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- FLAMETTI - 5/38 -


dem Dackel, hob ihn hoch und drehte sich tanzend mit ihm auf dem Absatz.

"Wer kommt jetzt?" fragte Flametti geschäftig, aber mit ein wenig verringerter Sicherheit. "Richtig: Häsli." Und beeilte sich, die Summe aufzuzählen. "Siebenundzwanzig Franken fünfzig."

"Waaaas?" rief Frau Häsli, wie von der Tarantel gestochen. Sie beugte den Oberkörper weit in den Hüften vor und blieb wie erstarrt so stehen.

"Siebenundzwanzig Franken fünfzig", wiederholte Flametti und setzte den Tintenstift überrascht mit dem stumpfen Teil auf den Tisch.

"Siebenundzwanzig Franken fünfzig? Häsli, komm!" Sie packte den Gatten am ärmel. "Häsli, komm! Das ist nichts für uns."

Häsli drehte sich auf dem Absatz und machte sich los. Er war unangenehm berührt.

"Marsch, marsch, fort, komm!" drängte die Jodlerin und packte ihn von neuem heftig am ärmel. Sie gab keinen Pardon.

"Na, mal langsam!" brummte Flametti. Und ihre Tochter zog eine mißmutige Schnute und stampfte hörbar ungehalten "Mutter!"

Aber Frau Häsli ließ sich nicht beirren. "Nein, das ist nichts für uns!" tobte sie und schüttelte abweisend die erhobene Hand. "Die Häslis sind nicht diejenigen, die sich drücken lassen, ich kenne das schon! Ich weiß schon, worauf das hinausläuft. Häsli, komm!"

"Na was ist denn?" interessierte sich Jenny, begütigend und phlegmatisch. Sie kam aus dem Schlafzimmer und steckte sich friedlich das Haar auf.

"Himmelherrgottsakrament!" fluchte jetzt Flametti und schnellte vom Sofa auf. "Was gibt's denn? Was paßt euch denn nicht? Was wollt ihr denn? Macht doch den Schnabel auf, wenn euch etwas nicht paßt!" Die Zornadern waren ihm angeschwollen. Er sah aus wie ein tanzender Fakir.

Häsli bekam's mit der Angst, schüttelte die Frau ab und meinte kleinlaut: "Max, rechn' 's mal vor!"

"Da ist gar nichts vorzurechnen!" schnitt ihm die Alte das Wort ab. "Gar nicht nötig. Wenn ich hör: siebenundzwanzig Franken fünfzig, dann hab' ich schon genug. Dann braucht man mir gar nichts mehr vorzurechnen!" Und nestelte zitternd an ihrer Bluse.

"Was wollt ihr denn?" schrie Flametti noch lauter und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. "Fünfzig Franken Vorschuß bei Engagementsantritt--"

Beide nickten, Frau Häsli so hastig, als ob sie nicht abwarten könne, weiter zu hören.

"Dreißig à conto an Häsli nach Bern--"

"So? So?" unterbrach Frau Häsli. "Dreißig à conto nach Bern für die Lumpenmenscher, für die Reitschuldamen, für die Fetzen?" Ihre Stimme schnappte über.

"Dreißig à conto nach Bern", bestätigte Herr Häsli in aller Ruhe.

"Toni, komm!" rief Frau Häsli und packte die Tochter am Arm. "Toni, komm! Spuck deinem Vater ins Gesicht! Sieh ihn an, wie er dasteht! Als wenn er nicht auf drei zählen könnte! Dreißig à conto nach Bern! Und wir hungern zuhaus!"

Jetzt wurde aber auch Herr Häsli fuchtig. "Soll ich vielleicht von der Luft leben? Hab' ich dir nicht zehn Franken davon geschickt und den Koffer ausgelöst?"

"Was für einen Koffer ausgelöst? Die alte Scharteke! Den Koffer hat er ausgelöst! Dreißig Franken braucht er dazu. Wasserrutschbahn fahren mit den Menschern! Mit den Kellnerinnen scharwenzeln! Herr Häsli hinten, Herr Häsli vorne! Schau mich nicht so an, Mensch!" Mit ausgebreiteten Händen und vorgereckter Stirn stand sie da, im Begriff, ihm an die Gurgel zu fahren.

"Mutter!" suchte die Tochter zu beschwichtigen.

"Dummes Weib!" brachte Herr Häsli mit aller Ruhe und Verachtung auf, sah die Alte an, als zweifle er an ihrem Verstand, und sah wieder von ihr weg.

"Na, was wollt ihr also?" schrie Flametti und wühlte krampfhaft und hitzig in seinen Papieren, um die Belege zu finden.

"Weiter!" drängte die Alte, "nur weiter!"

"Zwanzig à conto an Toni am siebenten."

"Stimmt, stimmt!" drängte die Alte, "nur weiter!" Die zwanzig Franken waren für eine Seidenbluse der Mutter.

Jetzt war aber Herr Häsli seinerseits erstaunt. "Zwanzig Franken? Für was?" fragte er sprachlos.

"Kümmer' dich nicht!" rief Frau Häsli. "Laß dir lieber vorrechnen, was noch weiter kommt. Damit du siehst, was für ein Peter du bist!"

"Ja, dann freilich!" verzichtete Herr Häsli. "Da hat ja alles keinen Zweck! Da kann man ja schuften wie man will! Wenn es hier nur so zwanzigfrankenweise weggeht! Fünf Tage ist man fort, und zu Haus verbrauchen sie zwanzig Franken für Kino, Schokolade, für Putz und Schnecken!"

"Kümmer' dich um dich!" schrie Frau Häsli. Der Geifer stand ihr in den Mundwinkeln. "Auf den Hund möcht' er einen bringen, und einem nicht einmal die paar Fetzen gönnen, die man auf dem Leibe hat! Dich kenn' ich, mein Lieber! Ich weiß ganz genau, was du vorhast mit uns!"

Nun muß man wissen, daß mit Frau Häsli nicht zu spaßen war. In Antwerpen und St. Pauli hatte sie Matrosen bedient. Ein Gummiknüttel gehörte zu ihrer Ausrüstung, und die Kassiertasche war mit Eisenketten am Lederriemen befestigt. Kerle hatte sie niedergeschlagen, baumslang, wenn es drauf ankam. Der Varietéberuf war ihr zu still. Mit der ließ sich nicht spaßen.

Also gab auch Herr Häsli klein bei, und weiter ging's mit der Abrechnung.

"Dann am zwölften zweiundzwanzig Franken fünfzig vorgestreckt für Zimmer und Konsumation--" Die Häslis bewohnten zusammen ein Zimmer in einem Gasthof, das sich die Damen selbst ausgesucht hatten, das aber Flametti bezahlte, weil er Verbindungen hatte mit dem Wirt.

"Schon gut, schon gut", winkte Frau Häsli ab, "ich weiß schon genug. Bleiben siebenundzwanzig Franken fünfzig. Stimmt schon. Ja, stimmt schon. Häsli, quittier! Wir gehen." Dabei schob sie die Tochter mit beiden Händen wie aus einer Verbrecherkneipe vor sich zur Tür. "Wir verzichten. Kannst alles selber nehmen. Ich für meinen Teil will nichts davon haben. Wir verdienen uns schon unser Brot."

Und Frau Häsli nebst Tochter waren verschwunden.

Nettchen bellte. Jenny färbte sich rosenrot im Gesicht vor verhaltenem ärger. Herr Häsli quittierte, und Flametti schob ihm das Geld hin.

"Mahlzeit, Max!" sagte Herr Häsli geknickt und bedauernd. "Nichts für ungut!" und reichte Flametti die Hand.

"Salü!" sagte Flametti offiziös und packte seine Sachen ein.

Auch Herr Meyer und Fräulein Laura gingen. Eigentlich hatten sie um Zulage bitten wollen. Die Gelegenheit schien ihnen aber nicht günstig.

II

"Siehst du die Anarchisten", sagte Jenny, als alle gegangen waren, "siehst du sie jetzt? Brauchst nur mal ein paar Tage kein Geschäft zu haben--gleich werden sie üppig. Nur in Verlegenheit braucht man zu kommen--schon laufen sie fort. Forellen müßt ich ihnen vorsetzen, das Kilo für acht Franken. Dann solltest du sehen! Diese Häsli--ach du mein Gottchen, wie sie hier ankam! Aus Gnade und Barmherzigkeit hat man sie aufgenommen. Das ist der Dank. Ausgehungert waren sie, daß Gott erbarm. Jetzt sind sie auf einmal vornehm.--Was machen wir nur, Max? Du wirst sehen, sie laufen uns fort!"

Aber Max hatte keine Lust zu Meditationen. "Ah was!" sagte er unwirsch und kramte verärgert in seiner Tischschublade.

Die Tür ging auf, und herein kam Fräulein Theres, lendenlahm und verdrießlich. Der Rheumatismus plagte sie heut ganz besonders. In der matt herunterhängenden Hand hielt sie einen angerauchten Stumpen und blies mit spitzem Munde den Rauch von sich. Unaufgefordert nahm sie Platz, knetete schmerzhaft ihren Gichtschenkel und drehte sich schnaufend auf dem Stuhl.

"Frau", sagte sie, "wird gebügelt?"

"Jawohl, Theres, mach' die Eisen heiß."

Und Theres erhob sich mühsam und troßte ab, um die Eisen heiß zu machen.

Und Fräulein Rosa legte den Bügelteppich auf den Tisch und holte den Wäschekorb aus dem Bretterverschlag, um die Wäsche einzuspritzen.

Flametti aber hatte beim Abschließen der Schieblade einen Schaden am Schloß gefunden, zückte den Hausschlüssel und hämmerte damit am Schlüsselloch.

Es klopfte. Die Türe ging auf, und herein trat Fräulein Lena, vormals Pianistin bei Flametti.

"Grüatzi!" sagte sie und schob sich in drei freundlichen Wellen herein.

"Tag, Lena!" nickte Jenny, "komm nur herein!"


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