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- Das Kaethchen von Heilbronn - 3/24 -


könne; und tröste ihn und führ ihn, um ihm das Mädchen zu übergeben, in den Stall hinunter, wo sie steht, und mir eine Waffe von Rost säubert. So wie er in die Tür tritt, und die Arme mit tränenvollen Augen öffnet, sie zu empfangen, stürzt mir das Mädchen leichenbleich zu Füßen, alle Heiligen anrufend, daß ich sie vor ihm schütze. Gleich einer Salzsäule steht er, bei diesem Anblick, da; und ehe ich mich noch gefaßt habe, spricht er schon, das entsetzensvolle Antlitz auf mich gerichtet: das ist der leibhaftige Satan! und schmeißt mir den Hut, den er in der Hand hält, ins Gesicht, als wollt er ein Greuelbild verschwinden machen, und läuft, als setzte die ganze Hölle ihm nach, nach Heilbronn zurück.

Graf Otto. Du wunderlicher Alter! Was hast du für Einbildungen?

Wenzel. Was war in dem Verfahren des Ritters, das Tadel verdient? Kann er dafür, wenn sich das Herz deines törichten Mädchens ihm zuwendet?

Hans. Was ist in diesem ganzen Vorfall, das ihn anklagt?

Theobald. Was ihn anklagt? O du--Mensch, entsetzlicher, als Worte fassen, und der Gedanke ermißt: stehst du nicht rein da, als hätten die Cherubim sich entkleidet, und ihren Glanz dir, funkelnd wie Mailicht, um die Seele gelegt!--Mußt ich vor dem Menschen nicht erbeben, der die Natur, in dem reinsten Herzen, das je geschaffen ward, dergestalt umgekehrt hat, daß sie vor dem Vater, zu ihr gekommen, seiner Liebe Brust ihren Lippen zu reichen, kreideweißen Antlitzes entweicht, wie vor dem Wolfe, der sie zerreißen will? Nun denn, so walte, Hekate, Fürstin des Zaubers, moorduftige Königin der Nacht! Sproßt, ihr dämonischen Kräfte, die die menschliche Satzung sonst auszujäten bemüht war, blüht auf, unter dem Atem der Hexen, und schoßt zu Wäldern empor, daß die Wipfel sich zerschlagen, und die Pflanze des Himmels, die am Boden keimt, verwese; rinnt, ihr Säfte der Hölle, tröpfelnd aus Stämmen und Stielen gezogen, fallt, wie ein Katarakt, ins Land, daß der erstickende Pestqualm zu den Wolken empordampft; fließt und ergießt euch durch alle Röhren des Lebens, und schwemmt, in allgemeiner Sündflut, Unschuld und Tugend hinweg!

Graf Otto. Hat er ihr Gift eingeflößt?

Wenzel. Meinst du, daß er ihr verzauberte Tränke gereicht?

Hans. Opiate, die des Menschen Herz, der sie genießt, mit geheimnisvoller Gewalt umstricken?

Theobald. Gift? Opiate? Ihr hohen Herren, was fragt ihr mich? Ich habe die Flaschen nicht gepfropft, von welchen er ihr, an der Wand des Felsens, zur Erfrischung reichte; ich stand nicht dabei, als sie in der Herberge, Nacht für Nacht, in seinen Ställen schlief. Wie soll ich wissen, ob er ihr Gift eingeflößt? habt neun Monate Geduld; alsdann sollt ihr sehen, wies ihrem jungen Leibe bekommen ist.

Der Graf vom Strahl. Der alte Esel, der! Dem entgegn' ich nichts, als meinen Namen! Ruft sie herein; und wenn sie ein Wort sagt, auch nur von fern duftend, wie diese Gedanken, so nennt mich den Grafen von der stinkenden Pfütze, oder wie es sonst eurem gerechten Unwillen beliebt.

Zweiter Auftritt

Käthchen mit verbundenen Augen, geführt von zwei Häschern.--Die Häscher nehmen ihr das Tuch ab, und gehen wieder fort.--Die Vorigen.

Käthchen (sieht sich in der Versammlung um, und beugt, da sie den Grafen erblickt, ein Knie vor ihm). Mein hoher Herr!

Der Graf vom Strahl. Was willst du?

Käthchen. Vor meinen Richter hat man mich gerufen.

Der Graf vom Strahl. Dein Richter bin nicht ich. Steh auf, dort sitzt er; Hier steh ich, ein Verklagter, so wie du.

Käthchen. Mein hoher Herr! Du spottest.

Der Graf vom Strahl. Nein! Du hörst! Was neigst du mir dein Angesicht in Staub? Ein Zaubrer bin ich, und gestand es schon Und laß, aus jedem Band, das ich dir wirkte, Jetzt deine junge Seele los. (Er erhebt sie.)

Graf Otto. Hier Jungfrau, wenns beliebt; hier ist die Schranke!

Hans. Hier sitzen deine Richter!

Käthchen (sieht sich um). Ihr versucht mich.

Wenzel. Hier tritt heran! Hier sollst du Rede stehn.

Käthchen (stellt sich neben den Grafen vom Strahl, und sieht die Richter an).

Graf Otto. Nun?

Wenzel. Wirds?

Hans. Wirst du gefällig dich bemühn?

Graf Otto. Wirst dem Gebot dich deiner Richter fügen?

Käthchen (für sich). Sie rufen mich

Wenzel. Nun, ja!

Hans. Was sagte sie?

Graf Otto (befremdet). Ihr Herrn, was fehlt dem sonderbaren Wesen?

(Sie sehen sich an.)

Käthchen (für sich). Vermummt von Kopf zu Füßen sitzen sie, Wie das Gericht, am jüngsten Tage, da!

Der Graf vom Strahl (sie aufweckend). Du wunderliche Maid! Was träumst, was treibst du? Du stehst hier vor dem heimlichen Gericht! Auf jene böse Kunst bin ich verklagt, Mit der ich mir, du weißt, dein Herz gewann, Geh hin, und melde jetzo, was geschehn!

Käthchen (sieht ihn an und legt ihre Hände auf die Brust). - Du quälst mich grausam, daß ich weinen möchte! Belehre deine Magd, mein edler Herr, Wie soll ich mich in diesem Falle fassen?

Graf Otto (ungeduldig). Belehren--was!

Hans. Bei Gott! Ist es erhört?

Der Graf vom Strahl (mit noch milder Strenge). Du sollst sogleich vor jene Schranke treten, Und Rede stehn, auf was man fragen wird!

Käthchen. Nein! sprich! Du bist verklagt?

Der Graf vom Strahl. Du hörst.

Käthchen. Und jene Männer dort sind deine Richter?

Der Graf vom Strahl. So ists.

Käthchen (zur Schranke tretend). Ihr würdgen Herrn, wer ihr auch sein mögt dort, Steht gleich vom Richtstuhl auf und räumt ihn diesem! Denn, beim lebendgen Gott, ich sag es euch, Rein, wie sein Harnisch ist sein Herz, und eures Verglichen ihm, und meins, wie eure Mäntel. Wenn hier gesündigt ward, ist er der Richter, Und ihr sollt zitternd vor der Schranke stehn!

Graf Otto. Du, Närrin, jüngst der Nabelschnur entlaufen, Woher kommt die prophetsche Kunde dir? Welch ein Apostel hat dir das vertraut?

Theobald. Seht die Unselige!

Käthchen (da sie den Vater erblickt, auf ihn zugehend).

Mein teurer Vater!

(Sie will seine Hand ergreifen.)

Theobald (streng). Dort ist der Ort jetzt wo du hingehörst!

Käthchen. Weis mich nicht von dir.

(Sie laßt seine Hand und küßt sie.)

Theobald.--Kennst du das Haar noch wieder, Das deine Flucht mir jüngsthin grau gefärbt?

Käthchen. Kein Tag verging, daß ich nicht einmal dachte, Wie seine Locken fallen. Sei geduldig, Und gib dich nicht unmäßgem Grame preis: Wenn Freude Locken wieder dunkeln kann So sollst du wieder wie ein Jüngling blühn.

Graf Otto. Ihr Häscher dort! ergreift sie! bringt sie her!

Theobald. Geh hin, wo man dich ruft.

Käthchen (zu den Richtern, da sich ihr die Häscher nähern).

Was wollt ihr mir?

Wenzel. Saht ihr ein Kind, so störrig je, als dies?

Graf Otto (da sie vor der Schranke steht). Du sollst hier Antwort geben, kurz und bündig, Auf unsre Fragen! Denn wir, von unserem Gewissen eingesetzt, sind deine Richter Und an der Strafe, wenn du freveltest Wirds deine übermütge Seele fühlen.

Käthchen. Sprecht ihr verehrten Herrn; was wollt ihr wissen?

Graf Otto. Warum, als Friedrich Graf vom Strahl erschien, In deines Vaters Haus, bist du zu Füßen Wie man vor Gott tut, nieder ihm gestürzt? Warum warfst du, als er von dannen ritt' Dich aus dem Fenster sinnlos auf die Straße, Und folgtest ihm, da kaum dein Bein vernarbt, Von Ort zu Ort, durch Nacht und Graus und Nebel, Wohin sein Roß den Fußtritt wendete?

Käthchen (hochrot zum Grafen). Das soll ich hier vor diesen Männern sagen?

Der Graf vom Strahl. Die Närrin, die verwünschte, sinnverwirrte, Was fragt sie mich? Ists nicht an jener Männer Gebot, die Sache darzutun,


Das Kaethchen von Heilbronn - 3/24

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