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- Lieder von Lessing - 10/14 -


Er wächset ohne Trunk und Liebe. Drum, was nicht liebt noch trinken kann, Wird in das letzte Reich getan. Denn ohne Lieb und ohne Wein, Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.

Die lügenhafte Phyllis

Mein Damon spricht: Kind, lüge nicht! Sonst werd ich strafen müssen, Und dich zur Strafe küssen. Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, Und strafet mich schon im voraus.

Sonst log ich nicht. Nur seit er spricht: Du sollst mir fein mit Küssen Die losen Lügen büßen, Red ich kein wahres Wörtchen mehr. Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?

Die lehrende Astronomie

Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt Auf hohe feste Schultern baute, Und mir die Pracht zu sehn erlaubt, Die nie ein hängend Tieraug schaute! Hier lern ich mich und ihn erkennen, Und hier mich nichts, ihn alles nennen. Was bin ich? Ich bin groß genung, Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen. Mein Wissen ist Verwunderung; Mein Leben leichter Blitze Brennen. Und so ein Nichts, verblendte Toren, Soll sein zum Herrn der Welt geboren?

Der Stolz, der Torheit Eigentum, Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne; Die Demut ist des Weisen Ruhm, Und die lernt er bei euch, ihr Sterne! Und wird nur groß, weil er euch kennet, Und euern Gott auch seinen nennet.

Auch wenn sein Unglück ihn den Weg, Den harten Weg der Prüfung führet, Und wenn, auf dem einsamen Steg, Sich Lieb und Freund von ihm verlieret, Lernt er bei euch, durch süße Grillen, Oft allzuwahre Schmerzen stillen.

O Tugend! reizend Hirngedicht, Erdachte Zierde unsrer Seelen! Die Welt, o Tugend, hat dich nicht: Doch wirst du auch den Sternen fehlen? Nein, starbst du gleich bei uns im Abel, Du selbst bist viel zu schön zur Fabel.

Dort seh ich, mit erstauntem Blick, Ein glänzend Heer von neuen Welten; Getrost, vielleicht wird dort das Glück So viel nicht, als die Tugend, gelten. Vielleicht dort in Orions Grenzen Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen!

"Das Übel", schreit der Aberwitz, "Hat unter uns sein Reich gewonnen." Wohl gut, doch ist des Guten Sitz In ungezählten größern Sonnen. Der Dinge Reihen zu erfüllen, Schuf jenes Gott mit Widerwillen.

So, wie den Kenner der Natur Auch Quarz und Eisenstein vergnügen, Nicht Gold- und Silberstufen nur In Fächern, voller Lücken, liegen: So hat das Übel Gott erlesen Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen.

O nahe dich, erwünschte Zeit, Wo ich, frei von der Last der Erde, In wachsender Glückseligkeit, Einst beßre Welten sehen werde! O Zeit, wo mich entbundne Schwingen Von einem Stern zum andern bringen!

Gedanken! fliehet nur voran! Verirrt euch in den weiten Sphären, Bis ich euch selber folgen kann. Wie lang, Geschick, wird es noch währen! O Lust, hier seh ich schon die Kreise, Die Wege meiner ewgen Reise!

Drum kränkt der blinde Damon sich Nur in der Nacht um sein Gesichte. Geruhig, Tag, vermißt er dich, Und deine Eitelkeit im Lichte; Und wünscht sich, von der Weltlust ferne, Ein fühlend Aug nur für die Sterne.

O selge Zeit der stillen Nacht, Wo Neid und Bosheit schlafend liegen, Und nur ein frommes Auge wacht, Und sucht am Himmel sein Vergnügen! Gott sieht die Welt in diesen Stunden, Und spricht, ich hab sie gut gefunden!

Berlin. L.

Die schlafende Laura

Nachlässig hingestreckt, Die Brust mit Flor bedeckt, Der jedem Lüftchen wich, Das säuselnd ihn durchstrich, Ließ unter jenen Linden Mein Glück mich Lauren finden. Sie schlief und weit und breit Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden, Aus mißvergnügter Traurigkeit, Von Lauren nicht gesehn zu werden. Sie schlief, und weit und breit Erschallten keine Nachtigallen, Aus weiser Furchtsamkeit, Ihr minder zu gefallen, Als ihr der Schlaf gefiel, Als ihr der Traum gefiel, Den sie vielleicht itzt träumte, Von dem, ich hoff' es, träumte, Der staunend bei ihr stand, Und viel zu viel empfand, Um deutlich zu empfinden, Um noch es zu empfinden, Wie viel er da empfand. Ich ließ mich sanfte nieder, Ich segnete, ich küßte sie, Ich segnete, und küßte wieder: Und schnell erwachte sie, Schnell taten sich die Augen auf. Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.

Die schlimmste Frau

Die Weiber können nichts als plagen. Der Satz sagt viel und ist nicht neu. Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen, Welch Weib das schlimmste sei?

Ein Weib, das mit dem Manne scherzet Wie ein gebildter Marmorstein, Das ohne Glut und Reiz ihn herzet, Das kann kein gutes sein.

Ein Weib, das wie ein Drache geizet, Und gegen Kind und Magd genau, Den Dieb, mich zu bestehlen reizet, O eine schlimme Frau!

Ein Weib, das gegen alle lachet, In Liebesstreichen frech und schlau Uns täglich neue Freunde machet, O eine schlimmre Frau!

Ein Weib, das nichts als bet und singet, Und bei der Kinder Zeitvertreib Mit Seufzen ihre Hände ringet, O ein noch schlimmer Weib!

Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte, (Und welche nimmt der Stolz nicht ein?) Den Mann sich gern zum Sklaven machte, Das muß ein Teufel sein!

Ein Weib, das ihrem Manne fluchet, Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein, Wie heimlich sie Liebhaber, suchet, Das muß--ein Weibsbild sein!

Die verschlimmerten Zeiten

Anakreon trank, liebte, scherzte, Anakreon trank, spielte, herzte, Anakreon trank, schlief, und träumte Was sich zu Wein und Liebe reimte: Und hieß mit Recht der Weise.

Wir Brüder trinken, lieben, scherzen, Wir Brüder trinken, spielen, herzen, Wir Brüder trinken, schlafen, träumen,


Lieder von Lessing - 10/14

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