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- Helden - 2/18 -


Katharina [geschäftig, sich ihrer häuslichen Pflichten erinnernd]: Ich muß zusehen, daß unten alles in Sicherheit gebracht wird.

Raina [zu Louka]: Laß die Läden so, daß ich sie schnell schließen kann, sobald ich irgendwelchen Lärm höre.

Katharina [strenge, während sie ihren Weg nach der Tür fortsetzt]: O nein, mein Kind, die Läden müssen verriegelt bleiben; du würdest sicher darüber einschlafen und sie offen lassen. Riegele sie ganz zu, Louka.

Louka: Jawohl, gnädige Frau. [Sie schließt sie.]

Raina: Sei ohne Sorge meinetwegen, sobald ich einen Schuß höre, werde ich die Kerzen auslöschen, mich in mein Bett verkriechen und die Decke über die Ohren ziehen.

Katharina: Das klügste, was du tun kannst, liebes Kind. Gute Nacht.

Raina: Gute Nacht, Mama. [Sie küssen einander, und Rainas Ergriffenheit kehrt für einen Augenblick zurück.] Beglückwünsche mich zu der schönsten Nacht meines Lebens--wenn nur die Flüchtlinge nicht wären.

Katharina: Geh zu Bett, Liebling, und denk nicht daran. [Geht ab.]

Louka [heimlich zu Raina]: Wenn Sie die Läden offen haben wollen, stoßen Sie nur ein wenig--so! [Sie stößt ein wenig gegen die Läden, die Läden gehen auf, dann schließt sie sie wieder.] Der eine müßte unten verriegelt werden, aber der Riegel ist abgebrochen.

Raina [würdevoll, mißbilligend]: Danke, Louka, aber wir müssen tun, was uns befohlen wird. [Louka schneidet ein Gesicht.] Gute Nacht!

Louka [nachlässig]: Gute Nacht. [Sie stolziert ab.]

Raina [allein gelassen, gebt nach der Kommode und betet das darauf befindliche Bild mit Empfindungen an, die über jeden Ausdruck sind. Sie küßt es weder, noch preßt sie es ans Herz, noch gibt sie ihm irgendein Zeichen von körperlicher Zärtlichkeit, aber sie nimmt es in die Hände und hebt es empor, wie eine Priesterin.--Das Bild betrachtend]: Oh, ich werde mich nie mehr deiner unwert zeigen. Held meiner Seele--nie, nie, nie! [Sie setzt das Bild ehrfürchtig zurück, dann wählt sie einen Roman aus dem kleinen Bücherstoß. Verträumt blättert sie darin, findet, wo sie stehen geblieben ist, biegt das Buch an dieser Stelle nach außen zusammen, und mit einem glücklichen Seufzer sinkt sie auf das Bett, um sich in den Schlaf zu lesen. Bevor sie sich jedoch ihrem Roman überläßt, blickt sie noch einmal auf, gedenkt der seligen Wirklichkeit und murmelt]: Mein Held! mein Held! [Ein entfernter Schuß durchbricht draußen die Stille der Nacht. Sie fährt horchend auf,--da fallen noch zwei Schüsse aus viel größerer Nähe. Sie erschrickt, stürzt aus dem Bett und bläst die Kerze auf der Kommode rasch aus. Dann läuft sie, mit den Händen an den Ohren, zum Toilettetisch, bläst die Kerze auch dort aus und eilt im Dunkeln in ihr Bett zurück, man unterscheidet nichts mehr in der Stube als einen Lichtschimmer aus der durchbrochenen Metallkugel vor dem Christusbilde und das Sternenlicht, das durch die Spalten der Fensterläden glänzt. Abermals fallen Schüsse, ein fürchterliches Gewehrfeuer ist ganz nahe. Während man noch das Echo der Salve hört, werden die Fensterläden von außen aufgestoßen, für einen Augenblick flutet in einem Rechteck das schneeige Sternenlicht plötzlich herein, von dem sich die dunkle Silhouette einer männlichen Gestalt abhebt. Dann schließen sich die Läden wieder, und das Zimmer liegt abermals im Dunkeln. Aber jetzt wird das Schweigen durch ein keuchendes Atemholen unterbrochen, dann hört man ein Kratzen, und die Flamme eines Streichholzes wird in der Mitte des Zimmers sichtbar.]

Raina [aufs Bett gekauert]: Wer ist da? [Das Streichholz verlischt sofort wieder.] Wer ist da--wer ist da?

[Eines Mannes Stimme gedämpft aber drohend]: Scht! Schreien Sie nicht, sonst schieße ich! Bleiben Sie ruhig, und es wird Ihnen nichts geschehen. [Man hört, wie sie ihr Bett verläßt und nach der Tür tastet.] Nehmen Sie sich in acht, es hilft Ihnen nichts, wenn Sie davonlaufen wollen. Merken Sie sich, sobald Sie Ihre Stimme erheben, wird mein Revolver losgehen. [Befehlend:] Machen Sie Licht und lassen Sie sich sehen! Hören Sie! [Noch ein Augenblick der Stille und Dunkelheit, während Raina an den Toilettetisch zurücktritt. Dann zündet sie die Kerze an, und das Rätsel löst sich.--Ein Mann von ungefähr fünfunddreißig Jahren, in bejammernswürdigem Zustande, mit Kot, Blut und Schnee bespritzt, steht vor ihr. Sein Degengehänge und der Riemen seiner Revolvertasche halten die Fetzen des blauen Waffenrocks eines serbischen Artillerieoffiziers zusammen. Alles was man beim Kerzenlichte aus dem ungewaschenen, verwahrlosten Aussehen des Mannes halbwegs erkennen kann, ist, daß er mittelgroß, von nicht sehr vornehmem Aussehen, breitschultrig und starkknochig ist. Sein rundlicher, eigensinnig aussehender Kopf ist mit kurzen braunen Locken bedeckt. Er hat klare, bewegliche, blaue Augen, gutmütige Brauen und einen freundlichen Mund, eine hoffnungslos prosaische Nase wie die eines besonders aufgeweckten Babys, aufrechte soldatische Haltung und eine energische Art; er besitzt volle Geistesgegenwart trotz seiner verzweifelten Lage, die er sogar mit einem Anflug von Humor betrachtet, ohne jedoch im geringsten damit spielen zu wollen oder eine Rettungsmöglichkeit außer Acht zu lasten.--Er überlegt, was er von Raina zu erwarten haben mag, schätzt ihr Alter, ihre gesellschaftliche Stellung ab, ihren Charakter, den Grad ihrer Furcht, alles mit einem Blick, und fährt höflicher, aber immer äußerst entschlossen fort]: Entschuldigen Sie, daß ich Sie störe, aber Sie erkennen wahrscheinlich meine Uniform, ich bin Serbe! Wenn ich gefangen werde, wird man mich töten. [Drohend]: Begreifen Sie das?

Raina: Ja.

Der Flüchtling: Nun, ich habe keine Lust zu sterben, solange ich es verhindern kann. [Noch fürchterlicher]: Begreifen Sie das? [Er verschließt die Tür mit einem kurzen Schnappen des Schlosses.]

Raina [verachtungsvoll]: Es scheint, Sie haben keine. [Sie richtet sich stolz auf und blickt ihm gerade ins Gesicht, während sie mit scharfer Betonung spricht]: Es gibt Soldaten, die den Tod fürchten, das weiß ich.

Der Flüchtling [mit Galgenhumor]: Alle fürchten ihn, verehrte Dame, alle, glauben Sie mir. Es ist unsere Pflicht, so lange zu leben, wie wir nur können, und wenn Sie Lärm schlagen-Raina [ihn unterbrechend]: Dann werden Sie mich erschießen! Aber woher wissen Sie, daß ich den Tod fürchte?

Der Flüchtling [schlau]: Und wenn ich Sie nicht erschieße, was wird dann geschehen? Eine Rotte Ihrer Kavallerie--das elendeste Gesindel Ihrer Armee--wird in dieses Ihr hübsches Zimmer einbrechen und mich wie ein Schwein abschlachten. Denn ich werde mich wehren und fechten wie ein Teufel. Sie sollen mich nicht auf die Straße bekommen und sich an mir belustigen; ich weiß, wozu sie imstande sind. Sind Sie bereit, in Ihrer augenblicklichen Verfassung, in dieser Toilette, eine solche Gesellschaft zu empfangen?

[Raina besinnt sich in dem Moment auf ihr Nachtgewand, schreckt instinktiv zusammen und zieht es enger um den Leib. Er beobachtet sie und fügt ohne Erbarmen hinzu]: Kaum präsentabel, was? [Sie geht nach der Ottomane, er richtet augenblicklich seine Pistole auf sie und ruft]: Halt! [Sie bleibt stehen.] Wohin wollen Sie? Raina [mit würdevoller Geduld]: Ich will nur meinen Mantel holen. Der Flüchtling [geht rasch nach der Ottomane und reißt den Pelz an sich]: Ein guter Gedanke. Nein, den Mantel behalte ich; dann werden Sie dafür sorgen, daß niemand hier eindringt und Sie so sieht. Das ist eine bessere Waffe als mein Revolver. [Er wirft den Revolver auf die Ottomane.]

Raina [empört]: Es ist nicht die Waffe eines Gentleman!

Der Flüchtling: Gut genug für einen Mann, wenn zwischen ihm und dem Tod nur Sie stehen. [Während sie einander nun einen Augenblick stumm betrachten, in welchem Raina kaum zu glauben vermag, daß selbst ein serbischer Offizier so zynisch und selbstsüchtig und unritterlich sein könne, werden sie durch ein scharfes Gewehrfeuer in der Straße aufgeschreckt. Furchtbare Todesangst läßt den Flüchtling seine Stimme dämpfen, als er hinzufügt]: Hören Sie? Wenn Sie diese Halunken schon hereinlassen und auf mich hetzen wollen, so werden Sie sie wenigstens empfangen, so wie Sie da sind. [Raina begegnet seinen Blicken mit unerschrockener Verachtung. Plötzlich fährt er horchend auf; man hört Schritte von außen, jemand drückt auf die Klinke und klopft dann hastig und dringend. Raina sieht den Flüchtling atemlos an, er wirft entschlossen den Kopf zurück, mit der Bewegung eines Menschen, der nun weiß, daß er verloren ist, und indem er sein Benehmen, das Raina einschüchtern sollte, aufgibt, wirft er ihr den Mantel zu und ruft aufrichtig und artig]: Es ist umsonst, ich bin verloren! Schnell, hüllen Sie sich in den Mantel, sie kommen!

Raina [fängt den Mantel hastig auf]: Oh--ich danke! [Sie wirft den Mantel sehr erleichtert um, er zieht seinen Degen und wendet sich nach der Tür und wartet.]

Louka [von außen klopfend]: Gnädiges Fräulein! gnädiges Fräulein! Stehen Sie schnell auf und öffnen Sie die Tür!

Raina [ängstlich]: Was wollen Sie tun?

Der Flüchtling [grimmig]: Das ist jetzt einerlei, gehen Sie nur aus dem Weg, es wird nicht lange dauern.

Raina [impulsiv]: Ich will Ihnen helfen! Verstecken Sie sich, oh, verstecken Sie sich, schnell hinter diesen Vorhang. [Sie faßt ihn bei einem zerrissenen Zipfel seines Ärmels und zieht ihn nach dem Fenster.]

Der Flüchtling [ihr nachgehend]: Es ist noch ein Funken Hoffnung vorhanden, wenn Sie Ihre Geistesgegenwart bewahren. Merken Sie sich: von zehn Soldaten sind neun geborene Dummköpfe. [Er versteckt sich hinter dem Vorhang, sieht aber noch einmal heraus und sagt:] Wenn sie mich dennoch finden, so verspreche ich Ihnen einen Teufelskampf. [Er verschwindet. Raina nimmt den Mantel ab und wirft ihn an das Fußende des Bettes, dann öffnet sie mit schläfrigem, verstörtem Wesen die Tür. Louka tritt aufgeregt ein.]

Louka. Ein Mann wurde gesehen, wie er die Dachrinne zu Ihrem Balkon hinaufgeklettert ist, ein Serbe. Die Soldaten wollen ihm nachsetzen und sind so wild und betrunken und wütend. Die Gnädige läßt sagen, Sie möchten sich sofort ankleiden.

Raina [scheinbar ärgerlich, daß sie gestört wird]: Hier lasse ich sie nicht suchen. Warum hat man sie eingelassen?!

Katharina [hastig hereinstürzend]: Raina, mein Liebling, dir ist doch nichts passiert? Hast du irgend etwas gesehen oder gehört?

Raina: Ich hörte nur schießen; aber ich hoffe, die Soldaten werden es nicht wagen, hier in mein Schlafzimmer einzudringen!

Katharina: An ihrer Spitze ist ein russischer Offizier--dem Himmel


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