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- Der Hofmeister - 3/23 -


Grunde und in dem Grunde, aber es ist denn nun doch, weil sie bald zum Nachtmahl gehen soll und ich weiß wie die Pfaffen sind, so soll er auch alle Morgen etwas aus dem Christenthum mit ihr nehmen. Alle Tage Morgens eine Stunde und da geht Er auf ihr Zimmer; angezogen, das versteht sich: denn Gott behüte, daß Er so ein Schweinigel seyn sollte wie ich einen gehabt habe, der durchaus im Schlafrock an Tisch kommen wollte.--Kann Er auch zeichnen?

Läuffer. Etwas, gnädiger Herr.--Ich kann Ihnen einige Proben weisen.

Major. (besieht sie) Das ist ja scharmant!--Recht schön; gut das: Er soll meine Tochter auch zeichnen lehren.--Aber hören Sie, werther Herr Läuffer, um Gottes Willen ihr nicht scharf begegnet; das Mädchen hat ein ganz ander Gemüth als der Junge. Weiß Gott! es ist als ob sie nicht Bruder und Schwester wären. Sie liegt Tag und Nacht über den Büchern und über den Trauerspielen da, und sobald man ihr nur ein Wort sagt, besonders ich, von mir kann sie nichts vertragen, gleich stehn ihr die Backen in Feuer und die Thränen lauffen ihr wie Perlen drüber herab. Ich wills Ihm nur sagen: das Mädchen ist meines Herzens einziger Trost. Meine Frau macht mir bittre Tage genug: sie will alleweil herrschen und weil sie mehr List und Verstand hat, als ich. Und der Sohn, das ist ihr Liebling; den will sie nach ihrer Methode erziehen; fein säuberlich mit dem Knaben Absalom, und da wird denn einmal so ein Galgenstrick draus, der nicht Gott, nicht Menschen was Nutz ist.--Das will ich nicht haben.--Sobald er was thut, oder was versieht, oder hat seinen Lex nicht gelernt, sag' Ers mir nur und der lebendige Teuffel soll drein fahren.--Aber mit der Tochter nehm' Er sich in Acht; die Frau wird Ihm schon zureden, daß Er ihr scharf begegnen soll. Sie kann sie nicht leiden, das weiß ich; aber wo ich das geringste merke. Ich bin Herr vom Hause, muß Er wissen, und wer meiner Tochter zu nahe kommt--Es ist mein einziges Kleinod, und wenn der König mir sein Königreich für sie geben wollt': ich schicke ihn fort. Alle Tage ist sie in meinem Abendgebet und Morgengebet und in meinem Tischgebet, und alles in allem, und wenn Gott mir die Gnade thun wollte, daß ich sie noch vor meinem Ende mit einem General oder Staatsminister vom ersten Range versorgt sähe,--denn keinen andern soll sie sein Lebtage bekommen,--so wollt' ich gern ein zehn Jahr eher sterben.--Merk' Er sich das--und wer meiner Tochter zu nahe kommt oder ihr worinn zu Leid lebt-- die erste beste Kugel durch den Kopf. Merk' Er Sich das.--(geht ab.)

Fünfte Scene. Fritz von Berg. Augustchen.

Fritz. Sie werden nicht Wort halten Gustchen: Sie werden mir nicht schreiben, wenn Sie in Heidelbrun sind, und dann werd' ich mich zu Tode grämen.

Gustchen. Glaubst Du denn, daß Deine Juliette so unbeständig seyn kann? O nein; ich bin ein Frauenzimmer; die Mannspersonen allein sind unbeständig.

Fritz. Nein, Gustchen, die Frauenzimmer allein sinds. Ja wenn alle Julietten wären!--Wissen Sie was? Wenn Sie an mich schreiben, nennen Sie mich Ihren Romeo; thun Sie mir den Gefallen: ich versichere Sie, ich werd' in allen Stücken Romeo seyn, und wenn ich erst einen Degen trage. O ich kann mich auch erstechen, wenn's dazu kommt.

Gustchen. Gehn Sie doch! Ja Sie werden's machen, wie im Gellert steht: er besah die Spitz' und Schneide und steckt' ihn langsam wieder ein.

Fritz. Sie sollen schon sehen. (faßt sie an die Hand.) Gustchen-- Gustchen! wenn ich Sie verlieren sollte oder der Onkel wollte Sie einem andern geben.--Der gottlose Graf Wermuth! Ich kann Ihnen den Gedanken nicht sagen Gustchen, aber Sie könnten ihn schon in meinen Augen lesen--Er wird ein Graf Paris für uns seyn.

Gustchen. Fritzchen--so mach' ichs wie Juliette.

Fritz. Was denn?--Wie denn?--Das ist ja nur eine Erdichtung; es giebt keine solche Art Schlaftrunk.

Gustchen. Ja, aber es giebt Schlaftrünke zum ewigen Schlaf.

Fritz. (fällt ihr um den Hals) Grausame!

Gustchen. Ich hör' meinen Vater auf dem Gange.--Laß uns in den Garten lauffen.--Nein; er ist fort.--Gleich nach dem Caffee Fritzchen reisen wir und so wie der Wagen Dir aus den Augen verschwindt, werd' ich Dir auch schon aus dem Gedächtniß seyn.

Fritz. So mag Gott sich meiner nie mehr erinnern, wenn ich Dich vergesse. Aber nimm Dich für den Grafen in Acht, er gilt soviel bey deiner Mutter und Du weißt, sie möchte Dich gern aus den Augen haben, und eh' ich meine Schulen gemacht habe und drey Jahr auf der Universität, das ist gar lange.

Gustchen. Wie denn Fritzchen! Ich bin ja noch ein Kind: ich bin noch nicht zum Abendmahl gewesen, aber sag mir.--O wer weiß, ob ich Dich sobald wieder spreche!--Wart, komm in den Garten.

Fritz. Nein, nein, der Papa ist vorbey gegangen.--Siehst Du, der Henker! er ist im Garten.--Was wolltest Du mir sagen?

Gustchen. Nichts...

Fritz. Liebes Gustchen...

Gustchen. Du solltest mir--Nein, ich darf das nicht von Dir verlangen.

Fritz. Verlange mein Leben, meinen letzten Tropfen Bluts.

Gustchen. Wir wollten uns beyde einen Eid schwören.

Fritz. O komm! Vortreflich! Hier laß uns niederknien; am Canapee, und heb' Du so Deinen Finger in die Höh' und ich so meinen.--Nun sag, was soll ich schwören?

Gustchen. Daß Du in drey Jahren von der Universität zurückkommen willst und Dein Gustchen zu Deiner Frau machen; Dein Vater mag dazu sagen, was er will.

Fritz. Und was willst Du mir dafür wieder schwören, mein englisches... (küßt sie)

Gustchen. Ich will schwören, daß ich in meinem Leben keines andern Menschen Frau werden will, als Deine und wenn der Kaiser von Rußland selber käme.

Fritz. Ich schwör Dir hunderttausend Eide--(Der geheime Rath tritt herein: beyde springen mit lautem Geschrey auf.)

Sechste Scene.

Geh. Rath. Was habt Ihr närrische Kinder? Was zittert Ihr?--Gleich, gesteht mir alles. Was habt Ihr hier gemacht? Ihr seyd beyde auf den Knien gelegen.--Junker Fritz, ich bitte mir eine Antwort aus; unverzüglich:--Was habt Ihr vorgehabt?

Fritz. Ich, gnädigster Papa?

Geh. Rath. Ich? und das mit einem so verwundrungsvollen Ton? Siehst Du: ich merk' alles. Du möchtest mir itzt gern eine Lüge sagen, aber entweder bist Du zu dumm dazu, oder zu feig, und willst Dich mit Deinem Ich? heraushelfen. ... Und Sie Mühmchen?--Ich weiß. Gustchen verheelt mir nichts.

Gustchen. (fällt ihm um die Füße) Ach, mein Vater--

Geh. Rath. (hebt sie auf und küßt sie.) Wünschst Du mich zu Deinem Vater? Zu früh, mein Kind, zu früh Gustchen, mein Kind. Du hast noch nicht communicirt. --Denn warum soll ich euch verheelen, daß ich euch zugehört habe.--Das war ein sehr einfältig Stückchen von Euch beyden; besonders von Dir, großer vernünftiger Junker Fritz, der bald einen Bart haben wird wie ich, und eine Perücke aufsetzen und einen Degen anstecken. Pfuy, ich glaubt' einen vernünftigern Sohn zu haben. Das macht Dich gleich ein Jahr jünger, und macht, daß


Der Hofmeister - 3/23

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