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- Wallensteins Tod - 20/38 -


Siebzehnter Auftritt

Vorige. Die Herzogin stürzt ins Zimmer. Ihr folgt Thekla und die Gräfin. Dann Illo.

Herzogin. O Albrecht! Was hast du getan!

Wallenstein. Nun das noch!

Gräfin. Verzeih mir, Bruder. Ich vermocht' es nicht, Sie wissen alles.

Herzogin. Was hast du getan!

Gräfin. (zu Terzky) Ist keine Hoffnung mehr? Ist alles denn Verloren?

Terzky. Alles. Prag ist in des Kaisers Hand, Die Regimenter haben neu gehuldigt.

Gräfin. Heimtückischer Octavio!--Und auch Graf Max ist fort?

Terzky. Wo sollt er sein? Er ist Mit seinem Vater über zu dem Kaiser. (Thekla stürzt in die Arme ihrer Mutter, das Gesicht an ihrem Busen verbergend.)

Herzogin. (sie in die Arme schließend). Unglücklich Kind! Unglücklichere Mutter!

Wallenstein. (beiseite gehend mit Terzky). Laß einen Reisewagen schnell bereit sein Im Hinterhofe, diese wegzubringen. (Auf die Frauen zeigend.) Der Scherfenberg kann mit, der ist uns treu, Nach Eger bringt er sie, wir folgen nach. (Zu Illo, der wiederkommt.) Du bringst sie nicht zurück?

Illo. Hörst du den Auflauf? Das ganze Korps der Pappenheimer ist Im Anzug. Sie verlangen ihren Oberst, Den Max zurück, er sei hier auf dem Schloß, Behaupten sie, du haltest ihn mit Zwang, Und wenn du ihn nicht losgebst, werde man Ihn mit dem Schwerte zu befreien wissen. (Alle stehen erstaunt.)

Wallenstein. Sagt' ich's nicht? O mein wahrsagend Herz! Er ist noch hier. Er hat mich nicht verraten, hat es nicht Vermocht--Ich habe nie daran gezweifelt.

Gräfin. Ist er noch hier, o dann ist alles gut, Dann weiß ich, was ihn ewig halten soll! (Thekla umarmend.)

Terzky. Es kann nicht sein. Bedenke doch! Der Alte Hat uns verraten, ist zum Kaiser über, Wie kann er's wagen, hierzusein?

Illo. (zum Wallenstein) Den Jagdzug, Den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch Vor wenig Stunden übern Markt wegführen.

Gräfin. O Nichte, dann ist er nicht weit!

Thekla. (hat den Blick nach der Türe geheftet und ruft lebhaft) Da ist er!

Achtzehnter Auftritt

Die Vorigen. Max Piccolomini.

Max. (mitten in den Saal tretend). Ja! Ja! da ist er! Ich vermag's nicht länger, Mit leisem Tritt um dieses Haus zu schleichen, Den günst'gen Augenblick verstohlen zu Erlauern--Dieses Harren, diese Angst Geht über meine Kräfte! (Auf Thekla zugehend, welche sich ihrer Mutter in die Arme geworfen.) O sieh mich an! Sieh nicht weg, holder Engel. Bekenn es frei vor allen. Fürchte niemand. Es höre, wer es will, daß wir uns lieben. Wozu es noch verbergen? Das Geheimnis Ist für die Glücklichen; das Unglück braucht, Das hoffnungslose, keinen Schleier mehr, Frei unter tausend Sonnen kann es handeln. (Er bemerkt die Gräfin, welche mit frohlockendem Gesicht auf Thekla blickt.) Nein, Base Terzky! Seht mich nicht erwartend, Sicht hoffend an! Ich komme nicht zu bleiben. Abschied zu nehmen, komm ich--Es ist aus. Ich muß, muß dich verlassen, Thekla--muß! Doch deinen Haß kann ich nicht mit mir nehmen. Nur einen Blick des Mitleids gönne mir, Sag, daß du mich nicht hassest. Sag mir's, Thekla. (Indem er ihre Hand faßt, heftig bewegt.) O Gott!--Gott! Ich kann nicht von dieser Stelle. Ich kann es nicht--kann diese Hand nicht lassen. Sag, Thekla, daß du Mitleid mit mir hast, Dich selber überzeugst, ich kann nicht anders. (Thekla, seinen Blick vermeidend, zeigt mit der Hand auf ihren Vater; er wendet sich nach dem Herzog um, den er jetzt erst gewahr wird.) Du hier?--Nicht du bist's, den ich hier gesucht. Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen. Ich hab es nur mit ihr allein. Hier will ich, Von diesem Herzen freigesprochen sein, An allem andern ist nichts mehr gelegen.

Wallenstein. Denkst du, ich soll der Tor sein und dich ziehen lassen Und eine Großmutsszene mit dir spielen? Dein Vater ist zum Schelm an mir geworden, Du bist mir nichts mehr als sein Sohn, sollst nicht Umsonst in meine Macht gegeben sein. Denk nicht, daß ich die alte Freundschaft ehren werde, Die er so ruchlos hat verletzt. Die Zeiten Der Liebe sind vorbei, der zarten Schonung, Und Haß und Rache kommen an die Reihe. Ich kann auch Unmensch sein, wie er.

Max. Du wirst mit mir verfahren, wie du Macht hast. Wohl aber weißt du, daß ich deinem Zorn Nicht trotze, noch ihn fürchte. Was mich hier Zurückhält, weißt du! (Thekla bei der Hand fassend.) Sieh! Alles--alles wollt' ich dir verdanken, Das Los der Seligen wollt' ich empfangen Aus deiner väterlichen Hand. Du hast's Zerstört, doch daran liegt dir nichts. Gleichgültig Trittst du das Glück der Deinen in den Staub, Der Gott, dem du dienst, ist kein Gott der Gnade. Wie das gemütlos blinde Element, Das furchtbare, mit dem kein Bund zu schließen, Folgst du des Herzens wildem Trieb allein. Weh denen, die auf dich vertraun, an dich Die sichre Hütte ihres Glückes lehnen, Gelockt von deiner gastlichen Gestalt! Schnell, unverhofft, bei nächtlich stiller Weile Gärt's in dem tück'schen Feuerschlunde, ladet Sich aus mit tobender Gewalt, und weg Treibt über alle Pflanzungen der Menschen Der wilde Strom in grausender Zerstörung.

Wallenstein. Du schilderst deines Vaters Herz. Wie du's Beschreibst, so ist's in seinem Eingeweide, In dieser schwarzen Heuchlers Brust gestaltet. O mich hat Höllenkunst getäuscht. Mir sandte Der Abgrund den verstecktesten der Geister, Den Lügenkundigsten herauf und stellt ihn Als Freund an meine Seite. Wer vermag Der Hölle Macht zu widerstehn! Ich zog Des Basilisken auf an meinem Busen, Mit meinem Herzblut nährt' ich ihn, er sog Sich schwelgend voll an meiner Liebe Brüsten, Ich hatte nimmer Arges gegen ihn, Weit offen ließ ich des Gedankens Tore Und warf die Schlüssel weiser Vorsicht weg-- Am Sternenhimmel suchten meine Augen, Im weiten Weltenraum den Feind, den ich Im Herzen meines Herzens eingeschlossen. --Wär' ich dem Ferdinand gewesen, was Octavio mir war--Ich hätt' ihm nie Krieg angekündigt--nie hätt' ich's vermocht. Er war mein strenger Herr nur, nicht mein Freund, Nicht meiner Treu vertraute sich der Kaiser. Krieg war schon zwischen mir und ihm, als er Den Feldherrnstab in meine Hände legte; Denn Krieg ist ewig zwischen List und Argwohn, Nur zwischen Glauben und Vertraun ist Friede. Wer das Vertraun vergiftet, o der mordet Das werdende Geschlecht im Leib der Mutter.

Max. Ich will den Vater nicht verteidigen.


Wallensteins Tod - 20/38

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