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- Phaenomenologie des Geistes - 90/95 -


Verbindung, das Bewußtsein des Anderswerdens oder das Vorstellen als solches. Das dritte ist die Rückkehr aus der Vorstellung und dem Anderssein oder das Element des Selbstbewußtseins selbst.--Diese drei Momente machen den Geist aus; sein Auseinandertreten in der Vorstellung besteht darin, auf eine _bestimmte_ Weise zu sein; diese Bestimmtheit aber ist nichts anderes als eines seiner Momente. Seine ausführliche Bewegung ist also diese, in jedem seiner Momente als in einem Elemente seine Natur auszubreiten; indem jeder dieser Kreise sich in sich vollendet, ist diese seine Reflexion in sich zugleich der Übergang in den andern. Die _Vorstellung_ macht die Mitte zwischen dem reinen Denken und dem Selbstbewußtsein als solchem aus, und ist nur _eine_ der Bestimmtheiten; zugleich aber, wie sich gezeigt, ist ihr Charakter, die synthetische Verbindung zu sein, über alle diese Elemente ausgebreitet und ihre gemeinschaftliche Bestimmtheit.

Der Inhalt selbst, der zu betrachten ist, ist zum Teil schon als die Vorstellung des _unglücklichen_ und _glaubenden_ Bewußtseins vorgekommen;--in jenem aber in der Bestimmung des aus dem _Bewußtsein hervorgebrachten_ und _ersehnten_ Inhalts, worin der Geist sich nicht ersättigen noch Ruhe finden kann, weil er noch nicht _an sich_ oder als seine _Substanz_ sein Inhalt ist;--in diesem dagegen ist er als das selbstlose _Wesen_ der Welt oder als wesentlich _gegenständlicher_ Inhalt des Vorstellens betrachtet worden,--eines Vorstellens, das der Wirklichkeit überhaupt entflieht, und daher ohne die _Gewißheit des Selbstbewußtseins_ ist, die sich teils als Eitelkeit des Wissens, teils als reine Einsicht von ihm trennt.--Das Bewußtsein der Gemeine hingegen hat ihn zu seiner _Substan_z, ebenso als er ihre _Gewißheit_ des eignen Geistes ist.

Der Geist zuerst als Substanz im _Elemente des reinen Denkens_ vorgestellt, ist er hiemit unmittelbar das einfache sich selbst gleiche, ewige _Wesen_, das aber nicht diese abstrakte _Bedeutung_ des Wesens, sondern die Bedeutung des absoluten Geistes hat. Allein der Geist ist dies, nicht Bedeutung, nicht das Innre, sondern das Wirkliche zu sein. Das einfache ewige Wesen daher würde nur dem leeren Worte nach Geist sein, wenn es bei der Vorstellung und dem Ausdrucke des einfachen ewigen Wesens bliebe. Das einfache Wesen aber, weil es die Abstraktion ist, ist es in der Tat das _Negative an sich selbst_, und zwar die Negativität des Denkens oder sie, wie sie im _Wesen_ an sich ist; d.h. es ist der absolute _Unterschied_ von sich, oder sein reines Anderswerden. Als _Wesen_ ist es nur _an sich_ oder für uns; aber indem diese Reinheit eben die Abstraktion oder Negativität ist, ist es _für sich selbst_, oder das _Selbst_, der _Begriff_.--Es ist also _gegenständlich_; und indem die Vorstellung die soeben ausgesprochne _Notwendigkeit_ des Begriffs als ein _Geschehen_ auffaßt und ausspricht, so wird gesagt werden, daß das ewige Wesen sich ein Anderes _erzeugt_. Aber in diesem Anderssein ist es ebenso unmittelbar in sich zurückgekehrt; denn der Unterschied ist der Unterschied _an sich_, d.h. er ist unmittelbar nur von sich selbst unterschieden, er ist also die in sich zurückgekehrte Einheit.

Es unterscheiden sich also die drei Momente, des _Wesens_, des _Für-sich-seins_, welches das Anderssein des Wesens ist und für welches das Wesen ist, und des _Für-sich-seins_ oder Sich-selbst-wissens im _Andern_. Das Wesen schaut nur sich selbst in seinem Für-sich-sein an; es ist in dieser Entäußerung nur bei sich, das Für-sich-sein, das sich von dem Wesen ausschließt, ist das _Wissen_ des _Wesens seiner selbst_; es ist das Wort, das ausgesprochen den Aussprechenden entäußert und ausgeleert zurückläßt, aber ebenso unmittelbar vernommen ist, und nur dieses sich selbst Vernehmen ist das Dasein des Wortes. So daß die Unterschiede, die gemacht sind, ebenso unmittelbar aufgelöst, als sie gemacht, und ebenso unmittelbar gemacht, als sie aufgelöst sind, und das Wahre und Wirkliche eben diese in sich kreisende Bewegung ist.

Diese Bewegung in sich selbst spricht das absolute Wesen als _Geist_ aus; das absolute Wesen, das nicht als Geist erfaßt wird, ist nur das abstrakte Leere, so wie der Geist, der nicht als diese Bewegung erfaßt wird, nur ein leeres Wort ist. Indem seine _Momente_ in ihrer Reinheit gefaßt werden, sind sie die ruhelosen Begriffe, die nur sind, ihr Gegenteil an sich selbst zu sein und ihre Ruhe im Ganzen zu haben. Aber das _Vorstellen_ der Gemeine ist nicht dies _begreifende_ Denken; sondern hat den Inhalt ohne seine Notwendigkeit, und bringt statt der Form des Begriffes die natürlichen Verhältnisse von Vater und Sohn in das Reich des reinen Bewußtseins. Indem es so im Denken selbst sich _vorstellend_ verhält, ist ihm das Wesen zwar offenbar, aber die Momente desselben treten ihm um dieser synthetischen Vorstellung willen teils selbst auseinander, so daß sie nicht durch ihren eignen Begriff sich aufeinander beziehen, teils tritt es von diesem seinem reinen Gegenstand zurück, bezieht sich nur äußerlich auf ihn; er ist ihm von einem Fremden geoffenbart, und in diesem Gedanken des Geistes erkennt es nicht sich selbst, nicht die Natur des reinen Selbstbewußtseins. Insofern über die Form des Vorstellens und jener Verhältnisse, die aus dem Natürlichen hergenommen sind, und damit besonders auch darüber hinausgegangen werden muß, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, für isolierte nichtwankende Substanzen oder Subjekte statt für übergehende Momente zu nehmen,--ist dies Hinausgehen, wie vorhin bei einer andern Seite erinnert wurde, für ein Drängen des Begriffes anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft mit der Form auch den Inhalt, und, was dasselbe ist, setzt ihn zu einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstücke der Tradition herab; hierin ist das rein Äußerliche des Glaubens nur beibehalten, und damit als ein erkenntnisloses Totes, das _Innerliche_ desselben aber ist verschwunden, weil dies der Begriff wäre, der sich als Begriff weiß.

Der absolute Geist, im _reinen Wesen_ vorgestellt, ist zwar nicht das _abstrakte_ reine Wesen, sondern dieses ist vielmehr ebendadurch, daß es im Geiste nur Moment ist, zum _Elemente_ herabgesunken. Die Darstellung des Geistes aber in diesem Elemente hat denselben Mangel der Form nach an sich, den das _Wesen_ als Wesen hat. Das Wesen ist das Abstrakte, und darum das Negative seiner Einfachheit, ein Anderes; ebenso der _Geist_ im Elemente des Wesens ist die _Form_ der _einfachen Einheit_, die darum ebenso wesentlich ein Anderswerden ist. --Oder was dasselbe ist, die Beziehung des ewigen Wesens auf sein Für-sich-sein ist die unmittelbar-einfache des reinen Denkens; in diesem _einfachen_ Anschauen seiner selbst im Andern ist also das _Anderssein_ nicht als solches gesetzt; es ist der Unterschied, wie er im reinen Denken unmittelbar _kein Unterschied_ ist; ein Anerkennen _der Liebe_, worin die beiden nicht ihrem Wesen nach sich _entgegensetzten_.--Der Geist, der im Elemente des reinen Denkens ausgesprochen ist, ist wesentlich selbst dieses, nicht in ihm nur, sondern _Wirklicher_ zu sein, denn in seinem Begriffe liegt selbst das _Anderssein_, d.h. das Aufheben des reinen nur gedachten Begriffes.

Das Element des reinen Denkens, weil es das abstrakte ist, ist selbst vielmehr das _Andre_ seiner Einfachheit, und geht daher in das eigentliche Element des _Vorstellens_ über,--das Element, worin die Momente des reinen Begriffes ein _substantielles_ Dasein ebenso gegeneinander erhalten, als sie _Subjekte_ sind, die nicht für ein drittes die Gleichgültigkeit des Seins gegeneinander haben, sondern in sich reflektiert sich selbst voneinander absondern und entgegenstellen.

Der also nur ewige oder abstrakte Geist wird sich _ein Anders_ oder tritt in das Dasein und unmittelbar in das _unmittelbare Dasein_. Er _erschafft_ also eine _Welt_. Dieses _Erschaffen_ ist das Wort der Vorstellung für den _Begriff_ selbst nach seiner absoluten Bewegung, oder dafür, daß das als absolut ausgesagte Einfache oder reine Denken, weil es das abstrakte ist, vielmehr das Negative und hiemit sich Entgegengesetzte oder _Andre_ ist;--oder weil, um dasselbe noch in einer andern Form zu sagen, weil das als _Wesen_ gesetzte die einfache _Unmittelbarkeit_ oder das _Sein_ ist, aber als Unmittelbarkeit oder Sein des Selbsts entbehrt und also, der Innerlichkeit ermangelnd, _passiv_ oder _Sein für Anderes_ ist.--Dies _Sein für Anderes_ ist zugleich _eine Welt_; der Geist in der Bestimmung des _Seins für Anderes_ ist das ruhige Bestehen der vorhin in das reine Denken eingeschlossenen Momente, also die Auflösung ihrer einfachen Allgemeinheit und das Auseinandergehen derselben in ihre eigne Besonderheit.

Die Welt ist aber nicht nur dieser auseinander in die Vollständigkeit und deren äußere Ordnung geworfene Geist, sondern da er wesentlich das einfache Selbst ist, ist dieses an ihr ebenso vorhanden; der _daseiende_ Geist, der das einzelne Selbst ist, welches das Bewußtsein hat, und sich als Andres oder als Welt von sich unterscheidet.--Wie dieses einzelne Selbst so unmittelbar erst gesetzt ist, ist es noch nicht _Geist für sich_; es _ist_ also nicht _als_ Geist, es kann _unschuldig_, aber nicht wohl _gut_ genannt werden. Daß es in der Tat Selbst und Geist sei, muß es ebenso, wie das ewige Wesen sich als die Bewegung in seinem Anderssein sich selbst gleich zu sein darstellt, zunächst sich selbst ein _Anderes_ werden. Indem dieser Geist bestimmt ist als erst unmittelbar daseiend oder als in die Mannigfaltigkeit seines Bewußtseins zerstreut, so ist sein Anderswerden das _In-sich_-gehen des Wissens überhaupt. Das unmittelbare Dasein schlägt in den Gedanken, oder das nur sinnliche Bewußtsein in das Bewußtsein des Gedankens um, und zwar, weil er der aus der Unmittelbarkeit herkommende oder _bedingte_ Gedanke ist, ist er nicht das reine Wissen, sondern der Gedanke, der das Anderssein an ihm hat, und also der sich selbst entgegengesetzte Gedanke des _Guten_ und _Bösen_. Der Mensch wird so vorgestellt, daß es _geschehen_ ist, als etwas nicht Notwendiges,--daß er die Form der Sichselbstgleichheit durch das Pflücken vom Baume des Erkenntnisses des _Guten_ und _Bösen_ verlor und aus dem Zustande des unschuldigen Bewußtseins, aus der arbeitlos sich darbietenden Natur und dem Paradiese, dem Garten der Tiere, vertrieben wurde.

Indem dies In-sich-gehen des daseienden Bewußtseins sich unmittelbar als das Sich-selbst-_ungleich_-werden bestimmt, so erscheint das _Böse_ als das erste Dasein des in sich gegangenen Bewußtseins; und weil die Gedanken des _Guten_ und _Bösen_ schlechthin entgegengesetzte und diese Entgegensetzung noch nicht aufgelöst ist, so ist dies Bewußtsein wesentlich nur das Böse. Zugleich aber ist um eben dieser Entgegensetzung willen auch das _gute_ Bewußtsein gegen es vorhanden, und ihr Verhältnis zueinander.--Insofern das unmittelbare Dasein in den _Gedanken_ umschlägt, und das _In-sich-sein_ teils selbst Denken, teils das Moment des _Anderswerdens_ des Wesens damit näher bestimmt ist, so kann das Bösewerden weiter rückwärts aus der daseienden Welt hinaus schon in das erste Reich des Denkens verlegt werden. Es kann also gesagt werden, daß schon der erstgeborne Lichtsohn, als in sich gehend, es sei, der abgefallen, aber an dessen Stelle sogleich ein anderer erzeugt worden. Solche bloß der Vorstellung, nicht dem Begriff angehörige Form wie _Abfallen_, ebenso wie _Sohn_, setzt übrigens die Momente des Begriffs ebenso umgekehrt in das Vorstellen herab, oder trägt das Vorstellen in das Reich des Gedankens hinüber.--Ebenso gleichgültig ist es, dem einfachen Gedanken des _Andersseins_ im ewigen Wesen noch eine Mannigfaltigkeit anderer Gestalten beizuordnen, und das _In-sich-gehen_ in diese zu verlegen. Diese Beiordnung muß darum zugleich gutgeheißen werden, weil dadurch dies Moment des _Andersseins_, wie es soll, die Verschiedenheit zugleich ausdrückt; und zwar nicht als Vielheit überhaupt, sondern zugleich als bestimmte Verschiedenheit, so daß der eine Teil, der Sohn, das einfache sich selbst als Wesen Wissende ist, der andre Teil aber, die Entäußerung des Für-sich-seins, die nur im Preise des Wesens lebt; in diesen Teil kann dann auch wieder das Zurücknehmen des entäußerten Für-sich-seins


Phaenomenologie des Geistes - 90/95

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