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- Helden - 4/18 -


sind und daß es keinen Zweck hat, einen Kampf zu versuchen. Die meisten Wunden sind gebrochene Kniescheiben infolge des Zusammenprallens der Pferde.

Raina: Schrecklich! Aber ich glaube nicht, daß der erste Reiter ein Feigling ist--ich glaube, er ist ein Held.

Der Flüchtling [gutmütig]: Das würden Sie auch gesagt haben, wenn Sie HEUTE den ersten Reiter bei der Attacke gesehen hätten!!

Raina [atemlos, ihm alles verzeihend]: Ah, ich wußte es! Erzählen Sie, erzählen Sie mir von ihm!

Der Flüchtling: Er benahm sich wie ein Operettentenor--ein wohlgebauter, hübscher Bursche mit sprühenden Augen und prachtvollem Schnurrbart, der sein Hurra brüllte und angriff wie Don Quijote die Windmühlen. Wir haben uns über ihn halbtot gelacht! Als aber der Feldwebel gelaufen kam, bleich wie der Tod, und uns sagte, daß wir aus Versehen die falschen Patronen bekommen hätten und daß wir für die nächsten zehn Minuten keinen Schuß abgeben könnten, da ist uns das Lachen vergangen! Mir war nie so schlecht in meinem ganzen Leben, obwohl ich schon in mancher bösen Lage gewesen bin. Ich hatte nicht einmal eine Revolverpatrone, nichts als Schokolade, nicht einmal Bajonette hatten wir--nichts. Natürlich haben sie uns in Stücke gehauen, und da kam dieser Don Quijote wie ein Tambourmajor herangestürmt und glaubte, das Klügste von der Welt getan zu haben, statt dessen verdiente er, dafür vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Von allen Narren, die jemals auf einem Schlachtfelde losgelassen worden sind, muß das der schlimmste sein! Er und sein Regiment begingen einfach einen Selbstmord, nur ging die Pistole nicht los, das war alles.

Raina [aufs tiefste verletzt, doch standhaft ihren Idealen treu]: Wahrhaftig! Würden Sie ihn wiedererkennen, wenn Sie ihn sähen?

Der Flüchtling: Werde ich ihn je vergessen können! [Sie geht wieder zur Kommode, er beobachtet sie mit schüchternen Hoffnungen, daß sie vielleicht noch etwas für ihn zu essen habe. Sie nimmt das Bild von der Kommode und bringt es ihm.]

Raina: Das ist die Photographie jenes Reiters--des Patrioten und Helden, dem ich verlobt bin.

Der Flüchtling [das Bild mit Entsetzen erkennend]: Es tut mir wirklich sehr leid,,, [Sieht sie an.] War das recht, mich so aufs Glatteis zu führen? [Blickt wieder auf das Bild.] Ja, das ist er ohne Zweifel. [Er unterdrückt ein Lachen.]

Raina [rasch]: Warum lachen Sie?

Der Flüchtling [beschämt, aber immer noch sehr belustigt]: Ich versichere Ihnen--ich habe nicht gelacht--, zumindest hatte ich nicht die Absicht. Aber wenn ich an ihn denke, wie er die Windmühlen stürmte und dabei glaubte, die schönste Tat von der Welt zu vollbringen! [Er schüttelt sich vor unterdrücktem Lachen.]

Raina [strenge]: Geben Sie mir das Bild zurück!

Der Flüchtling [mit aufrichtiger Reue]: Hier, bitte. Verzeihen Sie! Es tut mir wirklich furchtbar leid. [Sie küßt das Bild bedachtsam und sieht dem Flüchtling gerade ins Gesicht, bevor sie es auf die Kommode zurückstellt. Er folgt ihr, sich entschuldigend]: Wissen Sie, ich tu' ihm vielleicht sehr unrecht, sogar ganz gewiß. Höchstwahrscheinlich hat er von der Munitionsgeschichte irgendwo Wind bekommen und wußte, daß es eine gefahrlose Sache war.

Raina: Das soll heißen, daß er ein Aufschneider und ein Feigling ist. Vorhin haben Sie das wenigstens nicht zu sagen gewagt.

Der Flüchtling [mit einer komiscben Verzweiflungsgeste]: Ich bemühe mich umsonst, verehrtes Fräulein, es gelingt mir nicht, Ihnen die Sache vom berufsmäßigen Standpunkt aus zu zeigen. [Als er sich umwendet, um zur Ottomane zu geben, wird neuerdings aus der Ferne Gewehrfeuer vernehmbar]:

Raina [strenge, als sie bemerkt, wie er auf die Schüsse horcht]: Desto besser für Sie.

Der Flüchtling [sich umwendend]: Wie meinen Sie das?

Raina: Sie sind mein Feind und in meiner Gewalt--was würde ich zu tun haben vom berufsmäßigen Standpunkt aus?

Der Flüchtling: Ah, das ist wahr! Verehrtes Fräulein, Sie haben immer recht. Ich weiß, was Sie für mich getan haben und was ich Ihnen verdanke. Bis zu meiner letzten Stunde werde ich der drei Pralinés gedenken. Es war unmilitärisch, aber wie engelsgut von Ihnen!

Raina [kalt]: Ich danke Ihnen, aber nun will ich mich militärisch benehmen. Sie können nicht hierbleiben, nach dem, was Sie über meinen zukünftigen Gatten gesagt haben, aber ich will auf den Balkon gehen und nachsehen, ob Sie jetzt vollkommen gefahrlos auf die Straße hinunterklettern können. [Sie geht an das Fenster.]

Der Flüchtling [seine Miene verändert sich]: Diese Wasserrinne hinunter? Halten Sie ein, das kann ich nicht, das mag ich nicht! --der bloße Gedanke daran macht mich schon schwindlig. Ich kam leicht genug herauf mit dem Tode auf den Fersen, aber das jetzt kalten Blutes riskieren...! [Er sinkt auf die Ottomane.] Es ist umsonst, ich bin besiegt, ich gebe den Kampf auf, ich bin verloren--Sie können jetzt Lärm schlagen! [Er stützt den Kopf todestraurig in die Hände.]

Raina [von Mitleid entwaffnet]: Gehen Sie, verlieren Sie nicht den Mut. [Sie beugt sich beinahe mütterlich über ihn, er schüttelt den Kopf.] Oh, Sie sind ein recht kläglicher Krieger, ein Pralinésoldat. Gehen Sie, fassen Sie sich. Es gehört weniger Mut dazu, da hinunterzuklettern als der Gefangenschaft ins Auge zu sehen--bedenken Sie das.

Der Flüchtling [schläfrig, von ihrer Stimme eingewiegt]: Nein, Gefangenschaft bedeutet nur Tod, und Tod ist Schlaf.--Oh schlafen, schlafen, schlafen, ungestört schlafen...Die Dachrinne hinabklettern heißt, etwas unternehmen, sich anstrengen, denken! Zehnmal lieber den Tod!

Raina [leise und verwundert, in seinen schläfrigen Ton verfallend]: Sind Sie so schläfrig?

Der Flüchtling: Ich habe keine zwei Stunden ungestört geschlafen, seit ich zur Truppe eingerückt bin. Ich war im Generalstab. Sie wissen nicht, was das heißt: ich habe seit achtundvierzig Stunden kein Auge geschlossen.

Raina [am Ende ihrer Weisheit]: Aber was soll ich mit Ihnen anfangen?

Der Flüchtling [fährt taumelnd auf, von ihrer Verzweiflung aufgestachelt]: Natürlich, ich muß etwas tun. [Er schüttelt sich, rafft sich zusammen und spricht mit wiedergewonnener Kraft und Mut:] Sehen Sie, schläfrig oder nicht schläfrig, hungrig oder nicht hungrig, müde oder nicht müde--man kann eine Sache immer tun, wenn man weiß, daß sie getan werden muß. Gut denn, die Dachrinne muß hinabgeklettert werden. [Er schlägt sich mit der Faust an die Brust]: Hörst du das, du Pralinésoldat?! [Er geht an das Fenster.]

Raina [ängstlich]: Aber wenn Sie stürzen?

Der Flüchtling: Dann werde ich schlafen, als ob das Pflaster ein Federbett wäre. Leben Sie wohl. [Er tritt kühn an das Fenster und legt seine Hand an den Laden, da ertönt unten auf der Straße wieder eine entsetzliche Salve.]

Raina [zu ihm eilend]: Bleiben Sie! [Sie erfaßt ihn ohne Bedenken und reißt ihn zurück.] Man wird Sie töten.

Der Flüchtling [kühl, aber aufmerksam]: Das macht nichts und gehört eben zu meinem täglichen Beruf; ich muß es riskieren. [Entschlossen]: Nun tun Sie, was ich Ihnen sage: löschen Sie die Kerzen aus, damit man das Licht nicht sehen kann, wenn ich die Läden öffne, und halten Sie sich ja vom Fenster fern, was immer auch geschehen mag. Wenn die mich sehen, werden sie sicher nach mir schießen.

Raina [sich an ihn hängend]: Sie werden Sie ganz sicher sehen, der Mond scheint hell. Ich will Sie retten,,, Oh, wie können Sie nur so gleichgültig sein! Sie wollen doch, daß ich Sie retten soll, nicht wahr?

Der Flüchtling: Ich möchte Sie wirklich nicht länger stören. [Sie schüttelt ihn in ihrer Ungeduld]: Ich bin durchaus nicht gleichgültig gegen den Tod, verehrtes Fräulein, glauben Sie mir, aber was soll ich sonst anfangen?

Raina: Vor allem kommen Sie doch vom Fenster fort, ich bitte Sie. [Sie schmeichelt ihn in die Mitte des Zimmers zurück, er ergibt sich unterwürfig darein; sie läßt ihn frei und spricht gönnerhaft zu ihm]: Hören Sie, Sie müssen unserer Gastfreundschaft vertrauen; Sie wissen noch nicht, in wessen Haus Sie sich befinden--ich bin eine Petkoff.

Der Flüchtling [naiv]: Was ist das?

Raina [etwas entrüstet]: Ich meine, daß ich der Familie Petkoff angehöre, der reichsten und angesehensten unseres Landes.

Der Flüchtling: O ja, natürlich! Entschuldigen Sie--die Petkoffs! freilich! Wie dumm von mir!

Raina: Sie wissen ganz gut, daß Sie bis zu dieser Minute den Namen nie gehört haben! Wie können Sie sich dazu erniedrigen, so zu tun, als ob er Ihnen bekannt vorkäme?

Der Flüchtling: Verzeihen Sie, ich bin zu müde, um zu denken, und der Wechsel des Gesprächsthemas war zuviel für mich; zanken Sie mich nicht aus.

Raina: Ich vergaß--Sie könnten zu weinen anfangen. [Er nickt ganz ernst, sie schmollt und fährt dann in gönnerhaftem Tone fort]: Ich will Ihnen bloß sagen, daß mein Vater den höchsten Befehlshaberposten in unserer Armee bekleidet, den irgend ein Bulgare innehat. [Stolz]: Er ist Major!

Der Flüchtling [tut, als ob das einen tiefen Eindruck auf ihn machte]: Major? Du lieber Himmel! Denken Sie nur!

Raina: Sie haben große Ortsunkenntnis bewiesen, indem Sie es für nötig hielten, am Balkon heraufzuklettern, weil unser Haus das einzige Privathaus ist, das zwei Reihen Fenster hat. Es ist eine Treppe im Flur, auf der man hinauf und hinunter kann.

Der Flüchtling: Eine Treppe? Wie großartig! Sie sind aber von


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