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- Prinz Friedrich von Homburg - 20/22 -


Der Kurfürst. Mit welchem Recht, du Tor, erhoffst du das, Wenn auf dem Schlachtenwagen, eigenmächtig, Mir in die Zügel jeder greifen darf? Meinst du das Glück werd immerdar, wie jüngst, Mit einem Kranz den Ungehorsam lohnen? Den Sieg nicht mag ich, der, ein Kind des Zufalls, Mir von der Bank fällt; das Gesetz will ich, Die Mutter meiner Krone, aufrecht halten, Die ein Geschlecht von Siegen mir erzeugt!

Kottwitz. Herr, das Gesetz, das höchste, oberste, Das wirken soll, in deiner Feldherrn Brust, Das ist der Buchstab deines Willens nicht; Das ist das Vaterland, das ist die Krone, Das bist du selber, dessen Haupt sie trägt. Was kümmert dich, ich bitte dich, die Regel, Nach der der Feind sich schlägt: wenn er nur nieder Vor dir, mit allen seinen Fahnen, sinkt? Die Regel, die ihn schlägt, das ist die höchste! Willst du das Heer, das glühend an dir hängt, Zu einem Werkzeug machen, gleich dem Schwerte, Das tot in deinem goldnen Gürtel ruht? Der ärmste Geist, der in den Sternen fremd, Zuerst solch eine Lehre gab! Die schlechte, Kurzsichtge Staatskunst, die, um eines Falles, Da die Empfindung sich verderblich zeigt, Zehn andere vergißt, im Lauf der Dinge, Da die Empfindung einzig retten kann! Schütt ich mein Blut dir, an dem Tag der Schlacht, Für Sold, seis Geld, seis Ehre, in den Staub? Behüte Gott, dazu ist es zu gut! Was! Meine Lust hab, meine Freude ich, Frei und für mich im Stillen, unabhängig, An deiner Trefflichkeit und Herrlichkeit, Am Ruhm und Wachstum deines großen Namens! Das ist der Lohn, dem sich mein Herz verkauft! Gesetzt, um dieses unberufnen Sieges, Brächst du dem Prinzen jetzt den Stab; und ich, Ich träfe morgen, gleichfalls unberufen, Den Sieg wo irgend zwischen Wald und Felsen, Mit den Schwadronen, wie ein Schäfer, an: Bei Gott, ein Schelm müßt ich doch sein, wenn ich Des Prinzen Tat nicht munter wiederholte. Und sprächst du, das Gesetzbuch in der Hand: "Kottwitz, du hast den Kopf verwirkt!" so sagt ich: "Das wußt ich Herr; da nimm ihn hin, hier ist er: Als mich ein Eid an deine Krone band, Mit Haut und Haar, nahm ich den Kopf nicht aus, Und nichts dir gäb ich, was nicht dein gehörte!"

Der Kurfürst. Mit dir, du alter, wunderlicher Herr, Werd ich nicht fertig! Es besticht dein Wort Mich, mit arglistger Rednerkunst gesetzt, Mich, der, du weißt, dir zugetan, und einen Sachwalter ruf ich mir, den Streit zu enden, Der meine Sache führt!

(Er klingelt, ein Bedienter tritt auf.)

Der Prinz von Homburg! Man führ aus dem Gefängnis ihn hierher!

(Der Bediente ab.)

Der wird dich lehren, das versichr' ich dich, Was Kriegszucht und Gehorsam sei! Ein Schreiben Schickt' er mir mindstens zu, das anders lautet, Als der spitzfündge Lehrbegriff der Freiheit, Den du hier, wie ein Knabe, mir entfaltet.

(Er stellt sich wieder an den Tisch und liest.)

Kottwitz (erstaunt). Wen holt--? Wen ruft--?

Obrist Hennings. Ihn selber?

Graf Truchß. Nein unmöglich!

(Die Offiziere treten unruhig zusammen und sprechen mit einander.)

Der Kurfürst. Von wem ist diese zweite Zuschrift hier?

Hohenzollern. Von mir, mein Fürst!

Der Kurfürst (liest). "Beweis, daß Kurfürst Friedrich Des Prinzen Tat selbst"--–--Nun, beim Himmel! Das nenn ich keck! Was! Die Veranlassung, du wälzest sie des Frevels, Den er sich in der Schlacht erlaubt, auf mich?

Hohenzollern. Auf dich, mein Kurfürst; ja; ich, Hohenzollern!

Der Kurfürst. Nun denn, bei Gott, das übersteigt die Fabel! Der eine zeigt mir, daß nicht schuldig er, Der andre gar mir, daß der Schuldge ich!-- Womit wirst solchen Satz du mir beweisen?

Hohenzollern. Du wirst dich jener Nacht, o Herr, erinnern, Da wir den Prinzen, tief versenkt im Schlaf, Im Garten unter den Plantanen fanden: Vom Sieg des nächsten Tages mocht er träumen, Und einen Lorbeer hielt er in der Hand. Du, gleichsam um sein tiefstes Herz zu prüfen, Nahmst ihm den Kranz hinweg, die Kette schlugst du, Die dir vom Hals hängt, lächelnd um das Laub; Und reichtest Kranz und Kette, so verschlungen, Dem Fräulein, deiner edlen Nichte, hin. Der Prinz steht, bei so wunderbarem Anblick, Errötend auf; so süße Dinge will er, Und von so lieber Hand gereicht, ergreifen: Du aber, die Prinzessin rückwärts führend, Entziehst dich eilig ihm; die Tür empfängt dich, Jungfrau und Kett und Lorbeerkranz verschwinden, Und einsam--einen Handschuh in der Hand, Den er, nicht weiß er selber, wem? entrissen-- Im Schoß der Mitternacht, bleibt er zurück.

Der Kurfürst. Welch einen Handschuh?

Hohenzollern. Herr, laß mich vollenden! Die Sache war ein Scherz; jedoch von welcher Bedeutung ihm, das lernt ich bald erkennen; Denn, da ich, durch des Garten hintre Pforte, Jetzt zu ihm schleich, als wärs von ohngefähr, Und ihn erweck, und er die Sinne sammelt: Gießt die Erinnrung Freude über ihn, Nichts Rührenders, fürwahr, kannst du dir denken. Den ganzen Vorfall, gleich, als wärs ein Traum, Trägt er, bis auf den kleinsten Zug, mir vor; So lebhaft, meint' er, hab er nie geträumt Und fester Glaube baut sich in ihm auf, Der Himmel hab ein Zeichen ihm gegeben: Es werde alles, was sein Geist gesehn, Jungfrau und Lorbeerkranz und Ehrenschmuck, Gott, an dem Tag der nächsten Schlacht, ihm schenken.

Der Kurfürst. Hm! Sonderbar!--Und jener Handschuh--?

Hohenzollern. Ja,-- Dies Stück des Traums, das ihm verkörpert ward, Zerstört zugleich und kräftigt seinen Glauben. Zuerst mit großem Aug sieht er ihn an-- Weiß ist die Farb, er scheint nach Art und Bildung, Von einer Dame Hand--: doch weil er keine Zu Nacht, der er entnommen könnte sein, Im Garten sprach,--durchkreuzt, in seinem Dichten, Von mir, der zur Parol' aufs Schloß ihn ruft, Vergißt er, was er nicht begreifen kann, Und steckt zerstreut den Handschuh ins Kollett.

Der Kurfürst. Nun? Drauf?

Hohenzollern. Drauf tritt er nun mit Stift und Tafel, Ins Schloß, aus des Feldmarschalls Mund, in frommer Aufmerksamkeit, den Schlachtbefehl zu hören; Die Fürstin und Prinzessin, reisefertig Befinden grad im Herrensaal sich auch. Doch wer ermißt das ungeheure Staunen, Das ihn ergreift, da die Prinzeß den Handschuh, Den er sich ins Kollett gesteckt, vermißt. Der Marschall ruft, zu wiederholten Malen: Herr Prinz von Homburg! Was befiehlt mein Marschall? Entgegnet er, und will die Sinne sammeln; Doch er, von Wundern ganz umringt--–: der Donner Des Himmels hätte niederfallen können!--! (Er hält inne.)

Der Kurfürst. Wars der Prinzessin Handschuh?

Hohenzollern. Allerdings!

(Der Kurfürst fällt in Gedanken.)

Hohenzollern (fährt fort). Ein Stein ist er, den Bleistift in der Hand, Steht er zwar da und scheint ein Lebender; Doch die Empfindung, wie durch Zauberschläge, In ihm verlöscht; und erst am andern Morgen, Da das Geschütz schon in den Reihen donnert, Kehrt er ins Dasein wieder und befragt mich: Liebster, was hat schon Dörfling, sag mirs, gestern Beim Schlachtbefehl, mich treffend, vorgebracht?

Feldmarschall. Herr, die Erzählung, wahrlich, unterschreib ich! Der Prinz, erinnr' ich mich, von meiner Rede Vernahm kein Wort; zerstreut sah ich ihn oft, Jedoch in solchem Grad abwesend ganz


Prinz Friedrich von Homburg - 20/22

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