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- Helden - 10/18 -


Louka: Ich glaube, ein Schweizer Name, gnädige Frau!

Katharina [mit einem Satz, vor dem Louka eiligst zurückweicht]: Schweizer! wie sieht er aus?

Louka [schüchtern]: Er trägt eine große Reisetasche, gnädige Frau.

Katharina: Großer Gott! er kommt am Ende, um den Rock zurückzugeben,,, Schick' ihn fort--schnell! Sag' ihm, daß wir nicht zu Hause sind. Verlange seine Adresse, und ich werde ihm schreiben,,, Nein, nein, bleib hier, das geht ja nicht,,, warte,,, [Sie wirft sich in einen Sessel, um darüber nachzudenken, Louka wartet.] Mein Mann und Major Saranoff sind in der Bibliothek beschäftigt, nicht wahr?

Louka: Jawohl, gnädige Frau.

Katharina [entschieden]: Führe den Herrn sofort hier heraus! [Befehlend]: Und daß du sehr höflich mit ihm bist,,, schnell, schnell! [Ihr ungeduldig den Präsentierteller fortnehmend:] Laß das hier, geh nur direkt zu ihm!

Louka: Zu Befehl, gnädige Frau. [Geht.]

Katharina: Louka!

Louka [bleibt stehen]: Gnädige Frau?

Katharina: Ist die Tür zur Bibliothek geschlossen?

Louka: Ich glaube, gnädige Frau.

Katharina: Wenn nicht, so schließe sie im Vorübergehen.

Louka: Wie Sie befehlen, gnädige Frau. [Sie geht.]

Katharina: Wart'! [Louka bleibt stehen.] Er wird diesen Weg nehmen müssen,,, [Sie weist auf das Stallhoftor.] Sage Nicola, er soll ihm seine Tasche hierher nachbringen. Vergiß das ja nicht!

Louka [erstaunt]: Seine Tasche?

Katharina: Ja, hierher, so schnell wie möglich. [Heftig]: Beeile dich!

[Louka läuft in das Haus hinein.]

Katharina [reißt ihre Schürze ab und wirft sie hinter einen Busch, dann nimmt sie den Präsentierteller und benützt ihn als Spiegel. Das Resultat ist, daß sie das Tuch, das sie um den Kopf gebunden trägt, der Schürze nachfolgen läßt. Dann bringt sie ihr Haar in Ordnung und zieht ihr Kleid zurecht, um empfangsfähig auszusehen]: Nein, nein, ist das ein Narr, in einem solchen Augenblick hereinzuplatzen!

Louka [erscheint an der Tür und meldet]: "Herr Hauptmann Bluntschli!" [sie steht an der obersten Stufe, um ihn durchzulassen, bevor sie wieder zurücktritt. Es ist tatsächlich der Held des nächtlichen Abenteuers in Rainas Zimmer, jetzt aber sauber und schön abgebürstet, in eleganter Uniform und außer Gefahr; jedoch immerhin zweifellos derselbe Mann. Sobald Louka den Rücken gekehrt hat, wendet sich Katharina heftig und dringend und in beschwörendem Ton an ihn.]

Katharina: Hauptmann Bluntschli, ich freue mich außerordentlich, Sie wiederzusehen, aber Sie müssen dieses Haus sofort verlassen! [Er blickt sie groß an]: Mein Mann ist eben mit meinem zukünftigen Schwiegersohn zurückgekehrt. Noch wissen sie nichts; aber wenn sie etwas erführen, die Folgen wären fürchterlich! Sie sind Ausländer, Sie können unsere nationalen Gehässigkeiten nicht nachfühlen, aber wir hassen die Serben noch immer. So ist beispielsweise bei meinem Manne das einzige Resultat des Friedens, daß er sich wie ein Löwe fühlt, dem man seine sichere Beute entrissen hat. Wenn er unser Geheimnis erführe, er würde mir nie verzeihen, und sogar das Leben meiner Tochter wäre in Gefahr. Wollen Sie, wie es sich für einen Ehrenmann und Soldaten, der Sie sind, geziemt, dieses Haus sofort verlassen, bevor mein Mann Sie hier finden kann?

Bluntschli [enttäuscht, aber gefaßt]: Augenblicklich, gnädige Frau! Ich bin nur gekommen, um Ihnen zu danken und Ihnen den Rock zurückzustellen, den Sie mir so freundlich geliehen haben. Wenn Sie mir nur gestatten wollten, ihn aus meiner Reisetasche zu nehmen und beim Hinausgehen Ihrem Diener einzuhändigen, so brauchte ich Sie nicht länger zu belästigen. [Er macht kehrt, um in das Haus zurückzugehen.]

Katharina [ihn am Arm fassend]: Oh, Sie dürfen nicht daran denken, auf dem selben Weg zu gehen, wie Sie gekommen sind. [Ihn nach dem Gitter der Stallungen führend]: Das ist der kürzeste Weg ins Freie. Vielen Dank--es freut mich unendlich, daß ich Ihnen dienen konnte--, leben Sie wohl!

Bluntschli: Aber meine Tasche?

Katharina: Sie wird Ihnen nachgeschickt werden, lassen Sie mir Ihre Adresse da.

Bluntschli: Gut, dann erlauben Sie. [Er zieht seine Visitenkartentasche, nimmt eine Karte heraus und will seine Adresse aufschreiben, während Katharina vor Ungeduld vergeht. Als er ihr eben die Karte einhändigt, kommt Petkoff ohne Hut aus dem Hause gelaufen, in gastfreundlicher Aufregung. Sergius folgt ihm.]

Petkoff [die Treppe herunterlaufend]: Mein lieber Hauptmann Bluntschli!

Katharina: Himmel! [Sie sinkt neben der Mauer auf einen Stuhl.]

Petkoff [zu sehr beschäftigt, um das zu bemerken, schüttelt Bluntschli herzlich die Hand]: Meine dummen Dienstboten dachten, ich wäre hier draußen, statt--in der Bibliothek. [Er kann die Bibliothek nicht erwähnen, ohne zu verraten, wie stolz er darauf ist.] Ich habe Sie vom Fenster aus gesehen und wunderte mich, daß Sie nicht hereinkamen. Saranoff ist auch hier. Sie erinnern sich doch seiner noch, nicht wahr?

Sergius [grüßt lustig und bietet ihm dann mit großer Liebenswürdigkeit die Hand]: Willkommen, unser Freund der Feind!

Petkoff: Glücklicherweise nicht länger "der Feind". [Ziemlich ängstlich:] Ich hoffe, Sie kommen nur als Freund und nicht um Pferde oder Gefangene.

Katharina: Oh, nur als Freund, Paul. Ich habe Hauptmann Bluntschli eben zum Mittagessen eingeladen, aber er erklärte, sofort gehen zu müssen.

Sergius [sardonisch]: Unmöglich, Bluntschli--wir brauchen Sie hier sogar sehr dringend. Wir sollen drei Kavallerieregimenter nach Philippopel befördern und haben keine Ahnung, wie das fertigbringen.

Bluntschli [plötzlich aufmerksam und berufsmäßig]: Philippopel; da wird's mit der Verpflegung hapern, nicht wahr?

Petkoff [eifrig]: Ja, das ist es eben. [Zu Sergius]: Wie er die Sache gleich weg hat!

Bluntschli: Ich glaube, ich kann Ihnen zeigen, wie das zu machen ist.

Sergius: So kommen Sie mit uns, Sie unschätzbarer Mann! [Bluntschli überragend, legt er ihm die Hand auf die Scbulter und führt ihn gegen die Stufen, Petkoff folgt. Als Bluntschli seinen Fuß auf die erste Stufe setzt, tritt Raina aus dem Hause.]

Raina [alle Geistesgegenwart verlierend]: Oh, der Pralinésoldat! [Bluntschli steht starr, Sergius blickt erstaunt auf Raina, dann auf Petkoff, der wieder ihn ansieht und dann seine Frau fragend anstarrt.]

Katharina [mit befehlender Geistesgegenwart]: Meine liebe Raina, siehst du nicht, daß wir einen Gast haben? [Vorstellend]: Hauptmann Bluntschli, einer von unsern neuen serbischen Freunden. [Raina verbeugt sich. Bluntschli verbeugt sich.]

Raina: Wie dumm von mir! [Sie geht hinunter in die Mitte der Gruppe zwischen Bluntschli und Petkoff.] Ich habe heute früh ein wunderschönes Schokoladeornament für den Eispudding gemacht, und der dumme Nicola hat eben einen Stoß Teller darauf gesetzt und alles verdorben. [Zu Bluntschli gewendet, liebenswürdig]: Ich hoffe, Sie dachten nicht, daß SIE der Pralinésoldat wären, Hauptmann Bluntschli.

Bluntschli [lachend]: Ich versichere Ihnen, daß ich's dachte. [Ihr einen sonderbaren Blick zuwerfend]: Ihre Erklärung ist eine Erlösung für mich.

Petkoff [argwöhnisch zu Raina]: Seit wann kochst du denn, Raina?

Katharina: Oh, während deiner Abwesenheit ist ihr das eingefallen. Es ist ihr neuestes Steckenpferd.

Petkoff [mürrisch]: Und hat Nicola zu trinken angefangen? Früher war er ziemlich verläßlich. Jetzt ist er wie umgewandelt. Erst führt er Hauptmann Bluntschli hierher, während er doch ganz gut wußte, daß ich in der--Bibliothek war, dann geht er hin und zerstört Rainas Pralinésoldaten. Er muß...

[Nicola tritt oben auf den Stufen mit einer Reisetasche aus dem Hause heraus, er geht die Stufen hinab, stellt die Tasche ehrerbietig vor Bluntschli auf die Erde und wartet auf weitere Befehle. Allgemeines Erstaunen. Ahnungslos, was für eine Wirkung er hervorgerufen, sieht Nicola sehr zufrieden mit sich aus. Als Petkoff seine Sprache wiedererlangt, bricht er los.]

Petkoff: Bist du verrückt geworden, Nicola?

Nicola [erschrocken]: Gnädiger Herr...

Petkoff: Wozu bringst du das hierher?

Nicola: Auf Befehl der gnädigen Frau, Herr Major, Louka sagte mir, daß-Katharina [unterbricht ihn]: Auf meinen Befehl? Warum sollte ich dir befohlen haben, Hauptmann Bluntschlis Gepäck hier herauszubringen? Was fällt dir denn ein, Nicola?

Nicola [bleibt einen Augenblick unschlüssig, dann hebt er das Gepäck auf und wendet sich zu Bluntschli mit vollendeter, unterwürfiger Diskretion]: Ich bitte tausendmal um Vergebung. [Zu Katharina]: Es ist meine Schuld, gnädige Frau, ich bitte Sie, es mir nicht anzurechnen. [Er verbeugt sich und geht mit dem Gepäck gegen das Haus zu, als Petkoff ihm wütend nachruft.]

Petkoff: Vielleicht wirfst du jetzt auch noch diese Tasche auf Fräulein Rainas Eispudding! [Das ist zuviel für Nicola, die Tasche fällt ihm aus der Hand.] Aus meinen Augen, du ungeschickter Esel, du!


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