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- Woyzeck - 2/6 -


vielleicht glänze sie noch, daß man sie für zwei Knöpfe verkaufen könnt.

MARGRET: Was, Sie? Sie? Frau Jungfer! Ich bin eine honette Person, aber Sie, es weiß jeder, Sie guckt sieben Paar lederne Hose durch!

MARIE: Luder! - [Schlägt das Fenster durch.] - Komm, mei Bub! Was die Leute wolle. Bist doch nur ein arm Hurenkind und machst deiner Mutter Freud mit deim unehrlichen Gesicht! Sa! sa! - [Singt] Mädel, was fangst Du jetzt an? Hast ein klein Kind und kein' Mann! Ei, was frag' ich danach? Sing' ich die ganze Nacht heio, popeio, mei Bu, juchhe! Gibt mir kein Mensch nix dazu.

[Es klopft am Fenster.]

MARIE: Wer da? Bist du's, Franz? Komm herein!

WOYZECK: Kann nit. Muß zum Verles'.

MARIE: Hast du Stecken geschnitten für den Hauptmann?

WOYZECK: Ja, Marie.

MARIE: Was hast du, Franz? Du siehst so verstört.

WOYZECK [geheimnisvoll]: Marie, es war wieder was, viel - steht nicht geschrieben: Und sie, da ging ein Rauch vom Land, wie der Rauch vom Ofen?

MARIE: Mann!

WOYZECK: Es ist hinter mir hergangen bis vor die Stadt. Etwas, was wir nicht fassen, begreifen, was uns von Sinnen bringt. Was soll das werden?

MARIE: Franz!

WOYZECK: Ich muß fort. - Heut abend auf die Meß! Ich hab wieder gespart. - [Er geht.]

MARIE: Der Mann! So vergeistert. Er hat sein Kind nicht angesehn! Er schnappt noch über mit den Gedanken! - Was bist so still, Bub? Furchtest dich? Es wird so dunkel; man meint, man wär' blind. Sonst scheint als die Latern herein. Ich halt's nit aus; es schauert mich! - [Geht ab.]

Buden. Lichter. Volk

ALTER MANN [singt und Kind tanzt zum Leierkasten]: Auf der Welt ist kein Bestand, Wir müssen alle sterben, das ist uns wohlbekannt.

WOYZECK: Hei, Hopsa's! - Armer Mann, alter Mann! Armes Kind, junges Kind! Sorgen und Feste!

MARIE: Mensch, sind noch die Narrn von Verstande, dann ist man selbst ein Narr. - Komische Welt! Schöne Welt!

[Beide gehn weiter zum Marktschreier.]

MARKTSCHREIER [vor seiner Bude mit seiner Frau in Hosen und einem kostümierten Affen]: Meine Herren, meine Herren! Sehn Sie die Kreatur, wie sie Gott gemacht: nix, gar nix. Sehn Sie jetzt die Kunst: geht aufrecht, hat Rock und Hosen, hat ein' Säbel! Der Aff ist Soldat; s' ist noch nicht viel, unterste Stuf von menschliche Geschlecht. Ho! Mach Kompliment! So - bist Baron. Gib Kuß! - [Er trompetet:] Wicht ist musikalisch. - Meine Herren, hier ist zu sehen das astronomische Pferd und die kleine Kanaillevögele. Sind Favorit von alle gekrönte Häupter Europas, verkündigen den Leuten alles: wie alt, wieviel Kinder, was für Krankheit. Die Repräsentationen anfangen! Es wird sogleich sein Commencement von Commencement.

WOYZECK: Willst Du?

MARIE: Meinetwegen. Das muß schön Ding sein. Was der Mensch Quasten hat! Und die Frau Hosen!

[Beide gehn in die Bude.]

TAMBOURMAJOR: Halt, jetzt! Siehst du sie! Was ein Weibsbild!

UNTEROFFIZIER: Teufel! Zum Fortpflanzen von Kürassierregimentern!

TAMBOURMAJOR: Und zur Zucht von Tambourmajors!

UNTEROFFIZIER: Wie sie den Kopf trägt! Man meint, das schwarze Haar müßt' sie abwärts ziehn wie ein Gewicht. Und Augen -

TAMBOURMAJOR: Als ob man in ein' Ziehbrunnen oder zu einem Schornstein hinunter guckt. Fort, hintendrein! -

Das Innere der hellerleuchteten Bude

MARIE: Was Licht!

WOYZECK: Ja, Marie, schwarze Katzen mit feurigen Augen. Hei, was ein Abend!

DER BUDENBESITZER [ein Pferd vorführend]: Zeig dein Talent! Zeig deine viehische Vernünftigkeit! Beschäme die menschliche Sozietät! Meine Herren, dies Tier, was Sie da sehn, Schwanz am Leib, auf seine vier Hufe, ist Mitglied von alle gelehrt Sozietät, ist Professor an unsre Universität, wo die Studente bei ihm reiten und schlagen lernen. - Das war einfacher Verstand. Denk jetzt mit der doppelten Raison! Was machst du, wann du mit der doppelten Raison denkst? Ist unter der gelehrten Société da ein Esel? - [Der Gaul schüttelt den Kopf.] - Sehn Sie jetzt die doppelte Raison? Das ist Viehsionomik. Ja, das ist kein viehdummes Individuum, das ist ein Person, ein Mensch, ein tierischer Mensch - und doch ein Vieh, ein Bête. - [Das Pferd führt sich ungebührlich auf.] - So, beschäme die Société. Sehn Sie, das Vieh ist noch Natur, unideale Natur! Lernen Sie bei ihm! Fragen Sie den Arzt, es ist sonst höchst schädlich! Das hat geheißen: Mensch, sei natürlich! Du bist geschaffen aus Staub, Sand, Dreck. Willst du mehr sein als Staub, Sand, Dreck? - Sehn Sie, was Vernunft: es kann rechnen und kann doch nit an den Fingern herzählen. Warum? Kann sich nur nit ausdrücken, nur nit explizieren, ist ein verwandelter Mensch. Sag den Herren, wieviel Uhr ist es! Wer von den Herren und Damen hat ein Uhr? ein Uhr?

UNTEROFFIZIER: Eine Uhr? - [Zieht großartig und gemessen eine Uhr aus der Tasche:] Da, mein Herr!

MARIE: Das muß ich sehn. - [Sie klettert auf den ersten Platz; Unteroffizier hilft ihr.]

TAMBOURMAJOR: Das ist ein Weibsbild.

Mariens Kammer

MARIE [sitzt, ihr Kind auf dem Schoß, ein Stückchen Spiegel in der Hand]: Der andre hat ihm befohlen, und er hat gehen müssen! - [Bespiegelt sich:] Was die Steine glänzen! Was sind's für? Was hat er gesagt? - - Schlaf, Bub! Drück die Augen zu, fest! - [Das Kind versteckt die Augen hinter den Händen.] - Noch fester! Bleib so - still, oder er holt dich! - [Singt:] Mädel, mach's Ladel zu 's kommt e Zigeunerbu, führt dich an deiner Hand fort ins Zigeunerland. [Spiegelt sich wieder.] - 's ist gewiß Gold! Wie wird mir's beim Tanzen stehen? Unsereins hat nur ein Eckchen in der Welt und ein Stück Spiegel, und doch hab ich ein' so roten Mund als die großen Madamen mit ihrem Spiegeln von oben bis unten und ihren schönen Herrn, die ihnen die Händ küssen. Ich bin nur ein arm Weibsbild! - [Das Kind richtet sich auf.] - Still, Bub, die Augen zu! Das Schlafengelchen! Wie's an der Wand läuft. - [Sie blinkt ihm mit dem Glas:] Die Auge zu, oder es sieht dir hinein, daß du blind wirst!

[Woyzeck tritt herein, hinter sie. Sie fährt auf, mit den Händen nach den Ohren.]

WOYZECK: Was hast du?

MARIE: Nix.

WOYZECK: Unter deinen Fingern glänzt's ja.

MARIE: Ein Ohrringlein; hab's gefunden.

WOYZECK: Ich hab' so noch nix gefunden, zwei auf einmal!

MARIE: Bin ich ein Mensch?

WOYZECK: 's ist gut, Marie. - Was der Bub schläft! Greif ihm unters Ärmchen, der Stuhl drückt ihn. Die hellen Tropfen stehn ihm auf der Stirn; alles Arbeit unter der Sonn, sogar Schweiß im Schlaf. Wir arme Leut! - Da ist wieder Geld, Marie; die Löhnung und was von meim Hauptmann.

MARIE: Gott vergelt's, Franz.

WOYZECK: Ich muß fort. Heut abend, Marie! Adies!

MARIE [allein, nach einer Pause]: Ich bin doch ein schlechter Mensch! Ich könnt' mich erstechen. - Ach, was Welt! Geht doch alle zum Teufel, Mann und Weib! Vorige Seite Nächste Seite

Beim Doktor

[Woyzeck. Der Doktor.]

DOKTOR: Was erleb' ich, Woyzeck? Ein Mann von Wort!

WOYZECK: Was denn, Herr Doktor?

DOKTOR: Ich hab's gesehn, Woyzeck; er hat auf die Straß gepißt, an die Wand gepißt, wie ein Hund. - Und doch drei Groschen täglich und die Kost! Woyzeck, das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr


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