipria. Ein Wink von mir wird dich in goldene Kleider hüllen, und eine goldene Harfe schenk’ ich dir.

nachtigall. Ah, da werd’ ich eine goldene Schneid’ haben, da geben S’ acht. Das ist die neueste Erfindung in der Medizin, daß Gold die Nerven stärkt, und wie haben s’ das entdeckt?--Da haben s’ einen armen Teufel, der vor Hunger kaum mehr geh’n hat können, alle Säck’ voll mit Dukaten gefüllt, und auf einmal hat sich eine solche Kraft bei ihm geäußert, und er ist so impertinent geworden, daß er die schönsten Leut’ bei der Tür hinausg’worfen hat. Bums, haben s’ ihm das Gold wieder weggenommen, und er war wieder so miserabel wie vorher.

vipria. Ich will an dir erproben diese Kraft. Geh hin, du wirst dort viele Dichter treffen, doch lache ihres Spotts. Zu Hermione laß dich führen, so heißt die Königin, dort bläh’ dich auf, durch Prahlerei vermehr’ die Häßlichkeit, die dir Natur verlieh’n, damit dein Anblick ihre Heiterkeit vergifte, dann kehrst du schnell zurück und schlägst an dieses Tor; hier wirst durch fremde Phantasie du das Gedicht erschaffen, das dich zu Hermionens ew’ger Qual zum Herrscher stempelt ihres Reichs und ihrer halb verlosch’nen Reize.

nachtigall. An das Tor soll ich anklopfen, wo die zwei Hausmeister vor der Türe liegen? Das laß ich bleiben! Wenn einer unrecht versteht, so macht er statt der Tür den Rachen auf. Da geh’ der Aken hinein, ich nicht.

vipria. Den Löwen kümmert nicht die Maus. Geh hin, versuch’s, die Schwester öffnet dir.

nachtigall. Jetzt haben die zwei Löwen eine Schwester auch noch. Was ist zu tun? Hier zwei männliche Löwen, (Auf Vipria deutend.) dort ein weiblicher Tiger. Wer ist jetzt bissiger? Aufs Beißen geht’s einmal los. (Entschlossen.) ich halt’s mit die Löwen. Doch, vielleicht sind sie ebenso großmütig als ich kleinmütig bin. Mut, Richard Löwenherz! (Lauft hin, klopft schnell an und springt gleich wieder zurück.) Getroffen hab’ ich! Was ich getroffen hab’, das wird der Himmel wissen.

2. Szene

(Die Torflügel springen auf, Arrogantia tritt heraus.)

vorige. arrogantia

arrogantia. Wer wagt es, anzupochen hier?

nachtigall. So ist’s recht! Eine war nicht g’nug zu meiner

arrogantia. Was willst du, Übergang vom Affen zu den

nachtigall. Da haben wir’s! Ich hab’s ja g’wußt, der

vipria. Wie kannst du den beschimpfen, den mein Blick Qual, die Fortsetzung kommt auch noch heraus. Menschen? zweite Teil ist immer schlechter als der erste. aus Millionen sich zum Werkzeug hat erkoren?

nachtigall. Just mich hat’s erwischt; das ist ein solches Glück, als wenn der zehnte Mann erschossen wird. vipria. Hier stell’ ich dir den Helden dieses Tags, den künft’gen Schach der Insel, vor.

arrogantia. Welch eine herrliche Karikatur! Ha, ha, ha! Freund, du bist die schönste Mißgestalt, die ich erblickt noch hab’.

nachtigall. Ich bitt’ recht sehr, meine schöne Bella- Donna, Sie sind zu gütig. Nein, was die für eine Beschreibung von mir herausgibt, das ist schandvoll.

vipria. Was macht die Phantasie? Hat sie den Käfig nicht zertrümmert?

arrogantia. Verzweiflung hat in ihr gewütet, doch blickt sie ruhig jetzt um sich, und bald erglänzt ihr Aug’, bald spiegelt eine Träne sich in ihm.

vipria. Sie dauert mich, die arme Nachtigall.

nachtigall. Also da drin haben s’ auch eine Nachtigall? Auf die Letzt geh’n die herum und fangen die Nachtigallen zusamm’. O ich unglücklicher Nachtigall! Auf die Letzt komm’ ich in ein Vogelhaus und muß aus einem Nirschel saufen, und mir ist ein Maßziment zu klein.

vipria. Wie steht’s mit unserem Dichterschwarm? Wirkt ihre Gefangenschaft auf ihn?

arrogantia. Herrlich! Alle Dichter dieser Insel rennen in geistloser Verwirrung durcheinander; auch nicht ein Vers steht ihren hohlen Köpfen zu Gebot, seit sich die Phantasie daraus entfernt.

vipria. So komm, ich will der Phantasie verkünden, wodurch sie ihre Freiheit kann erringen. Unterdessen wird sich dieser im Palaste Hermionens zeigen. Berühre ihn mit deinem Pfeil!

arrogantia. Erglänze, Kies, und werd’ zum Edelstein, von außen wenigstens! (Sie berührt Nachtigall; er hat ein mit Gold gesticktes Staatskleid an.)

vipria (berührt einen Baum, es hängt augenblicklich eine gold’ne Harfe daran). Und ich schenk’ diese Harfe dir, geh hin und lasse sie erklingen; Durch Harfenton erfreutest du so manches trübeHerz, Doch heute bring’ ein fröhliches durch ihren Klang zum Schmerz! Erring’ durch sie das Preisgedicht, du Sänger froher Lust, Und bohr’ dadurch den Rachepfeil in Hermionens Brust!

(Beide ab in ihren Palast.)

3. Szene

nachtigall allein

nachtigall. Jetzt laufen s’ alle zwei davon und lassen mich allein da steh’n. Wenn ich nur ein Wort verstanden hab’ von der ganzen Schnatterei, so bin ich ein schlechter Mann. Ich weiß gar nicht, was s’ mit mir da wollen. Wann ich lieber in meinem Bierhaus wär’, mir wird mein Lungenbratel kalt, das ich ang’schafft hab’. Und tu ich nicht, was sie schaffen, so bringen s’ mich am Ende gar um, die zwei Bißgurn. Anzogen hätten s’ mich schön, es könnt’ was herausschauen; aber ich kenn’ mich nicht aus, mir bleibt der Verstand aus, und ich soll ein Preisgedicht machen! Um keinen Preis, das kann ich nicht. Lieder hab’ ich genug gemacht, ich war sehr liederlich--will ich sagen liederreich; aber andere Vers’, gerührte, die hab’ ich noch nie versucht.--Ach was, ich verlasse mich auf meine zwei Rabenschwestern. Ich geh’ jetzt einmal in den Palast und hol’ mir entweder einen tüchtigen Respekt oder tüchtige Schläg’ ab. Der Zufall ist ein kurioser Kerl, der hat schon manchen herausgeholfen.

Arie. Der Zufall, der sendet viel’ Vögelchen um Von zweierlei Gattung per se, Die flattern der Welt um die Nase herum Und bringen ihr Wohl oder Weh’. Die Glücklichen hab’n eine rote Bordur, Die Schlimmen sind schwarz wie ein Rab’, Doch streifen die roten auf blumiger Flur, Die schwarzen, die fliegen talab. Drum send’ mir, o Zufall, ich bitte dich fein,


Die gefesselte Phantasie - 10/16

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