Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything

Bride.Ru

Books Menu

Home
Author Catalog
Title Catalog
Sectioned Catalog

 

- Deutschland. Ein Wintermaerchen - 14/14 -


Ich konnt es nicht länger ertragen - - -

Mir schwanden die Sinne, und als ich aufschlug Die Augen, saß ich an der Seite Der Göttin noch immer, es lehnte mein Haupt An ihre Brust, die breite.

Es blitzte ihr Blick, es glühte ihr Mund, Es zuckten die Nüstern der Nase, Bacchantisch umschlang sie den Dichter und sang Mit schauerlich wilder Ekstase:

»Bleib bei mir in Hamburg, ich liebe dich, Wir wollen trinken und essen Den Wein und die Austern der Gegenwart, Und die dunkle Zukunft vergessen.

Den Deckel darauf! damit uns nicht Der Mißduft die Freude vertrübet - Ich liebe dich, wie je ein Weib Einen deutschen Poeten geliebet!

Ich küsse dich, und ich fühle, wie mich Dein Genius begeistert; Es hat ein wunderbarer Rausch Sich meiner Seele bemeistert.

Mir ist, als ob ich auf der Straß' Die Nachtwächter singen hörte - Es sind Hymenäen, Hochzeitmusik, Mein süßer Lustgefährte!

Jetzt kommen die reitenden Diener auch Mit üppig lodernden Fackeln, Sie tanzen ehrbar den Fackeltanz, Sie springen und hüpfen und wackeln.

Es kommt der hoch- und wohlweise Senat, Es kommen die Oberalten; Der Bürgermeister räuspert sich Und will eine Rede halten.

In glänzender Uniform erscheint Das Korps der Diplomaten; Sie gratulieren mit Vorbehalt Im Namen der Nachbarstaaten.

Es kommt die geistliche Deputation, Rabbiner und Pastöre - Doch ach! da kommt der Hoffmann auch Mit seiner Zensorschere!

Die Schere klirrt in seiner Hand, Es rückt der wilde Geselle Dir auf den Leib - er schneidet ins Fleisch - Es war die beste Stelle.«

CAPUT XXVII

Was sich in jener Wundernacht Des weitern zugetragen, Erzähl ich euch ein andermal, In warmen Sommertagen.

Das alte Geschlecht der Heuchelei Verschwindet, Gott sei Dank, heut, Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt An seiner Lügenkrankheit.

Es wächst heran ein neues Geschlecht, Ganz ohne Schminke und Sünden, Mit freien Gedanken, mit freier Lust - Dem werde ich alles verkünden.

Schon knospet die Jugend, welche versteht Des Dichters Stolz und Güte, Und sich an seinem Herzen wärmt, An seinem Sonnengemüte.

Mein Herz ist liebend wie das Licht, Und rein und keusch wie das Feuer; Die edelsten Grazien haben gestimmt Die Saiten meiner Leier.

Es ist dieselbe Leier, die einst Mein Vater ließ ertönen, Der selige Herr Aristophanes, Der Liebling der Kamönen.

Es ist die Leier, worauf er einst Den Paisteteros besungen, Der um die Basileia gefreit, Mit ihr sich emporgeschwungen.

Im letzten Kapitel hab ich versucht, Ein bißchen nachzuahmen Den Schluß der »Vögel«, die sind gewiß Das beste von Vaters Dramen.

Die »Frösche« sind auch vortrefflich. Man gibt In deutscher Übersetzung Sie jetzt auf der Bühne von Berlin, Zu königlicher Ergetzung.

Der König liebt das Stück. Das zeugt Von gutem antiken Geschmacke; Den Alten amüsierte weit mehr Modernes Froschgequacke.

Der König liebt das Stück. Jedoch Wär noch der Autor am Leben, Ich riete ihm nicht, sich in Person Nach Preußen zu begeben.

Dem wirklichen Aristophanes, Dem ginge es schlecht, dem Armen; Wir würden ihn bald begleitet sehn Mit Chören von Gendarmen.

Der Pöbel bekäm die Erlaubnis bald, Zu schimpfen statt zu wedeln; Die Polizei erhielte Befehl, Zu fahnden auf den Edeln.

O König! Ich meine es gut mit dir, Und will einen Rat dir geben: Die toten Dichter, verehre sie nur, Doch schone, die da leben.

Beleid'ge lebendige Dichter nicht, Sie haben Flammen und Waffen, Die furchtbarer sind als Jovis Blitz, Den ja der Poet erschaffen.

Beleid'ge die Götter, die alten und neu'n, Des ganzen Olymps Gelichter, Und den höchsten Jehova obendrein - Beleid'ge nur nicht den Dichter!

Die Götter bestrafen freilich sehr hart Des Menschen Missetaten, Das Höllenfeuer ist ziemlich heiß, Dort muß man schmoren und braten -

Doch Heilige gibt es, die aus der Glut Losbeten den Sünder; durch Spenden An Kirchen und Seelenmessen wird Erworben ein hohes Verwenden.

Und am Ende der Tage kommt Christus herab Und bricht die Pforten der Hölle; Und hält er auch ein strenges Gericht, Entschlüpfen wird mancher Geselle.

Doch gibt es Höllen, aus deren Haft Unmöglich jede Befreiung; Hier hilft kein Beten, ohnmächtig ist hier Des Welterlösers Verzeihung.

Kennst du die Hölle des Dante nicht, Die schrecklichen Terzetten? Wen da der Dichter hineingesperrt, Den kann kein Gott mehr retten -

Kein Gott, kein Heiland erlöst ihn je Aus diesen singenden Flammen! Nimm dich in acht, daß wir dich nicht Zu solcher Hölle verdammen.

---------------------------------------------------------------------- End of "Deutschland. Ein Wintermärchen" by Heinrich Heine


Deutschland. Ein Wintermaerchen - 14/14

Previous Page

  1    9   10   11   12   13   14 

Schulers Books Home



 Games Menu

Home
Balls
Battleship
Buzzy
Dice Poker
Memory
Mine
Peg
Poker
Tetris
Tic Tac Toe

Google
 
Web schulers.com
 

Schulers Books Online

books - games - software - wallpaper - everything