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- Deutschland. Ein Wintermaerchen - 10/14 -


Ich reiste fort mit Extrapost, Und schöpfte freien Odem Erst draußen in der freien Natur, Auf bückeburg'schem Boden.

CAPUT XIX

Oh, Danton, du hast dich sehr geirrt Und mußtest den Irrtum büßen! Mitnehmen kann man das Vaterland An den Sohlen, an den Füßen.

Das halbe Fürstentum Bückeburg Blieb mir an den Stiefeln kleben; So lehmichte Wege habe ich wohl Noch nie gesehen im Leben.

Zu Bückeburg stieg ich ab in der Stadt, Um dort zu betrachten die Stammburg, Wo mein Großvater geboren ward; Die Großmutter war aus Hamburg.

Ich kam nach Hannover um Mittagzeit, Und ließ mir die Stiefel putzen. Ich ging sogleich, die Stadt zu besehn, Ich reise gern mit Nutzen.

Mein Gott! da sieht es sauber aus! Der Kot liegt nicht auf den Gassen. Viel Prachtgebäude sah ich dort, Sehr imponierende Massen.

Besonders gefiel mir ein großer Platz, Umgeben von stattlichen Häusern; Dort wohnt der König, dort steht sein Palast, Er ist von schönem Äußern

(Nämlich der Palast). Vor dem Portal Zu jeder Seite ein Schildhaus. Rotröcke mit Flinten halten dort Wacht, Sie sehen drohend und wild aus.

Mein Cicerone sprach: »Hier wohnt Der Ernst Augustus, ein alter, Hochtoryscher Lord, ein Edelmann, Sehr rüstig für sein Alter.

Idyllisch sicher haust er hier, Denn besser als alle Trabanten Beschützet ihn der mangelnde Mut Von unseren lieben Bekannten.

Ich seh ihn zuweilen, er klagt alsdann, Wie gar langweilig das Amt sei, Das Königsamt, wozu er jetzt Hier in Hannover verdammt sei.

An großbritannisches Leben gewöhnt, Sei es ihm hier zu enge, Ihn plage der Spleen, er fürchte schier, Daß er sich mal erhänge.

Vorgestern fand ich ihn traurig gebückt Am Kamin, in der Morgenstunde; Er kochte höchstselbst ein Lavement Für seine kranken Hunde.«

CAPUT XX

Von Harburg fuhr ich in einer Stund' Nach Hamburg. Es war schon Abend. Die Sterne am Himmel grüßten mich, Die Luft war lind und labend.

Und als ich zu meiner Frau Mutter kam, Erschrak sie fast vor Freude; Sie rief: »Mein liebes Kind!« und schlug Zusammen die Hände beide.

»Mein liebes Kind, wohl dreizehn Jahr' Verflossen unterdessen! Du wirst gewiß sehr hungrig sein - Sag an, was willst du essen?

Ich habe Fisch und Gänsefleisch Und schöne Apfelsinen.« »So gib mir Fisch und Gänsefleisch Und schöne Apfelsinen.«

Und als ich aß mit großem App'tit, Die Mutter ward glücklich und munter, Sie frug wohl dies, sie frug wohl das, Verfängliche Fragen mitunter.

»Mein liebes Kind! und wirst du auch Recht sorgsam gepflegt in der Fremde? Versteht deine Frau die Haushaltung, Und flickt sie dir Strümpfe und Hemde?«

»Der Fisch ist gut, lieb Mütterlein, Doch muß man ihn schweigend verzehren; Man kriegt so leicht eine Grät' in den Hals, Du darfst mich jetzt nicht stören.«

Und als ich den braven Fisch verzehrt, Die Gans ward aufgetragen. Die Mutter frug wieder wohl dies, wohl das, Mitunter verfängliche Fragen.

»Mein liebes Kind! in welchem Land Läßt sich am besten leben? Hier oder in Frankreich? und welchem Volk Wirst du den Vorzug geben?«

»Die deutsche Gans, lieb Mütterlein, Ist gut, jedoch die Franzosen, Sie stopfen die Gänse besser als wir, Auch haben sie bessere Saucen.« -

Und als die Gans sich wieder empfahl, Da machten ihre Aufwartung Die Apfelsinen, sie schmeckten so süß, Ganz über alle Erwartung.

Die Mutter aber fing wieder an Zu fragen sehr vergnüglich, Nach tausend Dingen, mitunter sogar Nach Dingen, die sehr anzüglich.

»Mein liebes Kind! Wie denkst du jetzt? Treibst du noch immer aus Neigung Die Politik? Zu welcher Partei Gehörst du mit Überzeugung?«

»Die Apfelsinen, lieb Mütterlein, Sind gut, und mit wahrem Vergnügen Verschlucke ich den süßen Saft, Und ich lasse die Schalen liegen.«

CAPUT XXI

Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt, Wird aufgebaut allmählich; Wie 'n Pudel, der halb geschoren ist, Sieht Hamburg aus, trübselig.

Gar manche Gassen fehlen mir, Die ich nur ungern vermisse - Wo ist das Haus, wo ich geküßt Der Liebe erste Küsse?

Wo ist die Druckerei, wo ich Die »Reisebilder« druckte? Wo ist der Austerkeller, wo ich Die ersten Austern schluckte?

Und der Dreckwall, wo ist der Dreckwall hin? Ich kann ihn vergeblich suchen! Wo ist der Pavillon, wo ich Gegessen so manchen Kuchen?

Wo ist das Rathaus, worin der Senat Und die Bürgerschaft gethronet? Ein Raub der Flammen! Die Flamme hat Das Heiligste nicht verschonet.

Die Leute seufzten noch vor Angst, Und mit wehmüt'gem Gesichte Erzählten sie mir vom großen Brand Die schreckliche Geschichte:

»Es brannte an allen Ecken zugleich, Man sah nur Rauch und Flammen! Die Kirchentürme loderten auf Und stürzten krachend zusammen.

Die alte Börse ist verbrannt, Wo unsere Väter gewandelt, Und miteinander jahrhundertelang So redlich als möglich gehandelt.

Die Bank, die silberne Seele der Stadt, Und die Bücher, wo eingeschrieben Jedweden Mannes Banko-Wert, Gottlob! sie sind uns geblieben!

Gottlob! man kollektierte für uns Selbst bei den fernsten Nationen - Ein gutes Geschäft - die Kollekte betrug Wohl an die acht Millionen.

Aus allen Ländern floß das Geld In unsre offnen Hände, Auch Viktualien nahmen wir an,


Deutschland. Ein Wintermaerchen - 10/14

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