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- Helden - 3/18 -


sei Dank. Er kennt Sergius. [Spricht durch die Tür zu jemand, der draußen steht:] Bitte treten Sie ein, Herr Leutnant; meine Tochter ist bereit, Sie zu empfangen. [Ein junger russischer Offizier in bulgarischer Uniform tritt ein, den Säbel in der Faust.]

Russischer Offizier [mit sanfter geschmeidiger Höflichkeit und steifer militärischer Haltung]: Guten Abend, gnädiges Fräulein. Ich bedaure, hier eindringen zu müssen, aber ein Flüchtling ist auf Ihrem Balkon versteckt. Wollen Sie und Ihre gnädige Frau Mutter so gut sein und sich zurückziehen, während wir ihn suchen?

Raina [ungeduldig]: Unsinn! Sie sehen von hier aus, daß niemand auf dem Balkon sein kann. [Sie stößt die Läden weit auf, steht mit dem Rücken gegen den Vorhang, hinter dem der Flüchtling versteckt ist und zeigt auf den vom Mond beschienenen Balkon. Zwei Schüsse fallen direkt unter dem Fenster, und eine Kugel zertrümmert das Fensterglas gegenüber von Raina, sie schließt einen Moment die Augen und atmet schwer, aber hält sich tapfer, während Katharina aufschreit und der Offizier mit dem Ausruf "Geben Sie Acht" auf den Balkon hinausstürzt.]

Russischer Offizier [auf dem Balkon, schreit wütend in die Straße hinunter]: Hört auf, hier herein zu schießen, ihr Dummköpfe, verstanden! Hört auf zu feuern, verfluchte Kerle! [Er starrt einen Augenblick hinunter, dann wendet er sich zu Raina und versucht, seine höfliche Stellung von vorhin wieder einzunehmen.] Konnte jemand ohne Ihr Wissen hier eindringen? Schliefen Sie?

Raina: Nein, ich war noch nicht zu Bett.

Russischer Offizier [tritt ungeduldig in das Zimmer zurück]: Ihre Nachbarn haben die Köpfe so voll mit davongelaufenen Serben, daß sie überall welche sehen. [Höflich]: Gnädiges Fräulein, ich bitte tausendmal um Verzeihung. Gute Nacht. [Verneigt sich militärisch. Raina erwidert den Gruß kalt, er verneigt sich vor Katharina, die ihn hinausbegleitet. Raina schließt die Läden. Sie wendet sich um und bemerkt Louka, die diese Szene neugierig beobachtet hat.]

Raina: Lassen Sie meine Mutter nicht allein, Louka, während die Soldaten da sind. [Louka blickt auf Raina, auf die Ottomane, auf den Vorhang, dann spitzt sie die Lippen diskret, lacht in sich hinein und geht hinaus. Raina, durch dieses Mienenspiel sehr beleidigt, folgt ihr bis an die Tür und schlägt sie hinter ihr zu, sie geräuschvoll verriegelnd. Der Flüchtling tritt sofort hinter dem Vorhang hervor, steckt seinen Säbel ein und schüttelt in gleichsam geschäftlicher Weise die Gefahr von sich ab.]

Der Flüchtling: Um ein Haar,,, doch um ein Haar ist auch gefehlt. Verehrtes Fräulein, Ihr Sklave bis in den Tod! Ich wünschte jetzt Ihretwegen, ich wäre in die bulgarische Armee statt in die serbische eingetreten. Ich bin kein Serbe von Geburt.

Raina [hochmütig]: Nein, Sie sind einer von jenen Österreichern, die die Serben zum Raub unserer nationalen Freiheit verleiten und die serbische Armee mit Offizieren versehen. Wir hassen sie.

Der Flüchtling: Österreicher? O nein! Ich bin keiner. Hassen Sie mich also nicht. Ich bin Schweizer, gnädiges Fräulein, und kämpfe bloß als Berufssoldat; ich ging zu den Serben, weil sie auf dem Wege aus der Schweiz mir zunächst waren. Seien Sie großmütig. Ihre Landsleute haben uns ohnedies aufs Haupt geschlagen.

Raina: War ich vielleicht nicht großmütig?

Der Flüchtling: Edel, heldenhaft! Doch ich bin noch nicht gerettet. Der schlimmste Ansturm ist bald vorüber, aber die Verfolgung wird mit Unterbrechungen die ganze Nacht hindurch fortgesetzt werden; ich muß trachten, mich in einem günstigen Augenblick aus dem Staube zu machen. Sie sind doch nicht böse, wenn ich hier noch ein bis zwei Minuten warte?

Raina: O nein, ich bedaure nur, daß Sie sich abermals in Gefahr begeben müssen. [Auf die Ottomane weisend:] Bitte, setzen Sie sich! [Sie hält mit einem nicht zu unterdrückenden Angstschrei inne, als sie die Pistole auf der Ottomane erblickt.]

Der Flüchtling [übernervös, fährt zurück wie ein scheuendes Pferd. Erregt]: Mich so zu erschrecken! Was ist denn los?

Raina: Ihre Pistole. Der Offizier hat sie die ganze Zeit vor Augen gehabt! Ihre Rettung ist ein Wunder!

Der Flüchtling [ärgerlich, so unnötigerweise geängstigt worden zu sein]: Ach, weiter nichts?!

Raina [blickt ihn hochmütig an und fühlt sich desto wohler, je mehr ihre gute Meinung von ihm abnimmt]: Ich bedaure, Sie geängstigt zu haben. [Sie nimmt die Pistole und reicht sie ihm]: Bitte, nehmen Sie, zum Schutze gegen mich.

Der Flüchtling [lächelt müde über diesen Sarkasmus, während er die Pistole nimmt]: Sie nützt mir nichts, sie ist nicht geladen. [Er grinst die Pistole höhnisch an und schiebt sie verachtungsvoll in seine Revolvertasche.]

Raina: So laden Sie sie meinetwegen!

Der Flüchtling: Ich habe keine Munition. Was nützen einem in der Schlacht Patronen? Ich führe statt dessen immer Schokolade mit und habe schon vor Stunden mein letztes Stück verzehrt.

Raina [in ihren heiligsten Vorstellungen von Männlichkeit verletzt]: Schokolade? Sie stopfen Ihre Taschen mit Süßigkeiten voll wie ein Schuljunge, selbst auf dem Schlachtfeld?

Der Flüchtling [hungrig]: Ich wollte, ich hätte jetzt welche. [Raina starrt ihn an, unfähig ihre Gefühle zu äußern; dann läuft sie zu der Kommode und eilt, die Bonbonniere in den Händen, mit spöttischer Miene zurück.]

Raina: Erlauben Sie. Ich bedaure, alles aufgegessen zu haben bis auf diese Pralinébonbons. [Sie bietet ihm die Schachtel an.]

Der Flüchtling [heißhungrig]: Sie sind ein Engel. [Er verschlingt die Süßigkeiten]: Pralinés--köstlich! [Er überzeugt sich ängstlich, ob noch mehr davon da sind; es waren die letzten.]

[Er fügt sich mit pathetischem Humor in das Unvermeidliche und sagt mit dankbarer Rührung]: Gott segne Sie, teuerstes Fräulein.--Sie können einen alten Soldaten immer an dem Inhalt seiner Sattel- und Patronentaschen beurteilen. Die jungen führen Pistolen und Patronen mit, die alten--Futter. Ich danke Ihnen. [Er gibt ihr die Schachtel zurück, sie reißt sie ihm verachtungsvoll aus der Hand und wirft sie fort. Er schrickt wieder zusammen, als wenn sie ihn hätte schlagen wollen.] Hu! Ich beschwöre Sie, machen Sie nicht alles so heftig und plötzlich, gnädiges Fräulein; es ist nicht schön, sich jetzt dafür zu rächen, daß ich Sie vorhin erschreckt habe.

Raina [stolz]: Mich erschreckt! Wissen Sie, daß mein Herz, obwohl ich nur ein Mädchen bin, mindestens ebenso mutig schlägt wie das Ihre!?

Der Flüchtling: Das will ich meinen. Sie haben auch nicht drei Tage lang im Feuer gestanden wie ich. Zwei Tage kann ich das aushalten, ohne daß es mir viel ausmacht, aber kein Mensch hält es drei Tage lang aus. Ich bin jetzt so nervös wie eine Maus. [Er setzt sich auf die Ottomane und stützt den Kopf in die Hand.] Möchten Sie mich weinen sehen?

Raina [bestürzt]: Nein!

Der Flüchtling: Wenn Sie das wollen, brauchen Sie mich nur auszuschelten als ob ich ein kleiner Bub wäre und Sie das Kindermädchen. Wenn ich jetzt im Lager wäre, würde man allerhand Spaß mit mir treiben.

Raina [ein wenig gerührt]: Sie tun mir leid, ich werde Sie nicht ausschelten. [Von dem Mitgefühl in ihrer Stimme ergriffen, hebt er den Kopf und blickt dankbar zu ihr auf. Sie wendet sich sofort von ihm weg und sagt steif:] Sie müssen mich entschuldigen, UNSERE Soldaten sind eben ganz anders. [Sie geht von der Ottomane fort.]

Der Flüchtling: O nein, ganz ebenso! Es gibt überhaupt nur zweierlei Arten Soldaten; junge und alte. Ich diene seit vierzehn Jahren; die Hälfte von Ihren Leuten hatte bisher noch kein Pulver gerochen!

Nun, wie kommt es, daß sie uns eben geschlagen haben? Nur infolge gänzlicher Unkenntnis der Kriegskunst, durch nichts weiter. [Verachtungsvoll:] Ich habe nie einen größeren Mangel an Berufskenntnis gesehen!

Raina [ironisch]: Oh, war es Mangel an Berufskenntnis, Sie zu schlagen?

Der Flüchtling: So hören Sie! Halten Sie es für militärisch, ein Kavallerieregiment einer Schnellfeuerbatterie entgegenzuwerfen mit der Gewißheit, daß, falls die Kanonen losgehen, weder Pferd noch Mann jemals der Batterie auf fünfzig Meter nahe kommen? Ich traute meinen Augen kaum, als ich den Blödsinn sah.

Raina [wendet sich freudig zu ihm, erregt, weil ihr Enthusiasmus und ihre Ruhmesträume sie wieder überkommen]: Haben Sie die große Kavallerieattacke gesehen? Oh, erzählen Sie mir davon, beschreiben Sie sie mir.

Der Flüchtling: Sie haben noch niemals eine Kavallerieattacke gesehen, nicht wahr?

Raina: Wie sollte ich!

Der Flüchtling: Natürlich, woher auch! Na, es ist ein spaßhafter Anblick. Gerade, als ob man eine Handvoll Erbsen gegen eine Fensterscheibe schleuderte. Erst kommt einer, dann zwei oder drei dicht hinterher, und dann in einer Reihe die ganze Rotte.

Raina [mit weiten Augen, erbebt sich, während sie die Hände begeistert zusammenschlägt]: Ja, zuerst ein einziger, der Tapferste der Tapferen!

Der Flüchtling [prosaisch]: Na, Sie sollten sehen, wie der arme Teufel versucht sein Pferd zurückzuhalten.

Raina: Warum sollte er sein Pferd zurückhalten?

Der Flüchtling [ungeduldig über die dumme Frage]: Na, weil es doch mit ihm durchgeht, natürlich. Glauben Sie, daß der Bursche Lust hat, als Erster anzukommen, um so vor allen andern getötet zu werden? Dann kommen die übrigen heran. Alle. Sie können die Jungen an ihrer Wildheit und Schneidigkeit erkennen, die Alten kommen in geschlossenen Haufen daher, sie wissen, daß sie nur Kanonenfutter


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