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- Helden - 6/18 -


Nicola [mitleidig]: Ich hätte dich für gescheiter gehalten, Louka, aber du bist eben jung--noch sehr jung.

Louka: Gewiß. Ja, und du liebst mich darum um so mehr, nicht wahr? Aber so jung ich bin, kenne ich doch ein paar Familiengeheimnisse, von denen sie nicht wünschen würden, daß ich sie ausplaudere. Sie sollen es nur wagen, mit mir anzubinden!

Nicola [mitleidig und überlegen]: Weißt du, was sie täten, wenn sie dich so sprechen hörten?

Louka: Was könnten sie tun?

Nicola: Dich wegen Lügenhaftigkeit entlassen. Wer würde dir dann jemals wieder ein Wort glauben, wer dir eine andere Stellung verschaffen? Wer in diesem Hause würde es wagen, auch nur wieder mit dir zu sprechen? Und wie lange würde dein Vater auf seinem kleinen Bauernhof belassen werden?! [Sie wirft ungeduldig den Rest ihrer Zigarette fort und tritt darauf]: Du großes Kind! Du weißt eben nicht, was für eine Macht so hohe Herrschaften über unsereins haben, sobald wir armen Teufel versuchen, uns gegen sie aufzulehnen. [Er tritt nahe an sie heran, mit leiser Stimme]: Schau mich an! Seit zehn Jahren diene ich in diesem Hause--glaubst du, daß ich da keine Geheimnisse weiß? Ich weiß Dinge von unserer Frau! Nicht um tausend Leu würde sie wollen, daß ihr Mann sie erführe! Und ich weiß Dinge von ihm, wegen deren sie ihm ein halbes Jahr lang zusetzen würde, wenn ich sie ausplaudern wollte. Ich weiß Dinge von Fräulein Raina! Die Auflösung der Verlobung mit Sergius wäre die Folge, wenn--

Louka [sich rasch zu ihm wendend]: Woher weißt du denn das? Ich habe dir doch nie etwas gesagt?

Nicola [reißt die Augen verschmitzt auf]: Das also ist dein kleines Geheimnis! Ich dachte gleich, es könnte so was sein. Nun, befolge meinen Rat, benimm dich ehrerbietig und laß die Gnädige fühlen, daß, ganz gleich, was du weißt oder nicht weißt, sie sich darauf verlassen kann, daß du reinen Mund halten und deiner Herrschaft treu bleiben wirst. Das ist's, was sie gern haben, und auf diese Weise wirst du am meisten von ihnen herauskriegen.

Louka [verachtungsvoll]: Du bist eine Bedientenseele, Nicola!

Nicola [vergnügt]: Jawohl, das ist das Geheimnis des Erfolges im Dienste. [Ein lautes Klopfen mit einem Peitschenknopf an das hölzerne Tor wird vom Hofe her gehört.]

Männliche Stimme [von außen]: Hallo! Heda! Nicola!

Louka: Der Herr, aus dem Kriege zurück!

Nicola [rasch]: Meiner Treu, Louka, der Krieg ist vorüber! Mach, daß du fortkommst, und bring frischen Kaffee! [Er läuft hinaus auf den Stallhof.]

Louka [während sie Kaffeekanne und Tassen zusammenräumt und auf dem Servierbrett in das Haus hineinträgt]: Du wirst aus mir niemals eine Bedientenseele machen! [Major Petkoff kommt vom Stallhofe her, Nicola folgt ihm. Der Major ist ein leicht erregbarer heiterer, unbedeutender, ungebildeter Mann von ungefähr fünfzig Jahren. Von Natur aus ohne Ehrgeiz, nur um sein Einkommen und seine Wichtigkeit in der Lokalgesellscbaft bekümmert, ist er jetzt doch äußerst zufrieden mit dem militärischen Rang, der ihm während des Krieges als einer der Hauptpersonen seiner Stadt eingeräumt wurde. Das Fieber eines tollkühnen Patriotismus, den der Angriff der Serben in allen Bulgaren hervorrief, hat ihm durch den Krieg durchgeholfen, aber er ist sichtlich froh, wieder zu Hause zu sein.]

Petkoff [mit seiner Peitsche auf den Tisch zeigend]: Hier draußen das Frühstück?

Nicola: Jawohl, gnädiger Herr. Die gnädige Frau und Fräulein Raina sind soeben ins Haus gegangen.

Petkoff [setzt sich und nimmt ein Brötchen]: Geh hinein und sage, daß ich gekommen bin, und bringe mir frischen Kaffee.

Nicola: Ist schon bestellt, gnädiger Herr. [Er wendet sich gegen die Haustür, Louka kommt mit frischem Kaffee, einer reinen Tasse und einer Flasche Schnaps auf ihrem Servierbrett]: Haben Sie die gnädige Frau verständigt?

Louka: Ja, die Gnädige kommt gleich. [Nicola geht in das Haus hinein. Louka stellt den Kaffee auf den Tisch.]

Petkoff: Na, die Serben scheinen dich nicht geraubt zu haben?

Louka: Nein, gnädiger Herr.

Petkoff: Das ist recht. Hast du mir Kognak gebracht?

Louka [die Flasche auf den Tisch setzend]: Hier, gnädiger Herr.

Petkoff: So ist's recht. [Er gießt ein paar Tropfen Kognak in seinen Kaffee. Katharina, die zu der frühen Stunde nur eine sehr flüchtige Toilette gemacht hat, tritt aus dem Hause. Sie trägt eine bulgarische Schürze über einem ehemals prächtigen, aber jetzt halb abgetragenen roten Schlafrock. Ein farbiges Kopftuch ist um ihr dickes schwarzes Haar gewunden. Sie hat türkische Pantoffeln an den bloßen Füßen. Sie sieht trotz ihrer Toilette erstaunlich hübsch und stattlich aus. Louka geht in das Haus zurück.]

Katharina: Mein lieber Paul, nein, ist das eine Überraschung für uns! [Sie beugt sich über die Lehne seines Stuhls, um ihn zu küssen]: Hast du schon frischen Kaffee bekommen?

Petkoff: Ja, Louka hat schon für mich gesorgt.--Der Krieg ist aus, der Friede wurde schon vor drei Tagen in Bukarest unterzeichnet, und der Abrüstungsbefehl für unsere Armee ist gestern ausgegeben worden.

Katharina [springt auf, mit sprühenden Augen]: Der Krieg zu Ende! Paul, haben euch die Österreicher vielleicht GEZWUNGEN, Frieden zu schließen?

Petkoff [unterwürfig]: Meine Teuere, sie haben mich nicht gefragt, was konnte ich tun? [Sie setzt sich und wendet sich von ihm ab]: Aber natürlich haben wir dafür gesorgt, daß der Vertrag ein ehrenhafter sei, er sichert den Frieden.

Katharina [beleidigt]: Frieden!

Petkoff [sie besänftigend]: Aber durchaus keine freundschaftlichen Beziehungen, merke wohl. Sie wollten das hineinsetzen, aber ich bestand darauf, daß es gestrichen würde--was hätte ich noch mehr tun können?

Katharina: Du hättest Serbien annektieren und den Prinzen Alexander zum Kaiser des Balkans machen können; das hätte ich getan!

Petkoff: Ich zweifle nicht daran, Teuerste. Aber ich hätte zuvor das ganze österreichische Kaiserreich unterwerfen müssen, und das hätte mich zu lange von dir ferne gehalten; du hast mir schon sehr gefehlt.

Katharina [freundlich]: Ah! [Sie streckt ihren Arm liebevoll über den Tisch, um seine Hand zu drücken.]

Petkoff: Und wie ist es dir ergangen, Liebste?

Katharina: Oh, bis auf meine gewohnten Halsschmerzen recht gut.

Petkoff [mit Überzeugung]: Das kommt davon, daß du dir täglich den Hals wäschst; ich habe dich schon oft davor gewarnt.

Katharina: Das ist Unsinn, Paul.

Petkoff [über seinem Kaffee und der Zigarette]: Ich bin sehr dagegen, daß man diese modernen Gewohnheiten zu sehr nachahmt; das ewige Waschen kann nicht gesund sein, es ist unnatürlich. In Philippopel war ein Engländer, der die Gewohnheit hatte, sich jeden Morgen nach dem Aufstehen über und über mit kaltem Wasser zu begießen. Ekelhaft! Der Unfug kommt überhaupt von den Engländern. Ihr Klima macht sie so schmutzig, daß sie sich in einem fort waschen müssen. Schau doch meinen Vater an; er hat in seinem ganzen Leben nie gebadet und ist dabei doch achtundneunzig Jahre alt geworden, der gesündeste Mann Bulgariens. Ich habe ja nichts dagegen, mich einmal in der Woche ordentlich zu waschen, um meiner Stellung genüge zu tun--aber jeden Tag, das heißt doch, die Sache in lächerlicher Weise übertreiben.

Katharina: Im Herzen bist du noch immer ein Barbar, mein lieber Paul. Ich hoffe, du hast dich vor all den russischen Offizieren gut benommen.

Petkoff: Ich tat, was ich konnte, und habe auch dafür gesorgt, daß sie erfuhren, daß wir eine Bibliothek haben!

Katharina: Ah--aber daß wir auch eine elektrische Klingel darin haben, das wissen sie nicht! Ich habe in deiner Abwesenheit eine anbringen lassen.

Petkoff: Was ist das, eine elektrische Klingel?

Katharina: Du berührst einen Knopf, es klingelt in der Küche, und dann kommt Nicola herein.

Petkoff: Man kann ja nach ihm schreien!

Katharina: Zivilisierte Leute schreien nie nach ihren Dienstboten; ich habe das gelernt, während du fort warst.

Petkoff: Nun, ich will dir auch sagen, was ich gelernt habe. Zivilisierte Leute hängen ihre Wäsche nicht so zum Trocknen auf, daß jeder Besucher sie sehen kann. Es wäre deshalb besser, du würdest all das Zeug [er zeigt auf die Wäsche an den Büschen,] irgendwo anders hinhängen.

Katharina: Aber das ist doch lächerlich, Paul; ich kann mir nicht denken, daß wirklich feine Leute solche Dinge überhaupt bemerken. [Man hört jemanden an das Hoftor klopfen.]

Petkoff: Das ist Sergius. [Ruft]: Holla! Nicola!

Katharina: Rufe doch nicht so laut, Paul. Das ist wirklich nicht fein!

Petkoff: Unsinn. [Er ruft lauter als vorher:] Nicola!

Nicola [erscheint vor der Haustür]: Zu Befehl, gnädiger Herr.

Petkoff: Wenn das Major Saranoff ist, führe ihn hierher. [Er spricht den Namen mit einer Dehnung auf der zweiten Silbe aus: "Sarahnoff".]


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