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- Die Piccolomini - 6/25 -


Questenberg. Erklären Sie mir nur--

Octavio. Und konnt' ich's nicht Vorhersehn? Nicht die Reise hintertreiben? Warum verschwieg ich's ihm?--Sie hatten recht, Ich mußt' ihn warnen--Jetzo ist's zu spät.

Questenberg. Was ist zu spät? Besinnen Sie sich, Freund, Daß Sie in lauter Rätseln zu mir reden.

Octavio. (gefaßter). Wir gehn zum Herzog. Kommen Sie. Die Stunde Rückt auch heran, die er zur Audienz Bestimmt hat. Kommen Sie!-- Verwünscht! dreimal verwünscht sei diese Reise! (Er führt ihn weg. Der Vorhang fällt.)

Zweiter Aufzug

Saal beim Herzog von Friedland

Erster Auftritt

Bediente setzen Stühle und breiten Fußteppiche aus. Gleich darauf Seni, der Astrolog, wie ein italienischer Doktor schwarz und etwas phantastisch gekleidet. Er tritt in die Mitte des Saals, ein weißes Stäbchen in der Hand, womit er die Himmelsgegenden bezeichnet.

Bedienter. (mit einem Rauchfaß herumgehend) Greift an! Macht, daß ein Ende wird! Die Wache Ruft ins Gewehr. Sie werden gleich erscheinen.

Zweiter Bedienter. Warum denn aber ward die Erkerstube, Die rote, abbestellt, die doch so leuchtet?

Erster Bedienter. Da frag den Mathematikus. Der sagt, Es sei ein Unglückszimmer.

Zweiter Bedienter. Narrenspossen! Das heißt die Leute scheren. Saal ist Saal. Was kann der Ort viel zu bedeuten haben?

Seni. (mit Gravität) Mein Sohn! Nichts in der Welt ist unbedeutend. Das Erste aber und Hauptsächlichste Bei allem ird'schen Ding ist Ort und Stunde.

Dritter Bedienter. Laß dich mit dem nicht ein, Nathanael. Muß ihm der Herr doch selbst den Willen tun.

Seni. (zählt die Stühle) Eilf! Eine böse Zahl. Zwölf Stühle setzt, Zwölf Zeichen hat der Tierkreis; Fünf und Sieben, Die heil'gen Zahlen, liegen in der Zwölfe.

Zweiter Bedienter. Was habt Ihr gegen Eilf? Das laßt mich wissen.

Seni. Eilf ist die Sünde. Eilfe überschreitet Die zehn Gebote.

Zweiter Bedienter. So? Und warum nennt Ihr Die Fünfe eine heil'ge Zahl?

Seni. Fünf ist Des Menschen Seele. Wie der Mensch aus Gutem Und Bösem ist gemischt, so ist die Fünfe Die erste Zahl aus Grad' und Ungerade.

Erster Bedienter. Der Narr!

Dritter Bedienter. Ei, laß ihn doch! Ich hör ihm gerne zu, Denn mancherlei doch denkt sich bei den Worten.

Zweiter Bedienter. Hinweg! Sie kommen! Da! zur Seitentür hinaus.

(Sie eilen fort. Seni folgt langsam.)

Zweiter Auftritt

Wallenstein. Die Herzogin.

Wallenstein. Nun, Herzogin? Sie haben Wien berührt, Sich vorgestellt der Königin von Ungarn?

Herzogin. Der Kaiserin auch. Bei beiden Majestäten Sind wir zum Handkuß zugelassen worden.

Wallenstein. Wie nahm man's auf, daß ich Gemahlin, Tochter Zu dieser Winterszeit ins Feld beschieden?

Herzogin. Ich tat nach Ihrer Vorschrift, führte an, Sie hätten über unser Kind bestimmt Und möchten gern dem künftigen Gemahl Noch vor dem Feldzug die Verlobte zeigen.

Wallenstein. Mutmaßte man die Wahl, die ich getroffen?

Herzogin. Man wünschte wohl, sie möch' auf keinen fremden Noch lutherischen Herrn gefallen sein.

Wallenstein. Was wünschen Sie , Elisabeth?

Herzogin. Ihr Wille, wissen Sie, war stets der meine.

Wallenstein. (nach einer Pause) Nun--Und wie war die Aufnahm' sonst am Hofe? (Herzogin schlägt die Augen nieder und schweigt.) Verbergen Sie mir nichts--Wie war's damit?

Herzogin. Oh! mein Gemahl--Es ist nicht alles mehr Wie sonst--Es ist ein Wandel vorgegangen.

Wallenstein. Wie? Ließ man's an der alten Achtung fehlen?

Herzogin. Nicht an der Achtung. Würdig und voll Anstand War das Benehmen--aber an die Stelle Huldreich vertraulicher Herablassung War feierliche Förmlichkeit getreten. Ach! und die zarte Schonung, die man zeigte, Sie hatte mehr vom Mitleid als der Gunst. Nein! Herzog Albrechts fürstliche Gemahlin, Graf Harrachs edle Tochter, hätte so-- Nicht eben so empfangen werden sollen!

Wallenstein. Man schalt gewiß mein neuestes Betragen?

Herzogin. O hätte man's getan!--Ich bin's von lang her Gewohnt, Sie zu entschuldigen, zufrieden Zu sprechen die entrüsteten Gemüter-- Nein, niemand schalt Sie--Man verhüllte sich In ein so lastend feierliches Schweigen. Ach! hier ist kein gewöhnlich Mißverständnis, keine Vorübergehende Empfindlichkeit-- Etwas unglücklich, unersetzliches ist Geschehn--Sonst pflegte mich die Königin Von Ungarn immer ihre liebe Muhme Zu nennen, mich beim Abschied zu umarmen.

Wallenstein. Jetzt unterließ sie's?

Herzogin. (ihre Tränen trocknend, nach einer Pause) Sie umarmte mich, Doch erst, als ich den Urlaub schon genommen, schon Der Türe zuging, kam sie auf mich zu, Schnell, als besänne sie sich erst, und drückte Mich an den Busen, mehr mit schmerzlicher Als zärtlicher Bewegung.

Wallenstein. (ergreift ihre Hand) Fassen Sie sich!-- Wie war's mit Eggenberg, mit Lichtenstein Und mit den andern Freunden?

Herzogin. (den Kopf schüttelnd) Keinen sah ich.

Wallenstein. Und der hispanische Conte Ambassador, Der sonst so warm für mich zu sprechen pflegte?

Herzogin.


Die Piccolomini - 6/25

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