Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything

Bride.Ru

Books Menu

Home
Author Catalog
Title Catalog
Sectioned Catalog

 

- Wissenshaft der Logik V2 - 5/60 -


welchem _Pilatus_ die Frage: _was ist Wahrheit?_ sagte;--nach dem Dichter:--mit der Miene des Hofmanns, die kurzsichtig, doch lächelnd des Ernstes Sache verdammet.

Jene Frage schließt dann den Sinn, der als ein Moment der Höflichkeit angesehen werden kann, und die Erinnerung daran in sich, daß das Ziel, die Wahrheit zu erkennen, etwas bekanntlich Aufgegebenes, längst Abgethanes, und die Unerreichbarkeit der Wahrheit auch unter Philosophen und Logikern von Profession etwas Anerkanntes sey?--Wenn aber die Frage der _Religion_ nach dem Werthe der Dinge, der Einsichten und Handlungen, die dem Inhalte nach einen gleichen Sinn hat, in unsern Zeiten ihr Recht sich wieder mehr vindicirt, so muß wohl die Philosophie hoffen, daß es auch nicht mehr so auffallend gefunden werde, wenn sie wieder, zunächst in ihrem unmittelbaren Felde, ihr wahrhaftes Ziel geltend macht, und nachdem sie in die Art und Weise und in die Anspruchslosigkeit anderer Wissenschaften auf Wahrheit herabgefallen, sich wieder zu demselben zu erheben strebt. Wegen dieses Versuchs kann es eigentlich nicht erlaubt seyn, eine Entschuldigung zu machen; aber wegen der Ausführung desselben darf ich für eine solche noch erwähnen, daß meine Amtsverhältnisse und andere persönliche Umstände mir nur eine zerstreute Arbeit in einer Wissenschaft gestatten, welche einer unzerstreuten und ungetheilten Anstrengung bedarf und würdig ist.

Nürnberg, den 21. Jul. 1816. Vom Begriff im Allgemeinen.

_Was die Natur des Begriffes_ sey, kann so wenig unmittelbar angegeben werden, als der Begriff irgend eines andern Gegenstandes unmittelbar aufgestellt werden kann. Es könnte etwa scheinen, daß, um den Begriff eines Gegenstandes anzugeben, das Logische vorausgesetzt werde, und dieses somit nicht wieder etwas Anderes zu seinem Voraus haben, noch ein Abgeleitetes seyn könne, wie in der Geometrie logische Sätze, wie sie in Anwendung auf die Größe erscheinen und in dieser Wissenschaft gebraucht werden, in der Form von _Axiomen, unabgeleiteten und unableitbaren_ Erkenntnißbestimmungen vorangeschickt werden. Ob nun wohl der Begriff nicht nur als eine subjektive Voraussetzung, sondern als _absolute Grundlage_ anzusehen ist, so kann er dieß doch nicht seyn, als insofern er sich zur Grundlage _gemacht_ hat. Das abstrakt-Unmittelbare ist wohl ein _Erstes_; als dieß Abstrakte ist es aber vielmehr ein Vermitteltes, von dem also, wenn es in seiner Wahrheit gefaßt werden soll, seine Grundlage erst zu suchen ist. Diese muß daher zwar ein Unmittelbares seyn, aber so, daß es aus der Aufhebung der Vermittelung sich zum Unmittelbaren gemacht hat.

_Der Begriff_ ist von dieser Seite zunächst überhaupt als _das Dritte_ zum _Seyn_ und _Wesen_, zum _Unmittelbaren_ und zur _Reflexion_ anzusehen. Seyn und Wesen sind insofern die Momente seines _Werdens_; er aber ist ihre _Grundlage_ und _Wahrheit_, als die Identität, in welcher sie untergegangen und enthalten sind. Sie sind in ihm, weil er ihr _Resultat_ ist, enthalten, aber nicht mehr als _Seyn_ und als _Wesen_; diese Bestimmung haben sie nur, insofern sie noch nicht in diese ihre Einheit zurückgegangen sind.

_Die objektive Logik_, welche das _Seyn_ und _Wesen_ betrachtet, macht daher eigentlich die _genetische Exposition des Begriffes_ aus. Näher ist die _Substanz_ schon das _reale Wesen_, oder das _Wesen_, insofern es mit dem _Seyn_ vereinigt und in Wirklichkeit getreten ist. Der Begriff hat daher die Substanz zu seiner unmittelbaren Voraussetzung, sie ist das _an sich_, was er als _Manifestirtes_ ist. Die _dialektische Bewegung der Substanz_ durch die Kausalität und Wechselwirkung hindurch ist daher die unmittelbare _Genesis_ des _Begriffes_, durch welche sein _Werden_ dargestellt wird. Aber sein _Werden_ hat, wie das Werden überall, die Bedeutung, daß es die Reflexion des Übergehenden in seinen _Grund_ ist, und daß das zunächst anscheinend _Andere_, in welches das Erstere übergangen, dessen _Wahrheit_ ausmacht. So ist der Begriff die _Wahrheit_ der Substanz, und indem die bestimmte Verhältnißweise der Substanz die _Nothwendigkeit_ ist, zeigt sich die _Freiheit_ als die _Wahrheit der Nothwendigkeit_, und als _die Verhältnißweise des Begriffs_.

Die eigene, nothwendige Fortbestimmung der Substanz ist das _Setzen_ dessen, was _an und für sich_ ist; der _Begriff_ nun ist diese absolute Einheit des _Seyns_ und der _Reflexion_, daß das _An- und Fürsichseyn_ erst dadurch ist, daß es ebenso sehr _Reflexion_ oder _Gesetzseyn_ ist, und daß das _Geseztseyn_ das _An- und Fürsichseyn_ ist.--Dieß abstrakte Resultat erläutert sich durch die Darstellung seiner konkreten Genesis; sie enthält die Natur des Begriffes; sie muß aber dessen Abhandlung vorangegangen seyn. Die Haupt-Momente dieser Exposition (welche im zweiten Buch der objektiven Logik ausführlich abgehandelt worden ist) sind daher hier kürzlich zusammen zu stellen:

Die Substanz ist das _Absolute_, das an- und für-sichseyende Wirkliche;--_an sich_ als einfache Identität der Möglichkeit und Wirklichkeit, absolutes, alle Wirklichkeit und Möglichkeit in _sich_ enthaltendes Wesen; _für sich_, diese Identität als absolute _Macht_ oder schlechthin sich auf sich beziehende _Negativität_.--Die Bewegung der Substantialität, welche durch diese Momente gesetzt ist, besteht darin,

1. Daß die Substanz, als absolute Macht oder sich auf sich beziehende _Negativität_, sich zu einem Verhältnisse unterscheidet, worin jene zunächst nur einfache Momente, als _Substanzen_, und als ursprüngliche _Voraussetzungen_ sind.--Das bestimmte Verhältniß derselben ist das einer _passiven_ Substanz,--der Ursprünglichkeit des einfachen _An-sich-seyns_, welches machtlos sich nicht selbst setzend, nur ursprüngliches _Gesetztseyn_ ist;--und von _aktiver_ Substanz der _sich auf sich beziehenden_ Negativität, welche als solche sich als Anderes gesetzt hat, und _auf dieß_ Andere bezieht. Dieß Andere ist eben die passive Substanz, welche sie sich in der Ursprünglichkeit ihrer Macht als Bedingung _vorausgesetzt_ hat.--Dieß Voraussetzen ist so zu fassen, daß die Bewegung der Substanz selbst zunächst unter der Form des einen Moments ihres Begriffs, des _An-sich-seyns_ ist, daß die Bestimmtheit der einen der im Verhältniß stehenden _Substanzen_ auch Bestimmtheit dieses _Verhältnisses_ selbst ist.

2. Das andere Moment ist das _Fürsichseyn_, oder daß die Macht _sich als sich auf sich selbst_ beziehende Negativität setzt, wodurch sie das _Vorausgesetzte_ wieder aufhebt.--Die aktive Substanz ist die _Ursache_; sie _wirkt_; das heißt, sie ist nun das _Setzen_, wie sie vorher das _Voraussetzen_ war, daß a) der Macht auch der _Schein_ der Macht, dem Gesetztseyn auch der _Schein_ des Gesetztseyns gegeben wird. Das, was in der Voraussetzung _Ursprüngliches_ war, wird in der Kausalität _durch die Beziehung auf Anderes_ das, was es an sich ist; die Ursache bringt eine Wirkung, und zwar an einer andern Substanz hervor; sie ist nunmehr _Macht in Beziehung auf ein Anderes; erscheint_ isofern als Ursache, aber ist es erst durch dieß _Erscheinen_.--An die passive Substanz tritt die Wirkung, wodurch sie als _Gesetztseyn_ nun auch erscheint, aber erst darin passive Substanz ist.

3. Aber es ist noch mehr hierin vorhanden, als nur diese _Erscheinung_; nämlich a). Die Ursache wirkt auf die passive Substanz; sie _verändert_ deren Bestimmung; aber diese ist das Gesetztseyn, sonst ist nichts an ihr zu verändern; die andere Bestimmung aber, die sie erhält, ist die Ursachlichkeit; die passive Substanz wird also zur Ursache, Macht und Thätigkeit. b) Es wird die Wirkung an ihr _gesetzt_ von der Ursache; das aber von der Ursache Gesetzte ist die im Wirken mit sich identische Ursache selbst; es ist diese, welche sich an die Stelle der passiven Substanzen setzt. --Ebenso in Ansehung der aktiven Substanz ist a) das Wirken das Übersetzen der Ursache in die Wirkung, in ihr _Anderes_, das Gesetztseyn, und b) in der Wirkung zeigt sich die Ursache als das, was sie ist, die Wirkung ist identisch mit der Ursache, nicht ein Anderes; die Ursache zeigt also im Wirken das Gesetztseyn als das, was sie wesentlich ist.--Nach beiden Seiten also des identischen sowohl als des negativen _Beziehens der andern auf sie_, wird jede das _Gegentheil_ ihrer selbst; dieß Gegentheil aber wird jede, daß die andere, also auch jede, _identisch mit sich selbst_ bleibt.--Aber Beides, das identische und das negative Beziehen, ist ein und dasselbe; die Substanz ist nur in ihrem Gegentheil identisch mit sich selbst, und dieß macht die absolute Identität der als zwei gesetzten Substanzen aus. Die aktive Substanz wird durch das Wirken, d. h. indem sie sich als das Gegentheil ihrer selbst setzt, was zugleich das Aufheben ihres _vorausgesetzten Anderseyns_, der passiven Substanz, ist, als Ursache oder ursprüngliche Substantialität manifestirt. Umgekehrt wird durch das Einwirken das Gesetztseyn _als_ Gesetztseyn, das Negative _als_ Negatives, somit die passive Substanz als _sich auf sich beziehende_ Negativität, manifestirt; und die Ursache geht in diesem Andern ihrer selbst schlechthin nur mit sich zusammen. Durch dieß Setzten wird also die _vorausgesetzte_ oder _an sich seyende_ Ursprünglichkeit _für sich_; aber dieß An- und Für-sichseyn ist nur dadurch, daß dieß Setzen ebenso sehr ein _Aufheben_ des Vorausgesetzten ist, oder die absolute Substanz nur _aus_ und _in ihrem Gesetztseyn_ zu sich selbst zurückgekommen, und dadurch absolut ist. Diese Wechselwirkung ist hiermit die sich wieder aufhebende Erscheinung; die Offenbarung des _Scheins_ der Kausalität, worin die Ursache _als_ Ursache ist, _daß er Schein ist_. Diese unendliche Reflexion in sich selbst, daß das An- und Fürsichseyn erst dadurch ist, daß es Gesetztseyn ist, ist die _Vollendung der Substanz_. Aber diese Vollendung ist nicht mehr die _Substanz_ selbst, sondern ist ein Höheres, der _Begriff_ das _Subjekt_. Der Übergang des Substantialitäts-Verhältnisses geschieht durch seine eigene immanente Nothwendigkeit, und ist weiter nichts, als die Manifestation ihrer selbst, daß der Begriff ihre Wahrheit, und die Freiheit die Wahrheit der Nothwendigkeit ist.

Es ist schon früher im zweiten Buch der objektiven Logik S. 194 f. Anm. erinnert worden, daß die Philosophie, welche sich auf den Standpunkt der _Substanz_ stellt und darauf stehen bleibt, das _System des Spinoza_ ist. Es ist daselbst zugleich der _Mangel_ dieses Systems sowohl der Form als Materie nach aufgezeigt worden. Ein Anderes aber ist die _Widerlegung_ desselben. In Rücksicht auf die Widerlegung eines philosphischen Systems ist anderwärts gleichfalls die allgemeine Bemerkung gemacht worden, daß daraus die schiefe Vorstellung zu verbannen ist, als ob das System als durchaus _falsch_ dargestellt werden solle, und als ob das _wahre_ System dagegen dem falschen _nur entgegengesetzt_ sey. Aus dem Zusammenhange, in welchem hier das spinozistische System vorkommt, geht von selbst der wahre Standpunkt desselben und der Frage, ob es wahr oder falsch sey, hervor. Das Substantialitäts-Verhältniß erzeugte sich durch die Natur des _Wesens_; dieß Verhältniß, so wie seine zu einem Ganzen erweiterte Darstellung in einem Systeme ist daher ein _nothwendiger Standpunkt_, auf welchen das Absolute sich stellt. Ein solcher Standpunkt ist daher nicht als eine Meinung, eine subjektive, beliebige Vorstellungs- und Denkweise eines Individuums, als eine Verirrung der Spekulation, anzusehen; diese findet sich vielmehr auf ihrem Wege nothwendig darauf versetzt, und insofern ist das System vollkommen wahr.--Aber es _ist nicht der höchste Standpunkt_. Allein insofern kann das System nicht als _falsch_, als der _Widerlegung_ bedürftig und fähig angesehen werden; sondern nur dieß daran ist als das _Falsche_ zu betrachten, daß es der höchste Standpunkt sey. Das _wahre_ System kann daher auch nicht das Verhältniß zu ihm haben, ihm nur _entgegengesetzt_ zu seyn; denn so wäre dieß Entgegengesetzte selbst ein Einseitiges. Vielmehr als


Wissenshaft der Logik V2 - 5/60

Previous Page     Next Page

  1    2    3    4    5    6    7    8    9   10   20   30   40   50   60 

Schulers Books Home



 Games Menu

Home
Balls
Battleship
Buzzy
Dice Poker
Memory
Mine
Peg
Poker
Tetris
Tic Tac Toe

Google
 
Web schulers.com
 

Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything