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- Das Kaethchen von Heilbronn - 4/24 -


genug?

Käthchen (in Staub niederfallend). Nimm mir, o Herr, das Leben, wenn ich fehlte! Was in des Busens stillem Reich geschehn, Und Gott nicht straft, das braucht kein Mensch zu wissen; Den nenn ich grausam, der mich darum fragt! Wenn du es wissen willst, wohlan, so rede, Denn dir liegt meine Seele offen da!

Hans. Ward, seit die Welt steht, so etwas erlebt?

Wenzel. Im Staub liegt sie vor ihm-Hans. Gestürzt auf Knieen-Wenzel. Wie wir vor dem Erlöser hingestreckt!

Der Graf vom Strahl (zu den Richtern). Ihr würdgen Herrn, ihr rechnet, hoff ich, mir Nicht dieses Mädchens Torheit an! Daß sie Ein Wahn betört, ist klar, wenn euer Sinn Auch gleich, wie meiner, noch nicht einsieht, welcher? Erlaubt ihr mir, so frag ich sie darum: Ihr mögt, aus meinen Wendungen entnehmen, Ob meine Seele schuldig ist, ob nicht?

Graf Otto (ihn forschend ansehend). Es sei! Versuchts einmal, Herr Graf, und fragt sie.

Der Graf vom Strahl (wendet sich zu Käthchen, die noch immer auf Knieen liegt). Willt den geheimsten der Gedanken mir, Kathrina, der dir irgend, faß mich wohl, Im Winkel wo des Herzens schlummert, geben?

Käthchen. Das ganze Herz, o Herr, dir, willt du es, So bist du sicher des, was darin wohnt.

Der Graf vom Strahl. Was ists, mit einem Wort, mir rund gesagt, Das dich aus deines Vaters Hause trieb? Was fesselt dich an meine Schritte an?

Käthchen. Mein hoher Herr! Da fragst du mich zuviel. Und läg ich so, wie ich vor dir jetzt liege, Vor meinem eigenen Bewußtsein da: Auf einem goldnen Richtstuhl laß es thronen, Und alle Schrecken des Gewissens ihm, In Flammenrüstungen, zur Seite stehn; So spräche jeglicher Gedanke noch, Auf das, was du gefragt: ich weiß es nicht.

Der Graf vom Strahl. Du lügst mir, Jungfrau? Willst mein Wissen täuschen? Mir, der doch das Gefühl dir ganz umstrickt; Mir, dessen Blick du da liegst, wie die Rose, Die ihren jungen Kelch dem Licht erschloß?--Was hab ich dir einmal, du weißt, getan? Was ist an Leib und Seel dir widerfahren?

Käthchen. Wo?

Der Graf vom Strahl. Da oder dort.

Käthchen. Wann?

Der Graf vom Strahl. Jüngst oder früherhin.

Käthchen. Hilf mir, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl. Ja, ich dir helfen, Du wunderliches Ding.--(Er hält inne.)

Besinnst du dich auf nichts?

Käthchen (sieht vor sich nieder).

Der Graf vom Strahl. Was für ein Ort, wo du mich je gesehen, Ist dir im Geist, vor andern, gegenwärtig.

Käthchen. Der Rhein ist mir vor allen gegenwärtig.

Der Graf vom Strahl. Ganz recht. Da eben wars. Das wollt ich wissen. Der Felsen am Gestad des Rheins, wo wir Zusammen ruhten, in der Mittagshitze. - Und du gedenkst nicht, was dir da geschehn?

Käthchen. Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl. Nicht? Nicht? - Was reicht ich deiner Lippe zur Erfrischung?

Käthchen. Du sandtest, weil ich deines Weins verschmähte, Den Gottschalk, deinen treuen Knecht, und ließest Ihn einen Trunk mir, aus der Grotte schöpfen.

Der Graf vom Strahl. Ich aber nahm dich bei der Hand, und reichte Sonst deiner Lippe--nicht? Was stockst du da?

Käthchen. Wann?

Der Graf vom Strahl. Eben damals.

Käthchen. Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl. Jedoch nachher.

Käthchen. In Straßburg?

Der Graf vom Strahl. Oder früher.

Käthchen. Du hast mich niemals bei der Hand genommen.

Der Graf vom Strahl. Kathrina!

Käthchen (errötend). Ach vergib mir; in Heilbronn!

Der Graf vom Strahl. Wann?

Käthchen. Als der Vater dir am Harnisch wirkte.

Der Graf vom Strahl. Und sonst nicht?

Käthchen. Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl. Kathrina!

Käthchen. Mich bei der Hand?

Der Graf vom Strahl. Ja, oder sonst, was weiß ich.

Käthchen (besinnt sich). In Straßburg einst, erinnr' ich mich, beim Kinn.

Der Graf vom Strahl. Wann?

Käthchen. Als ich auf der Schwelle saß und weinte, Und dir auf was du sprachst, nicht Rede stand.

Der Graf vom Strahl. Warum nicht standst du Red?

Käthchen. Ich schämte mich.

Der Graf vom Strahl. Du schämtest dich? Ganz recht. Auf meinen Antrag. Du wardst glutrot bis an den Hals hinab. Welch einen Antrag macht ich dir?

Käthchen. Der Vater, Der würd, sprachst du, daheim im Schwabenland, Um mich sich härmen, und befragtest mich, Ob ich mit Pferden, die du senden wolltest, Nicht nach Heilbronn zu ihm zurück begehrte?

Der Graf vom Strahl (kalt). Davon ist nicht die Rede!--Nun, wo auch, Wo hab ich sonst im Leben dich getroffen? - Ich hab im Stall zuweilen dich besucht.

Käthchen. Nein, mein verehrter Herr.

Der Graf vom Strahl. Nicht? Katharina!

Käthchen. Du hast mich niemals in dem Stall besucht, Und noch viel wen'ger rührtest du mich an.

Der Graf vom Strahl. Was? Niemals?

Käthchen. Nein, mein hoher Herr.

Der Graf vom Strahl. Kathrina!

Käthchen (mit Affekt). Niemals, mein hochverehrter Herr, niemals.

Der Graf vom Strahl. Nun seht, bei meiner Treu, die Lügnerin!

Käthchen. Ich will nicht selig sein, ich will verderben, Wenn du mich je--!

Der Graf vom Strahl (mit dem Schein der Heftigkeit.)

Da schwört sie und verflucht Sich, die leichtfertge Dirne, noch und meint, Gott werd es ihrem jungen Blut vergeben! - Was ist geschehn, fünf Tag von hier, am Abend, In meinem Stall, als es schon dunkelte, Und ich den Gottschalk hieß, sich zu entfernen?

Käthchen. O! Jesus! Ich bedacht es nicht!--Im Stall zu Strahl, da hast du mich besucht.

Der Graf vom Strahl. Nun denn! Da ists heraus? Da hat sie nun Der Seelen Seligkeit sich weggeschworen! Im Stall zu Strahl, da hab ich sie besucht!

(Käthchen weint.) (Pause.)

Graf Otto. Ihr quält das Kind zu sehr.

Theobald (nähert sich ihr gerührt). Komm, meine Tochter.

(Er will sie an seine Brust heben.)

Käthchen. Laß, laß!

Wenzel. Das nenn ich menschlich nicht verfahren.

Graf Otto. Zuletzt ist nichts im Stall zu Strahl geschehen.

Der Graf vom Strahl (sieht sie an). Bei Gott, ihr Herrn, wenn ihr des Glaubens seid: Ich bins! Befehlt, so gehn wir aus einander.

Graf Otto. Ihr sollt das Kind befragen, ist die Meinung, Nicht mit barbarischem Triumph verhöhnen. Seis, daß Natur Euch solche Macht verliehen: Geübt wie Ihrs tut, ist sie hassenswürdger, Als selbst die Höllenkunst, der man Euch zeiht.

Der Graf vom Strahl (erhebt das Käthchen vom Boden). Ihr Herrn, was ich getan, das tat ich nur, Sie mit Triumph hier vor euch zu erheben! Statt meiner--(Auf den Boden hinzeigend.)


Das Kaethchen von Heilbronn - 4/24

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