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- Die gefesselte Phantasie - 2/16 -


distichon. In wen?

odi. Ja seht, das weiß ich nicht.

narr. Ich bitte dich, bewahre dein Geheimnis.

affriduro. Was sprachst du für ein Wort?

odi. Als gestern sie den stillen Hain betrat, wo sie so gerne weilt, schlich ich ihr nach und sah, wie ein Gedicht sie aus dem Busen zog, das sie wohl mehr als zwanzigmal geküßt.

distichon (seufzend). O! wär ich dies Gedicht gewesen!

narr. Dann hätt’ sie’s sicher nicht gelesen.

odi. Dann rief begeistert sie: "Nur ein Genie, das so die Liebe schildern kann, ist meiner Liebe wert."

distichon (beiseite). War’s mein Gedicht, bin ich der Glückliche?

odi. Doch in dem Augenblick kam Amphio mit ihrer Lilienherde, und ich ward verscheucht.

affriduro. Sag’ mir doch, Odi, wie kommt Amphio, ein Fremdling hier im Lande, zu der Ehre, Hermionens Lieblingslämmer zu bewachen?

odi. Das will ich euch erzählen. Dieser Hirt scheint mir nichts Gewöhnliches zu sein. Der Aufseher der fürstlichen Herde ward vor einem Jahr von einer Schlange überfallen, die ihn getötet hätte, wenn nicht ein junger Wanderer aus einem Busche springt und sie erschlägt. Amphio war der kühne Jüngling, er forderte keinen Dank, als einen kleinen Dienst in unserem Land; er wäre eine Waise, sagte er, und suchte unter fremden Völkern nun sein Glück, da er’s in seiner Heimat nicht gefunden hat. Der Aufseher, von Dankbarkeit bewegt, erinnert sich, daß er einen Stier besäße, welcher gold’ne Hörner trägt. distichon. Goldene Hörner? Hätt’ ich diesen Stier, das wär’ ein Kapital!

narr. Mir wär’ ein Hirsch mit gold’nem G’weih viel lieber, der wirft doch alle Jahr’ Interessen ab.

odi. Nun stellt euch vor, von Dankbarkeit bewegt, ernennt er ihn zum Hüter dieses Stiers.

narr (weint). O, edler Mann! O schöne Vermundschaft! Wie war denn das? Hat der Ochs ihm befohlen oder er dem Ochsen?

odi. Das letztere.

narr. Das ist doch noch ein Glück. Ich hab’ das erste auch erlebt schon in der Welt.

odi. Und da er seinen Dienst so treu versah, schwang er sich zum Hirten uns’rer Lilienherde auf; doch liegt etwas Geheimnisvolles in dem Jungen, und daß zum Hirten er geboren, glaub’ ich nimmermehr.

affriduro. Hermione naht, zieht euch zurück.

4. Szene

hermione. gefolge. vorige

chor. Heil Hermione! Glücklich die Zone, In der sie thront!

hermione. Ganz ungewöhnlich ist die Stunde zwar, in der ihr meine Gegenwart verlangt, doch gibt es keine Zeit, in der ich euch nicht angehörte; stets haben unsere Wünsche freundlich sich begrüßt, daß sie sich heute feindlich trennen werden, hoff’ ich nicht. Sprecht aus, was ihr begehrt!

affriduro. Auf dein Geheiß, o Königin, befragt’ ich das Orakel des Apoll’, wodurch der Übermut der Zauberschwestern sei zu bändigen und was durch sie die dunkle Zukunft unserem Lande droht.

hermione. Und des Orkakels Spruch?

affriduro. Verderben, Krieg droht Eurem Blumenreich, wenn Ihr die Zauberschwestern nicht daraus verjagt.

alles. Wehe uns!

hermione. Was raten meine Weisen mir?

distichon (tritt vor). So höre mich denn, hohe Hermione!

narr (springt in die Mitte). Um des Himmels willen, du vergißt dich ja! Die Weisen sollen sprechen; du hast das Gegenteil verstanden; bist denn du ein Weiser?

distichon. Das bin ich--oder hältst du mich für einen Narren?

narr (bescheiden protestierend). Du hast mich eben dieser Müh’ enthoben.

distichon. Wieso?

narr. Du glaubst ja fest, daß du ein Weiser bist.

distichon (unwillig). Nun ja!

narr. Da hältst du dich ja selbst für einen Narren; was brauch’ denn ich’s zu tun? Für naseweis hab’ ich dich stets gehalten, doch eine and’re Weisheit trau’ ich dir nicht zu.

distichon. Das gedenk’ ich dir, Bastard des Jokus!

hermione. Endet euren Streit! Sprich, Affriduro, kann Gewalt uns retten?

affriduro. Gewalt? Zum erstenmal hör’ ich dies Wort von dir. Entsprossen aus dem Stamme deines güt’gen Vaters, herrschest du durch Sanftmut stets. Wir kennen hier nur Poesie, Gesang und Tanz; der rauhe Klang der Waffen ist uns unbekannt, nur ein arkadisch’ Leben führten wir bis jetzt. Von einer Seite schützt des Meeres Wellenschild unseren blumenreichen Strand, und von der andern trennen steile Berge uns von unserem mächt’gen Nachbar, dem König von Athunt. Die Waffen sind uns fremd, wir kennen nur die List.

narr. Ich rate auch zur List; sie machen sich zu mausig hier, drum muß man sie wie Mäuse fangen. (Beiseite.) Ich richte eine diamant’ne Falle auf und statt dem Speck häng’ ich zwei türk’sche Schals hinein.

affriduro. Doch höre des Orakels Schluß. Nicht eher wird die Macht der Zauberschwestern sich besiegen lassen, bis Hermione sich vermählt und dem Lande einen Herrscher gibt, der gleich ihr zu herrschen würdig ist; wenn das geschieht, wird jene Macht verschwinden. Drum hör’ die Bitte deines ganzen Reichs und wähle dir den König von Athunt, er strebt nach deiner Hand. Du besitzest Geist, er Mut und Macht; erwähle ihn, bevor die Zauberschwestern noch in seine Brust des Hasses Samen streu’n, und mit Gewalt er fordert, was du seinem Edelmut verweigert hast. Du wirst dem Schicksal nicht entrinnen, denn die Sterne prophezeien unserem Lande einen Herrscher aus dem Hause von Athunt.

hermione. Als vor zwei Jahren der König von Athunt mit seinem Sohn an meinem Hof erschien, für sich um meine Hand zu werben, gestand ich ihm ja frei, daß ich, vom Wert der Poesie begeistert, im Tempel des Apollo ein Gelübde abgelegt, als Gemahl nur einen Sänger hoher Lieder zu umarmen; sei er der Ärmste meines Volkes auch, wenn er nur reich ist an Gemüt und hohem Geist. Der König von Athunt belächelte den Schwur, gestand, daß er die Verse nur mit blut’gem Schwert zu schreiben wüßte. Er zog von meinem Hof; doch hinterließ er das Versprechen mir, daß er den schönen Frieden meines Landes niemals stören wolle. Glaubst du, ich hätte meinen Schwur vergessen? Nur einem Sohn der Musen reich’ ich meine Hand.

distichon (stolz). Mein Vaterland ist der Parnaß.

narr. Ich bin vom Kahlenberg zu Haus.

affriduro. Erwäge des Orakels Spruch, und wählest du nicht ihn, so wähle doch und rette dadurch deine Treuen.

hermione (für sich). Peinliche Verlegenheit! Was beginn’ ich? Mein Herz ist ja nicht frei.

alles (kniet). Wir flehen zu dir, Herrscherin!

hermione. Wohlan, so will ich wählen. Wenn wiederum der Mond uns seine Sichel zeigt, so werd’ ich meine Hand verschenken.

alles. Heil, Hermione!

hermione. Bis dahin will ich meines Stolzes Panzer mit geschmeid’gem Samt der Klugheit überziehen und durch sanfte Worte die Zauberschwestern zu gewinnen suchen. Eilet hin nach ihrem Schloß und bescheidet sie hierher.


Die gefesselte Phantasie - 2/16

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