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- Wallensteins Tod - 2/38 -


Das fällt dir selbst nicht ein! Und da sie nun Berichtet sind, wie weit du schon gegangen, Sprich! was erwartest du? Bewahren kannst du Nicht länger dein Kommando, ohne Rettung Bist du verloren, wenn du's niederlegst.

Wallenstein. Das Heer ist meine Sicherheit. Das Heer Verläßt mich nicht. Was sie auch wissen mögen, Die Macht ist mein, sie müssen's niederschlucken, --Und stell ich Kaution für meine Treu', So müssen sie sich ganz zufrieden geben.

Illo. Das Heer ist dein; jetzt für den Augenblick Ist's dein; doch zittre vor der langsamen, Der stillen Macht der Zeit. Vor offenbarer Gewalt beschützt dich heute noch und morgen Der Truppen Gunst; doch gönnst du ihnen Frist, Sie werden unvermerkt die gute Meinung, Worauf du jetzo fußest, untergraben, Dir einen um den andern listig stehlen-- Bis, wenn der große Erdstoß nun geschieht, Der treulos mürbe Bau zusammenbricht.

Wallenstein. Es ist ein böser Zufall!

Illo. Oh! einen glücklichen will ich ihn nennen, Hat er auf dich die Wirkung, die er soll, Treibt dich zu schneller Tat--Der schwed'sche Oberst--

Wallenstein. Er ist gekommen? Weißt du, was er bringt?

Illo. Er will nur dir allein sich anvertraun.

Wallenstein. Ein böser, böser Zufall--Freilich! Freilich! Sesina weiß zu viel und wird nicht schweigen.

Terzky. Er ist ein böhmischer Rebell und Flüchtling, Sein Hals ist ihm verwirkt; kann er sich retten Auf deine Kosten, wird er Anstand nehmen? Und wenn sie auf der Folter ihn befragen, Wird er, der Weichling, Stärke g'nug besitzen?--

Wallenstein. (in Nachsinnen verloren) Nicht herzustellen mehr ist das Vertraun. Und mag ich handeln, wie ich will, ich werde Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben. Und kehr ich noch so ehrlich auch zurück Zu meiner Pflicht, es wird mir nichts mehr helfen--

Illo. Verderben wird es dich. Nicht deiner Treu', Der Ohnmacht nur wird's zugeschrieben werden.

Wallenstein. (in heftiger Bewegung auf und ab gehend) Wie? Sollt' ich's nun im Ernst erfüllen müssen, Weil ich zu frei gescherzt mit dem Gedanken? Verflucht, wer mit dem Teufel spielt!--

Illo. Wenn's nur dein Spiel gewesen, glaube mir, Du wirst's in schwerem Ernste büßen müssen.

Wallenstein. Und müßt' ich's in Erfüllung bringen, jetzt, Jetzt, da die Macht noch mein ist, müßt's geschehn--

Illo. Wo möglich, eh' sie von dem Schlage sich In Wien besinnen und zuvor dir kommen--

Wallenstein. (die Unterschriften betrachtend) Das Wort der Generale hab ich schriftlich-- Max Piccolomini steht nicht hier. Warum nicht?

Terzky. Es war--er meinte--

Illo. Bloßer Eigendünkel! Es brauche das nicht zwischen dir und ihm.

Wallenstein. Es braucht das nicht, er hat ganz recht-- Die Regimenter wollen nicht nach Flandern, Sie haben eine Schrift mir übersandt Und widersetzen laut sich dem Befehl. Der erste Schritt zu Aufruhr ist geschehn.

Illo. Glaub mir, du wirst sie leichter zu dem Feind Als zu dem Spanier hinüber führen.

Wallenstein. Ich will doch hören, was der Schwede mir Zu sagen hat.

Illo. (pressiert) Wollt Ihr ihn rufen, Terzky? Er steht schon draußen.

Wallenstein. Warte noch ein wenig. Es hat mich überrascht--Es kam zu schnell-- Ich bin es nicht gewohnt, daß mich der Zufall Blind waltend, finster herrschend mit sich führe.

Illo. Hör ihn fürs erste nur. Erwäg's nachher. (Sie gehen.)

Vierter Auftritt

Wallenstein. (mit sich selbst redend) Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müßte Die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht, Nicht die Versuchung von mir wies--das Herz Genährt mit diesem Traum, auf ungewisse Erfüllung hin die Mittel mir gespart, Die Wege bloß mir offen hab gehalten?-- Beim großen Gott des Himmels! Es war nicht Mein Ernst, beschloßne Sache war es nie. In dem Gedanken bloß gefiel ich mir; Die Freiheit reizte mich und das Vermögen. War's unrecht, an dem Gaukelbilde mich Der königlichen Hoffnung zu ergötzen? Blieb in der Brust mir nicht der Wille frei, Und sah ich nicht den guten Weg zur Seite, Der mir die Rückkehr offen stets bewahrte? Wohin denn seh ich plötzlich mich geführt? Bahnlos liegt's hinter mir, und eine Mauer Aus meinen eignen Werken baut sich auf, Die mir die Umkehr türmend hemmt! (Er bleibt tiefsinnig stehen.) Strafbar erschein ich, und ich kann die Schuld, Wie ich's versuchen mag! nicht von mir wälzen; Denn mich verklagt der Doppelsinn des Lebens, Und--selbst der frommen Quelle reine Tat Wird der Verdacht, schlimmdeutend, mir vergiften. War ich, wofür ich gelte, der Verräter, Ich hätte mir den guten Schein gespart, Die Hülle hätt' ich dicht um mich gezogen, Dem Unmut Stimme nie geliehn. Der Unschuld, Des unverführten Willens mir bewußt, Gab ich der Laune Raum, der Leidenschaft-- Kühn war das Wort, weil es die Tat nicht war. Jetzt werden sie, was planlos ist geschehn, Weitsehend, planvoll mir zusammenknüpfen, Und was der Zorn und was der frohe Mut Mich sprechen ließ im Überfluß des Herzens, Zu künstlichem Gewebe mir vereinen Und eine Klage furchtbar draus bereiten, Dagegen ich verstummen muß. So hab ich Mit eignem Netz verderblich mich umstrickt, Und nur Gewalttat kann es reißend lösen. (Wiederum stillstehend.) Wie anders! da des Mutes freier Trieb Zur kühnen Tat mich zog, die rauh gebietend Die Not jetzt, die Erhaltung von mir heischt. Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit. Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand In des Geschicks geheimnisvolle Urne. In meiner Brust war meine Tat noch mein: Einmal entlassen aus dem sichern Winkel Des Herzens, ihrem mütterlichen Boden, Hinausgegeben in des Lebens Fremde, Gehört sie jenen tück'schen Mächten an, Die keines Menschen Kunst vertraulich macht. (Er macht heftige Schritte durchs Zimmer, dann bleibt er wieder sinnend stehen.) Und was ist dein Beginnen? Hast du dir's Auch redlich selbst bekannt? Du willst die Macht, Die ruhig, sicher thronende erschüttern, Die in verjährt geheiligtem Besitz, In der Gewohnheit festgegründet ruht, Die an der Völker frommem Kinderglauben Mit tausend zähen Wurzeln sich befestigt. Das wird kein Kampf der Kraft sein mit der Kraft, Den fücht ich nicht. Mit jedem Gegner wag ich's, Den ich kann sehen und ins Augen fassen, Der, selbst voll Mut, auch mir den Mut entflammt. Ein unsichtbarer Feind ist's, den ich fürchte, Der in der Menschen Brust mir widersteht, Durch feige Furcht allein mir fürchterlich-- Nicht, was lebendig kraftvoll sich verkündigt, Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige, Was immer war, und immer wiederkehrt Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten!


Wallensteins Tod - 2/38

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