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- Romanzero - 2/33 -


Am Tore stehen dreihundert Trabanten Als Ehrenwache des Elefanten, Und knieend, mit gekrümmtem Rucken, Bedienen ihn hundert schwarze Eunucken.

Man bringt auf einer güldnen Schüssel Die leckersten Bissen für seinen Rüssel; Er schlürft aus silbernen Eimern den Wein, Gewürzt mit den süßesten Spezerein.

Man salbt ihn mit Ambra und Rosenessenzen, Man schmückt sein Haupt mit Blumenkränzen; Als Fußdecke dienen dem edlen Tier Die kostbarsten Schals aus Kaschimir.

Das glücklichste Leben ist ihm beschieden, Doch Niemand auf Erden ist zufrieden. Das edle Tier, man weiß nicht wie, Versinkt in tiefe Melancholie.

Der weiße Melancholikus Steht traurig mitten im Überfluß. Man will ihn ermuntern, man will ihn erheitern, Jedoch die klügsten Versuche scheitern.

Vergebens kommen mit Springen und Singen Die Bajaderen; vergebens erklingen Die Zinken und Pauken der Musikanten, Doch nichts erlustigt den Elefanten.

Da täglich sich der Zustand verschlimmert, Wird Mahawasantes Herz bekümmert; Er läßt vor seines Thrones Stufen Den klügsten Astrologen rufen.

»Sterngucker, ich laß dir das Haupt abschlagen«, Herrscht er ihn an, »kannst du mir nicht sagen, Was meinem Elefanten fehle, Warum so verdüstert seine Seele?«

Doch jener wirft sich dreimal zur Erde, Und endlich spricht er mit ernster Gebärde: »O König, ich will dir die Wahrheit verkünden, Du kannst dann handeln nach Gutbefinden.

»Es lebt im Norden ein schönes Weib Von hohem Wuchs und weißem Leib, Dein Elefant ist herrlich, unleugbar, Doch ist er nicht mit ihr vergleichbar.

»Mit ihr verglichen, erscheint er nur Ein weißes Mäuschen. Es mahnt die Statur An Bimha, die Riesin, im Ramajana, Und an der Epheser große Diana.

»Wie sich die Gliedermassen wölben Zum schönsten Bau! Es tragen dieselben Anmutig und stolz zwei hohe Pilaster Von blendend weißem Alabaster.

»Das ist Gott Amors kolossale Domkirche, der Liebe Kathedrale; Als Lampe brennt im Tabernakel Ein Herz, das ohne Falsch und Makel.

»Die Dichter jagen vergebens nach Bildern, Um ihre weiße Haut zu schildern; Selbst Gautier ist dessen nicht kapabel, - O diese Weiße ist implacable!

»Des Himalaya Gipfelschnee Erscheint aschgrau in ihrer Näh; Die Lilje, die ihre Hand erfaßt, Vergilbt durch Eifersucht oder Kontrast.

»Gräfin Bianka ist der Name Von dieser großen weißen Dame; Sie wohnt zu Paris im Frankenland, Und diese liebt der Elefant.

»Durch wunderbare Wahlverwandtschaft, Im Traume machte er ihre Bekanntschaft, Und träumend in sein Herze stahl Sich dieses hohe Ideal.

»Sehnsucht verzehrt ihn seit jener Stund, Und er, der vormals so froh und gesund, Er ist ein vierfüßiger Werther geworden, Und träumt von einer Lotte im Norden.

»Geheimnisvolle Sympathie! Er sah sie nie und denkt an sie. Er trampelt oft im Mondschein umher Und seufzet: wenn ich ein Vöglein wär!

»In Siam ist nur der Leib, die Gedanken Sind bei Bianka im Lande der Franken; Doch diese Trennung von Leib und Seele Schwächt sehr den Magen, vertrocknet die Kehle.

»Die leckersten Braten widern ihn an, Er liebt nur Dampfnudeln und Ossian, Er hüstelt schon, er magert ab, Die Sehnsucht schaufelt sein frühes Grab.

»Willst du ihn retten, erhalten sein Leben, Der Säugetierwelt ihn wiedergeben, O König, so schicke den hohen Kranken Direkt nach Paris, der Hauptstadt der Franken.

»Wenn ihn alldort in der Wirklichkeit Der Anblick der schönen Frau erfreut, Die seiner Träume Urbild gewesen, Dann wird er von seinem Trübsinn genesen.

»Wo seiner Schönen Augen strahlen, Da schwinden seiner Seele Qualen; Ihr Lächeln verscheucht die letzten Schatten, Die hier sich eingenistet hatten;

»Und ihre Stimme, wie'n Zauberlied, Löst sie den Zwiespalt in seinem Gemüt; Froh hebt er wieder die Lappen der Ohren, Er fühlt sich verjüngt, wie neugeboren.

»Es lebt sich so lieblich, es lebt sich so süß Am Seinestrand, in der Stadt Paris! Wie wird sich dorten zivilisieren Dein Elefant und amüsieren!

»Vor allem aber, o König, lasse Ihm reichlich füllen die Reisekasse, Und gib ihm einen Kreditbrief mit Auf Rothschild frères in der rue Lafitte.

»Ja, einen Kreditbrief von einer Million Dukaten etwa; - der Herr Baron Von Rothschild sagt von ihm alsdann: Der Elefant ist ein braver Mann!«

So sprach der Astrolog, und wieder Warf er sich dreimal zur Erde nieder. Der König entließ ihn mit reichen Geschenken, Und streckte sich aus, um nachzudenken.

Er dachte hin, er dachte her; Das Denken wird den Königen schwer. Sein Affe sich zu ihm niedersetzt, Und beide schlafen ein zuletzt.

Was er beschlossen, das kann ich erzählen Erst später; die indischen Mall'posten fehlen. Die letzte, welche uns zugekommen, Die hat den Weg über Suez genommen.

Schelm von Bergen

Im Schloß zu Düsseldorf am Rhein wird Mummenschanz gehalten; Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik, Da tanzen die bunten Gestalten.

Da tanzt die schöne Herzogin, Sie lacht laut auf beständig; Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant, Gar höfisch und behendig.

Er trägt eine Maske von schwarzem Samt, Daraus gar freudig blicket Ein Auge, wie ein blanker Dolch, Halb aus der Scheide gezücket.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschar, Wenn jene vorüberwalzen. Der Drickes und die Marizzebill Grüßen mit Schnarren und Schnalzen.

Und die Trompeten schmettern drein, Der närrische Brummbaß brummet, Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt Und die Musik verstummet.

»Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Ich muß nach Hause gehen -« Die Herzogin lacht: Ich laß dich nicht fort, Bevor ich dein Antlitz gesehen.

»Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen -« Die Herzogin lacht: Ich fürchte mich nicht, Ich will dein Antlitz schauen.

»Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Der Nacht und dem Tode gehör ich -« Die Herzogin lacht: Ich lasse dich nicht, Dein Antlitz zu schauen begehr ich.


Romanzero - 2/33

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