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- Penthesilea - 3/29 -


Mißt sie, auf einen Augenblick, die Wand: Der Helmbusch selbst, als ob er sich entsetzte, Reißt bei der Scheitel sie von hinten nieder. Drauf plötzlich jetzt legt sie die Zügel weg: Man sieht, gleich einer Schwindelnden, sie hastig Die Stirn, von einer Lockenfluth umwallt, In ihre beiden kleinen Hände drücken. Bestürzt, bei diesem sonderbaren Anblick, Umwimmeln alle Jungfraun sie, mit heiß Eindringlicher Gebährde sie beschwörend; Die Eine, die zunächst verwandt ihr scheint, Schlingt ihren Arm um sie, indeß die Andre Entschloßner noch, des Pferdes Zügel greift: Man will den Fortschritt mit Gewalt ihr wehren, Doch sie--

Diomedes. Wie? wagt sie es?

Antilochus. Nein, sprich!

Der Hauptmann. Ihr hörts. Umsonst sind die Versuche, sie zu halten, Sie drängt mit sanfter Macht von beiden Seiten Die Fraun hinweg, und im unruhigen Trabe An dem Geklüfte auf und nieder streifend, Sucht sie, ob nicht ein schmaler Pfad sich biete Für einen Wunsch, der keine Flügel hat; Drauf jetzt, gleich einer Rasenden, sieht man Empor sie an des Felsens Wände klimmen, Jetzt hier, in glühender Begier, jetzt dort, Unsinn'ger Hoffnung voll, auf diesem Wege Die Beute, die im Garn liegt, zu erhaschen. Jetzt hat sie jeden sanftern Riß versucht, Den sich im Fels der Regen ausgewaschen; Der Absturz ist, sie sieht es, unersteiglich; Doch, wie beraubt des Urtheils, kehrt sie um, Und fängt, als wär's von vorn, zu klettern an. Und schwingt, die Unverdrossene, sich wirklich Auf Pfaden, die des Wandrers Fußtritt scheut, Schwingt sich des Gipfels höchstem Rande näher Um einer Orme Höh; und da sie jetzt auf einem Granitblock steht, von nicht mehr Flächenraum Als eine Gemse sich zu halten braucht; Von ragendem Geklüfte rings geschreckt, Den Schritt nicht vorwärts mehr, nicht rückwärts wagt; Der Weiber Angstgeschrei durchkreischt die Luft: Stürzt sie urplötzlich, Roß und Reuterinn, Von los sich lösendem Gestein umprasselt, Als ob sie in den Orkus führe, schmetternd Bis an des Felsens tiefsten Fuß zurück, Und bricht den Hals sich nicht und lernt auch nichts: Sie rafft sich bloß zu neuem Klimmen auf.

Antilochus. Seht die Hyäne, die blind-wüthende!

Odysseus. Nun? Und Automedon?

Der Hauptmann. Er endlich schwingt, Das Fahrzeug steht, die Rosse auch, geordnet-- Hephästos hätt' in so viel Zeit fast neu Den ganzen erznen Wagen schmieden können-- Er schwingt dem Sitz sich zu, und greift die Zügel: Ein Stein fällt uns Argivern von der Brust. Doch eben jezt, da er die Pferde wendet, Erspähn die Amazonen einen Pfad, Dem Gipfel sanfthin zugeführt, und rufen, Das Thal rings mit Geschrei des Jubels füllend, Die Königinn dahin, die sinnberaubte, Die immer noch des Felsens Sturz versucht. Sie, auf dies Wort, das Roß zurücke werfend, Rasch einen Blick den Pfad schickt sie hinan; Und dem gestreckten Parder gleich, folgt sie Dem Blick auch auf dem Fuß: er, der Pelide, Entwich zwar mit den Rossen, rückwärts strebend; Doch in den Gründen bald verschwand er mir, Und was aus ihm geworden, weiß ich nicht.

Antilochus. Verloren ist er!

Diomedes. Auf! Was thun wir, Freunde?

Odysseus. Was unser Herz, ihr Könige, gebeut! Auf! laßt uns ihn der Königinn entreißen! Gilt's einen Kampf um ihn auf Tod und Leben: Den Kampf bei den Atriden fecht' ich aus.

Odysseus, Diomedes, Antilochus (ab.)

Dritter Auftritt

Der Hauptmann. Eine Schaar von Griechen. (welche während dessen einen Hügel bestiegen haben).

Ein Myrmidonier. (in die Gegend schauend.) Seht! Steigt dort über jenes Berges Rücken, Ein Haupt nicht, ein bewaffnetes, empor? Ein Helm, von Federbüschen überschattet? Der Nacken schon, der mächt'ge, der es trägt? Die Schultern auch, die Arme, stahlumglänzt? Das ganze Brustgebild, O seht doch, Freunde, Bis wo den Leib der gold'ne Gurt umschließt?

Der Hauptmann. Ha! Wessen!

Der Myrmidonier. Wessen! Träum' ich, ihr Argiver? Die Häupter sieht man schon, geschmückt mit Blessen, Des Roßgespanns! Nur noch die Schenkel sind, Die Hufen, von der Höhe Rand bedeckt! Jetzt, auf dem Horizonte, steht das ganze Kriegsfahrzeug da! So geht die Sonne prachtvoll An einem heitern Frühlingstage auf!

Die Griechen. Triumph! Achilleus ist's! Der Göttersohn! Selbst die Quadriga führet er heran! Er ist gerettet!

Der Hauptmann. Ihr Olympischen! So sei euch ew'ger Ruhm gegönnt!--Odysseus! --Flieg Einer den argol'schen Fürsten nach! (Ein Grieche schnell ab.) Naht er sich uns, ihr Danaer?

Der Myrmidonier. O sieh!

Der Hauptmann. Was giebt's?

Der Myrmidonier. O mir vergeht der Athem, Hauptmann!

Der Hauptmann. So rede, sprich!

Der Myrmidonier. O, wie er mit der Linken Vor über seiner Rosse Rücken geht! Wie er die Geißel umschwingt über sie! Wie sie von ihrem bloßen Klang erregt, Der Erde Grund, die göttlichen, zerstampfen! Am Zügel zieh'n sie, beim Lebendigen, Mit ihrer Schlünde Dampf, das Fahrzeug fort! Gehetzter Hirsche Flug ist schneller nicht! Der Blick drängt unzerknickt sich durch die Räder, Zur Scheibe fliegend eingedreht, nicht hin!

Ein Ätolier. Doch hinter ihm--

Der Hauptmann. Was?

Der Myrmidonier. An des Berges Saum--

Der Ätolier. Staub--

Der Myrmidonier. Staub aufqualmend, wie Gewitterwolken: Und, wie der Blitz vorzuckt--

Der Ätolier. Ihr ew'gen Götter!

Der Myrmidonier. Penthesilea.

Der Hauptmann. Wer?

Der Ätolier. Die Königinn!-- Ihm auf dem Fuß, dem Peleïden, schon Mit ihrem ganzen Troß von Weibern folgend.

Der Hauptmann. Die rasende Megär'!

Die Griechen. (rufend) Hieher den Lauf! Hieher den Lauf, du göttlicher gerichtet! Auf uns den Lauf!

Der Ätolier. Seht! wie sie mit den Schenkeln Des Tiegers Leib inbrünstiglich umarmt! Wie sie, bis auf die Mähn' herabgebeugt, Hinweg die Luft trinkt lechzend, die sie hemmt! Sie fliegt, wie von der Senne abgeschossen: Numidsche Pfeile sind nicht hurtiger! Das Heer bleibt keuchend, hinter ihr, wie Köter, Wenn sich ganz aus die Dogge streckt, zurück! Kaum daß ihr Federbusch ihr folgen kann!

Der Hauptmann. So naht sie ihm?


Penthesilea - 3/29

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