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- Romanzero - 5/33 -


Sprich, Weib, was ich dir schenken soll? Du lächelst? Heda! Trabanten! Läufer! Man schlage ab das Haupt dem Täufer!

III

Gestern noch fürs liebe Brot Wälzte sie sich tief im Kot, Aber heute schon mit Vieren Fährt das stolze Weib spazieren.

In die seidnen Kissen drückt Sie das Lockenhaupt, und blickt Vornehm auf den großen Haufen Derer, die zu Fuße laufen.

Wenn ich dich so fahren seh, Tut es mir im Herzen weh! Ach, es wird dich dieser Wagen Nach dem Hospitale tragen,

Wo der grausenhafte Tod Endlich endigt deine Not, Und der Carabin mit schmierig Plumper Hand und lernbegierig

Deinen schönen Leib zerfetzt, Anatomisch ihn zersetzt - Deine Rosse trifft nicht minder Einst zu Montfaucon der Schinder.

IV

Besser hat es sich gewendet, Das Geschick, das dich bedroht' - Gott sei Dank, du hast geendet, Gott sei Dank, und du bist tot.

In der Dachstub deiner armen Alten Mutter starbest du, Und sie schloß dir mit Erbarmen Deine schönen Augen zu.

Kaufte dir ein gutes Lailich, Einen Sarg, ein Grab sogar. Die Begräbnisfeier freilich Etwas kahl und ärmlich war.

Keinen Pfaffen hört' man singen, Keine Glocke klagte schwer; Hinter deiner Bahre gingen Nur dein Hund und dein Friseur.

»Ach, ich habe der Pomare«, Seufzte dieser, »oft gekämmt Ihr langen schwarzen Haare, Wenn sie vor mir saß im Hemd.«

Was den Hund betrifft, so rannt er Schon am Kirchhofstor davon, Und ein Unterkommen fand er Späterhin bei Ros' Pompon,

Ros' Pompon, der Provenzalin, Die den Namen Königin Dir mißgönnt und als Rivalin Dich verklatscht mit niederm Sinn.

Arme Königin des Spottes, Mit dem Diadem von Kot, Bist gerettet jetzt durch Gottes Ewge Güte, du bist tot.

Wie die Mutter, so der Vater Hat Barmherzigkeit geübt, Und ich glaube, dieses tat er, Weil auch du so viel geliebt.

Der Apollogott

I

Das Kloster ist hoch auf Felsen gebaut, Der Rhein vorüberrauschet; Wohl durch das Gitterfenster schaut Die junge Nonne und lauschet.

Da fährt ein Schifflein, märchenhaft Vom Abendrot beglänzet; Es ist bewimpelt von buntem Taft, Von Lorbeern und Blumen bekränzet.

Ein schöner blondgelockter Fant Steht in des Schiffes Mitte; Sein goldgesticktes Purpurgewand Ist von antikem Schnitte.

Zu seinen Füßen liegen da Neun marmorschöne Weiber; Die hochgeschürzte Tunika Umschließt die schlanken Leiber.

Der Goldgelockte lieblich singt Und spielt dazu die Leier; Ins Herz der armen Nonne dringt Das Lied und brennt wie Feuer.

Sie schlägt ein Kreuz, und noch einmal Schlägt sie ein Kreuz, die Nonne; Nicht scheucht das Kreuz die süße Qual, Nicht bannt es die bittre Wonne.

II

Ich bin der Gott der Musika, Verehrt in allen Landen; Mein Tempel hat in Gräcia, Auf Mont-Parnaß gestanden.

Auf Mont-Parnaß in Gräcia, Da hab ich oft gesessen Am holden Quell Kastalia, Im Schatten der Zypressen.

Vokalisierend saßen da Um mich herum die Töchter, Das sang und klang la-la, la-la! Geplauder und Gelächter.

Mitunter rief tra-ra, tra-ra! Ein Waldhorn aus dem Holze; Dort jagte Artemisia, Mein Schwesterlein, die Stolze.

Ich weiß es nicht, wie mir geschah: Ich brauchte nur zu nippen Vom Wasser der Kastalia, Da tönten meine Lippen.

Ich sang - und wie von selbst beinah Die Leier klang, berauschend; Mir war, als ob ich Daphne sah, Aus Lorbeerbüschen lauschend.

Ich sang - und wie Ambrosia Wohlrüche sich ergossen, Es war von einer Gloria Die ganze Welt umflossen.

Wohl tausend Jahr aus Gräcia Bin ich verbannt, vertrieben Doch ist mein Herz in Gräcia, In Gräcia geblieben.

III

In der Tracht der Beguinen, In dem Mantel mit der Kappe Von der gröbsten schwarzen Sersche, Ist vermummt die junge Nonne.

Hastig längs des Rheines Ufern Schreitet sie hinab die Landstraß, Die nach Holland fährt, und hastig Fragt sie jeden, der vorbeikommt:

»Habt ihr nicht gesehn Apollo? Einen roten Mantel trägt er, Lieblich singt er, spielt die Leier, Und er ist mein holder Abgott.«

Keiner will ihr Rede stehen, Mancher dreht ihr stumm den Rücken, Mancher glotzt sie an und lächelt, Mancher seufzet: Armes Kind!

Doch des Wegs herangetrottelt Kommt ein schlottrig alter Mensch, Fingert in der Luft, wie rechnend, Näselnd singt er vor sich hin.

Einen schlappen Quersack trägt er, Auch ein klein dreieckig Hütchen; Und mit schmunzelnd klugen Äuglein Hört er an den Spruch der Nonne:

»Habt ihr nicht gesehn Apollo? Einen roten Mantel trägt er, Lieblich singt er, spielt die Leier, Und er ist mein holder Abgott.«

Jener aber gab zur Antwort, Während er sein Köpfchen wiegte Hin und her, und gar possierlich Zupfte an dem spitzen Bärtchen:

Ob ich ihn gesehen habe? Ja, ich habe ihn gesehen


Romanzero - 5/33

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