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- FLAMETTI - 20/38 -


schlicht.

"Gehst du kassieren oder nicht?" drohte Jenny unterdrückt, um keinen Skandal zu machen.

"Ich habe hier aufzupassen!" antwortete Traute.

"Was hast du hier?"

"Aufzupassen", sagte Traute. "Sie nehmen Geld aus der Kasse."

"Was tu' ich, Lumpenmensch?" knirschte Jenny und packte Traute trotz Publikum und Konzert über den Tisch beim Kragen.

"Lassen Sie mich los!" rief Traute. "Ich habe den Auftrag, aufzupassen. Ich habe gesehen, wie Sie dem Pianisten Geld zusteckten. Ich kann aber jetzt auch gehen, wenn Sie wollen. Ich habe keine Lust, mich von Ihnen mißhandeln zu lassen. Sie werden das weitere sehen. Sie sind abgesetzt. Sie machen für uns die Kassiererin solange, bis wir uns eine andere nehmen."

"Max!" rief Jenny und fegte hinter die Bühne, "Max!" ganz hysterisch. Das war ihr zuviel!

Man wurde aufmerksam, reckte die Hälse. Traute zuckte die Achseln, mitleidig, und schnickte mit dem Kopfe.

Da spürte Jenny eine Hand auf ihrer Schulter und drehte sich um. Der Freund aus Baden stand hinter ihr.

Auch er war gekommen, soeben, hatten den Steifen noch auf dem Kopf, den Regenschirm hängend am Arm. Schnurrbart kurz aufgekräuselt. Paletot zugeknöpft, Teilhaber der Firma Seidel & Sohn, Wäsche engros.

"Na, was gibt es denn, Jenny?" fragte er ruhig, begütigend.

"Ah, guten Abend!" faßte sie sich, "nichts weiter."

"Setz' dich doch her!" sprach er ihr zu, hing Paletot, Hut und Schirm an den Haken, und setzte sich, seinen Smoking glättend, zum Künstlertisch.

"Nichts, nichts!" versicherte Jenny.

"Na, siehst du!" meinte Herr Seidel, stolz auf die Suggestion, die auszuüben er sich befähigt fühlte.

Traute ging selbstgefällig in die Garderobe. Sie hatte es ihr gegeben, dieser Bordelldame.

Flametti kam und fragte ein wenig unsicher:

"Was gibt's?" und begrüßte Herrn Seidel. Frau Häsli saß bei Direktor Ferrero.

"Siehst du dort?" zeigte Jenny auf das verhandelnde Paar.

"Meinetwegen!" zuckte Flametti die Achseln. "Wer kassiert?"

"Rosa, Güssy und die Soubrette."

"Wo ist die Traute?"

"In der Garderobe."

"Gut!" sagte Flametti, sehr in Gedanken, und setzte sich, aufgedunsen und abgehetzt, an Donna Maria Josefas Tisch.

"Das ist ja fabelhaft!" glückwünschte Herr Farolyi, der Kunstreiter, und schob Flametti einen Kognak hin. "Na, ihr habt euch ordentlich rausgemacht!"

"Jo!" meinte Flametti wegwerfend, stürzte den Kognak, stand auf und begrüßte Miß Ranovalla.

Das Lokal war jetzt überfüllt. Wenn das Orchester spielte, verstand man sein eigenes Wort nicht mehr.

Herr Arista war ganz vergebens bemüht, sich Geltung zu verschaffen.

"Nur immer raus damit, nur immer raus damit!" sang er in hohem Diskant. Ein Schleppkleid trug er, reichlich mit Spitzen besetzt. Seine Allüren waren von jener holzigen Grazie alttoskanischer Edelfrauen.

Aber man hörte ihn nicht. Vergebens kämpfte er gegen das laute Interesse der animierten Habitués. Man sah nur die Gesten, die zu besagen schienen, daß er sich übergeben wolle. Man fand es dégoutant. So sehr Dandy war man schon, daß man die Aristokratie im großen und ganzen gelten ließ. Es bedurfte so peinlicher Hinweise auf deren Materialismus nicht, um ihn abzulehnen.

Es war indessen ein Mißverständnis. Die Gesten des Herrn Arista bezogen sich auf seinen Busen, ganz und gar nur auf seinen Busen, von dem das Couplet von A bis Z handelte. Damen, Damen, Damen stellte er dar. Aber eben: man verstand ihn nicht.

Herr Pips gab die Anschauung von sich, ein Damenimitator überhaupt sei ihm widerlich. "Nicht Fisch, nicht Fleisch."

"Komm doch mit mir, mein Auto steht draußen!" arbeitete Herr Seidel von der Firma Seidel & Sohn an Jenny, "mein Auto steht draußen. Du brauchst nur einzusteigen."

"Umziehen! Indianer!" drängte Flametti vorn bei der Rampe.

"Jetzt kommt's!" sagte Engel zu Annie, einen Moment über ihren Tisch gebeugt mit aufgestützten Händen und ohne Rücksicht auf den zigarettenrauchenden Kavalier. "Na, es ist ein Erfolg!"

"Sehen Sie die kleine Soubrette?" sagte Frau Schnepfe zu Mutter Dudlinger, "wie die kassiert! Die versteht's! Das ist ein Geschäft!"

"Geschäft glänzend!" erwiderte Mutter Dudlinger, ganz verfettet, doch freundlich sympathisierend. Flametti war ja ihr vorzugsweise begünstigter Protegé.

Der "Totenkopf" und seine Schwester aber standen auf mit zwei Kavalieren, die etwas wüst aussahen, und verließen ostentativ das Lokal. Ostentativ bezüglich einiger ihrer Kolleginnen, die denn auch nicht ermangelten, den Abgang spitz zu glossieren.

"Mba, mba, mba!" dröhnte die Musik.

Und Herr Direktor Farolyi vom Zirkus Donna Maria Josefa, ein Pferdekenner wie kein zweiter, Flamettis erklärter Freund, kam aus der Garderobe, steifte sich auf vor der Rampe, klopfte ans Glas und sprach:

"Meine verehrten Herrschaften! Sie erleben jetzt die Sensation dieses Abends. Unser Freund Flametti wird Ihnen jetzt seine von St. Rotter bearbeiteten "Indianer" vorführen. Gestatten Sie mir, mit kurzen Worten meiner Freude über den wohlgelungenen Abend und meiner Bewunderung für unsren verehrten Flametti Ausdruck zu verleihen. "Die Indianer": welche Gefühle durchwandern unsere Brust beim Klang dieses Wortes! Welche Ahnungen entzücken das Herz! Welche Hoffnungen und Erinnerungen liegen darin begraben! Der Rausch unserer Kindheit, die Freude unserer Mannbarkeit! Wer hoffte nicht selbst, als Indianer die Gefilde unserer Heimat zu durchschweifen. Wem zuckt die Hand nicht nach Feuerwasser, dem Bowiemesser, nach dem Skalp unserer Feinde!..."

Die Damen lächelten hold. Die Augen ihrer Freunde blitzten verständnisinnig, verlegen.

"Wir alle kennen die Namen unserer Unterdrücker. Ich brauche sie nicht zu nennen...."

Herr Detektiv Steix, der auch von der Partie war, zog sein Notizbuch heraus und notierte sich etwas.

"Wir alle lieben die Freiheit, die Pferde, den Wigwam, den Kriegspfad.

Das alles sehen Sie in den "Indianern", die unser verehrter Freund Ihnen jetzt vorführen wird. Sie sehen sogar noch mehr. Rache und Vergeltung im Jenseits.

Unterdrückt von der brutalen Gewalt der Eindringlinge müssen sich die Indianer verstecken in Urwald und Sumpf, zwischen Nattern und Schlangen. Das sind wir, lieber Leser, das sind wir, teure Freundin. Die Luft unseres stillen Quartiers wird mehr und mehr erfüllt von den Klagen der Opfer, die sich die Polizei herausgreift. Das Volk der Indianer geht dem Verfall entgegen.

"Doch dort oben in dem ew'gen Jagdgebiet Singt der Indianer Volk sein Siegeslied",

und so schließe auch ich mit dem Ausruf:

"Doch dort oben in dem ew'gen Jagdgebiet Singt der Indianer Volk sein Siegeslied."

In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und stoße an auf das Wohl und Gedeihen, das Glück und Genie unseres einzigartigen Flametti. Er lebe hoch!"

Herr Farolyi, der Ungar, hatte sein Glas erhoben und leerte es in einem Zug.

"Flametti, der Häuptling, hoch! Flametti, Flametti!" tobte das Publikum. Man stampfte und johlte...

Der Vorhang hob sich. Leer war die Bühne, und die "Indianer" fanden statt.

Erst die Ouvertüre mit den worgelnden Donner--und Blitz-Akkorden.

Dann der Kriegspfad:

"Die Letzten von dem Stamm der Delawaren, Die Kriegerscharen Der Delawaren--"

Dann der zweite Vers:


FLAMETTI - 20/38

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