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- Der Hofmeister - 23/23 -


Undankbarkeit. Ich habe sie aus dem Hause gestoßen, nachdem sie mir den ganzen Nachlaß meines Vaters und ihr Vermögen mit übergeben hatte; ich habe ärger gegen sie gehandelt als ein Tyger--Welche Gnade von Gott ist es, daß sie noch lebt, daß sie mir noch verzeihen kann, die großmüthige Heilige! daß es noch in meine Gewalt gestellt ist, meine verfluchte Verbrechen wieder gut zu machen.

Major. Bruder Berg! wo bist Du? He! (Geh. Rath kömmt) Hier ist mein Kind, mein Großsohn. Wo ist Gustchen? Mein allerliebstes Großsöhnchen! (schmeichelt ihm) meine allerliebste närrische Puppe!

Geh. Rath. Das ist vortreflich!--und Sie, Herr Pätus?

Major. Sie Herr Pätus hat's mir verschaft--Seine Mutter war das alte blinde Weib, die Bettlerin, von der uns Gustchen so viel erzählt hat.

Der alte Pätus. Und durch mich Bettlerin--O die Schaam bindt mir die Zunge. Aber ich wills der ganzen Welt erzehlen, was ich für ein Ungeheuer war--

Geh. Rath. Weißt Du was neues, Major? Es finden sich Freyer für Deine Tochter--aber dring nicht in mich, Dir den Namen zu sagen.

Major. Freyer für meine Tochter!--(wirft das Kind ins Kanapee) Wo ist sie?

Geh. Rath. Sacht! ihr Freyer ist bey ihr--Willst Du Deine Einwilligung geben?

Major. Ists ein Mensch von gutem Hause? Ist er von Adel?

Geh. Rath. Ich zweifle.

Major. Doch keiner zu weit unter ihrem Stande? O sie sollte die erste Parthie im Königreich werden. Das ist ein vermaledeyter Gedanke! wenn ich doch den erst fort hätte; er wird mich noch ins Irrhaus bringen.

Geh. Rath. (öfnet die Kammer; auf seinen Wink tritt Fritz mit Gustchen heraus)

Major. (fällt ihm um den Hals) Fritz! (zum geh. Rath) Ists Dein Fritz? Willst Du meine Tochter heyrathen?--Gott segne Dich. Weißt Du noch nichts, oder weißt Du alles? Siehst Du, wie mein Haar grau geworden ist vor der Zeit! (führt ihn ans Kanapee) Siehst Du, dort ist das Kind. Bist ein Philosoph? Kannst alles vergessen? Ist Gustchen Dir noch schön genug? O sie hat bereut. Jung, ich schwöre Dir, sie hat bereut, wie keine Nonne und kein Heiliger. Aber was ist zu machen? Sind doch die Engel aus dem Himmel gefallen--Aber Gustchen ist wieder aufgestanden.

Fritz. Lassen Sie mich zum Wort kommen.

Major. (drückt ihn immer an die Brust) Nein Junge--Ich möchte Dich todt drücken--Daß Du so großmüthig bist, daß Du so edel denkst--das Du-- mein Junge bist--

Fritz. In Gustchens Armen beneid' ich keinen König.

Major. So recht; das ist recht.--Sie wird Dir schon gestanden haben; sie wird Dir alles erzählt haben--

Fritz. Dieser Fehltritt macht sie mir nur noch theurer-- macht ihr Herz nur noch englischer.--Sie darf nur in den Spiegel sehn, um überzeugt zu seyn, daß sie mein ganzes Glück machen werde und doch zittert sie immer vor dem, wie sie sagt, ihr unerträglichen Gedanken: sie werde mich unglücklich machen. O was hab ich von einer solchen Frau anders zu gewarten, als einen Himmel?

Major. Ja wohl einen Himmel; wenn's wahr ist, daß die Gerechten nicht allein hineinkommen, sondern auch die Sünder, die Busse thun. Meine Tochter hat Busse gethan und ich hab für meine Thorheiten und daß ich einem Bruder nicht folgen wollte, der das Ding besser verstund, auch Busse gethan; ihr zur Gesellschaft: und darum macht mich der liebe Gott auch ihr zur Gesellschaft mit glücklich.

Geh. Rath. (ruft zur Kammer hinein) Herr Pätus, kommen Sie doch hervor. Ihr Vater ist hier.

Der alte Pätus. Was hör' ich--Mein Sohn?

Pätus. (fällt ihm um den Hals) Ihr unglücklicher verstossener Sohn. Aber Gott hat sich meiner als eines armen Wäysen angenommen. Hier, Papa, ist das Geld, das Sie zu meiner Erziehung in der Fremde angewandt; hier ist's zurück und mein Dank dazu; es hat doppelte Zinsen getragen, das Kapital hat sich vermehrt und Ihr Sohn ist ein rechtschaffener Kerl worden.

Der alte Pätus. Muß denn alles heute wetteifern, mich durch Großmuth zu beschämen. Mein Sohn, erkenne Deinen Vater wieder, der eine Weile seine menschliche Natur ausgezogen und in ein wildes Thier ausgeartet war. Es gieng Deiner Großmutter wie Dir: sie ist auch wiedergekommen und hat mir verziehen und hat mich wieder zum Sohn gemacht, so wie Du mich wieder zum Vater machst. Nimm mein ganzes Vermögen, Gustav! schalte damit nach Deinem Gefallen, nur laß mich die Undankbarkeit nicht entgelten, die ich bey einem ähnlichen Geschenk gegen Deine Großmutter äußerte.

Pätus. Erlauben Sie mir, das tugendhafteste süsseste Mädchen glücklich damit zu machen--

Der alte Pätus. Was denn? Du auch verliebt? Mit Freuden erlaub' ich Dir alles. Ich bin alt und möchte vor meinem Tode gern Enkel sehen, denen ich die Treue beweisen könnte, die Eure Großmutter für Euch bewiesen hat.

Fritz. (Umarmt das Kind auf dem Kanapee, küßt's und trägts zu Gustchen) Dies Kind ist jetzt auch das meinige; ein trauriges Pfand der Schwachheit Deines Geschlechts und der Thorheiten des unsrigen: am meisten aber der vortheilhaften Erziehung junger Frauenzimmer durch Hofmeister.

Major. Ja mein lieber Sohn, wie sollen sie denn erzogen werden?

Geh. Rath. Giebts für sie keine Anstalten, keine Nähschulen, keine Klöster, keine Erziehungshäuser?--Doch davon wollen wir ein andermal sprechen.

Fritz. (küßt's abermal) Und dennoch mir unendlich schätzbar, weil's das Bild seiner Mutter trägt. Wenigstens, mein süsses Kind! werd' ich Dich nie durch Hofmeister erziehen lassen.


Der Hofmeister - 23/23

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