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- WEST-OESTLICHER DIVAN - 4/25 -


Moecht ich dir nicht gerne weichen: Denn, wenn wir wie andre meinen, Werden wir den andern gleichen. Und so gleich ich dir vollkommen, Der ich unsrer heil'gen Buecher Herrlich Bild an mich genommen, Wie auf jenes Tuch der Tuecher Sich des Herren Bildnis drueckte, Mich in stiller Brust erquickte Trotz Verneinung, Hindrung, Raubens Mit dem heitern Bild des Glaubens.

Anklage

Wisst ihr denn, auf wen die Teufel lauern In der Wueste, zwischen Fels und Mauern? Und wie sie den Augenblick erpassen, Nach der Hoelle sie entfuehrend fassen? Luegner sind es und der Boesewicht, Der Poete, warum scheut er nicht, Sich mit solchen Leuten einzulassen!

Weiss denn der, mit wem er geht und wandelt, Er, der immer nur im Wahnsinn handelt? Grenzenlos, von eigensinnigem Lieben, Wird er in die oede fortgetrieben, Seiner Klagen Reim', in Sand geschrieben, Sind vom Winde gleich verjagt; Er versteht nicht, was er sagt, Was er sagt, wird er nicht halten.

Doch sein Lied, man laesst es immer walten, Da es doch dem Koran widerspricht. Lehret nun, ihr des Gesetzes Kenner, Weisheit-fromme, hochgelahrte Maenner, Treuer Mosleminen feste Pflicht.

Hafis insbesondre schaffet aergernisse, Mirza sprengt den Geist ins Ungewisse: Saget, was man tun und lassen muesse!

Fetwa

Hafis' Dichterzuege, sie bezeichnen Ausgemachte Wahrheit unausloeschlich; Aber hie und da auch Kleinigkeiten Ausserhalb der Grenze des Gesetzes. Willst du sicher gehn, so musst du wissen Schlangengift und Theriah zu sondern-- Doch der reinen Wollust edler Handlung Sich mit frohem Mut zu ueberlassen Und vor solcher, der nur ew'ge Pein folgt, Mit besonnenem Sinn sich zu verwahren, Ist gewiss das Beste, um nicht zu fehlen. Dieses schrieb der arme Ebusuud, Gott verzeih' ihm seine Suenden alle!

Der Deutsche dankt

Heilger Ebusuud, hast's getroffen! Solche Heil'ge wuenschet sich der Dichter: Denn gerade jene Kleinigkeiten Ausserhalb der Grenze des Gesetzes Sind das Erbteil, wo er uebermuetig, Selbst im Kummer lustig, sich beweget. Schlangengift und Theriak muss Ihm das eine wie das andre scheinen. Toeten wird nicht jenes, dies nicht heilen: Denn das wahre Leben ist des Handelns Ewge Unschuld, die sich so erweiset, Dass sie niemand schadet als sich selber. Und so kann der alte Dichter hoffen, Dass die Huris ihn im Paradiese Als verklaerten Juengling wohl empfangen. Heiliger Ebusuud, hast's getroffen!

Fetwa

Der Mufti las des Misri Gedichte, Eins nach dem andern, alle zusammen, Und wohlbedaechtig warf sie in die Flammen. Das schoengeschriebne Buch, es ging zunichte. "Verbrannt sei jeder", sprach der hohe Richter, "Wer spricht und glaubt wie Misri--er allein Sei ausgenommen von des Feuers Pein: Denn Allah gab die Gabe jedem Dichter. Missbraucht er sie im Wandel seiner Suenden, So seh er zu, mit Gott sich abzufinden."

Unbegrenzt

Dass du nicht enden kannst, das macht dich gross, Und dass du nie beginnst, das ist dein Los. Dein Lied ist drehend wie das Sterngewoelbe, Anfang und Ende immerfort dasselbe, Und, was die Mitte bringt, ist offenbar Das, was zu Ende bleibt und Anfangs war.

Du bist der Freuden echte Dichterquelle Und ungezaehlt entfliesst dir Well' auf Welle. Zum Kuessen stets bereiter Mund, Ein Brustgesang, der lieblich fliesset, Zum Trinken stets gereizter Schlund, Ein gutes Herz, das sich ergiesset.

Und mag die ganze Welt versinken, Hafis mit dir, mit dir allein Will ich wetteifern! Lust und Pein Sei uns, den Zwillingen, gemein! Wie du zu lieben und zu trinken, Das soll mein Stolz, mein Leben sein.

Nun toene Lied mit eignem Feuer! Denn du bist aelter, du bist neuer.

Nachbildung

In deine Reimart hoff ich mich zu finden, Das Wiederholen soll mir auch gefallen, Erst werd ich Sinn, sodann auch Worte finden; Zum zweitenmal soll mir kein Klang erschallen, Er muesste denn besondern Sinn begruenden, Wie du's vermagst, Beguenstigter vor allen! Denn wie ein Funke faehig, zu entzuenden Die Kaiserstadt, wenn Flammen grimmig wallen, Sich winderzeugend gluehn von eignen Winden, Er, schon erloschen, schwand zu Sternenhallen: So schlang's von dir sich fort mit ew'gen Gluten, Ein deutsches Herz von frischem zu ermuten.

Zugemessne Rhythmen reizen freilich, Das Talent erfreut sich wohl darin, Doch wie schnelle widern sie abscheulich, Hohle Masken ohne Blut und Sinn. Selbst der Geist erscheint sich nicht erfreulich, Wenn er nicht, auf neue Form bedacht, Jener toten Form ein Ende macht.

Offenbar Geheimnis

Sie haben dich, heiliger Hafis, Die mystische Zunge genannt Und haben, die Wortgelehrten, Den Wert des Worts nicht erkannt.

Mystisch heissest du ihnen, Weil sie Naerrisches bei dir denken Und ihren unlautern Wein In deinem Namen verschenken.

Du aber bist mystisch rein, Weil sie dich nicht verstehn, Der du, ohne fromm zu sein, selig bist! Das wollen sie dir nicht zugestehn.

Wink

Und doch haben sie recht, die ich schelte: Denn, dass ein Wort nicht einfach gelte, Das muesste sich wohl von selbst verstehn. Das Wort ist ein Faecher! Zwischen den Staeben Blicken ein paar schoene Augen hervor, Der Faecher ist nur ein lieblicher Flor, Er verdeckt mir zwar das Gesicht, Aber das Maedchen verbirgt er nicht, Weil das Schoenste, was sie besitzt, Das Auge, mir ins Auge blitzt.

An Hafis

Was alle wollen, weisst du schon Und hast es wohl verstanden: Denn Sehnsucht haelt, von Staub zu Thron Uns all in strengen Banden.

Es tut so weh, so wohl hernach, Wer straeubte sich dagegen? Und wenn den Hals der eine brach, Der andre bleibt verwegen.

Verzeihe, Meister, wie du weisst, Dass ich mich oft vermesse,


WEST-OESTLICHER DIVAN - 4/25

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