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- Romanzero - 4/33 -


Sie küßte auf des Königs Brust Die Wunde blutumflossen.

Auf seiner Schulter erblickt sie auch - Und sie bedeckt sie mit Küssen - Drei kleine Narben, Denkmäler der Lust, Die sie einst hinein gebissen.

Die Mönche konnten mittlerweil Baumstämme zusammenfugen; Das war die Bahre, worauf sie alsdann Den toten König trugen.

Sie trugen ihn nach Waltham-Abtei, Daß man ihn dort begrübe; Es folgte Edith Schwanenhals Der Leiche ihrer Liebe.

Sie sang die Totenlitanein In kindisch frommer Weise; Das klang so schauerlich in der Nacht - Die Mönche beteten leise. -

Karl I.

Im Wald, in der Köhlerhütte, sitzt Trübsinnig allein der König; Er sitzt an der Wiege des Köhlerkinds Und wiegt und singt eintönig:

Eiapopeia, was raschelt im Stroh? Es blöken im Stalle die Schafe - Du trägst das Zeichen an der Stirn Und lächelst so furchtbar im Schlafe.

Eiapopeia, das Kätzchen ist tot - Du trägst auf der Stirne das Zeichen - Du wirst ein Mann und schwingst das Beil, Schon zittern im Walde die Eichen.

Der alte Köhlerglaube verschwand, Es glauben die Köhlerkinder - Eiapopeia - nicht mehr an Gott, Und an den König noch minder.

Das Kätzchen ist tot, die Mäuschen sind froh - Wir müssen zu Schanden werden - Eiapopeia - im Himmel der Gott Und ich, der König auf Erden.

Mein Mut erlischt, mein Herz ist krank, Und täglich wird es kränker - Eiapopeia - du Köhlerkind, Ich weiß es, du bist mein Henker.

Mein Todesgesang ist dein Wiegenlied - Eiapopeia - die greisen Haarlocken schneidest du ab zuvor - Im Nacken klirrt mir das Eisen.

Eiapopeia, was raschelt im Stroh? Du hast das Reich erworben, Und schlägst mir das Haupt vom Rumpf herab - Das Kätzchen ist gestorben.

Eiapopeia, was raschelt im Stroh? Es blöken im Stalle die Schafe. Das Kätzchen ist tot, die Mäuschen sind froh - Schlafe, mein Henkerchen, schlafe!

Maria Antoinette

Wie heiter im Tuilerienschloß Blinken die Spiegelfenster, Und dennoch dort am hellen Tag Gehn um die alten Gespenster.

Es spukt im Pavillon de Flor' Maria Antoinette; Sie hält dort Morgens ihr Lever Mit strenger Etikette.

Geputzte Hofdamen. Die meisten stehn, Auf Tabourets andre sitzen; Die Kleider von Atlas und Goldbrokat, Behängt mit Juwelen und Spitzen.

Die Taille ist schmal, der Reifrock bauscht, Darunter lauschen die netten Hochhackigen Füßchen so klug hervor - Ach, wenn sie nur Köpfe hätten!

Sie haben alle keinen Kopf, Der Königin selbst manquieret Der Kopf, und Ihro Majestät Ist deshalb nicht frisieret.

Ja, Sie, die mit turmhohem Toupet So stolz sich konnte gebaren, Die Tochter Maria Theresias, Die Enkelin deutscher Cäsaren,

Sie muß jetzt spuken ohne Frisur Und ohne Kopf, im Kreise Von unfrisierten Edelfraun, Die kopflos gleicherweise.

Das sind die Folgen der Revolution Und ihrer fatalen Doktrine; An Allem ist Schuld Jean Jacques Rousseau, Voltaire und die Guillotine.

Doch sonderbar! es dünkt mich schier, Als hätten die armen Geschöpfe Gar nicht bemerkt, wie tot sie sind Und daß sie verloren die Köpfe.

Ein leeres Gespreize, ganz wie sonst, Ein abgeschmacktes Scherwenzen - Possierlich sind und schauderhaft Die kopflosen Reverenzen.

Es knixt die erste Dame d'atour Und bringt ein Hemd von Linnen; Die zweite reicht es der Königin, Und beide knixen von hinnen.

Die dritte Dam und die vierte Dam Knixen und niederknieen Vor Ihrer Majestät, um Ihr Die Strümpfe anzuziehen.

Ein Ehrenfräulein kommt und knixt Und bringt das Morgenjäckchen; Ein andres Fräulein knixt und bringt Der Königin Unterröckchen.

Die Oberhofmeisterin steht dabei, Sie fächert die Brust, die weiße, Und in Ermanglung eines Kopfs Lächelt sie mit dem Steiße.

Wohl durch die verhängten Fenster wirft Die Sonne neugierige Blicke, Doch wie sie gewahrt den alten Spuk, Prallt sie erschrocken zurücke.

Pomare

I

Alle Liebesgötter jauchzen Mir im Herzen, und Fanfare Blasen sie und rufen: Heil! Heil der Königin Pomare!

Jene nicht von Otahaiti - Missionärisiert ist jene - Die ich meine, die ist wild, Eine ungezähmte Schöne.

Zweimal in der Woche zeigt sie Öffentlich sich ihrem Volke In dem Garten Mabill, tanzt Dort den Cancan, auch die Polke.

Majestät in jedem Schritte, Jede Beugung Huld und Gnade, Eine Fürstin jeder Zoll Von der Hüfte bis zur Wade -

Also tanzt sie - und es blasen Liebesgötter die Fanfare Mir im Herzen, rufen: Heil! Heil der Königin Pomare!

II

Sie tanzt. Wie sie das Leibchen wiegt! Wie jedes Glied sich zierlich biegt! Das ist ein Flattern und ein Schwingen, Um wahrlich aus der Haut zu springen.

Sie tanzt. Wenn sie sich wirbelnd dreht Auf einem Fuß, und stille steht Am End mit ausgestreckten Armen, Mag Gott sich meiner Vernunft erbarmen!

Sie tanzt. Derselbe Tanz ist das, Den einst die Tochter Herodias' Getanzt vor dem Judenkönig Herodes. Ihr Auge sprüht wie Blitze des Todes.

Sie tanzt mich rasend - ich werde toll -


Romanzero - 4/33

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