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- Die gefesselte Phantasie - 6/16 -


bunten Schwingen zu mir niedertaucht? So wie der Arzt den Kranken jeden Tag besucht, so schwebst du jeden Morgen zu mir nieder, zu heilen meinen liebekranken Geist. Durch dich begeistert sang ich jene Lieder, die mir das Herz der Königin errangen; dir verdanke ich die schöne Hoffnung, an Hermionens Hand zu herrschen über dieses Reich. Ihre Liebe nenn’ ich mein, sie selbst gestand es mir. Nun will ich meinen Rang entdecken, um heimzuführ’n die königliche Braut; doch dir muß ich’s vorher vertrauen, hohe Phantasie, du hast den wilden Mut in mir gezähmt, zum stillen Hirten mich gemacht, und nur dein Rat soll mich bestimmen, ob ich den Schleier ziehen darf von dieser Täuschung Bild. Doch, was seh’ ich? Eine andre Sonne strahlt mir dort entgegen, Hermione ist’s, die über jene Hügel eilt. Ist’s Freude, ist es Angst, die ihre Schritte so beflügelt?

13. Szene

voriger. hermione.

amphio (eilt ihr entgegen und sinkt zu ihren Füßen). Gebieterin!

hermione (spricht die ganze Szene schnell und unruhig). Heut’ bin ich’s nicht; ich hab’ die Herrschaft abgetreten an die Zeit, ein Sklave bin ich meiner Eile.

amphio. Mir bangt um dich. Was kämpft in dir?

hermione. Vertrauen gegen Furcht. Mein Volk, der Zaubernymphen Wut, Apollo selbst befiehlt, daß ich mein Herz noch heute binden muß.

amphio. Dein Herz? Ist es noch dein?

hermione (sanft). Du weißt es ja.--Doch meine Hand--

amphio. Weh’ mir!

hermione. Sei ruhig, Amphio! Ein schöner Sieg winkt deinem Geist. Von dem Gedicht, das du mir gestern überreicht, aufs neue überzeugt, daß du gegen alle Dichter meines Reichs ein Krösus bist an Phantasie, hab’ ich, dich heute abend noch Gemahl zu nennen, den kühnen Schwur gewagt: "Wer bis zur siebenten Stunde mir die schönste Dichtung liefert, erhält noch heute meine Hand und dieses Reich."

amphio. O wie beglückst du mich! (Beiseite schnell.) Ha, Wink der Phantasie! Die Dichtkunst soll allein den hohen Preis erringen! Nein, ich entdecke mich noch nicht. das höchste Glück soll durch mich selbst mir werden.

hermione. Was vertrauest du den Lüften deine Worte? Bist du verwirrt?

amphio. Verzeih’, die Freude tanzt mit meinen Sinnen. Vertrau’ auf mich und meiner Liebe Kraft! Mein wird der Sieg, ich kämpfe ja um dich, darum ist das Gefühl der Dichter deines Landes ein Tau gegen das Meer meiner Empfindungen.

hermione. Ja, ich vertraue dir. Die Hoffnung schwingt die gold’ne Fahne! Doch jetzt leb’ wohl; ich eile in den Tempel, um zu bekräftigen den Schwur, und wenn die Sonne sinket in des Meeres Silberschloß, so sink’ ich dir, dem Sieger, dankend an die Brust. Doch jetzt entflieh’, man suchet mich; dann eile nach dem Tempel hin, dort wird durch des Orakels Mund des Preisgedichtes Stoff dir kund.

amphio. Leb’ wohl, vertrau’ auf mich! (Entfernt sich schnell.)

14. Szene

Der narr. Dann affriduro und inselbewohner. vorige

narr. Verzeih’, ich bin vorausgeeilt, dich tiefergebenst abzuholen. hermione. Kömmst du allein?

narr. O nein! Ein Narr bringt zehn. (Deutet in die Szene.) affriduro (tritt auf und verbeugt sich). Ich bin der zweite-- (kleine Pause.) der die Nachricht bringt, daß dich Apoll erwartet.

(Neun Inselbewohner treten auf, verbeugen sich und stellen sich auf einer Seite fünf, auf der andern vier, daß Affriduro der fünfte ist.)

narr. Ich halte Wort, die Zahl ist voll.

hermione. So folget mir! (Alles ab.)

narr. Ihr Narren geht voraus, der Weise folget nach. (Geht gravitätisch nach.)

15. Szene

(Die beiden liegenden Statuen verschwinden und statt ihnen liegen die Zauberschwestern in der nämlichen Stellung auf den Postamenten, springen erzürnt auf und gehen auf und ab.)

vipria. arrogantia

vipria. Nein, das ist zu viel! Einen Hirten liebt sie! Das hat die Sonne nicht erlebt. Ist er denn wirklich schön? Ich hab’ ihn nicht genau betrachtet.

arrogantia. Er hat ein glänzend’ Aug’.

vipria. Im Ernst?

arrogantia. Und Lippen wie Rubin.

vipria. Da hätt’ er sich in uns verlieben sollen, nicht in sie.

arrogantia. Der Meinung bin ich auch.

vipria. Sie darf ihn nicht besitzen!--Wie verhind’re ich es?

arrogantia. Ach, sinne, Schwesterchen! ich bitte dich.

vipria. Geduld!--Durch ein Gedicht soll ihre Hand ihm werden, ist es nicht so? Das Dichten muß man ihm verleiden. Doch wie? Ich frag’ dich, Zauberstern! (Zieht den Stern heraus und sieht hinein, fährt auf.) Hollah! Was spiegelt sich in dir? Was schwebt da in des Himmels Blau? Blick’ auf!

arrogantia (blickt in die Luft). Ein Adler ist’s.

vipria. Du irrst, es ist die Phantasie, sie kömmt zu Amphio, sie hat ihm Hermionens Hand gelobt.

arrogantia. So sagte er.

vipria. Jetzt lebt es auf in mir; mein Plan ist reif! Wir fangen sie und sperren sie dann ein, dann will ich sehen, wer ein Gedicht hier schreibt.

arrogantia. Ich habe viel Verstand, doch dich versteh’ ich nicht.

vipria. Begreif’s! Wer dichtet denn? Die Phantasie ist’s, die Gedanken schafft. Wir halten sie gefangen, dann fällt keinem Dichter etwas ein.

arrogantia. Also wird auch kein Preisgedicht gemacht?

vipria. Es wird gemacht, heut’ abend noch, doch zwingen werde ich die Phantasie, den zu begeistern, den ich für Hermione zum Gemahl bestimmt, und wie der aussehen wird, das kannst du dir wohl denken; und nehmen muß sie ihn, wenn er das Beste liefert: sie schwört’s in diesem Augenblick im Tempel des Apoll’.

arrogantia. Ein schöner Plan!--verbergen wir uns jetzt! vipria. Flieg’ nur, mein Vögelchen, du fliegst in unser Netz.

(Beide verbergen sich, die Statuen erscheinen wieder an ihrer vorigen Stelle, das Ritornell der Arie beginnt. Die Phantasie schwebt mit ausgespreiteten irisfarbigen Flügeln auf rosigem Nebel nieder.)

16. Szene

die phantasie allein

phantasie. Arie. Ich bin ein Wesen leichter Art, Ein Kind mit tausend Launen, Das Nied’res mit dem Höchsten paart, ’s ist wirklich zum Erstaunen. Kurzum ich bin ein Kraft-Genie: Sie sehn in mir die Phantasie.

(Ans Publikum.)

Wenn rauhe Wirklichkeit auch gleich Verwundet Ihre Herzen,


Die gefesselte Phantasie - 6/16

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