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- Wallensteins Tod - 3/38 -


Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, Und die Gewohnheit nennt er seine Amme. Weh dem, der an den würdig alten Hausrat Ihm rührt, das teure Erbstück seiner Ahnen! Das Jahr übt eine heiligende Kraft; Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich. Sei im Besitze, und du wohnst im Recht, Und heilig wird's die Menge die bewahren. (Zu dem Pagen, der hereintritt.) Der schwed'sche Oberst? Ist er's? Nun, er komme. (Page geht. Wallenstein hat den Blick nachdenkend auf die Türe geheftet.) Noch ist sie rein--noch! Das Verbrechen kam Nicht über diese Schwelle noch--So schma ist Die Grenze, die zwei Lebenspfade scheidet!

Fünfter Auftritt

Wallenstein und Wrangel.

Wallenstein. (nachdem er einen forschenden Blick auf ihn geheftet) Ihr nennt Euch Wrangel?

Wrangel. Gustav Wrangel, Oberst Vom blauen Regimente Südermannland.

Wallenstein. Ein Wrangel war's, der vor Stralsund viel Böses Mir zugefügt, durch tapfre Gegenwehr Schuld war, daß mir die Seestadt widerstanden.

Wrangel. Das Werk des Elements, mit dem Sie kämpften, Nicht mein Verdienst, Herr Herzog! Seine Freiheit Verteidigte mit Sturmes Macht der Belt, Es sollte Meer und Land nicht einem dienen.

Wallenstein. Den Admiralshut rißt Ihr mir vom Haupt.

Wrangel. Ich komme, eine Krone drauf zu setzen.

Wallenstein. (winkt ihm, Platz zu nehmen, setzt sich). Euer Kreditiv. Kommt Ihr mit ganzer Vollmacht?

Wrangel. (bedenklich) Es sind so manche Zweifel noch zu lösen--

Wallenstein. (nachdem er gelesen) Der Brief hat Händ' und Füß'. Es ist ein klug, Verständig Haupt, Herr Wrangel, dem Ihr dienet. Es schreibt der Kanzler: er vollziehe nur Den eignen Einfall des verstorbnen Königs, Indem er mir zur böhm'schen Kron' verhelfe.

Wrangel. Er sagt, was wahr ist. Der Hochselige Hat immer groß gedacht von Euer Gnaden Fürtrefflichem Verstand und Feldherrngaben, Und stets der Herrschverständigste, beliebt' ihm Zu sagen, sollte Herrscher sein und König.

Wallenstein. Er durft' es sagen. (Seine Hand vertraulich fassend.) Aufrichtig, Oberst Wrangel--Ich war stets Im Herzen auch gut schwedisch--Ei, das habt ihr In Schlesien erfahren und bei Nürnberg. Ich hatt' euch oft in meiner Macht und ließ Durch eine Hintertür euch stets entwischen. Das ist's, was sie in Wien mir nicht verzeihn, Was jetzt zu diesem Schritt mich treibt--Und weil Nun unser Vorteil so zusammengeht, So laßt uns zu einander auch ein recht Vertrauen fassen.

Wrangel. Das Vertraun wird kommen, Hat jeder nur erst seine Sicherheit.

Wallenstein. Der Kanzler, merk ich, traut mir noch nicht recht. Ja, ich gesteh's--Es liegt das Spiel nicht ganz Zu meinem Vorteil--Seine Würden meint, Wenn ich dem Kaiser, der mein Herr ist, so Mitspielen kann, ich könn' das gleiche tun Am Feinde, und das eine wäre mir Noch eher zu verzeihen als das andre. Ist das nicht Eure Meinung auch, Herr Wrangel?

Wrangel. Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung.

Wallenstein. Der Kaiser hat mich bis zum Äußersten Gebracht. Ich kann ihm nicht mehr ehrlich dienen. Zu meiner Sicherheit, aus Notwehr tu ich Den harten Schritt, den mein Bewußtsein tadelt.

Wrangel. Ich glaub's. So weit geht niemand, der nicht muß. (Nach einer Pause.) Was Eure Fürstlichkeit bewegen mag, Also zu tun an ihrem Herrn und Kaiser, Gebührt nicht uns zu richten und zu deuten. Der Schwede ficht für seine gute Sach' Mit seinem guten Degen und Gewissen. Die Konkurrenz ist, die Gelegenheit Zu unsrer Gunst, im Krieg gilt jeder Vorteil, Wir nehmen unbedenklich, was sich bietet; Und wenn sich alles richtig so verhält--

Wallenstein. Woran denn zweifelt man? An meinem Willen? An meinen Kräften? Ich versprach dem Kanzler, Wenn er mir sechzehntausend Mann vertraut, Mit achtzehntausend von des Kaisers Heer Dazuzustoßen--

Wrangel. Euer Gnaden sind Bekannt für einen hohen Kriegesfürsten, Für einen zweiten Attila und Pyrrhus. Noch mit Erstaunen redet man davon, Wie Sie vor Jahren, gegen Menschendenken, Ein Heer wie aus dem Nichts hervorgerufen. Jedennoch--

Wallenstein. Dennoch?

Wrangel. Seine Würden meint, Ein leichter Ding doch möcht' es sein, mit nichts Ins Feld zu stellen sechzigtausend Krieger, Als nur ein Sechzigteil davon (er hält inne)

Wallenstein. Nun, was? Nur frei heraus!

Wrangel. Zum Treubruch zu verleiten.

Wallenstein. Meint er? Er urteilt wie ein Schwed' und wie Ein Protestant. Ihr Lutherischen fechtet Für eure Bibel, euch ist's um die Sach'; Mit eurem Herzen folgt ihr eurer Fahne.-- Wer zu dem Feinde läuft von euch, der hat Mit zweien Herrn zugleich den Bund gebrochen. Von all dem ist die Rede nicht bei uns--

Wrangel. Herr Gott im Himmel! Hat man hierzulande Denn keine Heimat, keinen Herd und Kirche?

Wallenstein. Ich will Euch sagen, wie das zugeht--Ja, Der Österreicher hat ein Vaterland Und liebt's und hat auch Ursach', es zu lieben. Doch dieses Heer, das kaiserlich sich nennt, Das hier in Böheim hauset, das hat keins; Das ist der Auswurf fremder Länder, ist Der aufgegebne Teil des Volks, dem nichts Gehöret als die allgemeine Sonne. Und dieses böhm'sche Land, um das wir fechten, Das hat kein Herz für seinen Herrn, den ihm Der Waffen Glück, nicht eigne Wahl gegeben. Mit Murren trägt's des Glaubens Tyrannei, Die Macht hat's eingeschreckt, beruhigt nicht. Ein glühend, rachvoll Angedenken lebt Der Greuel, die geschahn auf diesem Boden. Und kann's der Sohn vergessen, daß der Vater Mit Hunden in die Messe ward gehetzt? Ein Volk, dem das geboten wird, ist schrecklich, Es räche oder dulde die Behandlung.

Wrangel. Der Adel aber und die Offiziere? Solch eine Flucht und Felonie, Herr Fürst, Ist ohne Beispiel in der Welt Geschichten.

Wallenstein. Sie sind auf jegliche Bedingung mein. Nicht mir, den eignen Augen mögt Ihr glauben. (Er gibt ihm die Eidesformel. Wrangel durchliest sie, legt sie, nachdem er gelesen, schweigend auf den Tisch.) Wie ist's? Begreift Ihr nun?

Wrangel. Begreif 's, wer's kann! Herr Fürst! Ich laß die Maske fallen--Ja! Ich habe Vollmacht, alles abzuschließen.


Wallensteins Tod - 3/38

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