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- Phaenomenologie des Geistes - 60/95 -


zu seinem _Geiste_.

Die beiden Extreme, die Staatsmacht und das edelmütige Bewußtsein, sind durch dieses zersetzt, jene in das abstrakte Allgemeine, dem gehorcht wird, und in den fürsichseienden Willen, welcher ihm aber noch nicht selbst zukommt; dieses in den Gehorsam des aufgehobnen Daseins oder in das _An-sich-sein_ der Selbstachtung und der Ehre, und in das noch nicht aufgehobene reine Für-sich-sein, den im Hinterhalte noch bleibenden Willen. Die beiden Momente, zu welchen beide Seiten gereinigt, und die daher Momente der Sprache sind, sind das _abstrakte Allgemeine_, welches das allgemeine Beste heißt, und das _reine Selbst_, das im Dienste seinem ins vielfache Dasein versenkten Bewußtsein absagte. Beide sind im Begriffe dasselbe, denn reines Selbst ist eben das abstrakt Allgemeine, und daher ist ihre Einheit als ihre Mitte gesetzt. Aber das _Selbst_ ist nur erst am Extreme des Bewußtseins wirklich--_das An-sich_ aber erst am Extreme der Staatsmacht; dem Bewußtsein fehlt dies, daß die Staatsmacht nicht nur als _Ehre_, sondern wirklich an es übergegangen wäre,--der Staatsmacht, daß ihr nicht nur als dem sogenannten _allgemeinen Besten_ gehorcht würde, sondern als Willen, oder daß sie das entscheidende Selbst ist. Die Einheit des Begriffes, in welchem die Staatsmacht noch steht, und zu dem das Bewußtsein sich geläutert hat, wird in dieser _vermittelnden Bewegung_ wirklich, deren einfaches Dasein, als _Mitte_, die Sprache ist.--Sie hat jedoch zu ihren Seiten noch nicht zwei als _Selbst_ vorhandene Selbst; denn die Staatsmacht wird erst zum Selbst begeistet; diese Sprache ist daher noch nicht der Geist, wie er sich vollkommen weiß und ausspricht.

Das edelmütige Bewußtsein, weil es das Extrem des Selbsts ist, erscheint als dasjenige, von dem die _Sprache_ ausgeht, durch welche sich die Seiten des Verhältnisses zu beseelten Ganzen gestalten.--Der Heroismus des stummen Dienstes wird zum _Heroismus_ der _Schmeichelei_. Diese sprechende Reflexion des Dienstes macht die geistige sich zersetzende Mitte aus, und reflektiert nicht nur ihr eigenes Extrem in sich selbst, sondern auch das Extrem der allgemeinen Gewalt in dieses selbst zurück, und macht sie, die erst _an sich_ ist, _zum Für-sich-sein_ und zur Einzelnheit des Selbstbewußtseins. Es wird hiedurch der Geist dieser Macht, ein _unumschränkter Monarch_ zu sein;--_unumschränkt_: die Sprache der Schmeichelei erhebt die Macht in ihre geläuterte _Allgemeinheit_; das Moment als Erzeugnis der Sprache, des zum Geiste geläuterten Daseins, ist eine Vereinigte Sichselbstgleichheit,--_Monarch_: sie erhebt ebenso die _Einzelnheit_ auf ihre Spitze; dasjenige, dessen das edelmütige Bewußtsein sich nach dieser Seite der einfachen geistigen Einheit entäußert, ist das reine _An-sich seines Denkens_, sein Ich selbst. Bestimmter erhebt sie die Einzelnheit, die sonst nur ein _Gemeintes_ ist, dadurch in ihre daseiende Reinheit, daß sie dem Monarchen den eignen _Namen_ gibt; denn es ist allein der Name, worin der _Unterschied_ des Einzelnen von allen andern nicht _gemeint_ ist, sondern von allen wirklich gemacht wird; in dem Namen _gilt_ der Einzelne als rein Einzelner nicht mehr nur in seinem Bewußtsein, sondern im Bewußtsein Aller. Durch ihn also wird der Monarch schlechthin von Allen abgesondert, ausgenommen und einsam; in ihm ist er das Atom, das von seinem Wesen nichts mitteilen kann und nicht seinesgleichen hat.--Dieser Name ist hiemit die Reflexion in sich oder die _Wirklichkeit_, welche die allgemeine Macht _an ihr selbst_ hat; durch ihn ist sie der _Monarch_. Er, _dieser Einzelne_, weiß umgekehrt dadurch _sich diesen Einzelnen_ als die allgemeine Macht, daß die Edeln nicht nur als zum Dienst der Staatsmacht bereit, sondern als _Zieraten_ sich um den Thron stellen, und daß sie dem, der darauf sitzt, es immer _sagen_, was er _ist_.

Die Sprache ihres Preises ist auf diese Weise der Geist, der in der _Staatsmacht selbst_ die beiden Extreme zusammenschließt; sie reflektiert die abstrakte Macht in sich und gibt ihr das Moment des andern Extrems, das wollende und entscheidende _Für-sich-sein_, und hiedurch selbstbewußte Existenz; oder dadurch kommt dies _einzelne wirkliche_ Selbstbewußtsein dazu, sich als die Macht _gewiß zu wissen_. Sie ist der Punkt des Selbsts, in den durch die Entäußerung der _innern Gewißheit_ die vielen Punkte zusammengeflossen sind. --Indem aber dieser eigne Geist der Staatsmacht darin besteht, seine Wirklichkeit und Nahrung an dem Opfer des Tuns und des Denkens des edelmütigen Bewußtseins zu haben, ist sie die sich _entfremdete Selbstständigkeit_; das edelmütige Bewußtsein, das Extrem des _Für-sich-seins_ erhält das Extrem der _wirklichen Allgemeinheit_ für die Allgemeinheit des Denkens, der es sich entäußerte, zurück; die Macht des Staats ist auf es _übergegangen_. An ihm wird die Staatsgewalt erst wahrhaft betätigt; in seinem _Für-sich-sein_ hört sie auf, das _träge Wesen_, wie sie als Extrem des abstrakten An-sich-seins erschien, zu sein.--_An sich_ betrachtet heißt die _in sich reflektierte Staatsmacht_, oder dies, daß sie Geist geworden, nichts anderes, als daß sie _Moment_ des _Selbstbewußtseins_ geworden, d.h. nur als _aufgebobne_ ist. Hiemit ist sie nun das Wesen als ein solches, dessen Geist es ist, aufgeopfert und preisgegeben zu sein, oder sie existiert als _Reichtum_.--Sie bleibt zwar dem Reichtume, zu welchem sie dem Begriffe nach immer wird, gegenüber zugleich als eine Wirklichkeit bestehen; aber eine solche, deren Begriff eben diese Bewegung ist, durch den Dienst und die Verehrung, wodurch sie wird, in ihr Gegenteil, in die Entäußerung der Macht, überzugehen. Für sich wird also das eigentümliche _Selbst_, das ihr Willen ist, durch die Wegwerfung des edelmütigen Bewußtseins, zur sich entäußernden Allgemeinheit, zu einer vollkommnen Einzelnheit und Zufälligkeit, die jedem mächtigern Willen preisgegeben ist; was ihm an _allgemein_ anerkannter und nicht mittelbarer Selbstständigkeit bleibt, ist der leere Namen.

Wenn also das edelmütige Bewußtsein sich als dasjenige bestimmte, welches sich auf die allgemeine Macht auf eine _gleiche_ Weise bezöge, so ist die Wahrheit desselben vielmehr, in seinem Dienste sein eignes Für-sich-sein sich zu behalten, in der eigentlichen Entsagung seiner Persönlichkeit aber das wirkliche Aufheben und Zerreißen der allgemeinen Substanz zu sein. Sein Geist ist das Verhältnis der völligen Ungleichheit, einerseits in seiner Ehre seinen Willen zu behalten; andererseits in dem Aufgeben desselben teils seines Innern sich zu entfremden, und zur höchsten Ungleichheit mit sich selbst zu werden, teils die allgemeine Substanz darin sich zu unterwerfen und diese sich selbst völlig ungleich zu machen.--Es erhellt, daß damit seine Bestimmtheit, die es im _Urteile_ gegen das hatte, welches niederträchtiges Bewußtsein hieß, und hiedurch auch dieses verschwunden ist. Das letztere hat seinen Zweck erreicht, nämlich die allgemeine Macht unter das Für-sich-sein zu bringen.

So durch die allgemeine Macht bereichert, existiert das Selbstbewußtsein als die _allgemeine Wohltat_, oder sie ist der _Reichtum_, der selbst wieder Gegenstand für das Bewußtsein ist. Denn er ist diesem das zwar unterworfne Allgemeine, das aber durch dies erste Aufheben noch nicht absolut in das Selbst zurückgegangen ist.--Das _Selbst_ hat noch nicht _sich als Selbst_, sondern das _aufgehobne allgemeine Wesen_ zum Gegenstande. Indem dieser erst geworden, ist die _unmittelbare_ Beziehung des Bewußtseins auf ihn gesetzt, das also noch nicht seine Ungleichheit mit ihm dargestellt hat; es ist das edelmütige Bewußtsein, welches an dem unwesentlich gewordenen Allgemeinen sein Für-sich-sein erhält, daher ihn anerkennt und gegen den Wohltäter dankbar ist.

Der Reichtum hat an ihm selbst schon das Moment des Für-sich-seins. Er ist nicht das selbstlose Allgemeine der Staatsmacht, oder die unbefangene unorganische Natur des Geistes, sondern sie, wie sie durch den Willen an ihr selbst festhält gegen den, der sich ihrer zum Genuß bemächtigen will. Aber indem der Reichtum nur die Form des Wesens hat, ist dies einseitige Für-sich-sein, das nicht _an sich_, sondern vielmehr das aufgehobne An-sich ist, die in seinem Genusse wesenlose Rückkehr des Individuums in sich selbst. Er bedarf also selbst der Belebung; und die Bewegung seiner Reflexion besteht darin, daß er, der nur für sich ist, zum _An_- und _Für-sich-sein_, daß er, der das aufgehobene Wesen ist, zum Wesen werde; so erhält er seinen eigenen Geist an ihm selbst.--Da vorhin die Form dieser Bewegung auseinandergesetzt worden, so ist es hinreichend, hier den Inhalt derselben zu bestimmen.

Das edelmütige Bewußtsein bezieht sich also hier nicht auf den Gegenstand als Wesen überhaupt, sondern es ist das _Für-sich-sein_ selbst, das ihm ein Fremdes ist; es _findet_ sein Selbst als solches entfremdet _vor_, als eine gegenständliche feste Wirklichkeit, die es von einem andern festen Für-sich-sein zu empfangen hat. Sein Gegenstand ist das Für-sich-sein; also das _Seinige_; aber dadurch, daß es Gegenstand ist, ist es zugleich unmittelbar eine fremde Wirklichkeit, welche eigenes Für-sich-sein, eigner Willen ist, das heißt, es sieht sein Selbst in der Gewalt eines fremden Willens, von dem es abhängt, ob er ihm dasselbe ablassen will.

Von jeder einzelnen Seite kann das Selbstbewußtsein abstrahieren, und behält darum in einer Verbindlichkeit, die eine solche betrifft, sein Anerkanntsein und _An-sich-gelten_ als für sich seienden Wesens. Hier aber sieht es sich von der Seite seiner reinen eigensten _Wirklichkeit_, oder seines Ichs außer sich und einem Andern angehörig, sieht seine _Persönlichkeit_ als solche abhängig von der zufälligen Persönlichkeit eines Andern, von dem Zufall eines Augenblicks, einer Willkür oder sonst des gleichgültigsten Umstandes. --Im Rechtszustande erscheint, was in der Gewalt des gegenständlichen Wesens ist, als ein _zufälliger Inhalt_, von dem abstrahiert werden kann, und die Gewalt betrifft nicht das _Selbst_ als _solches_, sondern dieses ist vielmehr anerkannt. Allein hier sieht es die Gewißheit seiner als solche das wesenloseste, die reine Persönlichkeit absolute Unpersönlichkeit zu sein. Der Geist seines Dankes ist daher das Gefühl wie dieser tiefsten Verworfenheit so auch der tiefsten Empörung. Indem das reine Ich selbst sich außer sich und zerrissen anschaut, ist in dieser Zerrissenheit zugleich alles, was Kontinuität und Allgemeinheit hat, was Gesetz, gut und recht heißt, auseinander und zugrunde gegangen; alles gleiche ist aufgelöst, denn die _reinste Ungleichheit_, die absolute Unwesentlichkeit des absolut Wesentlichen, das Außer-sich-sein des Für-sich-seins ist vorhanden; das reine Ich selbst ist absolut zersetzt.

Wenn also von dem Reichtum dies Bewußtsein wohl die Gegenständlichkeit des Für-sich-seins zurückerhält und sie aufhebt, so ist es nicht nur seinem Begriffe nach, wie die vorhergehende Reflexion nicht vollendet, sondern für es selbst unbefriedigt; die Reflexion, da das Selbst sich als ein Gegenständliches empfängt, ist der unmittelbare Widerspruch im reinen Ich selbst gesetzt. Als Selbst steht es aber zugleich unmittelbar über diesem Widerspruche, ist die absolute Elastizität, welche dies Aufgehobensein des Selbsts wieder aufhebt, diese Verworfenheit, daß ihm sein Für-sich-sein als ein Fremdes werde, verwirft, und gegen dies Empfangen seiner selbst empört, im _Empfangen_ selbst _für sich_ ist.

Indem also das Verhältnis dieses Bewußtseins mit dieser absoluten Zerrissenheit verknüpft ist, fällt in seinem Geiste der Unterschied desselben, als edelmütiges gegen das _niederträchtige_ bestimmt zu sein, hinweg, und beide sind dasselbe.--Der Geist des wohltuenden Reichtums kann ferner von dem Geiste des die Wohltat empfangenden Bewußtseins unterschieden werden, und ist besonders zu betrachten. --Er war das wesenlose Für-sich-sein, das preisgegebne Wesen. Durch seine Mitteilung aber wird er zum _An-sich_; indem er seine Bestimmung erfüllte, sich aufzuopfern, hebt er die Einzelnheit, für sich nur zu genießen, auf, und als aufgehobne Einzelnheit ist er _Allgemeinheit_ oder _Wesen_.--Was er mitteilt, was er andern gibt, ist das _Für-sich-sein_. Er gibt sich aber nicht hin als eine selbstlose Natur, als die unbefangen sich preisgebende Bedingung des Lebens, sondern als selbstbewußtes, sich für sich haltendes Wesen: er


Phaenomenologie des Geistes - 60/95

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